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LL" Fernsprecher Nr. 8. -^

Sr. 164.

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1961

Nichtamtlicher Teil.

Deutsch Russisches.

Der Wechsel an der Spitze des russischen Finanz­ministeriums und die Berufung des bisherigen Finanz­ministers Witte zum Vorsitz im Ministerrat bedeutet wohl nicht, daß dieser begabte und energische Staats­mann in seinem Einfluß auf Rußlands innere und äußere Politik verkürzt werden soll. Das Präsidium im Ministerkomits war allerdings bisher kein Amt mit entscheidenden Machtbefugnissen. Herr Witte ist aber ganz der Mann, seine neue Stellung autoritativ auszu- füllen und ein wirklicher russischer Ministerpräsident, mit andern Worten der erste maßgebende Berater des Zaren zu werden. Er kann dies um so leichter, als er in der Gunst seines Kaiserlichen Herrn .unerschütterl ist.

Für Deutschland bleibt die Einschätzung der Persön­lichkeit Wittes in unsern Beziehungen zu dem großen Nachbarreich schon deshalb unverändert, weil seine Ent­hebung von dem Posten des Finanzministers ausdrücklich mild der Notwendigkeit seiner persönlichen Leitung der deullsch-russischen Handelsvertrags - Verhandlungen be­gründet worden ist. Bekanntlich war schon in den jetzt bis auf weiteres beendeten Vorbesprechungen deutscher und russischer Kommissare in St. Petersburg aus russischer Seite Herr Witte die treibende Kraft. Sein Auftreten in diesen vorläufigen Beratungen erschien bei aller Festigkeit in der Vertretung der russischen Interessen sachlich und geschäftsmäßig, durchaus von der Absicht erfüllt, der russischen Wirtschaftspolitik die Bedenklich- keiten eines vertragSlosen Zustandes mit dem deutschen Reich zu ersparen. Herr Witte ist ja von unsern sozialdemokratischen, namentlich aber von radikalfrei- sinnigen Blättern oft genug als BundeSgenofie gegen die nationale Schutzpolitik des Grafen Bülow angerufen worden. Aber der russische Staatsmann rechnet viel zu nüchtern, um sich für die Erlangung handelspolitischer Vorteile etwa auf den Einfluß zu verlassen, den in unserm Reichstage die Sozialdemokratie nebst ihren liberalen Mitläufern auszuüben imstande ist. Man er­innert sich, daß zur Zeit der Einbringung unsers Reichs- zolltariss Herr Witte gegen dieses Reformwerk mehrfach in halbamtlichen Kundgebungen anzukämpfen versucht-,

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile Gautier.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Man ließ ihn sofort eine Copie der sämtlichen Zeichnungen und Auszeichnungen über Nozen anfertigen.

Cardec begann jetzt mit Muße zu studiren, aber bei der Vergleichung der Bilder stimmte nichts mit dem Signalement Saint-Magloires überein. Wenn man auf der richtigen Spur war, hatte der Bandit einen ganz neuen Menschen aus sich gemacht.

Wenigstens äußerlich!

Ja, wenn es möglich gewesen wäre, Saint-Magloire unter die Längen- und Rundmaße des Doctors Bertillon zu bringen, ... die ganze Geschichte wäre mit Riesen- schritten vorwärts gegangen. Es gibt gewisse Zeichen, gewisse Dimensionen an Körper und Gesicht, die niemand verändern kann . . . Aber der Baron verspürte wohl kaum Lust dazu, der onthropometrischen Abteilung der Polizeipräsectur einen Besuch abzustatten. Er würde stch hüten!

Als Cardec die Aufzeichnungen durchlas, fand er, daß sie besondere Merkmale enthielten.

Der Meisterschurke hatte den rechten Arm tätowirt: den Kopf der Minerva mit dem Helm. DaS Gesicht der Göttin in blauen, den Helm in roten Punktirungen.

Auf welchem praktischen Wege könnte ich wohl er­fahren, ob der Baron dieses Zeichen trägt?"

die sogar von persönlichen Ausfällen gegen den deutschen Reichskanzler nicht frei waren. Graf Bülow blieb da­mals kühl und ruhig, ließ sich auf keine unfruchtbare Polemik ein. Der weitere Verlauf der Dinge hat dieser wohlüberlegten Zurückhaltung des Kanzlers Recht gegeben, und die bis zur Langweiligkeit wiederholten Prophezeiungen in Blättern vom Schlage derVossischen Zeitung", deren Blick in handelspolitischen Fragen durch Gebrauch fremdländischer Brillen getrübt zu werden scheint, haben schon jetzt keine Aussicht auf Erfüllung mehr. Es wird auch ohne Zollkrieg mit Rußland gehen; es kann auf der Grundlage des neuen deutschen Tarifs ein Handelsvertrag zu stände gebracht werden, der ent­gegen den freisinnigen Voraussagungen nichts weniger als eine Abschrift des Caprivischen ist.

Der neue russische Finanzminister Pleske ist ein Mitarbeiter Witte's und teilt dessen Anschauungen auch was die Pflege eines handelspolitischen Einvernehmens mit Deutschland betrifft. Herr Pleske beherrscht unsere Sprache uud unterhält gute Beziehungen zu der deutschen Vertretung in St. Petersburg. Wir können mit den jüngsten Veränderungen im russischen Ministerium wohl zufrieden sein.

Politische Nachrichten.

Berlin, 1. September.

Bei Ihren Kaiserlichen Majestäten fand gestern abend um 6 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses eine Tafel für das Garde- korps statt. An der Mittagstafel bei Ihren Majestäten nahmen die Großherzog­lich sächsischen Herrschaften teil. Heute morgen verabschiedeten Sich Ihre Majestäten von dem Großherzog und der Großherzogin von Sachsen, welche 8 Uhr 45 Min. abreisten. Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der K r o n p r i n z ist um 8 Uhr nach Dresden abgereist, um heute nachmittag dort Se. Majestät den Kaiser, Allerhöchstwelcher den Besuch der deutschen Städteausstellung aufgegeben hat, bei der Feier in der Städteausstellung zu vertreten. Ihre Kaiserlichen Majestäten begaben Sich nach dem Tempelhofer Felde zur großen Parade über das Gardekorps. Nachmittags gegen Va3 Uhr hat

Man konnte ganz unmöglich daran denken, die Baronin darüber zu befragen.

Sein Hin- und Herüberlegen brächte ihn endlich auf eine Idee.

Madame de Saint-Loi kennt den Baron gut," sagte er sich.Sie ist sicher über die intimen Eigentümlich­keiten eines so guten Bekannten unterrichtet."

Schnell warf er einige Worte aus einen Briefbogen der Präfectur, verschloß den Brief und schellte.

Der Bureaudiener erschien. «

Lassen Sie diesen Brief sofort bestellen," befahl Cardec.

Zu Befehl, Herr Chef!"

Der Diener nahm den Brief und überreichte dem Chef eine Karte, welche er in der Hand hielt.

Ich lasse bitten."

Einen Augenblick später schüttelte Lemoine dem Freunde die Hand.

Ich habe Neuigkeiten," sagte er.

Ich auch," versetzte Cardec.

Ah?"

Ich glaube wir halten den Kerl."

Bist Du wirklich so sicher?

Der Chef der Sicherheitspolizei unterrichtete den Doctor schnell von den Vorgängen, welche sich inzwischen abgespielt hatten.

Hör mal, mein Lieber," sagte Lemoine, als Cardec geendigt hatte,von allem, was Du mir da erzählst, halte ich nur ein Ding fest."

Welches?"

Sich Se. Majestät derKaiser nach Dresden begeben. Se. Kaiser!. und Königl. Hoheit der K r o n » Prinz ist bald nach llVa Uhr in Begleitung des Großherzogs und der Großherzogin von Sachsen in Dresden eingetroffen. Zum Empfang waren auf dem Bahnhof erschienen der König, der Kronprinz, Prinz Johann Georg und die Söhne des Prinzen Wilhelm von Sachsen-Weimar, die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden. Nach herzlicher Begrüßung erfolgte unter dem Jubel der zahlreich versammelten Menschenmenge der Einzug in die Stadt. Im ersten Wagen saß der König in Generalsuniform und der Groß­herzog von Sachsen in der Uniform seines Karabinier- Regiments, im zweiten Prinzessin Johann Georg, die Großherzogin von Sachsen und Kronprinz Friedrich Wilhelm in Uniform des 2. Sächsischen Grenadier- Regiments. Im Residenzschloß wurden die hohen Herr­schaften vom Oberhofmarschall Grafen v. Vitzlhum be­grüßt. Bald darauf fand beim Könige eine Familien- frühstückstafel zu 8 Gedecken statt.

DerKaiser hat den Chef des L Geschwaders Prinzen Heinrich von Preußen zum Chef der Marinestation der Ostsee ernannt.

(Wagengestellung im Ruhrgebiet.) Im Ruhrgebiet erreichte am Sonnabend, den 29. August, die Wagengestellung für Kohlen, Koks und Briketts die hohe Anzahl von 20 078 Doppelwagen zu 10 Tonnen. Hiermit ist die Wagengestellung zum erstenmal in das dritte Zehntausend eingetreten. Die ersten Zehntausend wurden am 7. Dezember 1887 erreicht. Elftausend am 7. Dezember 1888, Zwölftausend am 23. Dezember 1892, Dreizehntausend am 19. November 1895, Vierzehntausend am 19. Dezember 1896, Fünfzehntausend am 22. No­vember 1897, Sechszehntausend am 23. Juni 1899, Siebzehntausend am 23. März 1900, Achtzehntausend am 17. Oktober 1902 und Neunzehntausend am 9. Juli 1903. Außerdem wurden am 29. d. Mts. noch 4020 offene Wagen für andere Güter als Kohlen, Koks und Briketts, sowie 2752 gedeckte und Spezialwagen gestellt, so daß sich die Gesamtgestellung an diesem Tage auf 26 850 Wagen beläuft. Hiebet ist allerdings zu berück­sichtigen, daß in den Zahlen für 1903 auch der Versand der inzwischen verstaatlichten DortmundGronauEn- scheder Eisenbahn enthalten ist, der sich für Kohlen auf täglich etwa 600 Wagen beläuft.

Die Entdeckung Macarons. Das ist wirklich ein Zeichen der Vorsehung ... ich komme nämlich gerade, um Dir von ihm zu sprechen."

Sooo!"

Du bist natürlich besser unterrichtet als ich . . . ich hatte keine Ahnung von seinem Namen . . . Also Master Robertson ist in Oliva verschossen!*

Donnerwetter!"

Ich dächte, daß dieser Kerl, der den Baron sicher genau kennt, ganz unbezahlbare Auskunft geben könnte, wenn Madame Lavardens die Gelegenheit benutzen wollte. Oliva ist eine Frau, die sich zu helfen weiß .. Es wird ihr sicher gelingen, den falschen Engländer aus- zuholen . . . Aber ich wollte nichts unternehmen, ohne Dich davon in Kenntnis gesetzt zu haben."

Sehr lieb von Dir . . ."

Nun ja, wir sind doch Deine Mitarbeiter. Du bist der große Manitu."

Schön, der große Manitu befiehlt: abzuwarten. Es wäre vollständig unnütz, der armen Frau Lavardens einen Flirt mit diesem Macaron aufzuerlegen, wenn ich die Gewißheit bekomme, daß der Baron auf dem rechten Arm eine blaue Minerva mit rotem Helm trägt."

Hör mal, alter Cardec, es scheint, daß Du Dir darüber zu große Jllussionen machst."

Warum denn? . . . Wenn er das Zeichen trägt, zögere ich nicht mehr länger ... ich lasse ihn arretiren . . . er wird unter die schönen Meßgeräte Bertillons gebracht . . . und der Streich wäre geglückt. Ich bin überzeugt, daß eine genaue Messung uns aufklären