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Gratisbeilagen 2 „^Ute^rirtes Konutagsblatt" *♦ „3U«firirte tan-wirthschaftliche Beilage
St. 100.
Aeiistaz den 25. August
1003.
Amtlicher Teil.
Die Sammlungen für die durch Hochwasser beschädigten Bewohner der Provinzen Schlesien, Posen und Brandenburg haben schon einen erfreulichen Erfolg gehabt. Aber die Mittel reichen noch nicht aus, um die Nahrungs- und Obdachlosen zn versorgen und deren wirtschaftlichen Zn- sammenbruch zu verhüten. Wir fordern die Einwohner von Stadt und Kreis daher auf durch Geldspenden das Ihrige zur Linderung der großen Not beizntragen.
Gaben werden entgegengMommen bei Frau Engel- h a r d t, am Brink und auf dem landrätlichen Büreau.
Hersfeld, den 22. August 1903.
Die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins. Carolive Engelhardt.
Der Vorsitzende des roten Kreuzvereins. Freiherr von Schleinitz, Landrat.
Berlin, 6. Juli 1903.
Mit Bezug auf den Erlaß vom 19. Dezember 1899 — I A. 3885 li (M. Bl. 1900 S. 8) ersuche ich Eure Excellenz ergebend, die Standesbeamten Ihres Bezirks gefälligst darauf hinzuweisen, daß das distriktspolizeiliche Verehelichungszeugnis (Art. 43 § 6 des Ausführungs- gesetzes zum B. G. B.) auch von denjenigen Angehörigen der rechtsrheinischen Gebietsteile des Königreichs Bayern, welche noch die Staatsangehörigkeit in einem anderen Bundesstaat, ausgenommen die preußische StaatSange- Hörigkeit, besitzen, zur Eheschließung in Preußen beizu- bringen ist.
Bei Angehörigen der rechtsrheinischen Gebietsteile des Königreichs Bayern, welche zugleich die Preußische Staatsangehörigkeit besitzen, kann zwar die Eheschließung nicht von der Beibringung des distriktspolizeilichen Ver- chelichungszeugnisses abhängig gemacht werden. Die Standesbeamten haben aber solche im Besitze der bayerischen und preußischen Staatsangehörigkeit befindlichen Männer, welche in Preußen eine Ehe eingehen wollen, bei der Einleitung des Aufgebots darauf hinzuweisen, daß die Ehe in Bezug auf das Heimatsrecht für die Ehefrau und die Kinder in Bayern rechtsgültige Wirkungen nur dann hat, wenn das für rechtsrheinische bayerische Staatsangehörige vorgeschriebene Zeugnis bei- gebracht wird, daß andernfalls der Ehemann sich unter Umständen der Bestrafung durch die bayerischen Gerichte
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Elena entzog ihm ihre Hand und zog aus einer Hülle echter Spitzen, die den Ausschnitt ihres Kleides umrieselten, einen kleinen Carton. Es war eine vor- zügliche Photographie, die einen jungen Mann mit seidenweichem Schnurrbart, großen, sanften Augen und hoher, freier Stirn darstellte; schön wie ein junger Gott.
Sie betrachtete das Bild einen Augenblick mit Augen, in welchen mehr Verzweiflung als Haß, mehr Trauer als Eifersucht zu lesen war. Dann reichte sie es dem Arzt und murmelte mit erstickter Stimme:
„Wenn Sie wüßten, wie verführerisch schön er war, vor zehn Jahren, in der Blüte der Jugend und der Liebe! Wie hätte ich ihn nicht lieben, vergöttern sollen?"
Kaum hatte Lemoine einen Blick auf das Bild geworfen, als er, wie von einer Feder geschnellt, aussprang.
Er mußte alle Geistesgegenwart, alle Willenskraft zusammennehmen, um nicht einen Schrei auszustoßen, — einen Schrei des Triumphs und gleichzeitig des Schmerzes und Entsetzens.
Die Züge des Barons de Saint-Magloire vor seiner Umwandlung, welche Elena ihm da in einem Anfälle herzzerreißender Eitelkeit zeigte, wiesen eine auffallende Aehnlichkeit mit denjenigen des Porträts von Rozen auf, die mit unverwischbarer Genauigkeit in seinem Gehirn
auf Grund des Art. 36 des bayerischen Gesetzes vom 16. April 1868 aussetzt, und daß es sich zur Vermeidung der hieraus möglicherweise in Zukunft ent« stehenden Schwierigkeiten dringend empfiehlt, das Ver- ehelichungszeugnis rechtzeitig einzuholen.
Der Minister des Innern. I. A.: gez. v o n K i tz i n g. An den Herrn Ober-Präsidenten in Cassel. Ia 991/92.
* * *
Caffel, den 11. August 1903.
Abschrift im Verfolg meiner Verfügung vom 11. 1. 1900 — A. I. 134 — zur weiteren Mitteilung an die Standesbeamten der Landgemeinden.
Der RegierungS-Präsident. I. V.: M e j e r. An die Herren Landräte des Bezirks. A. I. 5932.
Hersfeld, den 20. August 1903.
Wird den Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 18. Januar 1900 I. A. Nr. 146, im Kreisblatt Nr. 10, zur Kenntnisnahme mitgeteilt.
A. 2670. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Helsfeld, den 21. August 1903.
Unter dem Schweinebestande des Johannes Bernhardt in Gershausen ist die Rotlaufseuche auSgebrochen. l 5666. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Ziegenhain, den 19. August 1903.
Unter den Schweinebeständen des Landwirts Johannes Schmidt zu Gloßropperhausen ist die Rollaufseuche ausgebrochen.
I. I 9121. Der Landrat.
I. V.: v. B a u m b a ch, Kreisdeputierter.
♦ * ♦
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 21. August 1903.
I. 5779. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Homberg, den 20. August 1903.
Unter dem Schweinebestande des Gutsbesitzers Weber
eingeprägt war, seitdem er sie lange und genau mit der Lupe in dein Verbrecheralbum der Polizei Präfectur untersucht hatte.
Immerhin; ein Irrtum konnte möglich sein, selbst für ein so geübtes, scharfes Auge, wie das des Doctors, besonders da die Photographie, welche Elena besaß, stark retouchirt worden war. Aber das Auge, das herrische und doch sanfte Auge, war dasselbe.
Elena weinte leise, das Gesicht in den Händen vergraben, den Kopf auf die Kiffen gestützt. Sie war tief bewegt. Die Offenbarung, welche sie dem Freunde ge» macht und bereit tragische Folgen sie nicht ahnte, bedrückte sie. Sie war weit davon entfernt, zu vermuten, welches Gewitter in dem Schädel des Doctors tobte und welche Waffe sie ihm eben in die Hand gegeben.
In diesem Augenblick brächte ein Zimmermädchen eine Visitenkarte. Die Störung verhalf dem Doctor dazu, seine Geistesgegenwart ganz zurückzufinden.
Er brauchte nicht zu fürchten, daß das Mädchen irgend etwas non dem Vorgefallenen ahnen möchte, weil es seine Herrin in Tränen fand. Man war im Hause daran gewöhnt, die Baronin weinen zu sehen, besonders seit dem Tode Josos, und niemand achtete mehr darauf.
Aber er mußte mit sich selbst zu Rate gehen, sein inneres Gleichgewicht wiederherzustellen, überlegen, sich einen Plan vorzeichnen.
Die Gelegenheit bot sich ihm, sich zu empfehlen, und er beeilte sich, dieselbe zu benutzen.
Elena versuchte vergeblich, ihn zurückzuhalten. Sie befahl dem Mädchen, den neuen Besucher abzuweisen,
zu Hof Baßfeld bei Völkershain ist die Rotlaufseuche auSgebrochen.
7479. Der Landrat. J. V.: Heyden reich. *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 21. August 1903.
I. 5781. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
• Berlin, 22. August.
Se. Majestät der Kaiser gedenkt heute nachmittag 4 Uhr, nach der Tafel im Kasino des Lagers zu Altengrabow, nach Wilhelmshöhe abzureifen, woselbst die Ankunft 11 Uhr Abends erfolgt.
Auch heute fanden größere Kavallerieübungen auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow statt. Sämtliche Reiterregimenter formierten sich zu einem Kavalleriekorps. Se. Majestät der Kaiser ließ es zunächst regle» mentarische Bewegungen vornehmen und führte sodann eine Gefechtsübung gegen einen markierter» Feind aus. Es folgte ein Vorbeimarsch der Truppen vor Ihrer Majestät der Kaiserin. — Das Wetter ist trübe.
Die „Nord. Allg. Ztg" schreibt: Nach dem „Reichs- boten" vom 20. d. M. soll es auf Grund einer Vorstellung, die der Evangelische Oberkirchenrat in der Jesuitenfrage an allerhöchster Stelle erhoben habe, zu einer Auseinandersetzung zwischen Sr. Majestät dein Kaiser und Könige und dem Reichskanzler Grafen von Bülow gekommen sein. Hierbei habe sich Se. Majestät darüber beklagt, daß er über die wahre Stimmung des Landes falsch unterrichtet gewesen sei, und befohlen, die preußischen Stimmen im Bundesrate nicht sür Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes geltend zu machen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die Mitteilung des „Reichsboten" auf Erfindung beruht.
Der Staatssekretär des Reichsschatzamts Freiherr von Thielmann ist, wie die „N. A Z." hört, auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt worden. Zu seinem Nachfolger ist der Königlich bayerische Bevollmächtigte zum Bundesrat, Staatsrat Frhr. von Stengel ernannt worden.
Für die Erhaltung vaterländischer Altertümer ist das folgende Erkenntnis des Senats
da sie zu leidend sei, ihn empfangen zu können. Nach einigen sanften Worten ging Lemoine.
Es war die höchste Zeit.
Er war kaum eine Minute fort, als Saint-Magloire wie eine Bombe in den kleinen Salon Elenas hineinplatzte.
„Wen hast Du in meiner Abwesenheit empfangen?" fragte er mit harter Stimme und ohne weitere Umschweife.
„Diese Art mich zu fragen," erwiderte Elena stolz und verletzt, „überhebt mich eigentlich der Antwort. Aber ich sehe keinen Grund zu verschweigen, daß Dein lieber Freund, der Doctor Lemoine, bei mir war. Jetzt, da Du es weißt, erlaubst Du mir wohl, mich zurückzuziehen."
Elena erhob sich würdevoll wie eine beleidigte Königin und ging nach ihrem Zimmer, dessen Tür sie hinter sich schloß.
„Ah! Ah!" knirschte der Baron, den Elenas Haltung überraschte und verwirrte. „Es scheint, sie ist ernst diese Liebelei . . . Wenn ich nur wüßte, was das für ein Papier gewesen, das sie Lemoine zeigte. Ich könnle es vielleicht erfahren, wenn ich ihr sagte, daß ich es ge. sehen, mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Aber ich darf ihr das nicht sagen, sonst würde sie und er sich für die Folge vor meinen Beobachtungen sichern. Das wäre ja so leicht, sie brauchten sich nur in einem anderen Salon zu treffen. Nein! . . . Es ist genug . . . Wir werden der Sache ein Ende bereiten . . . Elena zuerst, denn ich habe sie in der Hand . . . Wenn sie nicht mehr ist, brauche ich auch den anderen nicht länger zu fürchten."
Das Todesurteil Elenas war gefällt.