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Hersselher ÄM.
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KL" Fernsprecher Nr. 8. ^L
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Smü«> Hei 5. Ze-teiilber
1903.
HesteUungeu auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 3. September 1903.
Um zu vermeiden, daß die rechtzeitige Ein« zahlung des Betrages für das den Gemeinden im laufenden Jahre staatsseitig überwiesene Loosholz an die Königliche Kreiskaffe dahier unterbleibt, wodurch die betreffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loos- Holz im nächsten Jahre verlustig gehen würde, will ich nicht unterlassen, die Herren Bürgermeister schon jetzt auf hen Inhalt der diesseitigen Verfügung vom 28. Februar 1880, Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18, aufmerksam zu machen.
I. I. Nr. 6058. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Nat.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Die verflossene Woche hat von neuem den Beweis erbracht, daß, wohin Kaiser Wilhelm auch immer den Fuß im deutschen Reiche setzen mag, ihm überall die Herzen in aufrichtiger Liebe und Verehrung entgegen» schlagen. Das war ein Empfang in Dresden, wie ihn nur die spontane, aus der Tiefe des Herzens quellende Begeisterung zu erzeugen imstande ist. Sachsens König und Volk haben mit diesem Empfange wiederum gezeigt, wie fest und treu sie zu Kaiser und Reich stehen. Und fast wie ein Symbol war es, daß die Sonne des 2. Septembers, des Sedanlages, auf den Dresdener Festesglanz herniederschien. In schwerer, harter Zeit wurde einst vor 33 Jahren die deutsche Einheit be. gründet. Es ist die heilige Pflicht des gegenwärtigen Geschlechts wie der kommenden Generation, dafür zu sorgen, daß da» köstliche Erbe jener großen Zeit uns unversehrt erhalten bleibe. Solche Mahnungen legen die Erinnerungen dieser Tage mit unwiderstehlicher Gewalt jedem patriotischen Herzen nahe.
Auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung hat sich für Deutschland wie für eine Reih? anderer Staaten soeben eine wichtige Aenderung vollzogen, indem mit dem 1. September für die Zuckerbesteuerung die Brüsseler Konvention in Kraft getreten ist. Exportprämien und Kontingentierung kommen damit in Wegfall, während die Verbrauchsabgabe eine starke Herabsetzung erfahren hat. Die Preisbildung auf dem Zuckermarkte ist ihren natürlichen Bedingungen zurückgegeben worden, und es steht im Inlands eine bedeutende Verbilligung des Zuckers wie eine damit Hand in Hand gehende Steigerung des Verbrauches zu erwarten. Das Zustandekommen der Brüsseler Konvention wird mit an erster Stelle den geschickten Maßnahmen und dem weitsichtigen Verhalten der deutschen Reichsregierung verdankt.
In Rußland ist ein Wechsel im Finanzministerium eingetreten. Der bisherige Finanzminister Witte wurde zum Präsidenten bei Ministerkomitees ernannt und der Direktor der Reichsbank, P l e s k e, an die Spitze des Finanzministeriums gestellt. Mit diesem Wechsel dürfte eine Herabminderung des politischen Ein
flusses Wittes nicht verknüpft sein. Insbesondere kommt eine solche für Deutschland nicht in Frage, da der neue Präsident des russischen Ministerkomitees ausdrücklich mit der persönlichen Leitung der deutsch-russischen Handelsvertragsverhandlungen beauftragt worden ist.
Am österreichischen Kaiserhofe in W i e n hat K ö n i g Eduard von England einen Besuch abgestattet. Es fanden herzliche Freundschaftsbezeugungen zwischen dem britischen Herrscher und Kaiser Franz Josef statt. Soweit dem Besuche ein politischer Charakter beizulegen ist, dürfte derselbe in der Richtung auf die gegenwärtigen Zustände der Balkanstaaten zu suchen sein. In dieser Hinsicht schreibt eines der leitenden österreichischen Blätter, die „Neue freie Presse", indem sie die kurz bevorstehende Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Franz Josef bereits in ihre Betrachtung mit hineinzieht: „Die Monarchen- Zusammenkünfte in Wien müssen den Hitzköpfen im europäischen Orient sagen, daß sie auf die Rivalität der Regierungen vergeblich rechnen. In dem Entschlüsse, sich weder von den macedonischen Komitees noch von den Patrioten in Belgrad ihre Politik vorschreiben zu lassen, sind England und Rußland eines Sinnes, und dem Kaiser Franz Josef bringen beide das gleiche Vertrauen entgegen.
In der Tat wäre aufs dringendste zu wünschen, daß endlich wieder Vernunft am Balkan Einkehr hielte. Der Dynamit-Anschlag auf den Konventionalzug bei K u l e l i - B u r g a s hat gezeigt, daß daselbst wahrhaft anarchistische Zustände herrschen. Ueber die Notwendigkeit, diesen Dingen ein Ende zu machen, ist sich die ganze zivilisierte Welt einig, doch erscheint leider das Wie der Ausführung immer noch in Dunkel gehüllt.
Politische Nachrichten.
Berlin, 3. September.
Se. Majestät der Kaiser traf gestern abend um V2I2 Uhr auf dem Uebergangsbahnhof in L e i p z i g ein und verbrachte die Nacht im Hofzuge. — Heule morgen um 6 Uhr erfolgte die Weiterfahrt nach Erfurt. Kurz vor Sr. Majestät dem Kaiser traf auf dem Dresdner Bahnhof der König von Sachsen ein, der sich vom Bahnhöfe aus in das Schloß begab und dort übernachtete. Ein offizieller Empfang fand nicht statt. König Georg ist heute morgen um 7 Uhr 20 Minuten ebenfalls nach Erfurt weitergereist. — Ihre Majestät b i e Kaiserin ist gestern abend IOV2 Uhr von Wildpark nach Merseburg abgereist. Heute vormittag 9 Uhr 46 Minuten traf Ihre Majestät in Erfurt ein. — Se. Kaiser!. und Königl. Hoheit der Kronprinz ist heute früh 83A Uhr in Potsdam eingetroffen.
Die fortgesetzt von der Typhusgefahr bedrohten Gesundheitsverhältnisse der Stadt M e tz haben, der „Franks. Ztg." zufolge, vor wenigen Tagen den Kaiser zum Einschreiten veranlaßt. Er ent» sandte folgendes Telegramm an den Statthalter Fürsten Hohenlohe-Langenburg: „Wiederum, wie in den letzten Jahren, ist in Metz, vorläufig in der Zivilbevölkerung, eine Typhusepidemie ausgebrochen, welche die Garnison ernstlich gefährden kann. Sie hat ihren Ursprung in der schlecht verwahrten „Bouillonquelle" und ihrer in unerhörtem Zustand befindlichen Leitung. Diese Sach. läge ist lediglich Schuld der Stadtverwaltung Metz, welche absolut nicht zu energischem Handeln bezüglich ihrer Wasserversorgung sich entschließen kann. Laut Meldung der Kommission, welche im Vorjahre die sanitären Verhältnisse in Metz und Umgegend untersuchte — darunter Exzellenz v. Leuthold und Koch — find die Zustände geradezu himmelschreiend und empörend; trotz allen Drängens und Protestierens des Generalkommandos des 16. Armeekorps, welches andauernd auf die schwere Gefahr für das Militär hingewiesen und das Wasser als unbrauchbar bezeichnete, hat die Stadt nichts Ernste» getan! Das ist nun nicht länger an-
gängig! Im Kriegsfalle würden diese Zustände eine Katastrophe unvermeidlich zur Folge haben. Ich ersuche Ew. Durchlaucht, umgehend mit den allerschärfsten Mitteln den Zuständen ein Ende zu machen und die Stadt zu ihrer Pflicht zu zwingen. Wilhelm I. R." Hierauf depeschierte Statthalter Fürst Hohenlohe sofort an den Metzer Stadtvorstand, daß, wenn nicht schleunigst Abhülfe geschaffen würde, die Sanierungsarbeiten von der Landesverwaltung auf Kosten der Stadt in Angriff genommen werden würden. Am 30. August ging dem Statthalter vom Bürgermeister in Metz die Meldung zu, daß mit den Sanierungsarbeiten bereits begonnen sei. (Hiermit scheint zusammenzuhängen, daß gestern die „Bouillonquelle" abgestellt wurde und Waffernot in Metz herrschte.)
Ueber Aenderungen im M i l i t ä r - - V e t e r i n ä r - wesen bestimmt eine Kabinettsordre was folgt: 1. Die Militär-Roßarztschule führt fortan die Bezeichnung : „Militär-Veterinär-Akademie". Ihr Dienstverhältnis zu den vorgesetzten und anderen Behörden und der Dienstbetrieb wird dadurch vorläufig nicht verändert. Betreffs weiterer Ausgestaltung der Akademie hat mir das Kriegsministerium Vorschläge zu unterbreiten. Die Eleven der Militär-Roßarztschule werden künftig „Studierende der Militär-Veterinär-Akademie" genannt. 2. Als „Veterinäraspiranten" können unter den bisherigen ZulaffungS- bedingungen am 1. Oktober — zuerst 1903 — neben Zwei- und Dreijährigfreiwilligen auch Einjährigfreiwillige bei der Kavallerie, der Feldartillerie und dem Train eingestellt werden. . Für die Berittenmachung der einjährigfreiwilligen Veterinäraspiranten finden die für die Berittenmachung der einjährigfreiwillig dienenden approbierten Tierärzte gegebenen Bestimmungen Anwendung.
3. Die Veterinäraspiranten sind nach sechsmonatiger Ausbildung im Truppendienst, sofern sie für die Militär- Veterinärlaufbahn geeignet erscheinen, auf sechs Monate zur Militärlehrschmiede Berlin zu kommandieren. Nach dort bestandener Prüfung im Hufbeschlage sind sie am 1. Oktober auf den Etat der Militär-Veterinärakademie zu übernehmen und zum überzähligen Unteroffizier zu befördern. 4. Nach bestandener tierärztlicher Fachprüfung sind die Studierenden unter Ueberweisung zu einem Truppenteil zum etatsmäßigen oder überzähligen Unter- Veterinär zu ernennen und gleichzeitig zu einem sechs- monatigen Lehrkursus zur Militärlehrschmiede und Klinik in Berlin zu kommandieren. Der bisherige vierwöchige Lehrschmiedekursus für Unterroßärzte fällt für diese fort.
5. Da» Militär-Veterinärpersonal besteht fortan bis auf weiteres aus: Korpsstabsveterinären (bisher Korpsroßärzte), Stabsveterinären (bisher Oberroßärzte), Oberveterinären (bisher Roßärzte), Unterveterinären (bisher Unterroßärzte). 6. Betreffs Bildung eines Militär- Veterinäroffizierkorps des aktiven Dienst- und des Be- urlaubtenstandes sehe ich den Vorschlägen des Kriegs- ministeriums entgegen.
Aus Krimmitschau, 2. September, wird gemeldet: Unter den streikendenTextilarbettern macht sich eine tiefgehende Unzufriedenheit gegen die Streikleiter in sehr unzweideutiger Weise bemerkbar, weil die Unterstützungsgelder nicht pünktlich und in der zugesagten Höhe ausgezahlt werden. Heute veröffentlicht das „Krimmitsch. Tagebl." folgende charakteristische Zuschrift eines Weber«: „Der größte Teil der Textilarbeiterschaft ist gegen seinen Willen in die Lohnbe- wegung etngetreten. Diese Arbeiter sind heute noch der Ueberzeugung, daß eine Verständigung zwischen den Arbeitnehmern und den einzelnen Industriellen leichter erzielt worden wäre, als unter der Leitung der Arbeiterführer. Die Textilarbeiterschaft ist bereits heute von tiefem Unwillen erfüllt: 1. weil bei der geringen Streikunterstützung kein Arbeiter mit Familie bestehen kann, 2. weil die Auszahlung der UnterstützungSgelder nicht, wie versprochen, am vorigen Sonnabend stattgefunden hat, sondern erst heute Dienstag und morgen Mittwoch erfolgt, 3. weil bei der Auszahlung Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, indem viele Familienväter nicht die