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SS" Fernsprecher Nr. 8. ^s

$r. 168.

SoMoitnii Sei 12. September

1968.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 10. September 1903.

Die Interessenten im Kreise setze ich davon in Kennt- nie, daß die Verwaltung der Armee-Conservenfabrik Mainz von Anfang Oktober ab gelbe Kocherbsen, weiße Rund- und Langbohnen, sowie Linsen letzter Ernte kauft und s. Zt. bezügliche Angebote entgegennimmt.

Die Angebote sind entweder an die Fabrik direkt oder an das dem Verkäufer zunächst gelegene Proviant- Amt zu richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufer« auch bei Abfertigung der Sendungen in An­spruch genommen werden kann.

Den Angeboten sind Proben von ungefähr Vs 1 bei- zufügen. Der Ankauf erfolgt frei Fabrik Mainz und wird bemerkt, daß die Abrollkosten vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik, welche vom Verkäufer zu tragen sind, für 100 kg 10 Pfennig betragen.

Die Vermittlung der Abfertigung auf dem Bahnhof dortselbst, die VerauSlagung der Fracht- und Abrollkosten übernimmt auf Wunsch die Verwaltung, wie sie auch auf Ansuchen den Verkäufern Magazinsäcke zur Ueber- sendung der Hülsenfrüchte gegen Tragung der Eisen- bahnfrackt. pp. Kosten zur Verfügung stellt.

3 H 3815. Der Königliche Landrat,

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 8. September 1903.

Der auf Donnerstag, den 17. September er. in Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither be­kannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Austrieb darf um 7 Uhr morgens begonnen werden.

I. 6146. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 8. September 1903.

Die unter dem Schweinebestande des Peter Schneider zu Sorga (Sölzerhöfe) ausgebrochene Notlaufseuche ist erloschen.

1. 6132. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, den 9. September 1903.

Die unter dem Schweinebestande 1. des Ackermanns Wilhelm Haßenpflug, 2. des Heinrich Spliltdorf, 3. des Georg Liebermann, 4. des Wilhelm Becher, 5. des Conrad Becker, 6. des Conrad Becker, Schreiner, 7. des Heinrich Jber zu Grebenhagen (Kreis Homberg) aus­gebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.

I. 6170. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Die großen militärischen Uebungen, die alljährlich unter den Augen des obersten Kriegsherrn abgehalten zu werden pflegen, haben den Kaiser dies­mal in die Gaue des Königreichs Sachsens und der Provinz Sachsen geführt. Eine Reihe hervorragender städtischer Mittelpunkte jener Gegenden, so Dresden, Merseburg und Halle, hat der Kaiser persönlich durch seinen Besuch erfreut. Ueberall hat die Bevölkerung dem Oberhaupte des Reiches mit stürmischer Begeisterung zugejubelt. Liebe und Vertrauen zu Kaiser Wilhelm haben darin ihren zutreffenden Ausdruck gefunden, eben- ° °°« auch der nationale Gedanke, der trotz der An- lerndung durch irregeführte Massen dennoch sein einen­

des Band um alle deutschen Stämme schlingt. Dieser nationale Gedanke ist der Damm, an dem die Welle der Umsturzbewegung sich brechen wird und muß. Mögen auch die Kaisertage der verflossenen Woche zu seiner Festigung und Stärkung das Ihrige beigetragen haben.

In U n g a r n ist es bis jetzt noch nicht gelungen, die Krisis ihrer Lösung entgegenzusühren. Der Versuch, ein neues Ministerium unter dem bisherigen Finanz- minister Lukacs zu bilden, ist wieder aufgegeben worden, und man steht auf dem alten Flecke. Die ungarischen Oppositionsparteien beharren auf ihren Forderungen, und anderseits sind die maßgebenden Kreise Oesterreichs mit Kaiser F r a n z I o s e f an der Spitze nicht geneigt, in Zugeständnisse zu willigen, welche die Einheit des Heeres zu zerreißen drohen. In der cisleithanischen Reichshälfte ruft das Vorgehen der ungarischen Opposition begreiflicherweise eine wachsende Erbitterung hervor. Man gibt dort offen der Meinung Ausdruck, daß Ungarn nur darauf ausgehe, sich unter Festhaltung der wirtschaft­lichen Vorteile des Ausgleiches feine Nationalarmee von Oesterreich bezahlen zu lassen. In immer weitern Kreisen Oesterreichs greift daher die Losung Platz: entweder Trennung von Ungarn oder Reform des AuSgleichSge- setzes von 1867.

Auf der Balkanhalbinsel steht e« traurig wie zuvor aus. Das Morden, Plündern und Sengen der bulgarischen Banden nimmt seinen Fort­gang. Auf türkischer Seite scheint man die militärischen Operationen neuerdings mit größerer Entschlossenheit und Tatkraft zu betreiben. Gerechterweise aber müssen die Schwierigkeiten eines erfolgreichen Vorgehens gegen die Komitatschis anerkannt werden. Die geographischen Verhältnisse begünstigen den Guerillakrieg im höchsten Maße, und dazu kommt dann insbesondere noch der Um­stand, daß die Banden an dem nahen Bulgarien eine von den Türken nicht zu erreichende Operotionsbasis besitzen. Von dort aus erhalten sie Hülsskräfte und Kriegsmaterial, und dorthin ziehen sie sich zurück, wenn sie ins Gedränge kommen. Inzwischen ist Fürst Ferdinand von Bulgarien in sein Land zurück­gekehrt. Inwieweit er imstande und willens sein wird, im Sinne der Ordnung einzugreifen, muß vor der Hand dahingestellt bleiben.

In Serbien macht mittlerweile das Osfizierkorps dem König Peter schwere Sorgen. Die Bewegung unter den serbischen Offizieren gegen die Teilnehmer an der Ermordung des Königpaares soll im Wachstum be­griffen sein und eine gefährliche Krise für die ganze serbische Armee befürchten lassen. König Peter, der so­eben seinen Sohn, den Kronprinzen, in die Armee ein» gereiht hat, bemüht stch, den Konflikt gütlich beizulegen. Ob ihm dies aber bei der großen Erregung, die sich der Gemüter bereits bemächtigt hat, gelingen wird, bleibt fraglich. Wie die Saat, so die Ernte das ist die bedeutsame geschichtliche Lehre, die sich aus den gegen­wärtigen Zuständen in Serbien ergibt.

Zum Schlüsse möge noch einer unrichtigen Auffassung begegnet werden, die jüngst in Frankreich an die Oeffentlichkeit getreten ist. In einer Artikelserie des --Figaro" erklärt nämlich der Deputierte Etienne, die erste Wirkung des russisch-französischen Bündnisses sei eine Wendung der Haltung Deutschlands zum Bessern gewesen, dessen herzliche Kundgebungen Frankreich wohl annehmen dürfe, ohne ihren Wert zu überschätzen oder irgend einen seiner Ansprüche aufzugeben. Darauf ist zu erwidern, daß auf deutscher Seite nicht erst seit dem Abschlüsse de« russisch-französischen Bündnisses volle Geneigtheit bestanden hat, die gegenseitigen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland freundschaftlich zu gestalten und zu erhalten. In Wahrheit war vielmehr die deutsche Politik nach dem großen Waffengange eben­so wie vorher jederzeit bestrebt, mit dem westlichen Nachbar Deutschlands auf gutem Fuße zu leben.

Politische Nachrichten.

Berlin, 10. September.

Der dritte Tag der Kaiserma növer brächte auf Grund einer angenommenen Veränderung der allgemeinen Kriegslage eine Verschiebung beider Parteien nach Süden. Der Kampf spielte sich bei Naumburg ab. Ueber seinen Verlauf wird folgendes berichtet: Die rote Armeeabteilung hatte für heute Be­fehl, die rechte Flanke der (supponierten) Westarmee, die weiter zurückgehen muß, zu decken. Der Führer von Rot beschloß daher, auf Camburg und Sulza (an der Saale oberhalb von Naumburg) zu marschieren. Die Ostarmee beabsichtigt Rot weiter zu verfolgen. Die süd­liche Armeeabteilung soll die Verfolgung südlich der Saale unterstützen. Die blaue Partei errang erst durch weites Umgreifen nach Südwest einen Erfolg über das XI. Korps. In letzter Stunde aber kam das IV. (rote) Korps heran und brächte das Vorgehen von Blau zum Stehen. Den beabsichtigten Bewegungen von Rot steht daher kein Hindernis mehr entgegen.

Auch am viertenTage der Kaisermanöver war der Schauplatz der Kämpfe die Gegend von Raum- burg an der Saale. Dort waren der Kaiser und der König von Sachsen sowie die übrigen Fürstlichkeiten gegen 7 Uhr morgens eingetroffen. Ueber den Verlauf der Uebung wird folgendes berichtet: Heute fochten die vier Armeekorps bei dem Buchholz und später in der Gegend von Alt- und Neu-Flemmingen. Beide Parteien waren offensiv, und beide Führer entschlossen sich zu Flanksnumgehungen. Durch die Bewegungen nach den beiderseitigen rechten Flügeln ergaben sich so komplizierte Situationen, wie sie selten Vorkommen. Vollkommene Frontverschiebungen fanden statt; zahlreiche Truppen- abteilungen mußten außer Gefecht gesetzt werden. Beim SignalDas Ganze Halt" läßt sich wegen der vielfachen Wandlungen des Tages und wegen der Unübersicht­lichkeit des Geländes nicht bestimmt sagen, welche Partei erfolgreicher war. Es scheint aber, als wäre General von Wittich, der Führer von Rot, der Sieger.

Die Nachricht, daß der Reichskanzler Graf von Bülow der Begegnung unseres Kaisers mit dem Kaiser Franz Josef in Wien fern bleiben werde, trifft nicht zu; Graf von Bülow wird sich zu der angegebenen Zeit in der Begleitung Seiner Majestät befinden.

Großherzog Friedrich von Baden be« ging am Mittwoch seinen 78. Geburtstag in voller Frische des Geistes wie des Körpers. In aufrichtiger Freude und Dankbarkeit gedenkt der Deutsche der großen Verdienste dieses Fürsten um die Ecringung der deutschen Einheit, und in den Kämpfen der Gegenwart schöpft der Patriot neue Stärkung aus der vorbildlichen Pflichttreue und Opferwilligkeit des Großherzog« Friedrich, die wohl in der Geschichte der Fürsten und der Völker beispiellos und unerreicht dastehen. Badens Bürger sind stolz, diesen Landesherrn zu besitzen, unter dessen 51 jähriger ruhmbedeckter Regierung sich alle Stände freiheitlicher Einrichtungen und bürgerlicher Fortschritte erfreuen dürfen.

Der Delegiertentag aller in Westdeutschland be­stehenden, den Interessen derPensionSversicher- ung der Privatbeamten auf staatlicher Grund­lage dienenden Vereinigungen ist auf den 13. September er. nach Düsseldorf einberufen worden. Mit Rücksicht auf die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ist die öffentliche Versammlung auf die Mitte des Monats Oktober verschoben worden.

DieOstpreußische Ztg." in Königsberg veröffent­lichte gestern in einer besonderen Ausgabe nachstehende Mitteilung: Unwahre Meldungen über Massener- krankungen und Todesfälle anHitzschlag bet den Truppen des im Manöver befindlichen I Armee, korps sind gestern und heute durch "die Presse verbreitet worden. Wir können auf Grund von Informationen an maßgebendster Stelle mitteilen, daß alle diese Nach-