Einzelbild herunterladen
 

X

^ »WM

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

AbounementSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.

X

Nr. 115.

X

V

M ^

W A ^/ ^

Vl

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Gratisbeilagen:Jtlnstriktes Sonntagsblatt" undJllustrilte Landwirtschaftliche Beilage."

SS* Fernsprecher Nr. 8. -^

Hestellunge» auf das Hersselber Kreisblatt mit den Gratisbeilagen

Jllnstrirtes Sonntagsblatt" - Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage für das vierte Quartal werden von allen

^/

Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

AtHss hn 29. September

Amtlicher Teil

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß ich, am Mittwoch und Sonnabend jeder Woche, in der Zeit vormittags von 8 bis 12 Uhr in meinen Amts- räumen zur Erledigung von Amtsgeschäften persönlich anwesend bin.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich dieses gefälligst wiederholt in ihren Gemeinden bekannt machen zu laffen.

Heröfeld, den 25. September 1903.

Der Königliche Katasterkontroleur. Schweißer, Steuer«Inspektor.

Saatenstand um die Mitte des Monates September 1903 im Kreise Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 sehr gering.

(Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901 I B c 9476 M. s. L. I b 3646 M. d. J.)

F r u ch l a r t e n

Durchschnittsnoten für den

Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten

Staat

Regierungs­bezirk Caffel

1

2

3

4

5

12

2-3

3-4

4-5

Winterweizen . Sommerweizen Winterspelz Winterroggen . Sommerroggen Sommergerste. Hafer . . . Kartoffeln . . Klee. . . . Luzerne. . . Wiesen . . .

2,8

2,4

2,8

2,8

2,8

2,4

2,5

2,5

7

3

5

2

1

1

1

Königliches statistisches Bureau. B l e n k.

Nichtamtlicher Teil

Mazedonien und Marokko.

Die Bemühungen der Mächte um den Frieden am Balkan scheinen nun doch Erfolg zu haben. Zwar kann sich das Bild immer wieder ändern, aber die größere

Wahrscheinlichkeit spricht doch jetzt dafür, daß mit Hülfe des nahenden Winters das Blutvergießen in Mazedonien eingestellt und der Ausbruch eines türkisch-bulgarischen

Krieges

vermieden wird.

Die Hoffnung der Bulgaren auf russische Hülfe hat

sich als

eitel erwiesen, das amtliche Rußland ist nach-

drücklich dabei verblieben, den Gewalthabern in Sofia klar zu machen, daß sie sich auf eigene Gefahr und ohne

Aussicht auf Gewinn in ein Kriegsabenteuer einlassen würden. Gegenüber den mazedonischen Aufrührern im eigenen Lands war der Druck der Großmächte für die Regierung in Sofia eine Erleichterung, sie konnte sich auf den äußern Zwang berufen und suchte durch Ueber­treibung von Greueltaten der türkischen Soldateska in Mazedonien neue Konzessionen von der Pforte heraus- zuschlagen. Auf der andern Seite hatten die Großmächte in Konstantinopel ihre Einmütigkeit darin bekundet, daß selbst ein erfolgreicher Krieg gegen Bulgarien nichts an dem von Rußland und Oesterreich-Ungarn aufgestellten und von der Pforte angenommenen Reformprogramm für Mazedonien ändern könne. Dies hat den Sultan veranlaßt, Befehl zur Milderung der Verfolgung des Bandenwesens in Mazedonien zu geben und die Ein­setzung eines Beirats, der aus je einem Türken, Bul­garen, Griechen, Serben und Wallachen bestehen soll, für die Verwaltung Mazedoniens anzuordnen. Praktisch wird der Beirat kaum viel zu bedeuten haben, aber seine Einsetzung zeigt doch den Anfang zum Uebergang in friedliche Zustände.

Hat sich so die Lage im Orient ein wenig aufgeklärt, so bereiten sich an einem andern Punkte der moham­medanischen Welt neue Dinge vor. Die Vermutung, daß zwischen Frankreich und Spanien ein Teilungs- Vertrag über Marokko abgeschlossen ist, über dessen An­erkennung in London verhandelt wird, ist dem auf­merksamen Beobachter der spanischen und französischen Presse zur Gewißheit geworden. Erstere, sonst äußerst empfindlich für Nachrichten über Marokko, schweigt sich über die Meldungen, daß eine Regelung der marok­kanischen Frage im Werke sei, aus. Der PariserTemps" dagegen redet dem Abg. Jaurös gut zu, doch die Ge­fahren einer Beteiligung französischer Truppen an der Niederwerfung der Aufstandes in Marokko nicht zu über­treiben und an der Erlangung der Vorteile eines Pro­tektorats über Marokko mitzuwirken. Gleichzeitig tritt der frühere spanische Ministerpräsident Silvela im Figaro'' für ein Teilungsgeschäft zwischen Frankreich und Spanien ein. Es wird also kaum noch lange dauern, bis der Vertrag bekannt wird. Dann wird sich auch zeigen, wie sich Italien zu dem geplanten Machtzuwachs der beiden andern Mittelmeermächte stellt und ob es als Kompensation dafür seine alten Absichten auf Tripolis ausführen will.

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile Gautier.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Das Gesicht des Barons war entstellt ... er hielt sich kaum auf den Füßen.

Der Schlag, der ihn mitten ins Herz getroffen, war hart.

Cardec hatte sich von ihm entfernt und seinen Platz neben Lemoine wieder eingenommen.

Die anthropometrische Vorlesung nahm ihren Fort- gang. Jeder wollte seineKarte" haben, und ... die beiden Herren waren kaum imstande, alle Wünsche zu befriedigen.

Die Nacht schritt vor; er war vier Uhr Morgens.

Germaine Reyval fragte nach dem Baron, den sie seit einer Weile vermißte. Aber niemand von den Gästen hatte ihn mehr gesehen.

«Der Baron?" rief da Cardec aus.Ach, ich ver- beinahe, er wurde vorhin plötzlich unwohl und bat mich, ihn zu entschuldigen."

Er näherte sich Germaine, preßte ihr die Hand und fiulterte ihr zu:Kein Wort! Der Baron ist flüchtig!" Ex ^in Gott!" hauchte die Sängerin.Flüchtig! . .

«Ruhig, sage ich Ihnen!" Dann erhob er die limine und dankte Germaine, so daß alle Anwesenden

es hören konnten, für die Gastfreundschaft. Lemoine schloß sich den Komplimenten seines Freundes an, und

beide gingen mit den kurz vorher in diesem Rolle gespielt hatten.

Germaine begleitete

Kasten

Salon

sie bis

von bannen, welche noch eine so bedeutungsvolle

an die Türe. Sie konnte

ihre Tränen kaum zurückhalten.

In dem Fiaker, welcher sie nach Hause bringen sollte, fragte der Doctor Lemoine seinen Freund Cardec aus.

.Ich verstehe dich nicht," meinte er, .du hast den Kerl entschlüpfen lassen . . .?"

.Natürlich! . . . Glaube mir, ich bin sicher, daß mir die hohen Vorgesetzten Dank wissen, daß ich so und nicht anders gehandelt habe . . ."

«Aber das ist ja himmelschreiend! Er wird nach Hause laufen, seine Gelder zusammenraffen und . . . morgen früh ist er der Justiz aus den Fingern, das ist ja der helle Wahnsinn!"

.Gelder zusammenraffen," versetzte der Chef der Sicherheitspolizei, .da» möchte ich ihm denn doch nicht geraten haben, sein Hotel und die Bank sind überwacht."

Ah!"

«Du scheinst mich für einen Stümper zu halten, vermute ich. Nozen ohne einen Pfennig Geld geht nicht weit, und außerdem ... ich habe alle meine Maßregeln getroffen. Wir werden ihn stets zu finden wissen, wenn wir wollen. Eins steht fest: Paris ist ihn los. Deo gratias! Heute früh wird man in der Bank eine Haus­suchung anstellen, desgleichen in feiner Wohnung und

in Auteuil. Wir werden dort Sokolow und Bastien festnehmen."

Gott fei Dank," sagte mit einem Seufzer der Er­leichterung der gute Doctor.Wir haben das letzte Wort gehabt . . . Dir gebührt die Ehre!"

.Und du hast einen gehörigen Teil daran, alter Junge."

«Ich! Ich muß morgen bei Elcna sein. Armes Weib!"

.Du hast unrecht, sie zu beklagen. Der Schurke hätte sie umgebracht. Früher oder später."

46. Kapitel.

Als der Chef der Sicherheitspolizei nach jener kurzen Zwiesprache den Baron de Saint-Magloile verlassen hatte, war dieser einige Sekunden lang wie angewurzelt stehen geblieben. Er zitterte, als wenn er plötzlich von epileptischen Krämpfen befallen worden sei. Es war ihm, als ob in seinem hohlen Schädel das Gehirn ein« trocknete und wie die Schlagkugel in einer Schelle darin hin und her spränge.

Aschfahl stand er da und erwartete die Polizisten, die ihn fesseln und nach dem Gefängnis abführen sollten.

Der Koloß mit den tönernen Füßen brach zusammen. Der Schurke, .welcher einer Welt zu gebieten geplant hatte, stürzte von der Höhe seine» unermeßlichen Ehr­geizes und Hochmutes herunter.

Und diesmal kam er nicht mit der Galeere davon. Die Verbrechen, welche er seit seiner Flucht von Cayenne begangen, überlieferten ihn dem Schafott. Sein Kopf