Prinz Adalbert, der dritte Sohn unsers Kaiserpaares, tritt in diesen Tagen eine Ausreise nach Ostasien an, um auf dem dort stationierten großen Kreuzer „Hertha" Dienst zu tun. Dieses Auslands- Kommando wird sich auf etwa zwei Jahre erstrecken. Dem Prinzen steht also eine lange Trennung von Eltern, Geschwistern und Heimat bevor, aber eS handelt sich um eine Pflicht gegen das Vaterland, und solche haben bei den Hohenzollern stets an erster Stelle gestanden.
In Anwesenheit des Handelsministers Möller und von Vertretern staatlicher, städtischer Behörden sowie kaufmännischer Korporationen ist das n e u e Handels' kammergebäude in Münster eingeweiht worden. In Breiten fand in Gegenwart des Großherzoglich Badischen Paares und des Kaiserlichen Vertreters die feierliche Einweihung des Melanchthon« Hauses statt.
Zu der Enthüllung des Standbildes des Fürsten Bismarck in Posen schreibt die „Nordd. Allgem. Ztg." in ihren „Rückblicken" : Jeder Vaterlandsfreund wird den Wunsch teilen, daß auch das Denkmal des großen deutschen Staatsmannes einem jeden eine stete Mahnung sein möge, eingedenk zu sein der Worte, die der Reichskanzler und Ministerpräsident Graf Bülow in seiner programmatischen Kundgebung vom 13. Januar 1902 den Abgeordneten des preußischen Volkes und der deutschen Nation zurief, der Worte: „die Ostmarkenfrage nicht nur als eine der wichtigsten Fragen unserer Politik, sondern geradezu als diejenige Frage, von deren Entwicklung die nächste Zukunft unseres Vaterlandes abhänge, zu bewerten." Die Staatsregierung hat inzwischen durch die Tat bewiesen, daß sie es nicht bei Worten bewenden lassen wolle, sondern daß sie entschlosten ist, die ganze Autorität des Staates für die Erreichung des gesteckten Zieles einzusetzen.
In Potsdam wurde am Mittwoch in Gegenwart der Kaiserlichen Familie ein Denkmal Kaiser Friedrichs III. enthüllt.
Der Kaiser hat dem Dichter Rudolf von G o t t s ch a l l eine Ehrengabe in Form einer jährlichen Pension von 2000 Mark überwiesen. Rudolf von Gottschall feierte jüngst seinen 80. Geburtstag und wurde bei der Gelegenheit allseitig gefeiert. Zu diesen Auszeichnungen ist nun noch die Gabe des Kaisers gekommen.
Die Generalsynode überwies in ihrer Sitzung am Dienstag u. A. einen Antrag über die Bekämpfung der von der Sozialdemokratie drohenden Gefahren an eine Kommission und beschloß die Absendung einer Adreste an den Kaiser.
Zum ReichSgerichts-Präsidenten ist der Wirkliche Geheime Rat Gutbrod, bisher Direktor im Reichs-Justizamt, vom Kaiser ernannt worden.
Das MnisteriumZanardelli stirbt an dem Tränklein, das die Hitzköpfe auf der äußersten Linken für den Zaren gebraut haben. Dem russischen Kaiser war der Becher bestimmt, der italienische Ministerpräsident muß ihn leeren. Er teilte dem Kollegium in einem Ministerrate mit, daß er gemäß seiner schon früher kundgegebenen Entschließungen den König in einem Briefe gebeten habe, ihn von seinem Amt als Ministerpräsident zu entheben. Die andern Minister beschlossen einstimmig, ebenfalls ihre Demission ein- zureichen.
Für den Ausbau der amerikanischen Marine im nächsten Jahre sollen vom Kongreß etwa 410 Millionen Mark gefordert werden.
Aus $ro#in$ und WbarBiet.
* (Zur landwirts chaftlichen Berufsbildung.) Der Beginn des Unterrichtes an den landwirtschaftlichen Winterschulen fällt in den Anfang des nächsten Monates. Die Winterschulen sind Fachschulen, denen die Aufgabe zufällt, junge Landwirte für ihren zukünftigen Lebensberuf auszubilden. Sie schließen sich daher eng an die VokS- und Fortbildungsschulen an und setzen deren Arbeit fort, indem die bis' her erworbenen Kenntnisse der Schüler befestigt und erweitert und dabei die Schüler angeleitet werden, dieselben auf die Bedürfnisse des praktischen Lebens im allgemeinen und der Landwirtschaft im besonderen anzuwenden. Denn die Schüler sollen nicht nur dasjenige Maß von praktisch verwertbaren Kenntnissen er- werben, desien sie bedürfen, um die Landwirtschaft mit Vorteil zu betreiben, sondern sie sollen auch befähigt werden, ihre zukünftige Stellung im Gemeindeleben den gesetzlichen Anforderungen entsprechend ausfüllen zu können. Der Lehrplan einer landwirtschaftlichen Winterschule faßt daher alle diejenigen Kenntnisse in's Auge, auf denen heutigen Tages eine rationelle Wirtschaftsführung beruht, ohne indessen die örtlichen Verhältnisse des Winterschul-BezirkeS unberücksichtigt zu lassen. Damit stehen im engsten Zusammenhangs die Belehrung über die dem landwirtschaftlichen Betriebe zugrunde liegenden Naturgesetze und die Uebung des Verstandes und des Denkens, um die Naturerscheinungen und wirtschaftlichen Vorgänge richtig auffassen zu können. Die Zeiten sind gottlob vorüber, wo derjenige, der für einen andern Beruf zu dumm war, für den eines Landwirtes noch für klug genug galt. Die ungeahnten Fortschritte des vergangenen Jahrhunderts auf dem Gebiete der Naturwissenschaften und der Technik erfordern wahrlich einen hohen Grad des Wissens. Fast alle diese Fortschritte sind aber in den
Dienst der Landwirtschaft gestellt worden. Dabei wächst infolge der gewaltigen Entwickelung des Verkehrswesens in den letzten Jahrzehnten die Gefahr für den Landwirt, von der ausländischen Konkurrenz erdrückt zu werden, wenn er ihr nicht mit Anspannung aller seiner Geisteskräfte zu begegnen versteht. Wie töricht ist daher der öfters vorgebrachte Einwand der Eltern: „WaS braucht der Junge eine fachwissenschaftliche Berufsbildung, er soll ja doch nur Bauer werden wie sein Vater und Großvater, die auch ganz tüchtige Leute sind." Wer so spricht, ist sich des oben erwähnten Umschwunges auf dem landwirtschaftlichen Gebiete noch nicht bewußt. Aber noch etwas anderes kommt hinzu. Die Anforderungen, welche die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten an den Einzelnen stellt, werden immer größer; außer großer Selbständigkeit und Charakterfestigkeit bedarf es der mannigfachsten Kenntnisse, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Das gilt nicht nur für die Aemter der Selbstverwaltung der Gemeinden, sondern auch für die Arbeit im landwirtschaftlichen Vereins- und Genossenschaftswesen. Es liegt auf dem Lande leider not so manches im Argen — wie aber können solche Verhältnisse gebessert werden, wenn es der bäuerlichen Bevölkerung an Männern fehlt, die durch ihre berufliche und Allgemeinbildung befähigt sind, für die Interessen ihrer Gemeinden kräftig ein- zutrelen? Darum ihr Eltern, die ihr die Arbeitskraft eurer Söhne im Sommer nicht entbehren könnt, ermöglicht ihnen wenigstens den Besuch einer Winter- schule. Es ist zu ihrem und eurem Besten. Es wäre jedoch grundfalsch, anzunehmen, eine landwirtschaftliche Winterschule vermöchte fertige Landwirte zu liefern. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die Winter« schule legt nur den Grund zum späteren „Können". Die ergiebige Praxis wächst aber nach und nach aus einer gründlichen theoretischen Bildung von selbst heraus, sofern nur der ernste Wille da ist, etwas Rechtes leisten zu wollen. Durch Lesen guter land- wirtschaftlicher Bücher und besonders Zeitschriften müssen die entlassenen Schüler bestrebt sein, sich weiter zu bilden, denn nur so können sie an den landwirtschaftlichen Fortschritten dauernd teilnehmen. Anmeldungen zum Besuche der landwirtschaftlichen Winterschule in Fulda nimmt die Direktion entgegen und erteilt auch jederzeit nähere Auskunft.
(!) Hersfelv, 23. Oktober. Zum G e b u r t s t a g Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin trugen gestern die öffentlichen Gebäude Fahnenschmuck.
(*) Hersfeld, 23. Oktober. Ernannt: der Pfarrer extr. Werner zum Pfarrer in Wippershain, Klasse Hersfeld.
(§) Hersfeld, 23. Oktober. Gegenwärtig weilt ein Beamter der JnvaliditätS- und Altersversicherung in hiesiger Stadt, behufs Revision der In - validenkarten. Es empfiehlt sich, dieselben, soweit noch nicht geschehen, in Ordnung zu bringen, um sich nicht strafbar zu machen.
(:) Schenklengsfeld, 21. Oktober. Bei einem hiesigen Handelsmann wurde ein n ä ch t l i ch e r Einbruch dadurch verübt, daß der Dieb durch Eindrücken einer Fensterscheibe sich Zugang zu dem Ladenraume verschaffte und einen sich daselbst befindlichen Gel dbetrag entwendete. Zurückgelassene Streichholzreste dienten dem hiesigen Gendarmen Herrn Hohmann II als Anhalts- Punkt seiner Recherche und gelang es alsbald dessen eifrigen Bemühungen, den Täler in der Person eines auf einem benachbarten Gute bediensteten Knechtes zu ermitteln. Derselbe wurde in das hiesige Amtsgerichts- gefängnis gefesselt eingebracht und ist, wie es sich her- ausstellte, ein schon mehrfach mit Zuchthaus vorbestrafter Verbrecher aus Berlin.
):( Niederaula, 22. Oktober. Nach erfolgtet Ein» ladung durch den Herrn Kreisfchulinspeklor Pfarrer Schröder fand heute die amtliche Herbst- k o n f e r e n z der Lehrer des Kreisschulinspektionsbezirks Hersfeld I statt. Nach einem von Herrn Lehrer Achler zu WillingShain in der baitgen Kirche gehaltenen Orgel- vortrage behandelte Herr Lehrer Jckler zu Rotensee mit den Kindern der Oberstufe das Lied: „Heil dir im Siegerkranz." Die weiteren Verhandlungen wurden hierauf im Saale des Gastwirtes Stein fortgesetzt. Zunächst brächte der Vorsitzende, Herr Kreisfchulinspeklor Pfarrer Schröder, verschiedene Verfügungen Königl. Regierung zur Kenntnisnahme und ließ das Protokoll der vorigen Konferenz vorlesen. Nunmehr erhielt Herr Lehrer Leiß zu Obergeis das Wort zu seinem Vortrage: „Welche Vorteile bietet die neue Rechtschreibung?" Bei Besprechung dieses TemaS entspann sich eine lebhafte Debatte. Für die Frühjahrskonferenz, die wieder in Hersfeld abgehalten werden soll, übernahm Herr Lehrer Kaiser zu Kohlhausen einen Vortrag Über das Tema: „Wie erzielt man Sicherheit in der Rechtschreibung ?" Außerdem wurde Herr Lehrer Körber zu Unterhaun die Aufgabe gestellt, den Vortrag des Professors Ladenberg vom christlichen Standpunkte aus zu beleuchten bezw. die in dem gedachten Vortrage enthaltenen Anschauungen zu widerlegen.
(:) Mengshaufen, 20. Oktober. Ein im Jäger- leben seltener Fall dürste gewiß folgender sein: In vergangener Nacht hat ein armes Häschen im hiesigen Schulhause Zuflucht gesucht. Jedenfalls von Hunden versolgt, war e» durch das offene Kellerfenster in den Keller und von da in andere Räume des Hauses ge» flüchtet. Als am andern Morgen die Tochter des Lehrer« die Haustüre öffnen wollte, stand der Hase im Hausflur und lief flink im Haufe umher. So angenehm e«
auch ist, Hafen auf diese Weise erlegen zu können, i, hatte der Fang dem Lehrer doch keinen Vorteil' bracht, da der Hase bei dem Versuche, wieder ins zu gelangen, nicht nur eine Weinflasche, sondern Flaschen mit eingemachtem Obst zertrümmert hat.
Bebra, 22. Oktober. Die Eisenbahnbauunt^ nehmer, Firma Mielecke u. Gläser (Jnh. B« ingenieure Erich M. und Tiesbauunternehmer Er«- Gläser), offene Handels-Gesellschaft dahier, sucht te ihren Gläubigern ein Moratorium nach. Die FirM hat den Umbau des Bahnhofs Bebra zum Preise J 715 613 Mark submittiert und bis jetzt ungefähr M Hälfte der Arbeiten zur Ausführung gebracht. DuiD unvorhergesehene, außer aller Berechnung lieget Schwierigkeiten hat die Firma ca. 38000 Mk. Besitz gehabt, für die sie übrigens die Eifenbahnverwaltw regreßpflichtig zu machen gedenkt, wodurch für den Augn blick Zahlungsschwierigkeiten entflanben sind. Nach ausgestellten Statuts betragen die Aktiven ca. 11806 Mark, denen ca. 116 000 Mark Passiven entgegensteh» Da die Firma den übernommenen Eisenbahnbau späteste zum 1. Januar 1905 fertiggestellt haben wird und 6 einem Reingewinn von 70000 Mark rechnet, so ist j gründete Aussicht vorhanden, daß seitens der Gläubig Versammlung, die Montag, den 26. b. M., in GaL stattfindet, baß Moratorium bewilligt wird. (C.A.Z/
Hümme, 22. Oktober. Einem Reisenden üi SeigertShausen (Kr. Ziegenhain) wurden gestern abei beim Zuschlägen der Coupstür auf Station Liebes vier Finger der rechten Hand arg gequetscht.
Caffel, 21. Okt. Der Generalausstand der Hiesi« Bauhandwerker ist nach 30wöchiger Dauer beenditz Morgen soll die Arbeit wieder ausgenommen werd«
Fulda, 20. Okt. Zum kommissarischen Sank des Kreises Fulda ist der bisherige Landrat des KreW Waldbröl (Regierungsbezirk Cöln), Herr Springertz ernannt worden.
Karlshafen, 20. Oktober. Ein Bremser dW 10,30 Uhr vormittags fälligen Güterzuges geriet Heil beim Rangieren auf dem hiesigen Bahnhöfe zwischen M Wagenpuffer und blieb auf der Stelle tot.
Von der Werra, 22. Oktober. Der JnvaliW Hesse wurde bei Lindenwerra überfallen und in M Werra geworfen ; er ist e r t r u n k e n. (C T.)
Friklar, 20. Oktober. In dem benachbarten Do^ Niedervorschütz ereignete sich dieser Tage ein Unglücksstz Als ein Herr Klobes einen Hund mittelst eines alte Jagdgewehres erschießen wollte, platztedasGeweh und dem unglücklichen Schützen wurde die linke $an: vollständig zerschmettert. Der Verunglückte wurde or Anordnung des Arztes nach Gaffel in das Landkranke« Haus gebracht, wo sich eine Amputation des Armes notwendig erwiesen hat. (C. T.)
Schlüchtern, 21. Oktober. Wir haben in, Kui Hessen nun auch weibliche Redakteur-«,
den redaktionellen Teil der hiesigen Schlüchterner Zeitm (Kreisblatt) zeichnet seit kurzem Frau Lina HohmeM,
verantwortlich. (C. T-> i
Höxter a. b. Weser, 21. Oktober. Auf dem benot harten Vorwerk „Nachtigall", zur Domäne Corvey g^ hörig, ist in der Nacht zum Sonntag der ArbeilW Heinrich Strubing von seinem Nebenmann dem Arbeit- Küster nach voraufgegangenem Streite erschlagen wordeM
Kastei wurde am Montag durch die Gendarmerie W Höxter verhaftet und nach Paderborn abgeführt.
Aus Nassau, 20. Oktober. Der Fabrikbesitztz Peter Fuchs aus Nansbach, welcher gestern NachmiM . auf die Jagd gegangen war, wurde im Walde erschösse" aufgesunden. Es scheint ein Unglücksfall vorzuliege«
Wilhelmsthal, 21. Oktober. Auf der Domäk
WithelwSthal brach gestern Abend Großfeuer aus. D ; Scheunen, die mit reichen Vorräten gefüllt waren, soE die Stallungen bräunten nieder.
Erfurt, 20. Oktober. Eine angenehme Hebt« raschung wurde jetzt denjenigen Eisenbahnbeamten, meld den Kaiserzug am Tage der Kaiserparade bei Grfm 3. September, begleiteten, dadurch zu teil, daß der Kaistz 600 Mark als Gratifikation für sie bewilligte.
Frankfurt a. M., 22. Oktober. In der Heutig" Nacht verletzte im Torbogen eines Hauses der Bälde!" gasse ein junger Mann aus Homburg ein 19 jährig« Mädchen durch einen Revolverschuß und versuchte da«
sich selbst zu erschießen.
B e r A i s t 1 t s.
— (Der ungeheure Negenfall vß® - 9. Oktober.) Es ist bereits gemeldet worden, bot sich die zweite Oktoberwoche nicht nur bei uns, sondei" auch in England durch ungewöhnlich starke NiederschlägW ausgezeichnet hat. Aber auch in dieser Beziehung habe« ^ sich die Amerikaner den Europäern wieder noch über legen gezeigt, denn die Wassermassen, die im Verlauf von 30 Stunden, endend am 9 Oktober um 2 sitz | nachmittag«, über Neuyork niedergegangen sind, könne« | nur in tropischen Wolkenbrüchen einen Vergleich such""- In dem genannten Zeitraum wiesen dort nämlich b’! Regenmesser eine Niederschlagshöhe von fast 10 Zo^A also nahezu 250 mm, aus. In dem staatlichen Wette" bureau trat die unerhörte Notwendigkeit ein, daß währe"" der Nacht der Regenmesser zweimal auSgeleert werde" mußte, um für weitere Messungen verfügbar zu se'"- In manchen Gegenden Deutschlands kommen im ga'1^" Jahr nicht mehr als 500 mm Niederschläge zur Erve, | also nur doppelt soviel wie an den bezeichneten Toü"" in Neuyork innerhalb 30 aufeinanderfolgender Stunde"-