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Gratisbeilagen: „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte Landwirtschaftliche Beilage
Fernsprecher Nr. 8. -^s
* Amtlicher Teil. _
■ .^ Hersfeld, den 3. Oktober 1903.
Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises wollen dafür Sorge tragen, daß die Einzahlung der Landwirt« M schaftskammerbeiträge pro 1903, soweit dieselbe noch nicht erfolgt sein sollte, bis spätestens znm 14. -. Mts. ~ durch die Gemeinderechner an die Königliche Kreiskasse dahier erfolgt.
[ I. 6841. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 1. Oktober 1903.
Die unter der Schafherde des Johannes Schmidt zu
Gittersdorf ausgebrochene Räude ist erloschen.
I. 6767.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung-Rat.
Weitere Mitteilungen über Impfungen zur Bekämpfung der Schweineseuche.
Das polyvalente Schweineseucheserum, welches nach den ngaben der Professoren Wassermann und Ostertag von dem Pharmazeutischen Institut L. W. Gans in Frankfurt k a. M. hergestellt und nach staatlicher Prüfung in den Ver- ' kehr gebracht wird, hat im vergangenen Rechnungsjahre, ? soweit darüber an das Hygienische Institut der Tierärztlichen J Hochschule zu Berlin berichtet worden ist, in 218 verseuchten Beständen bei 7744 Ferkeln unter 3 Monaten und 2238 älteren
Schweinen, insgesamt bei 9982 Schweinen Anwendung gefunden. In allen diesen Beständen herrschte reine Schweineseuche. In 89 Beständen ist die Impfung erst erfolgt, nachdem im Hygienischen Institute der Tierärztlichen Hochschule, bei welchem zu diesem Zwecke bis auf weiteres eine besondere Abteilung (Abteilung II) eingerichtet ist, festgestellt worden war, daß das Serum gegen den Kulturstamm des verseuchten | Bestandes schützt. In 129 Beständen geschah die Impfung ' bei 4263 Ferkeln und 1440 älteren Schweinen ohne vorherige Prüfung. Die Erfolge waren in beiden Fällen nahezu über- i einstimmend. Von den 3681 Ferkeln und 798 älteren Schweinen • der zuerst genannten 89 Bestände sind 315 Ferkel < 8,4 %) und 3 ältere Schweine (— 0,4 °/o) gefallen, 22 Ferkel (= 0,6 %) und 6 ältere Schweine (= 0,8u/°) notgeschlachtet worden, 234 Ferkel (= 6,3 °/o) und 22 ältere Schweine (= 2,8%; verkümmert und endlich 3110 Ferkel ( =84,7%) und 767 ältere Schweine (= 96%) gesund geblieben oder, soweit es sich um die Impfung erkrankter Tiere handelte, genesen. Von den 4263 Ferkeln und 1440 älteren Schweinen^ der 129 Bestünde, in welchen das Serum ohne vorherige Prüfung angewandt wurde, .sind 318 Ferkel (=7,46 %) und 8 ältere Schweine ( 0,6 %) gefallen, 25 Ferkel (= 0,6 %) und 36 ältere Schweine (=2,5%) notgeschlachtet worden, 142 Ferkel 0=3,34%) und 6 ältere Schweine ,(= 0,5 %) verkümmert, 3778 Ferkel (=88,6 %) und 1390 ältere Schweine (= 96,4%) dagegen gesund geblieben oder genesen.
Ferner ist durch die Prüfungen, die in der Abteilung II des Hygienischen Instituts der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin an Schweinesruchekulturen aus den eingesandten Kadavern seuchekranker Schweine verschiedener Herkunft vorgenommen wurden, nachgewiesen worden, daß das Serum in . 90% der Fälle reiner Schweineseuche schützt.
Mit Rücksicht auf diesen Umstand kann in Fällen, in welchen eine schleunige Impfung angezeigt ist, von der vorherigen Prüfung des Schweineseuchestammes aus dem betreffenden Bestände Abstand genommen werden. Es empfiehlt sich aber, die Prüfung unverzüglich vornehmen zu lassen, wenn trotz Impfung Tiere sterben. Die Abteilung n des Hygienischen Instituts ist bis auf weiteres beauftragt, diese Prüfungen auf tierärztliches Ersuchen auszuführen. Zum Zwecke der Prüfung ist das Kadaver eines seuchekranken Ferkels, nachdem es durch Verblutenlassen getötet und die Rauchwand ohne Verletzung der Eingeweide auf die Länge von 3—4 cm durchschnitten wurde, einzusenden. Das Kadaver mit einer mit Sublimatwasser angefeuchteten Umhüllung versehen und mit Stroh in einer Kiste verpackt porto- und Qn das Hygienische Institut, Abteilung II, der Hochschule Berlin NW. 6, Luisenstraße 56 als
i 4 oi)er Eilgut zu schicken. Wenn durch die tierärztliche eines verseuchten Bestandes an Ort und Stelle i*t- daß reine Schweineseuche (ohne Schweinc- i Uegt, genügt die Einsendung einer erkrankten Lunge, Kadaver1 ölei$er Weise zu verpacken ist wie die ganzen
bafi hpre'n>e^ erwähnten Impsberichten geht hervor, mit Doln^ Mlle durch eine einmalige Impfung nur polyvalentem Serum ein Schutz der geimpften Tiere
gegen die Erkrankung an Schweineseuche erzielt wurde. Dies bestätigt die Annahme der Professoren Wassermann und Ostertag, daß die mit dem polyvalenten Serum- geimpften Schweine unter der schützenden Wirkung des Serums durch Aufnahme des Ansteckungsstoffes in den verseuchten Stallungen aktiv immun werden können. In einem Teil der Fälle traten 3—6 Wochen nach Impfung neugeborener Ferkel erneute Erkrankungen auf, denen zum Teil durch nochmalige Impfung 3—6 Wochen nach der ersten Impfung vorgebeugt werden konnte. Btit Rücksicht auf diese Erfahrungen ist in den Fällen, in welchen die einmalige Impfung mit den festgesetzten Serummengen ausreichenden Schutz nicht gewährt, " zu empfehlen, die Serumdosis für Ferkel geringsten Gewichts etwas höher zu bemessen (5 ccm statt 4) und die Impfung beim Eintritt von Reuerkrankungen oder vor dem Absetzen zu wiederholen. Die Wiederholung der Impfung vor dem Absetzen ist deshalb angezeigt, weil die Ferkel nach dem Absetzen von der Mutter für Erkrankungen am empfänglichsten und bei ungenügender Schutzwirkung der ersten Impfung der Gefahr einer Erkrankung besonders ausgesetzt sind.
Die Impfung offensichtlich erkrankter Tiere, von welcher bereits in der ersten Mitteilung über diesen Gegestand abgeraten wurde, von der aber versuchsweise doch an einigen Stellen Gebrauch gemacht worden ist, hat sich im allgemeinen nicht bewährt. Deshalb dürfte auch in Zukunft von der Impfung solcher Tiere Abstand zu nehmen sein, welche bereits offensichtliche Merkmale der Schweineseuche erkennen lassen. Um möglichst mit nicht infizierten Schweinen bei den Impfungen rechnen zu können, ist die Impfung der Ferkel in den ersten Lebenstagen angeraten worden. Diese Empfehlung hat sich insofern bewährt, als nach den vorliegenden Berichten in Bestünden, in welchen ältere Ferkel geimpft wurden, die Ergebnisse zunächst ungünstig waren, aber sofort besser geworden sind, als die Ferkel in der ersten Lebenswoche geimpft wurden. Ein Berichterstatter hält die Zeit vom 5—7 Lebenstage für die zweckmäßigste zur Vornahme der Impfung. Im übrigen sind aber die meisten Impfungen in den ersten drei Lebenstagen nach den Angaben der Berichterstatter mit gutem Erfolge ausgeführt worden.
Die mit der Ausführung oder Ueberwachung der Impfungen betrauten Tierärzte werden ersucht, dem Hygienischen Institut, Abteilung II, der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin wie bisher drei Monate nach Vornahme der Impfungen über das Ergebnis nach beifolgendem Muster eine Uebersicht einzureichen.
Auf die Ausführung der veterinärpolizeilichen Maß- nahmen hat die Impfung keinen Einfluß.
Berlin, den 1. August 1903.
Nichtamtlicher (teil.
Wehrkraft.
In dein letzten Hefte der „Deutschen Revue" hat der General der Artillerie z. D. Rothe einen Aufsatz veröffentlicht, der in trefflicher Weise den Zusammenhang der Wehrkraft mit der Volkskraft, mit der Zukunft des Vaterlandes und mit der Sicherung des Friedens zur Darstellung bringt. Das elende Gerede von dem bösen „Militarismus" sinkt vor der Wucht dieser Ausführungen in sich zusammen.
General Rothe stellt zunächst fest, daß sich das Friedensbedürfnis kaum jemals so stark und allgemein geltend gemacht hat wie in unserer Zeit. Einmütig ist man bemüht, jeden Funken zu ersticken, der einen Krieg», brand erzeugen könnte, und allenthalben zeigt sich der gute Wille, im internationalen Verkehr freundliche Beziehungen zu erhalten. Dennoch haben die Staaten zu keiner Zeit einen höheren Wert auf die Stärkung ihrer Kriegsmacht gelegt. Das sieht auf den ersten Blick wie ein Widerspruch au« und ist doch keiner. Die Tatsache ist vielmehr eine natürliche Folge des richtigen Erkennens der Lebensbedingungen und Aufgaben der Völker. Wie die Vorsehung einem jeden Geschöpfe Feinde geschaffen hat, um es durch Kampf lebensstark zu erhalten, so heißt auch das Leben der Völker: Kampf und Wettstreit. Wie ferner in der Erziehung des einzelnen ein Fehler vorliegt, wenn er nicht auch körperlich und geistig im besten Sinne wehrfähig gemacht ist, um seine Ehre und seine Familie, seinen Besitz und sein Schaffen erfolgreich zu verteidigen, so würde auch derjenige Staat seine Pflicht versäumen, der nicht die Gesamtheit des Volkes in vollkommenster Weise für eine siegreiche Durchführung der Kämpfe vordersten wollte, die ihm das Schicksal auserlegen kann.
Nun aber haben wir stetig mehr zu schützen, mehr Wiffen und Können, mehr Arbeit und Streben, mehr materiellen Besitz und reichere Schätze der Kultur. Dabei sind unserm rasch wachsenden Volke, wie für die Gegenwart, auch für die Zukunft die Lebensbedingungen zu sichern. Neben der Pflege der Landwirtschaft gilt es, Industrie und Handel zu fördern. Mit dem Fort« schritte aller Wiffenschasten hat sich die deutsche Industrie in unerwarteter Weise entwickelt. Arbeit vermag sie aber nur zu bieten, so lange ihr Gewinn in Aussicht steht. Güte der Ware und Geschick des Kaufmann« er. werben Abnehmer, zur Blüte aber bringt den Handel Unternehmungsgeist, und dieser wird sich umso stärker entwickeln, je fester der Kaufmann damit rechnen kann, daß die von ihm durch unverdroffene Arbeit errungenen Absatzgebiete sich dank des Ansehens, das seines Vater, landes Macht genießt, dank beß Schutzes, den dessen Wehrkraft bietet, auch dauernd festhallen lassen.
Weise Politik sucht den Frieden zu erhalten, aber sie wird nur Erfolg erzielen, solange eine wirklich starke und anerkannte Kriegsmacht ihr als Rückhalt dient. Krieg läßt sich nicht aus der Welt schaffen, aber er kann seltener werden, und, wenn es hierfür ein Mittel gibt, so ist es Achtung vor der Stärke des andern. Wer ferner unausgesetzt durch fleißige, stille Friedensarbeit auf militärischem Gebiete sich bemüht, dem Zufälle im Kriege das Feld einzuengen und das Glück an sich zu fesseln, der kennt das große Maß an Kräften und Opfern, die heute den Erfolg im Kriege bedingen. Ein solches unausgesetztes Schaffen führt zur Erkenntnis der eigenen Schwächen und Vorzüge, aber auch zur richtigen Würdigung des Wertes anderer, und hierin liegt ein gesundes Gegengewicht gegenüber etwaigem Drängen zum Kriege.
Kann ein Volk auf feine Kulturarbeit stolz fein, so muß es umso mehr danach streben, diese Arbeit auch im Sturme der Zeiten durch seine Wehrkraft vor Schädigung zu bewahren. Nicht bloß die Kulturarbeit eines Volkes aber, sondern seine gesamte Zukunft beruht am letzten Ende auf seiner kriegerischen Stärke. Nur ein wehr, kräftiges Volk ist in der Lage, sich allen Gewalten zum Trotz unversehrt zu erhalten.
Politische Nachrichten.
Berlin, 8. Oktober.
Se. Majestät der Kaiser traf am Dienstag mittag, von Sabinen kommend, in Marienburg ein und besichtigte das Ordensschloß unter Führung des Geh. Baurats Steinbrecht. Die Abfahrt nach Hubertusstock erfolgte um iVa Uhr nachmittags.
Ihre Majestät die Kaiserin und Prinz A d a l b e r t haben sich am Dienstag abend 7V< Uhr mittels Sonderzuges nach Hubertusstock begeben.
Die Trauung des Prinzen Andreas von Griechenland mit der Prinzessin Alice von Battenberg hat gestern nachmittag BVa Uhr nach evangelischem Ritus durch OberkonsistorialratPetersen in der Hoskirche zu Darmstadt und darauf nach griechisch- katholischem Ritus durch den Protopresbyter Janitschew in der russischen Kapelle stattgefunden.
Prinz Andrea« ist, wie die „Darmstädter Ztg." meldet, vom Großherzog von Reffen ä la suite des Großherzoglich Hessischen DragonerregimentS Nr. 23 ge. stellt worden, bei dem der Prinz Dienste getan hat.
Bei seinem Aufenthalt in E r f u r t hat der Minister des Innern, Freiherr v. Hammerstein, eine Rede gehalten, über welche der dortige „Allg. Anz." wie folgt berichtet: Der Herr Minister streifte die Verhandlungen des sozialdemokratischen Parteitages in Dresden und erwähnte, daß die Presse der Regierung Vorwürfe mache, weil sie angesichts der den revolutionären Charakter der Partei klar zum Ausdruck bringenden Beschlüsse nicht sofort mit bestimmten Gegenmaßnahmen geantwortet hätte. Die Regierung habe die Ueberzeugung, daß durch