der Schulentlassung und durch die Fortbildungsschulen, sowie der Lehrmeister und Arbeitgeber, damit die jungen Leute auf die Vereine aufmerksam und zur Teilnahme angeregt werden.
Hersfeld, 19. Oktober. (WiederauSgabe von Talern.) Da die Klagen über den empfindlichen Mangel an Silbergeld sich in letzter Zeit außerordentlich gehäuft haben, so sieht sich die Reichsbank veranlaßt, die Talerstücke bis auf weiteres wieder aus- zugeben. Die bisherige Einziehung war bekanntlich durch das Gesetz, betreffend Aenderungen im Münzwesen vom 1, Juni 1900, veranlaßt worden. Aus der Tatsache der WiederauSgabe von Talerstücken folgert die „Köln. Ztg.", daß die Reichsbank mit der Einziehung zu rasch vorgegangen ist, bevor dem Verkehr als Ersatz für die Taler genügende Bestände von neuen Reichssilbermünzen zugeführt worden waren.
Heringen. Auf dem benachbarten Steinsalzbergwerke Wintershall verunglückten vorgestern morgen 2 Arbeiter, Friedrich Thrän-Widdershausen und Joh. Jordan- Bosserode beim Schießen. Die Verletzung des Letzteren ist schwer. Schon vor einigen Tagen verunglückten zwei Mann auf dieselbe Weise, jedoch waren die Verletzungen unerheblich. — Auf der Grube Wintershall sollen vor kurzer Zeit wieder neue Salzsunde gemacht sein. Große Fortschritte sind bei den Anlagen (Bauten, Schacht- und Stauanlagen) im Laufe d. Js. gemacht worden, auch wird schon seit Anfang d. Js. Salz verkauft, wohingegen bis dahin nur noch Vorarbeiten gemacht worden waren. Schon jetzt werden an 300 Arbeiter beschäftigt. Hoffen wir, daß noch mehr Aufschlüsse gemacht werden und durch die im Bau begriffene Bahn nach Gerstungen, an welche die Grube, wie man hört, angeschlossen werden soll, den Bewohnern unseres schönen Werrataleö mehr Verdienst zugeführt werden wird. (Sch. T.)
Cafsel, 16. Oktober. Nachdem die Auslosung der Geschworenen für die fünfte diesjährige Schwurgerichtsperiode des Landgerichts Cassel statt- gefunden hat, ist der 29. d. Mts. als erster Tag der Verhandlungen festgesetzt worden. Zum Vorsitzenden wurde Herr Landgerichtsrat H e m p f i n g ernannt.
Cafsel, 19. Oktober. Am gestrigen Sonntag hat sich ein junger Mann, der hier in Stellung war, aus unglücklicher Liebe erschossen. Er war sterblich in eine kleine bildhübsche Putzmacherin verliebt. Als er wahrnahm, daß sie seinen Nebenbuhler bevorzugte, ging er spornstreichs in seine Wohnung in der Weißenburg- straße, griff zum Revolver und schoß sich eine Kugel in den Kopf, so daß er tot niedersank. Er hieß Schäfer und stammt aus Zierenberg. Der Unglückliche war erst einige zwanzig Jahre alt, ein bescheidener junger Mann, der zu den besten Hoffnungen berechtigte. (T.)
Sand, 16. Oktober. Der 13jährige Sohn des Gerbers Jske stürzte heute Nachmittag in die im Betriebe befindliche Dreschmaschine, wodurch ihm das rechte Bein ausgerissen wurde.
Marburg. Bei der hiesigen städtischen Armeu- " kommission meldete sich auch eine Frau und bat aus dem Grunde, weil sie an Fettleibigkeit leide, um Armenunter- stützung. Die Armenväter waren der Ansicht, daß eine Unterstützung die „Krankheit" der Frau noch verschlimmern möchte und lehnten ihr unter dem Bescheide, eine Schweningerkur durchzumachen, das Gesuch ab.
Frankenberg, 17. Oktober. Der hiesige Rechts- an malt M., welcher mit verschiedenen anderen Herren eine Rheinreise machte, verunglückte bei RüdeSheim, indem er sich einen komplizierten Beinbruch zuzog. An den Folgen der Verletzung ist derselbe gestern gestorben.
Frankfurt a. M., 17. Oktober. Der 49 jährige Buchdrucker Gröning wurde am Mainkai von zwei Mann Überfällen und ihm eine Brieftasche mit 100 Mk. geraubt.
Frankfurt a. M., 18. Oktober. Das zu Ehren der Vorkämpfer für die deutsche Einheit in den Jahren 1815 bis 1863 von der Stadt neben der Paulskirche errichtete Denkmal ist heute mittag in Anwesenheit der Spitzen der städtischen, staatlichen und Militärbehörden, des Vorstandes der Paulskirche, akademischer Vertretungen, von Deputationen der Krieger-, Schützen-, Gesang- und Turnvereine, sowie zahlreicher Ehrengäste, unter ihnen Wilhelm Jordan, enthüllt worden. Oberbürgermeister Dr. Adickes hielt die Festrede, die in ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser ausklang. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Geheimer Justizrat Dr. Humser brächte in kurzer Ansprache ein Hoch auf das deutsche Vaterland aus. Mit gemeinschaftlichem Gesänge „Deutschland, Deutschland über alles" schloß die Feier. (C. T)
Frankfurt a. M-, 15. Oktober. Die Stadt- verordneten-Versammlung brächte heute die Beratung über die Neuregelung des städtischen Ver- dingungswesens in der Hauptsache zum Ab- schluß. Unerledigt blieb nur die Frage, ob und in. wieweit sich Stadtverordnete und Mitglieder der städtischen Aemter an Arbeiten und Lieferungen für die Stadt beteiligen dürfen. Darüber kam es zu stürmischen und erregten Auseinandersetzungen. Der sozialdemokratische Stadtverordnete Dr. Quarck verlangte, daß jeder Stadtverordnete sein Amt niederlegen müsse, sobald er eine Arbeit für die Stadt übernehme. Andere traten für völlige Freiheit ein, wieder andere wollten die Arbeiten sür die Stadt zulassen, wenn es sich um besondere künstlerische oder patentierte Arbeiten und Lieferungen handle, die sonst an auswärtige Unternehmer vergeben werden wüßten. Schließlich beantragte der freisinnige Stadtverordnete Funck, die sämtlichen Anträge an den Aus
schuß, der die Vorlage ausgearbeitet hat, zu verweisen^ Bei der Abstimmung wurde dann die Verweisung der Anträge an den Ausschuß mit 23 gegen 22 Stimmen beschlossen.
Wiesbaden, 15. Oktober. Der Buffetier eines hiesigen Hotels namens S ch a u ß hat sich gestern, als er zum Militär einrücken sollte, erhängt. Er hat eine größere Summe, angeblich ca. 6000 M., unterschlagen. (Fr. Z.)
Wiesbaden, 17. Oktober. Heute Morgen er- schoß sich das Ehepaar Pohl. Der Mann ist 24, die Frau 23 Jahre alt. Das Motiv der Tat ist unbekannt.
Göttingen, 17. Oktober. Am Neubau des hiesigen physikalischen Instituts wurde ein Arbeiter durch herab- stürzendes Baumaterial erschlagen, zwei Arbeiter erlitten schwere Verletzungen.
Münden, 13. Oktober. Nach dem Ergebnis der heute an der F o r st a k a d e m i e hierselbst abgehaltenen Inskription wird die Zahl der Studierenden im Winter- Semester 1903/04 voraussichtlich 65 betragen.
Strmifi tt§.
— Berlin, 17. Oktober. Das Urteil im Prozeß wegen Ermordung des Majors Reisch ist gestern gesprochen worden. Die Angeklagte Marie Gleditsch, die am 25. Mai d. I. auf der Treppe des Hauses Steinmetzstraße 40a den pensionierten Major August Reisch erstochen hat, wurde von den Geschworenen für nichtschuldig des Mordes, dagegen für schuldig be« Totschlags und der Körperverletzung mittels einer Waffe befunden. Es wurden ihr mildernde Umstände zugebilligt. Der Gerichtshof erkannte dem Anträge des Staats- anwalts gemäß auf 5 Jahre 6 Monate Gefängnis.
— Die längste telephonische Verbindung innerhalb Deutschlands ist jetzt hergestellt worden, indem Breslau zum Telephonverkehr mit Köln a. Rhein, Dortmund, Düsseldorf und Essen zugelassen wurde. Der neue Fernsprechverkehr wird über Berlin geleitet, und die in Betracht kommenden Drähte haben eine Länge von 1000 Kilometer. Der Verkehr soll sich trotz der großen Entfernungen bei guter Verständigung glatt abwickeln.
— Hannover, 17. Oktober. Der Füsilier Meyer. VII bei dem 73. Infanterieregiment wurde von dem Büchsenmacher Schröder infolge eines Streits mit einer glühenden Eisenstange durch die Brust gebohrt. Die Lunge ist verletzt. Sein Aufkommen erscheint ausgeschlossen.
— Die Staatsanwaltschaft zu Essen a. d. R. hat gegen die Direktoren des Gelsen- kirchenerWasserwerksHegeler und Fud el sowie gegen den Ingenieur S ch m i d t und den Maschinenmeister Kiesendahl Anklage erhoben. Die beiden Direktoren werden beschuldigt, direkt oder indirekt die Gelsenkirchener Typhusepidemie im Jahre 1901 durch Herstellung und Lieferung von Wasser verschuldet zu haben, das geeignet war, die Gesundheit des menschlichen Körpers zu gefährden, sowie durch dieselbe Handlung schwere Körperverletzung und den Tod von Menschen verursacht zu haben. Die beiden anderen Angeklagten werden der Beihülfe bezichtigt.
— München, 17. Oktober, Ein von Augsburg kommender Schnellzug überfuh r ^eute vormittag in der Nähe von Westheim ein Fuhrwerk; eine in dem Wagen sitzende Person wurde gelötet, eine andere schwer verletzt; das Unglück ist darauf zurückzusühren, daß die Ueberfahrtsschranken nicht geschlossen waren.
— Krimmitschau, 16 Oktober. Wenn es auch den ausständigen Textilarbeitern gelingt, die Räder der Spinnereien noch wochenlang stillstehen zu lassen und diesen ganzen Fabrikationszweig brach zu legen, so wächst in immer bedrohlicherem Maße die Wahrscheinlichkeit, daß infolge des langen Ausbleibens der Lieferungen aus Krimmitschau die auswärtigen Besteller sich von den heimischen Spinnereien gänzlich emanzipieren werden, was ein vernichtender Schlag in erster Linie für die streikenden Arbeiter selbst wäre. Namentlich in M.-Gladbach, welches seine Imitat- und Fancygarne bisher saß ausschließlich aus Krimmitschau und Werdau bezog. (1902 noch 4 435 000 Kilogr.), haben sich einige Jmitatgarnspinnereien etabliert und werden seit Ausbruch des Krimmitschauer Streiks wesentlich erweitert. Bestellungen neuer Maschinen sind schon erfolgt. Die völlige Ausschaltung Kiimmitschaus würde eine Katastrophe für das gesamte wirtschaftliche Leben der Stadt bedeuten, das mit dem Blühen der heimischen Textilindustrie steht und fällt.
— Berlin, 15. Oktober. Die ersten Sendungen sibirischen Fleisches treffen, wie die „Allg. Fl.-Ztg." meldet, anfangs nächster Woche hier ein. Es sind dies drei Wagenladungen aus Kurgan, die gepökeltes Ochsenfleisch (von Tieren im Gewicht von 6 bis 7 Zentnern) in ganzen Vierteln knochenfrei, ferner Lebern, Zungen, Herzen usw. entsprechend der gesetzlichen Vorschrift, enthalten.
— Halle a. S., 14. Oktober. Welchen Umfang die Mäuseplage angenommen hat, läßt sich daran er« kennen, daß auf dem Rittergute Droyßig in fünf Tagen von 8 bis 10 hinter den Pflügen gehenden Kindern 14 000 Mäuse erschlagen wurden. Außerdem wurde, wie die „Saale-Ztg." mitteilt, noch ein bedeutender Teil der Tiere, welchen mit Gift zu Leibe gegangen wird, von der Erde verdeckt.
— Am 12, b, M- früh fand von B a y r e u t h aus
die Ueberführung des zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilten Privatlehrers Andreas Dippold nach B a m b e r g durch einen Gendarmeriewachtmeister und einen Gendarmen statt. Schon in Bayreuth war der Menschenzulauf zum Bahnhof ungemein groß. Ebenso waren in Kulmbach viele hundert Menschen am Bahnhof versammelt. Auf dem Bamberger Bahnhöfe harrte bereits eine halbe Stunde vor Ankunft des Zuges, laute Verwünschungen und teilweise auch Drohungen aus- stoßend, ein großer Haufen auf das Erscheinen Dippolds. Beim Verlassen des Zuges wurde Dippold sofort erkannt, und im wilden Haufen stürmten Männer, Frauen und Kinder unter unbändigem Gejohle und wüstem Schreien dem frei neben den beiden Gendarmen gehenden Dippold nach. Es erhob sich manche geballte Faust gegen ihn, und Rufe wie: „Mörder", „Lump", „Gemeiner Kerl" wurden in Menge gegen ihn laut. Dippolds Gesichtsausdruck war frech und fein ganzes Benehmen keck. Vorläufig erfolgte die Jnternierung Dippolds im Bamberger Landgerichtsgefängnis. Am Mittwoch früh sollte die Ueberführung nach dem Zuchthause E b r a ch vor sich gehen.
— Wie aus Odessa berichtet wird, wurde vor einigen Tagen der russische Postomnibus, der zwischen KutaiS und Abas-Tuman im Kaukasus verkehrt, am hellen lichten Tage von vier Räubern angegriffen. Der eine Räuber legte ein Gewehr auf den Kopf des Kutschers an und zwang ihn zum Halten. Alle Vier waren bis an die Zähne bewaffnet und machten sich kaltblütig daran, die Taschen und Gepäckstücke der Passagiere zu durchwühlen. ES waren 25 Personen der besseren Stände im Wagen. Einer der Mitreisenden leugnete hartnäckig, irgend welche Wertgegenstände bei sich zu haben. Aber ein Versuch, seine Füße unter dem Sitz des Omnibus zu verbergen, erweckte den Verdacht der Räuber, die ihm befahlen, seine Stiefel auszuziehsn,^ die ein bevorzugteS^Versteck für Geld und Wertsachen^bei Russen^bilden, wenn sie auf der Reise sind. Der Passagier weigerte sich und zog seinen Dolch, wurde aber sofort niedergeschossen. Die Räuber entdeckten beim Abziehen der Stiefel ungefähr 1000 Mk. in Papiergeld. Nachdem die Räuber den Insassen des Omnibus höflich Lebewohl gesagt hatten, gingen sie fort. Sie wurden später inmitten eines betrunkenen Haufens durch Gendarmen zu Pferde, die ihnen nachgeschickt waren, entdeckt. Die Männer sind als Mitglieder einer der schlimmsten Bande von Halsabschneidern im ganzen Kaukasus besannt.
— E i n f a st u n g l a u b l i ch r o h e r B u r s ch e ist in der Tiroler Ortschaft Deutsch-Metz festgenommen worden. Er hatte vor einigen Tagen seinen Vater bei der Feldarbeit erschossen und war dann geflohen. Am Tage der Beerdigung des Vaters kehrte der Mörder in seinen Heimatsort zurück und lauerte seinem Bruder, der zur Trauerfeier aus der Schweiz eingetroffen war, auf, um auch ihn zu töten. Er wurde jedoch von Gendarmen überrascht; als er keine Möglichkeit zur Flucht sah, schoß er sich selbst eine Kugel in den Unterleib, worauf ihn die Beamten verhafteten und in ein Krankenhaus brachten.
— (Nur ein Wort.) „Was hast' denn, Weib, du bist ja ganz heiser?" — „Oh, ich bin nur auf ein Wort bei der Frau Nachbarin drüben gewesen!"
Fernfprechmeldmrgen.
Erfurt, 19. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde der Streckenarbeiter Läpp auf der Strecke Erfurt-WeSpenhausen von dem Zug 284 »verfahre» und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport zum Krankenhause starb. Kurze Zeit darauf wurde auf derselben Strecke der Bahnwärter Röder'auf einem Revisionsgange von einem,Arbeilerzug erfaßt und so schwer verletzt, daß er in das Krankenhaus überführt werden mußte.
Halle, 19. Oktober. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag sind im Provinzial-Zentral Gefängnis 8 Gefangene entsprungen. Sieben der Entsprungenen wurden, wie die „Saale-Ztg." meldet, in der Nähe von Halle wieder aufgegriffen, den 8. fand man im Kohlen- keller einer Villa. Ein Aufseher wurde bei der Flucht ermordet. Einer der Gefangenen erhielt bei der Festnahme einen Schuß ins Bein.
Wie die „Franks. Ztg." aus NeuHork berichtet, stießen auf der Pennsylvania-Bahn zwei Arbeiterzüge zusammen. 16 Arbeiter wurden getötet, 30 verletzt.
Standesamtsbezirk Schenklengsselo.
Monat September 1903.
Geburten.
Am 5. Valentin, S. des Tagelöhners Johannes Strack zn Schenklengsfeld. — 11. Johann Justus, S. des Gastwirts Justus Göbel zu Wüstfeld. — 13. Anua Martha, T. des Ackermanns Georg Höfer zu Schenklengsfeld. Martha Susann«, T. des Fabrikarbeiters Johannes Deis zu Schenklengsfeld, _ 18. Anna Christina, T. des Schreiners Heinrich Land Hebel zu Wüstfeld. — 21. Georg, S. des Ackermanns Georg Bock zu Wehrshausen. — 22. Anna Maria, T. des Tagelöhners Ludwig Mohr dahier. — 24. Peter, S. des Tage- löhners Johannes Döring zu Oberlengsfeld. — 27. Anna Martha Elisabeth, T. des Bergarbeiters Hans Georg Berger zu Schenklengsfeld.
Sterbefalle.
Am 3. Susmann Plaut, Handelsmann zu Schenklengs- feld, 71 Jahre alt. — 13 Polikarp Knoth, Ackermann zu Landershausen, 72 Jahre alt.