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Nr. 117. SmaW Jeu 3. Lktoler 1901
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Amtlicher Teil.
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Bekanntmachung.
Für die Wahlen zur zwanzigsten Legislaturperiode des Hauses der Abgeordneten habe ich auf Grund der §§ 17 und 28 der Verordnung vom 30. Mai 1849 (Gesetz-Samml. S. 205) als Wahltermine und zwar: für die Wahl der Wahlmänner
den 12. November d. Js.
und für die Wahl der Abgeordneten
den 20. November d. Js. festgesetzt.
Berlin, den 20. September 1903.
Der Minister der Innern, gez. Freiherr von H a m in e r st e i n. * * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 2. Oktober 1903. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Ernte-Dankfest.
4. Oktober. .
Zum Ernte-Dankfeste laden an diesem Sonntage die Glocken ein, und Tausende werden ihrem Rufe folgen, um Gott dem Herrn für das zu danken, was er ihnen in diesem Jahre beschert hat. Wunderbar ist das Walten Gottes in der Natur. Er läßt das Samenkorn, das wir dem Schoße der Erde anvertrauen, keimen und wachsen und vielfältige Frucht tragen. Ein Landmann, der ohne Ausblick nach oben den ersten Samen in die Erde streut, der ohne Dank gegen den Herrn die letzten Garben einbringt, hat weder Gemüt noch Herz. Wie kaum ein anderer Mensch geht der Landmann bei seinem Herrgott unmittelbar zu Gaste. Er empfindet an jedem Tage am eigenen Leibe, daß sein Witz und Wissen, feine Kraft und seine Klugheit nichtig sind und nicht ausreichen, wenn nicht der Segen von oben kommt. Keine Wissenschaft und Kunst der Welt kann die Wolken scheuchen, wenn sie zu lange die Sonne verhüllen, oder sie rufen, wenn das Land dürstend nach Regen verlangt. Mag die Wissenschaft noch so hoch steigen und noch so forschen, der Landmann bleibt seinem Gott auf "ade und Ungnade ergeben.
Am Erntedankfeste muß jedem, der sich nicht absichtlich dagegen verschließt, der überwältigende Reichtum der oute des treuen Schöpsexs und Erhalters vor die Seele Freilich sind hier und da in unserm Vaterlande Hoffnungen aus eine günstige Ernte zunichte ge
worden. Sturm und Unwetter haben an manchen Orten die Fluren schwer geschädigt. Am härtesten getroffen wurden die Gegenden, wo die Regengüsse Bäche und Flüsse aus den Ufern treten ließen. Hier sind nicht nur die Früchte des Feldes von den Fluten hinweg» gespült, sondern mit ihnen der Nährboden ; weite Land» striche sind auf Jahre hinaus zu einer Wüste geworden, ihre Bewohner auf Hülfe angewiesen.
Hat somit das vergangene Erntejahr manchen Wunsch unerfüllt gelassen, manche Hoffnung vernichtet, so hat es doch auch manche Sorge von dem bangen Herzen genommen. Und wenn trotzdem der Sorgen viele noch unser Auge trübe und unser Herz ängstlich machen, so weiß Gott, warum er sie uns auferlegt hat; er wird sie tragen helfen mit seiner starken Hand. Wir sind der Zuversicht, daß Gott es gut meint, wenn wir auch seine Gedanken nicht begreifen können. Er hat es auch in diesem Jahre gut gemeint. Im großen und ganzen ist die Ernte befriedigend ausgefallen. Trotz alles Bangens und Verlangens, alle» Klagens und Fragens ist Grund zum Danken genug. Mögen deshalb an diesem Sonntage die festlich mit Gaben des Jahres geschmückten, die mit Andächtigen gefüllten Dorf-Kirchen bekunden, daß der deutsche Landmann weiß, wem er die Gabe zu danken hat, deren er sich erfreut!
Auch von den Türmen der Stadtkirchen tönen die Glocken an diesem Sonntage ander» als sonst. Viele meinen zwar, das Ernte-Dankfest sei ein rein ländliches Fest und gehe die Städter nichts an. Das ist ein Irrtum. Vom Ertrage der Ernte- hängt nicht nur die Lage der Landwirte, sondern auch die aller Gewerbe ab, dir mit der Landwirtschaft in mittelbarer oder unmittelbarer Beziehung stehen. Trotz alle Versuche, trennende Keile zwischen die einzelnen Teile unsers Volke» zu treiben, bleibt es doch dabei, daß, wenn ein Glied leidet, das andere in Mitleidenschaft gezogen wird. Wenn also der Bauer sich seines Erntesegens freuen darf, so hat auch der Städter allen Grund, an der Freude teilzu- nehmen. Auch ihm wird der heutige Sonntag ein Dankfest fein, an dem er fröhlich mit einstimmt in den Gesang der Gemeinde: „Nun danket alle Gott!"
Politischer Wochenbericht.
In Preußen kommtdie Wahlbewegung für die Landtags wählen allmählich in regern Fluß. Bereits haben zwei große Parteien, die Nationalliberalen und das Zentrum, programmatische Kundgebungen in Form von Wahl, aufrufen erlassen. Die Frage nach dem Wahltermin hat ihre Beantwortung dahin gefunden, daß die Urwahlen am 12. November und die Abgeordnetenwahlen am 20. November stattzufinden haben. Ob sich die Wahlbewegung durch das Eingreifen der Sozialdemokratie diesmal lebhafter gestalten wird, bleibt abzuwarten. Aus freisinniger Seite scheint keine Lust vorhanden zu sein, sich durch ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie zu kompromittieren. Die Art und Weise, wie Bebel auf der an den sozialdemokratischen Parteitag in Dresden angeschlossenen Konferenz der preußischen Partei- tags-Deligierten die Frage behandelt hat, war am allerwenigsten dazu geeignet, in diesem Punkte eine Wendung herbeizuführen. Das kaudinische Joch, das der sozialdemokratische Parteiführer dort für den Freisinn aufrichtete, dürste auch jene liberalen Taktiker zurückschrecken, welche bisher vielleicht geneigt waren, dem Trugbilde einer „geschlossenen Reaktion" das Phantom einer von den Nationalliberalen bis zur Sozialdemokratie reichenden „liberalen Opposition" ent- gegenzustellen.
Am österreichischen Kaiserhofe ist Zar Nikolaus zum Besuche eingetroffen. Diese Monarchen-Begegnung ist für die Balknnfrage von ganz besonderer Bedeutung, weil dadurch das österreichisch-russische Einvernehmen bezüglich der Orientwirren noch einmal in feierlichster Form seine Bekräftigung erhält. In diesem Sinne wird die Zarenreise nach Oesterreich denn auch in der Presse allgemein gedeutet und dabei nachdrücklichst auf die friedlichen Ziele der Balkanpolitik der beiden Kaiserreiche hingewiesen. In seinem Trinkspruche gab Kaiser Franz Joses der Hoffnung Ausdruck, daß die vollkommene Uebereinstimmung der Anschauungen und" Erwägungen", von welcher sich Oesterreich und Rußland bei ihrer Aktion auf der Balkanhalbinsel leiten lassen, zum Erfolge dieser Altion wesentlich beitragen werde. Kaiser Nikolaus antwortete in durchaus gleichem Sinne.
In der ungarischen Krisis haben sich die Hoffnungen, welche man an die erneute Uebernahme des Minister
präsidiums durch den Grafen Khuen-Hedervary knüpfte, nicht erfüllt. Vielmehr hat die Krisis neuerdings wieder eine Ver- schärsung erfahren. Graf Khuen-Hedervary trat im ungarischen Abgeordnetenhause warm für seinen wegen seiner letzten Rede im österreichischen Herrenhause scharf angegriffenen cislei- thanischen Amtskollegen von Körber ein, der unbestritten ver- fassungsmäßig berechtigt sei, sich über militärische Fragen zu äußern und die Armee zu verteidigen, wenn er glaube, daß die Interessen derselben in der anderseitigen Reichshälfte nicht genügend gewahrt würden. Anläßlich dieser Erklärung des Ministerpräsidenten forderte Kossuth, daß hierüber amMitwoch die Debatte eröffnet werde. Bei der Abstimmung stimmten sämtliche Fraktionen der Opposition, aber auch ein Teil der Regierungspartei mit der Kossuthpartei, wodurch der Antrag Kossuth die Mehrheit erhielt und die Regierung in der Minderheit blieb. Daraufhin hat Graf Khuen-Hedervary den Kaiser telegraphisch gebeten, ihn seines Amtes entheben zu wollen. Infolgedessen ist auch seine Reise nach Wien unterblieben, wo er beim Empfang des Kaisers Nikolaus die ungarische Regierung hatte vertreten sollen.
Was die Lage auf der Ballanhalbinsel anbetrifft, so liegt hierzu neuerdings eine beruhigende Meldung aus Sofia vor. Dieses Moment der Beruhigung findet sich in einer Rede, welche der bulgarische Ministerpräsident Petroff jüngst vor einer Abordnung der macedonischen Kolonie in Sofia gehalten hat. Der Ministerpräsident betonte, daß der Standpunkt der bulgarischen Regierung, welche immer die Freundschaft der Türkei und vollständige Uebereinstimmung in allen Streitfragen mit derselben nachgesucht habe, durch die jüngsten Ereignisse nicht geändert worden sei. Die Re- gierung werde in den Interessen der Brüder in Mazedonien und Adrianopel ihr eigenstes Interesse sehen, ohne indes die vitalen Interessen Bulgariens aufs Spiel zu setzen. „Denn," so schloß der Ministerpräsident, „für jede bulgarische Regierung müssen die Interessen und die Sicherheit Bulgariens den Vortritt haben vor der Sympathie und den Pflichten gegenüber den Brüdern in der Türkei." Es scheint aus dieser Rede hervorzugehen, daß die nachdrücklichen Warnungen der Großmächte ihre Wirkung in Sofia doch nicht ganz verfehlt haben.
Politische Nachrichten.
Berlin, 1. Oktober.
Der Kaiser trifft am 31. Oktober in Stettin ein, um dem auf der Werft des „Vulkan" stattfindenden Stapellauf des neuen Linienpanzerschiffes beizuwohnen.
Die Kaiserin hat sich von Plön über Kiel zu mehrtägigem Besuche bei dem Herzog und der Herzogin Friedrich Ferdinand zu SchleSwig-Holstein-Glücksburg nach Grünholz begeben.
Die 16. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Ulm hat vor dem Eintritt in die Tagesordnung folgendes HuldigungS-Telegramm an den Kaiser zu senden beschlossen: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät bringt die Generalversammlung des Evangelischen Bundes au» der weiland freien Reichsstadt Ulm ihre alleruntertänigste Huldigung dar. Mit Eurer Majestät wissen wir uns eins in der Ueber« zeugung, daß die Gefahren für den innern Frieden und die Wohlfahrt unsers Volkes nur durch die Kräfte des Evangeliums bezwungen werden können, wie sie Luther durch feine Tat zu lebendiger Wirkung wieder aufgeweckt hat. Gott segne Eure Majestät mit Kraft aus der Höhe, allen verderblichen Mächten zu begegnen und Reich und Volk wider feine Feinde siegreich zu schützen. D. Graf v. Wintzingerode."
Den Beschluß des gestrigen Haupttages der Generalversammlung des evangelischen Bunde» in U l m bildete nach dem Festmahl, an dem nahezu 500 Personen teil« nahmen, ein GesangSgotteSdienst im Münster. Viele taufende Personen waren anwesend. Im Anschluß hieran fand eine glänzende Beleuchtung des Münsters statt.
In Gegenwart des Prinzen Eitel-Friedrich als Vertreter des Kaisers fand heute Mittag die Enthüllung des Richard Wagner-Denkmal» im Tiergarten statt.
In Cöln werden heute im Beisein des deutschen Kronprinzen und des badischen Groß- herzogspaares Denkmäler für die Kaiserin Augusta und den Kaiser Friedrich enthüllt.
Bei den in Berlin am 9. Oktober beginnenden Ver. Handlungen zwischen Deutschen und Schweizer