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GratiLdeUagen r f,3Uti|iriHM KonrrragO-tatt
Sr. 97.
IllttstRivte Lan-wiethschaftliche Beklage".
AeHijs den 18. August
AmtWerTeil.
Hersfeld, den^lO^Auguu iv03j
Der Deutsche Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege hat vor Kurzem den dritten Jahrgang des Sohnrey'schen Dorfkalenders für 1904 herausgegeben. Ich gebe hiervon mit dem Bemerke» Kenntnis, daß die Preise seitens der Verlagshandlung Trowitzsch u. Sohn in Berlin, wie folgt festgesetzt sind: für einzelne Exemplare ä 50 Pfg., von 20 Exemplare ab ä 45 Psg., von 50 Exemplare ab ä 40 Pfg., von 100 Exemplare ab ä 35 Pfg., von 250 Exemplare ab ä 30 Pfg., von 500 Exemplare ab 5 28 Pfg., von 1000 Exemplare ab ä 25 Pfg.
Bei Abnahme größerer Posten richtet sich der Pr?is nach ev- besonderer Vereinbarung.
I. 5449. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Gefundene Gegenstände:
Auf der Straße von Heimboldshausen nach Röhrigshof eine Taschenuhr nebst Kette. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Heimboldshausen.
Nichtamtlicher Teil.
Zur Kronratssitznng.
Die Aussicht auf eine KronratSsitzung hat die Fabu- lierungskunst einiger Zeitungen so lebhaft angeregt, daß sie über ihren nebelhaften Kombinationen vielfach den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen verloren haben. Ob sie sich jetzt, nachdem der Kronrat getagt hat, von ihren Phantasien zu den nüchternen Tatsachen zurück- finden werden, steht dahin. Jedenfalls bleibt auch fernerhin für die Gedankenspiele fruchtbarer Köpfe ein ge« misset Raum, da entgegen andern Meldungen eine Mitteilung über die Ereignisse des KronratS nicht in Aussicht gestellt werden kann. Es läßt sich nur soviel bestätigen, daß den einzigen Gegenstand der Beratungen, die Hochwasser-Katastrophe mit ihren Folgen und die Maßnahmen zur Verhütung der Wiederkehr eines gleich verhängnisvollen Unglücks gebildet haben.
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Das Spiel war zwar gefährlich; Saint-Magloire geriet dadurch ganz in die Gewalt des Bakers, welchem er einen großen Teil des Gewinnes abtreten mußte, aber andererseits gefiel der früheren Nummer 883 dieser Krieg gegen die Gesellschaft außerordentlich. Er las mit größtem Vergnügen die Zeitungen, welche die Unruhe des Publikums verrieten, und schwoll vor Freude über die Artikel, in welchen die Polizei heftig angegriffen wurde.
Diese äußerst einträgliche Organisation erlaubte es Saint-Magloire, sein Leben als grand seigneur fort- zusetzen. Er konnte den Kunden seines Bankhauses nach wie vor hohe Dividenden zahlen und diejenigen Geschäfte aufrecht erhalten, welche am zweifelhaftesten erschienen.
Während die peinliche Untersuchung in Sachen Dulac im Gange war, hatte ein gewisser Teil der Presse einige Zweifel in die Echtheit des Barontitels gefetzt, unter welchem sich der Bankier von der Place Vendome »vermummte."
Saint-Magloire hatte diese unzufriedenen Zweifler schnell zum Schweigen gebracht. Ohne sich den Anschein !U geben, daß jene Worte ihn getroffen hätten, ließ er von einem armen Teufel, der mühselig sein Leben fristete, einen Stammbaum ausstellen, welcher auss bündigste bewies, daß sein Adel keineswegs ein Phantasie-
Entsprechend dem großen Umfange des in den be« troffenen Gebieten angerichteten Schadens sin^^S^- gemäß haben dabei die technischen Fragen einen viel breiteren Raum eingenommen als die politischen. Die Bezeichnung dieser Sitzung des Staatsministeriums unter Leitung des Kaisers als Kronrat entspricht dem Herkommen und gibt keineswegs einen hinreichenden Grund zu der maßlosen Aufbauschung des Vorgangs ab, in der sich ein Teil der Presse gefallen hat. Daß ein Kronrat jedesmal hochpolitische Fragen zur Entscheidung bringen müsse, ist eine unbegründete Auffassung, sie trifft für die Sitzung vom 14. August auf keinen Fall zu, und man darf sagen, daß dieser Kronrat an politischer Bedeutung mit einigen Sitzungen früherer Jahre nicht auf einer Stufe steht. Was besonders die Erwartung betrifft, daß er zu Veränderungen im Personalbestand des Staats- Ministeriums führen werde, so wird die Enttäuschung nicht ausbleiben.
Umso mehr Grund dürften die vom Hochwasser geschädigten Landesteile haben, mit diesem Tage zufrieden zu sein. Sie werden es als einen besondern Beweis landesväterlicher Fürsorge freudig empfinden, daß der Kaiser persönlich den Beratungen des Staatsministeriums angewohnt hat. Wie man hört, hat der Kaiser bereits von Norwegen aus seine dahingehende Absicht zu erkennen gegeben; es entspricht das nicht nur seiner steten Teilnahme an den Geschicken des Landes, sondern auch seinem lebhaften Interesse an den technischen Fragen des Wasserbaus, die er bekanntlich eifrig studiert. Was die KronratSsitzung im einzelnen an Ergebnissen gezeitigt hat, bleibt abzuwarten. Die dem Landtage zu machenden Vorlagen werden darüber den besten Ausschluß geben.
Politische Nachrichten.
Berlin, 15. August.
Se. Majestät der Kaiser begab Sich mit Ihrer Majestät derKaiserin, Allerhöchstwelche gestern mittag hier eingetroffen war, gestern nachmittag um 5 Uhr 10 Min. im Sonderzug nach Wildpark zurück. — Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten im Berliner Schloß war Reichskanzler Graf v. Bülow geladen. — Später besuchten Ihre
gebilde wäre, sondern bis auf die Zeit Ludwigs XII. zurückzuführen sei. — Um die Leute, welche eS versuchten, das Piedestal zu untergraben, auf welches er sich geschwungen, noch mehr zu verblüffen und zu beschämen, stellte er dem Stammbaum-Fabrikanten die nötigen Mittel zur Verfügung, seinen Wunsch zu erfüllen und «Das goldene Buch des französischen Adels" herauszugeben. Aus Dankbarkeit für diese reiche Unterstützung widmete der wackere Verfasser des Buches mehrere Kapitel dem Ruhme der Vorfahren des Finanzmannes der Place Vendome.
Saint-Magloire hatte die Lacher auf feiner Seite.
Dank den Papieren des armen Burschen, den er so feige in Süd-Amerika ermordet hatte, war es Rozen ein Leichtes, auch die Ungläubigsten zu überzeugen und die mehr oder weniger gehässigen Unterstellungen über seine Herkunft als infame Verleumdungen zurückzuweisen.
Selbst Baker, die rechte Hand des gefährlichen Abenteurers, zweifelte nicht an der Echtheit des Adels seines Chefs.
Auch Bastien wußte nicht, woher die Pergamente feines Galeerengenossen stammten.
Ein einziger Mensch, Charles Lavardens, hätte es vermocht, Ausklärungen über die Herkunft des „Herrn Baron" zu geben. Rozen gratulirte sich, ihn zum Schweigen gebracht zu haben. Aber trotz aller dieser Erfolge fühlte sich Saint-Magloire von einer inneren Unruhe befallen.
Ein unbestimmtes Gefühl des Mißtrauens ließ ihn nur noch selten los und ergriff ihn auch, als er Oliva
Bahnhof.
ÄbsndsHrternahmen Beide Majestäten noch eine Spazierfahrt in der Umgebung des Neuen Palais. — Heute morgen ritt Se. Majestät der Kaiser spazieren und hörte von 10 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts Wirkl. Geh. Rats Dr. v. Lucanus und des Kriegsminister» Generalleutnants v. Einem.
Zur Feier des Geburtstages des Kaisers Franz Josef von Oesterreich findet am 18 d. Mts. bei dem Kaiser und der Kaiserin auf Schloß Wil - helmShöhe eine größere Festtafel statt, zu welcher der österreichisch-ungarische Botschafter von Szögyeny, der aus diesem Anlaß seinen Urlaub unterbricht, der Botschaftsrat Graf von Thurn-Valsassina sowie die übrigen zurzeit in Berlin anwesenden Herren der österreichisch- ungarischen Botschaft Einladungen erhalten haben. Auch das Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2, dessen Chef Kaiser Franz Josef ist, wird am 18. d. M. eine Feier veranstalten. Der Verein der Oesterreicher hält sein Festmahl im Palast-Hotel ab. Der Botschafter von Szögyeny wird von Wilhelmshöhe auf einige Tage nach Berlin kommen und dann seinen Urlaub fortsetzen.
Wie der „Reichsanzeiger" meldet, hat der Kaiser dem Staats - und KriegsministervonGoßler auf feinen Antrag den Abschied bewilligt und den Generalleutnant von Einem, genannt von Rothmaler, bisher Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements, zum Kriegsminister ernannt. Minister von Goßler empfing aus diesem Anlässe ein kaiserliches Handschreiben, in welchem ihm unter gleichzeitiger Verleihung des Verdienst-Ordens der preußischen Krone und Stellung ä la suite des dritten Garde-RegimentS zu Fuß warme Anerkennung für seine Verdienste ausgesprochen wird.
Ueber die in S w i n e m ü n d e vor dem Kaiser vorgestern abgehaltenen Schießübungen wird der „N. Stett. Ztg." von dort geschrieben: Die Seeschießübungen, die alljährlich da« Interesse des SwinemÜnder Badepublikums erregen und zu deren Besichtigung sich der Kaiser früh 9 Uhr in der Dampspinaffe der „Hohen, zollern" nach Osternothafen begab, hatten am Strande zahlreiches Publikum angelockt, da» von den Dünen herab den Lauf der Uebung mit großem Interesse durch Ferngläser beobachtete. Kunstvoll aufgetakelten Wracks und Flößen montierten Scheiben galten die Schüsse, die
bei Elena, mit welcher er seit dem Tode Pepes vollständig entzweit war, als Gesellschafterin fand.
Ein ganz flüchtiger Umstand hatte seinen Argwohn noch bestärkt.
Bei einem Besuche LemoineS, welcher trotz des anfänglichen Widerstandes Rozen« der Hausarzt der Baronin geworden war und seine großen und kleinen Empfänge in dem Hotel hatte, bemerkte der Baron, daß sich der Arzt auffällig um die Gesellschaftsdame bemühte. Er hatte auch einige Worte ihrer Unterhaltung überraschen können.
„Niemals werde ich Ihnen meine Dankbarkeit genügend beweisen können," hatte diese Frau Vauclair gesagt.
Saint-Magloire beauftragte Macaron alias Robertson, Oliva genau zu überwachen, und hatte von ihm er- fahren, daß sie bei dem Doctor gewesen war, wo sie lange geblieben sei.
„Gut," sagte er mit einem Lächeln, in welchem eine Drohung lag. „Gut, das ist eine Person, welche ich nicht aus dem Auge verlieren werde . . ."
Mehrere Tage lang beobachtete der Baron die Ge. sellschaftsdame ElenaS scharf, aber er bemerkte nichts Auffälliges und sagte sich, daß er wohl unrecht hatte, sich den Kopf zu zerbrechen.
37. K a p i t e l.
Der Doctor Lemoine verfolgte mit der Hartnäckigkeit eines Indianers sein Rache- und Richterwerk.
Hitzig und leidenschaftlich ging er allen Spuren nach, welche er zu finden glaubte, und mehr als je war er