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KL' Fernsprecher Nr. 8. -^g
Sr. 128.
ÄNtrstW in 28. Lktbter
1903.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 22. Oktober 1903.
Die unter dem Schweinebestande des Bahnwärters Heinrich Breul zu Kalkobes ausgebrochene Pest ist erloschen.
I. 7392. Der Königliche Landrat.
J. V.
T h a m e r.
Hersfeld, den 22. Oktober 1903.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Heinrich Gustav Becker in Stärklos ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 7391. Der Königliche Landrat.
I. V.
T b a m e r.
Hersseld, den 23. Oktober 1903
Unter den Schafen in Rengshausen, Kreis Roten- bürg, ist die Räude ausgebrochen.
T. 7436. Der Königliche Lindrat.
J. V.
T h a m e r.
In der mit Genehmigung des Herrn RegierungS- Präsidenten eingerichteten Lehrschmiede des Hufbeschlag« Lehrmeisters Carl Ebel zu Wommen im Kreise Eschwege beginnt mit dem 16. November d. I ein neuer Lehr« kursus. Die Dauer desselben beträgt 2 Monate, die AbgangS-Prüfung erfolgt am 16. Januar 1904.
Zu jedem Kursus dürfen 6 Schüler zugelassen werden und können jetzt noch 4 Personen Ausnahme finden. Zur Aufnahme sind erforderlich: a. ein polizeiliches Führung«.Attest und b. der Nachweis über die praktische Ausbildung als Husbeschlagschmied. Der im Voraus an den Hufbeschlag-Lehrmeister zu entrichtende Beitrag beträgt 50 Mk. Da» nötige Eisen und die erforderlichen Kohlen liefert derselbe. Für Wohnung und Beköstigung sorgt jeder Schüler selbst. Die Lehr« schmiede ist berechtigt, Prüfungszeugnisse auSzustellen, von deren Beibringung der Betrieb des Hufbeschlag. Gewerbes abhängig ist.
Die von jedem Schüler zu entrichtende Prüfungs
Huckchls M Waldenlimg.
Roman von G. K ö n i g - L i e b t h a l.
(Fortsetzung.)
Behutsam legte Kurt ein Tuch, das Lucie auf die Lehne der Bank gelegt hatte, um LucieS Schultern und stand auf.
„Ich habe noch eine Bitte, Herr Freiherr," sagte Lucie zögernd. „Wollen Sie mir dieselbe erfüllen?"
„Gewiß, von Herzen gern; wenn sie im Bereich der Erfüllung liegt, sollen Sie nicht umsonst etwas von mir erbeten haben," antwortete Kurt und war gespannt, was da kommen würde.
„Auch wenn ich für einen Anderen bitte?"
„Auch dann, mein Fräulein."
„So hören Sie. Vor etlichen Wochen war ich mit meiner Tante aus der Grenzwiese. Dort trafen wir einen alten, schwachen Mann, der den ganzen Nachmittag mit großer Anstrengung gearbeitet hatte. Er schien krank zu sein und sagte mir mit bitterer Stimme, daß ihn Ihr Herr Vater zu dieser Arbeit gezwungen habe. Er erzählte aber auch, wenn Sie sich seiner freundlich angenommen hätten, und deshalb wage ich e«, bei Ihnen für den Alten ein gutes Wort einzulegen und fein Fürsprecher zu sein."
Kurt hatte schweigend zugehört. Er machte sich Vor- würfe, daß er sich in den letzten Wochen weniger um Steffen bekümmert hatte. Sein Innerste» bäumte sich auf gegen diese Unbarmherzigkeit seines Vaters, der
gebühr beträgt 10 Mk. Anmeldungen sind an den obengenannten Lehrschmiedemeister zu richten.
Eschwege, den 23. Oktober 1903.
Der Königliche Landrat. v. K e u d e l l. ♦ * •
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 25. Oktober 1903.
I. 7477. Der Königliche Landrat.
J. V.
T h a m e r.
Bekanntmachung,
Im Laufe der nächsten Zeit werde ich als Beauf- tragter der Handwerkskammer den Kreis Hersfeld bereisen, um die Befolgung der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften (§ 103 n. d. R. G. O. und § 44 des Statuts) nach Maßgabe der von der Hand- werkskammer Kassel beschlossenen und vom Herrn Minister für Handel und Gewerbe genehmigten Grundsätzen, insbesondere der Vorschriften für die Regelung des Lehrlingswesens zu über« wachen.
Zur Vermeidung von Ordnungsstrafen, die wegen etwaiger Verstöße gegen die vorbezeichneten Vorschriften bis zu 20 Mk. angedroht sind, weise ich vor allen darauf hin, daß die Annahme eines Lehrlings nur durch schriftlichen Lehrvertrag erfolgen darf, der in seinen wesentlichsten Bestimmungen dem von der Handwerkskammer ausgestellten Formular ent- sprechen muß, und daß ein Exemplar dieses Vertrags dem Vorstände der Handwerkskammer spätestens 14 Tage nach Abschluß behufs Eintragung in die LehrlingS- stammrolle der Kammer zugleich mit der Einschreibegebühr von 1,50 Mk. einzusenden ist. Bei meinen Reisen werde ich auch, der Dienstanweisung folgend. Einsicht in die von Innungen und Gewerbevereinen geführten LehrlingSrollen nehmen. Ich rate zur schleunigen Erledigung, sofern die Innung bezw. der einzelne Meister ihren Verpflichtungen noch nicht nach- gekommen sind.
Bebra, den 2. Oktober 1903.
Nagel, Beauftragter d. Handwerkskammer.
In Unterhaun ist eine Telegraphenanstalt mit Unsallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten. Außerdem ist bei der Postagentur
das Leben seiner Untertanen nicht höher anschlug, als das eines Tieres. Aber zugleich freute er sich, als Lucie Raven für den Alten bat; sie zeigte damit eine fürsorgende Liebe selbst für den geringsten Mann.
„Es ist der alte Steffen gewesen, den Sie trafen," erwiderte er endlich, „ich wußte nicht, daß mein Vater diesen alten, kranken Mann arbeiten ließ, sonst hätte ich es zu verhindern gesucht."
Lucie Raven hatte nichts anders von ihm erwartet; aus allem, was sie gesehen und gehört, wußte sie, daß Kurt von Hardenfels edlere Gesinnungen hatte, als fein Vater.
„Ich werde dafür sorgen," fuhr er fort, „daß das in Zukunft nicht mehr geschieht, noch heute werde ich dem Ober-Inspektor den Befehl geben, daß der alte Steffen von jeder Arbeit, auch von der leichtesten, für immer zu befreien ist."
Lucie Raven wußte, daß der junge Freiherr über die Ausführung dieses Befehls strengstens wachen würde und dankte ihm herzlich für die Erfüllung ihrer Bitte__ Schneller schritten sie nun vorwärts.
Unterdessen saß die Freiin mit ihren Gästen noch immer in der Laube. Tante Ottilie war von dem liebenswürdigen Wesen der Freiin ganz entzückt.
„Wann wird Ihr Herr Gemahl zurückkehren?" fragte Raven die Freiin.
„Ich weiß es nicht bestimmt; doch wird er sicher nicht mehr lange bleiben, da feine Koffer gestern ange« kommen sind."
„Darf ich mir eine Frage erlauben, gnädige Frau?"
in Oberhaun eine öffentliche Fernsprechstelle eingerichtet worden. Caffel, 22. Oktober 1903.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Gefundene Gegenstände:
Ein Portemonnaie mit Inhalt. Meldung bei dem Ortsvorstand zu Frielingen.
ASnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Nichtamtlicher Teil.
Die Wiesbadener Kaiserbegegnung.
Am 4. November wird der Kaiser in Wiesbaden eine Begegnung mit dem Zaren haben. Wir begrüßen dies Ereignis als ein neues Zeichen der dauernd freundlichen Beziehungen, die zwischen den beiden Herrschern und ihren Reichen bestehen. ES war zu erwarten, daß Kaiser Nikolaus während seiner Anwesenheit auf deutschem Boden, wenn diese auch in der Hauptsache dem Familienbesuch gewidmet war, den Wunsch haben würde, den ihm in herzlicher Freund' schaft verbundenen deutschen Kaiser zu begrüßen. Von den preußischen Residenzen bot sich Wiesbaden als bequemer Treffpunkt dar und als ein Ort, der den fürst. liehen Herrschaften ein ungezwungenes Beisammensein in angemessenem Rahmen ermöglicht.
Weitgreifende politische Kombinationen an die Wiesbadener Begegnung zu knüpfen, ist offenbar verfrüht. Den Franzosen hat der lange Aufenthalt des Zaren in Deutschland nicht gefallen, der Abschluß in Wiesbaden wird ihnen noch weniger gefallen, und es werden gewiß Stimmen laut werden, die meinen, der Zar wende sich jetzt nach dem Pariser Flirten mit England und Italien mehr Deutschland zu.
Beinahe auffällig sind die freundlichen Töne, die bei dieser Gelegenheit aus der russischen Presse zu uns herüberschallen, derselben Presse, die es liebt, die
„Bitte, Herr Raven."
Und nun erzählte dieser seine Begegnung mit dem Freiherrn, wie dieser seine Hilfe zurückgewiesen hatte.
„Wissen Sie vielleicht den Grund dafür, gnädige Frau?" fragte Raven, als er geendet hatte,
„Mein Mann hat mit mir nie darüber gesprochen, Herr Raven; sollte er sich Ihnen gegenüber schroff gezeigt haben, was ich tief bedauern müßte, so hat das wohl darin seinen Grund, daß er es immer noch nicht überwinden kann, Waldenburg damals nicht erhalten zu haben."
„So?" sagte Raven nachdenklich. Ich danke Ihnen, gnädige Frau."
Tante Ottilie hatte keine Ruhe mehr. „Wir müssen fahren; laß immer anspannen," sagte sie zu ihrem Schwager, „inzwischen wird wohl Lucie mit ihrem Begleiter hier sein."
„Bemühen Sie sich nicht, Herr Raven," sprach die Freiin, als sie bemerkte, „daß dieser gehen wollte. Sie drückte auf den Knopf einer elektrischen Klingel, worauf bald ein Diener erschien, der die Befehle seiner Herrin empfing.
„Da kommen sie!" rief Tante Ottilie aus, als sie Lucie mit Herrn von Hardenfels bemerkte. Die Fceiin sah auf und lächelte, und auch Herr Raven schien jetzt einen besonderen Gedanken gefaßt zu haben, denn auch sein Blick ruhte sinnend auf dem ankommenden Paar. Tante Ottilie aber sagte sich: „Nein, diese Lucie I Wer hätte das gedacht! Meine Ahnung hat mich nicht be« trogen. Sonst hat sie immer über die Männer ge-