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Sr. M.
Dienstag Den 1. Se-tmier
1903
♦
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 26. August 1903.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben mir bis zum 20. Oktober d. Js. zu berichten, wieviel:
I 1. QuittungSkarten von Formular A (gelb)
2. „ „ , B (grau)
3. Quittungsformulare für Jnvaliden>Rentenempfänger
4. „ „ Alters,
5. „ „ Unfall, „ (der land- und forstwirtschaftl. Berufs-Gen.) für das Jahr 1904 voraussichtlich erforderlich sein werden. Hierbei wird bemerkt, daß die Quittungskarte B nur für solche freiwillig Versicherte auszustellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund v e r f i ch e r - ungspflichtiger Tätigkeit Beitragsmarken ver- wendet worden sind und daß diejenigen Personen, welche einmal dem Versicherung«-Zwange unterlegen haben, Quittungskarten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich freiwillig weiter versichern wollen.
I. V. 758. D er Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Krdan.
Dreiunddreißig Jahre sind vergangen feit dem Tage, da die Wundermär von Sedan die deutschen Gaue durch- hallte und alle Herzen unsers Volkes mit Dank und Hoffnung erfüllte, und noch immer hat sich an diesem Tage die Nation zu einmütiger Erinnerungsfeier zusammengefunden. Der Sieg von Sedan war in seinen unmittelbaren und weitern Folgen so bedeutend, er war in seiner Wirkung auf die Gemüter so außerordentlich, daß der Tag, an welchem das Schicksal der französischen regulären Armee besiegelt wurde, der Nation vor allen andern geeignet schien, zu einem Festtage erkoren zu werden, an welchem sich die Erinnerung an alle Großtaten j unsers Heeres wie an die hierdurch allein möglich ge- ■ wordene Wiederaufrichtung des deutschen Reiches mit
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Nach mühsamen, geduldigen Tastversuchen war es ihnen gelungen, einen der Buchhalter ausfindig zu I machen, welcher in dem Kautschukhandelshause, das Lavarden« gegründet hatte, beschäftigt gewesen war.
Der geschickt ausgefragte Mann, als er die Photo» grophie Rozen« zu Gesicht bekam, bestätigte, diesen zweimal in dem Hause seines Brotherrn gesehen zu haben. Er erinnerte sich sogar, daß Charles LavardenS zwischen den beiden Besuchen des entsprungenen Sträfling« an der Kasse tausend Francs verlangt und zum großen Erstaunen des KassirerS diese Geldsumme mit: „Reclame- ausgaben" habe einschreiben lassen.
Zum Ueberfluß hatten die unermüdlichen beiden Beamten auch einen Schankwirt in Valencia auSgekund- lchaftet, welcher sich genau erinnerte, Rozen in Gesellschaft kines anderen Mannes von kleiner, gedrungener Gestalt gesehen zu haben; er erkannte ihn ganz bestimmt in der vorgelegten Photographie wieder.
Ein Zweifel war also ausgeschlossen. Nr. 883 war es gelungen, unversehrt davonzukommen, und man konnte sicher sein, daß er noch lebte. So weit war die Untersuchung geglückt, aber weiter war nichts mehr heraus« iubringen. Es war ganz unmöglich, zu erfahren, was
einer erblichen Kaiserkrone von Jahr zu Jahr neu beleben könne. Keine Willensäußerung des Kaisers oder der deutschen Regierungen hat den 2. September zum nationalen Festtag der Deutschen erhoben, im Gegenteil, dem Ausspruche unsers ersten Kaisers gemäß, daß eine Volksfeier nur dann Wert habe, wenn sie wirklich aus dem Volke hervorgehe, ist dieser Tag allein durch die Uebereinstimmung aller Berufsstände zu demjenigen erkoren worden, au welchem wir uns alljährig dankbar erinnern, was Gott Großes an uns getan.
Der von dem Volke zum Nationalfest bestimmte Tag hat sich als solcher überall eingebürgert; einer Aufforde- rung, ihn zu feiern, bedarf e« nicht: ihn zu feiern, ist der Nation wahres Bedürfnis und liebe Gewohnheit geworden, und so wird er auch heute in allen Gauen des Reiche« gefeiert, öffentlich wie in Schule und Haus. Mögen hier und da auch in der äußerlichen Veranstaltung des Festes Aenderungen und Vereinfachungen eingetreten fein; der 2. September wird sich aus dem Gedächtnis und dem Herzen des Volkes nicht mehr verdrängen lassen, und stets und überall wird die Nation auch darauf halten, daß der Erinnerung und dem Dankgefühl an diesem Tage öffentlich Ausdruck gegeben wird.
Es entspricht der Eigenart des deutschen Volkscharakters, daß wir da« Fest nicht in dem Gefühl der Ruhmessucht und des Uebermuts über unsere damaligen Gegner begehen. Es ist nicht der Sieg, den unser deutsches Volk feiert, es ist die große Frucht des Sieges, deren es von Jahr zu Jahr mit freudigem Bewußtsein gedenkt. Die Freude und Genugtuung über die gewonnene Einheit und über die Errichtung eines deutschen Kaisertums, welches alle Stämme vereinigt, ohne ihre berechtigte Selbständigkeit und Eigentümlichkeit zu verwischen, ist bisher stets der Grundzug der Feier gewesen. Der nationale Gedanke soll an diesem Tage in uns allen von neuem recht lebendig werden, und wir sollen aus der Erinnerung an jenen denkwürdigen Tag immer wieder zum Bewußtsein darüber gelangen, was uns groß und mächtig gemacht und wem wir die großen Erfolge zu verdanken haben. Hieran gerade jetzt erinnert zu werden, kann für die innern politischen Verhältnisse der Gegenwart nur von Segen sein.
Mit der Erinnerung an jenen Tag dürfen wir auch heute wieder die Freude über die politische Machtstellung und die Beziehungen Deutschlands nach außen ver-
später aus Rozen und seinem geheimnisvollen Begleiter geworden war.
Umsonst hatten die Pfadfinder CardecS alle Lasterhöhlen und Schenken Valencias durchstöbert, niemand konnte ihnen auch nur den kleinsten Anhaltspunkt geben, welcher es ihnen ermöglicht hätte, der Spur der beiden Männer zu folgen. Der Faden, den sie bis dahin in Händen gehalten, war gerade da abgerissen, wo sie glaubten, endlich dem Ziele nahe zu fein und dem abenteuerlichen Wege, den der Flüchtling genommen hatte, Schritt für Schritt folgen zu können.
Sie kehrten deshalb etwas kleinlaut nach Paris zurück. Aber ihr Chef hatte sie beruhigt und anerkannt, daß sie nicht besser hätten arbeiten können.
Cardec war übrigens höchst zufrieden über das Resultat ihrer Untersuchung. E« bewies unwiderleglich, daß Rozen die Flucht tatsächlich gelungen.
Das war ein Hauptfactor.
Außer den aufgeführten Auskünften konnten die Beamten ihrem Chef auch noch andere Einzelheiten berichten, welche ihm in feiner schweren Aufgabe den größten Nutzen verhießen.
Der Direclor der Strafkolonie, bei dem Rozen als Secretär fungirt hatte, war gestorben, aber sie hatten in den Directionsbureaux einen Sträfling entdeckt, welcher feine zehnjährige Zwangsarbeit abgebüßt hatte und der, da er nach dem Gesetz die Kolonie nicht wieder verlassen durste, in den administrativen Dienst als Buchhalter ausgenommen worden war.
Es war ein früherer Notar, den Spielwut und
binden. Wir leben im Frieden, das deutsche Reich ist ein Hort des Friedens geworden und als solcher steht es heute da von allen Mächten anerkannt, geachtet, umworben. Mit diesem Bewußtsein begehen wir heute von neuem die Feier des Nationalfestes. Ueberall, wo es gefeiert wird, wird sich der Freude über die errungene Einheit der Dank für die Erhaltung und Befestigung des Friedens und der Wunsch hinzugesellen, daß es dem deutschen Reiche noch lange vergönnt sein möge, in ungestörtem Genuß des Friedens an seiner inneren Entwicklung fortzuarbeiten und die großen Aufgaben zu lösen, die „auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung" an uns herangetreten sind. Wenn am heutigen Tage die Festglocken von Gau zu Gau hallen, mögen sie nicht nur an den so großen politischen Erfolg erinnern, der für Deutschland aus dem Zusammenbruche der französischen Heere erwuchs, sondern auch daran, daß unsere Nation diesen Erfolg sorgfältig hüten und ausgestalten muß, daß sie, um ein schönes Wort Wilhelms des Großen zu gebrauchen, „sorgen muß, daß es Tag bleibe.
Politische Nachrichten.
Berlin, 29. August.
Heute vormittag gegen 10 Uhr sind Ihre Kaiserlichen Majestäten, die Prinzen Eitel- Friedrich und Joachim, Prinzessin Viktoria Luise und der Herzog vonSachsen-Koburg- Gotha von Wilhelmshöhe nach Berlin abgereist, wo sie gegen öVa Uhr eingetroffen sind. — Heute abend 9 Uhr traf auf dem Anhalter Bahnhof der Großherz o g und dieGroßherzoginvonSachsen- Weimar mit Gefolge ein. Zum Empfange waren erschienen: Se. Majestät der Kaiser, ferner die Prinzessin Friedrich Leopold, der Kronprinz, alle in Berlin und in Potsdam weilenden Prinzen, der zum Ehrendienst kommandierte General v. Hoepfner, die Generalität, sowie die hiesige diplomatische Vertretung von Sachsen- Weimar. Die Ehrenkompagnie stellten die Gardefüsiliere. Nach äußerst herzlicher Begrüßung begaben sich die Fürstlichkeiten nach dem Königlichen Schloß, wo sie von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen wurden. Nachher fand Familientafel statt.
Liebesabenteuer dazu gebracht hatten, sich zuerst Unreget* Mäßigkeiten und nach und nach Wechselfälschungen, Unterschlagungen und Diebstähle zu schulden kommen zu lassen ... Er wurde nach Cayenne geschickt, um dort über die Gefahren nachzudenken, welche Pique-Dame und Herz-Dame bringen.
Im Grunde genommen war er kein schlechter Kerl.
Er hatte nur den einen Fehler: zu spät erkannt zu haben, daß die einem Notar anvertrauten Gelder absolut nicht dazu bestimmt sind, das Baccarat und Pokerspiel zu pflegen und gewisse Freundinnen zu unterhalten.
Seine gute Führung und seine Reue hatten ihm in Cayenne bei den Behörden eine mildere Beurteilung eingetragen; da er intelligent und fähig war, leistete er der Verwaltung recht schätzenswerte Buchhalterdienste.
Dieser unglückselige Spieler und flotte Lebemann, den zehn Jahre Strafarbeit unter dem glühenden Himmel Guyanas von seinen Lastern geheilt, hatte Rozen ge- konnt, als derselbe noch die Stelle eines Secretärs bei dem Director einnahm.
Er war geeignet, Cardec ein nützlicher Helfer zu werden, und der Polizeichef hatte sofort die nötigen Schritte unternommen, um dem ehemaligen Sträfling die Rückkehr in die Heimat zu gestatten.
Es war ihm gelungen, ihn mit der Hilfe des Ministers des Innern von dem Präsidenten der Republik begnadigen zu lassen.
Ueberglücklich, Frankreich wieder zu sehen, aus das jemals wieder einen Fuß setzen zu können, er nicht zu hoffen gewagt, hatte der entgleiste Advocat sich mit