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Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 7. August 1903.
Die OrtSpolizeibehörden des Kreises werden hier, durch angewiesen, alle Anlieger an den Landstraßen und Landwegezügen zu veranlassen, daß dieselben die Hecken der Gärten oder Einfriedigungen auf das vorgeschriebene Maß zurückschneiden lassen.
Bis zum 15. September b. Js. ist mir zu berichten, daß solches geschehen ist.
I. 5425. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 5. August 1903.
Unter dem Schweinebestande des Gastwirts Heyer zu KalkobeS ist die Notlaufseuche ausgebrochen. I. 5375. Der Königliche Landrat..
I. V.:
T h a m e r.
Ziegenhain, den 4. August 1903.
Die unter den Schafen zu Hatterode ausgebrochene Räudekrankheit ist erloschen.
J. l. 8549" Der Landrat^ von Schwertzell.
* * * HerSfeld, den 7. August 1903. Wird veröffentlicht.
I. 5431. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, 9. August.
Se. Majestät derKaiser ist gestern nachmittag, wie aus Odde gemeldet wird, auf der „Hohenzollern" dort eingetroffen. — An Bord alles wohl. — Wetter trübe.
Vor einigen Tagen sind die Vorbesprechungen für den deutsch-russischen Handelsvertrag in Petersburg eröffnet worden. Die Reichs- regierung hat eine Reihe von sachkundigen Männern nach der russischen Hauptstadt geschickt, um hier die
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Wenn man grenzenlos und hoffnungslos liebt, ist man reif für die schlimmsten Entschlüsse; Gott sei's ge- klagt! Aber andererseits; Dulac kannte seit langem diesen Unglücks-Baron. Er duzte ihn, wie man mir sagte. Er mußte also seine dunkle Vergangenheit kennen und konnte ein gefährlicher Zeuge werden. Und dazu liebte er diese Germaine Reyval, für die der Baron eine wilde, eifersüchtige Leidenschaft hat, die er gar nicht zu verbergen sucht. Wenn Dulac nicht freiwillig in den Tod gegangen wäre? . . . Wenn man ihn „geselbst- morbet" hätte! Und wenn der Mörder Saint-Magloire wäre! Ah! Morbleu! Dann würde ich endlich eine gute Spur haben. — Ich muß Klarheit haben."
Er kleidete sich in größter Hast zum Fortgehen an.
„Perrine," sagte er, als er die Tür öffnete, „ich werde den ganzen Tag über draußen bleiben. Es ist sogar wahrscheinlich, daß ich erst spät zurück sein werde. Wenn man nach mir fragt, sagen Sie, daß ich zu einer Konsultation aufs Land gefahren bin. Lassen Sie unter keinen Umständen jemand in mein Arbeitszimmer hinein."
»Schön! Wird besorgt!" versetzte Perrine. „Der
Doctor kann ruhig sein. Aber wollen Sie, daß ich Ihnen etwas sage? Es ist nnverständlich, was der
deutschen Jntereffen bei dem schwierigen Werke zu vertreten. Daß unser Volk ohne eine feste, auf lange Jahre durch Verträge gesicherte Grundlage seine Güter« Erzeugung nicht mehr zweckmäßig gestalten und noch weniger einen erfolgreichen Wettbewerb auf dem Weltmärkte aufnehmen kann, wird allseitig anerkannt. Die Zeiten sind vorüber, wo die Rationen ihre wirtschaftlichen Beziehungen allein nach den Zahlen ihres autonomen Tarifs regelten; jeder Versuch hierzu in unsern Tagen würde mit einem Zollkriege enden. Der deutsche Gewerbefleiß bedarf fester und zugleich möglichst vorteilhafter Handelsverträge, und auf dieses Ziel steuert die ReichSregierung planmäßig und zielbewußt los. Gegenüber der wirtschaftspolitischen Verfassung, in der wir uns vor einem Jahrzent bei dem Abschlüsse der Handelsverträge befanden, treten wir dieses Mal in einer wesentlich verstärkten Rüstung auf den Plan. Der Zolltarif des Grafen Bülow mit seinen erheblich erhöhten Sätzen übt auf die fremden Staaten einen heilsamen Druck zur Nachgiebigkeit aus, indem er den Mächten, die sich zu keinem Opfer herbeilaffen wollen, droht, daß alsdann seine hohen Zollsätze im Verkehr mit solchen halsstarrigen Ländern unnachsichtig zur Anwendung kommen. Außerdem ist durch die Einfügung einer Reihe von Mindestsätzen auf gewisse landwirtschaftliche Erzeugnisse, unter die nicht hinabgegangen werden darf, dafür gesorgt, daß nicht wieder die Kosten der deutscherseits zu gewährenden Erleichterungen von der heimischen Landwirtschaft getragen werden müssen. Um nun aber gleichfalls die deutsche Industrie nicht auf dem Wege der Kompensationen ungebührlich zu beeinträchtigen, sind die industriellen Zollsätze vielfach so hinaufgesetzt worden, daß auch im Falle einer Vertragsweisen Herabminderung einzelner Satze noch ein hinlänglicher Zollschutz übrig bleibt. Hiernach sind wir also in der Lage, unser nationalwirtschaftliches Interesse bei dem Abschlüsse neuer Handelsverträge zu wahren; und daß dies geschehen wird, daran ist nach den wiederholten Erklärungen des Grafen Bülow und nach andern vielsagenden Zeichen nicht zu zweifeln. Deutschland befindet sich in der angenehmen Lage, ein guter und finanzkräftiger Käufer zu sein. Alle Welt ist daran interessiert, ihm ihre Waren anzubieten, es selbst kann mithin die fremden Unter« Händler mit einem Gefühle der Sicherheit an sich herantreten lassen. ES ist kaum anzunehmen, daß'es einer von ihnen auf einen Bruch ankommen lassen wird.
Herr Docior macht. Den ganzen langen Tag herumlaufen und draußen essen, vielleicht sogar in den schmierigen Wirtshäusern, anstatt zu Hause zu bleiben und sich auszuruhen. Der Herr Doctor hätte wirklich Ruhe nötig, denn er sieht angegriffen aus."
„Geh doch, Perrine," antwortete Lemoine, „beruhige Dich. Ich werde mich nicht übermäßig ermüden. Außerdem habe ich eine Aufgabe zu lösen, die keinen Aufschub duldet und mich riesig interessirt. Ich versichere Dir, daß es mir wohler tut, mich damit zu beschäftigen und etwas frische Luft dabei zu schöpfen, als hier eingeschlossen zu bleiben und mit den Daumen zu spielen. Auf Wiedersehn also und beunruhige Dich nicht."
Mit diesen Worten ging Lemoine und rief, auf der Straße angelangt, eine Droschke herbei.
„Nach der PolizeiPcäfectur," sagte er und sprang in den Wagen.
Da er den Bureaudienern bekannt war, so brauchte er nicht zu antichambriren und alle die SecretariatS, Unterdirectionen usw. zu passiren, um zu dem Chef der Sicherheitspolizei vorzudringen.
„Wetten wir," rief dieser ihm entgegen, als er ihn eintreten sah, „wetten wir, daß, wenn Du zu so früher Stunde kommst, es das echte Pariser Drama von gestern ist, was Dich hierher führt?"
„Stimmt auffällig!" versetzte der Doctor.
„Und du hast vor, mir durch A plus B, voraus- gesetzt, daß es nicht durch X minus Z sein wird, zu beweisen, daß der Tod Dulacs, von den Polizeiberichten, den Zeitungsstimmen und der öffentlichen Meinung für
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d. ... .......
Dies gilt auch von unfern russischen Freunden. Man hat in Deutschland vielfach die Befürchtung zur Schau getragen, daß Rußland eine Revanche für unsern Zoll- tarif nehmen werde. Tatsache ist ja auch, daß dessen neues Tarifgesetz, besonders nach seinen Bestimmungen über eine eventuelle Begünstigung der See-Einfuhr, seine Spitze wesentlich gegen Deutschland richtet. Aber wir haben durchaus keine Ursache, uns dadurch imponieren zu lassen. Rußland braucht uns notwendig als Käufer seines Roggens, sonst artet der weitverzweigte landwirtschaftliche Notstand innerhalb seiner Grenzen in eine wirtschaftliche Katastrophe aus. Bei dem Zollkriege, welcher dem ersten deutsch-russischen Handelsverträge vor- anging, war es durchaus nicht Deutschland, das am schwersten darunter litt. Seitdem hat sich die wirtschaftliche Lage in Rußland noch ungünstiger gestaltet. Deshalb glauben wir, daß unsere Unterhändler nicht mit minderwertigen Gaben oder gar mit leeren Händen aus den Verhandlungen hervorgehen werden, und daß der hier gemachte Anfang auch nach anderer Seite hin von guter Vorbedeutung sein wird.
Das Lustschifferbataillon rückt am 24. d. MtS., Morgens um 6 Uhr mit einem Sonderzug vorn Anhalter Bahnhof nach Querfurt in Thüringen aus. Es nimmt sein ganzes Material mit, um fünf Tage lang an den Divisionsmanövecn des 4. und 11. Armeekorps in Thüringen und dann am Kaisermanöver im Königreich Sachsen teilzunehmen. Am 14. September wird das Bataillon mit der Eisenbahn nach Berlin zurückbefördert.
Die Vermählungsfeier der Prinzessin Alice von B a t t e n b e r g mit dem Prinzen Andreas von Griechenland wird nunmehr definitiv am 17. Oktober stattfinden. Das Zaarenpaar trifft bereits Anfangs Oktober dort ein.
Buren-Oberst Schiel ist in Reichenhall gestorben.
Aus Marseille, 9 August wird telegraphiert: Als der Ministerpräsident Combes von dem Bankett zu Ehren des Lehcerkongreffes zurückkehrend, die Präfiktur betrat, feuerte eine, wie ein Fischer gekleidete Person zwei Revolverschüsse in der Richtung des Wagens des Ministerpräsidenten ab; Combes wurde nicht verletzt. Der Täter ist verhaftet; er ist ein Italiener Namens Picolo. — Die amtliche Darstellung stellt in Abrede, daß ein Attentat auf den Ministerpräsidenten stattge-
Selbstmord erklärt, das Resultat eines Verbrechens ist, begangen von dem Mann mit der Maske im Austrage dieses Scheusals Saint-Magloire, alias Rozen."
„Mach keine faulen Witze! Der Beweis, daß mein Verdacht — von dem Du mir als erster sprichst, noch ehe ich überhaupt die Zeit fand, den Mund zu öffnen — gar nicht so lächerlich sein kann, ist, daß Du ihn schon geteilt hast. Du hast ihn sogar vor mir gehabt."
O! O! Uebertreibe nicht. Geteilt in dieser Bedeutung ist ein großes Wort, das die Wahrheit über« steigt. Du hast mir aber schon dermaßen den Kopf verdreht mit Deinem Roman, daß bei der unerwarteten Nachricht vom Tode Dulacs das Gespenst des Romans mir erschienen ist. Aber nur für eine Sekunde, gerade so lange, wie ich brauche, um mit den Augen zu zwinkern. Jetzt bin ich der erste, der darüber lacht, und der, wie Du siehst, sich über Dich lustig macht."
„Du hast unrecht, denn obwohl ich nichts weiß, nichts versichern kann, fühle ich, daß wir vielleicht endlich den Ariadnefaden gefunden haben, der uns ans Ziel bringen wird. Es genügt mir zu wissen, daß Du gedacht hast wie ich — und wenn es nur für eine Sekunde war —, um mich an meine Idee festzuklammern. Dieselbe Hypothese kann nicht zur selben Zeit, ohne vorausgegangene Besprechung, in den Gehirnkästen zweier Männer auftauchen, die sich — man darf es wohl sagen — besser auf psychologische Beobachtungen verstehen als manche andere, ohne daß für diese merkwürdige Gedankenübereinstimmung ein triftiger Grund, eine Erscheinung augenfälliger Logik vorliegt."