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HerWer Keisblatt.

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$r. 72. S»««übe«!l St« 26. Z««i 1962.

Amtlicher Teil.

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Nachdem Donnerstag, der 25. Juni er. als Tag zur Vornahme der engeren Wahl zwischen den beiden ReichStagS-Kandidaten

1. Rentier Nich. Müller in Fulda

2. Redakteur Ludwig Werner aus Cassel im Wahlkreise Hersfeld - Hünfeld - Rotenburg bestimmt worden ist, weise ich die Herren Bürgermeister des Kreises an, solches sofort auf ortsübliche Weise in der Gemeinde wiederholt bekannt machen zu lassen, und, daß dies geschehen, ungesäumt mir anzuzeigen.

Bei der Stichwahl haben dieselben Personen als Wahlvorsteher und deren Stellvertreter zu fungiren, welche ich hierzu für die erste Wahl ernannt hatte.

Die Wohlhandlung selbst hat gemäß § 31 des Reglements zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften, wie die am 16. d. Mts. erfolgte Wahl stattzufinden und verweise ich die Herren Bürgermeister auf meine unterm 29. Mai cr. Kreisblatt Nr. 64 bezw. unterm 6. d. Mts. Kreisblatt Nr. 67 er. laflenen diesbezüglichen Verfügungen.

Insbesondere mache ich darauf aufmerksam, dast bei der bevorstehenden engeren Wahl dieselben Wähler­listen zu verwenden sind, welche bereits bei der Haupt­wahl benutzt wurden und daß nachträgliche Berichtigungen derselben etwa durch Nachtragungen von solchen Wahlberech- tigten, welche bei der Aufstellung der Wählerliste für die Hauptwahl über­setzen worden sind oder inzwischen das 25. Lebensjahr zurttckgelegt haben, bezw. neu zu gezogen sind u. s. w. gemäß § 4 des Reglements strengstens verboten ist.

Dagegen sind diejenigen Personen, welche bei der Hauptwahl ihre Stimmen nicht abgegeben haben, aber in der Wählerliste sich eingetragen finden, berechtigt, bei der Stichwahl ihr Wahl­recht auszuüben.

Wie bei der Hauptwahl, so ist a u ch am 25. d. Mts. sofort nachSchluß der Wahlhandlung das Wahlergebnis mir in derselben Weise wie am Abend des 16. Junter, zu über» Mitteln.

Die hierzu sowie zu den Protokollen erfor­derlichen Formulare werden den Herren Bürgermeistern der Wahlorte unverzüg­lich durch die Post zugestellt werden.

Etwaiger Bedarf an Wahlzettel-Nmschlägen ist schleunigst bei mir anzumelden, damit für rechtzeitige Lieferung diesseits Sorge getragen werden kann.

Die Herren Wahlvorsteher mache ich sodann noch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß alle auf andere als die vorbezeichneten beiden Kandidaten fallenden Stimmen un­gültig sind.

Die HerrenBürgermeister wollen auf ortsübliche Weise auch hierauf die Wähler noch besonders Hinweisen.

T Hersfeld, den 19. Juni 1903.

3899. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rat.

Unter den Schafherden zu Reckerode ist die Räude ausgebrochen.

t H"afeld, den 12. Juni 1903.

3715. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, geheimer Regierungs-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Die am Dienstage vorgenommenen Wahlen zum Reichstage haben die unerfreuliche Tatsache ergeben, daß die Sozialdemokratie im ganzen deutschen Reiche gewaltig gewachsen ist. Die Umsturzpartei hat infolge ihrer maßlos gehässigen Wühlerei gleich im ersten An­sturm eine Reihe neuer Mandate erobert und hat Aussicht, bei den vielen Stichwahlen weitere Siege an ihre Fahnen zu ketten. Was die Sozialdemokratin gewonnen haben, das hat der Freisinn verloren. Die Freisinnige Volkspartei und die Freisinnige Vereinigung sind völlig zusammengebrochen; nicht ein einziges Mandat ist ihnen im ersten Wahlgange zugefallen. Wenn sie bei den Stichwahlen noch den einen oder andern Kandidaten durchbringen, so würden sie das lediglich den Konservativen und den Nationalliberalen verdanken. Wie die Frei­sinnigen, so hat auch der Bund der Landwirte schlecht abgeschnitten, während die Konservativen und das Cen­trum voraussichtlich in ihrer alten Stärke wieder in den Reichstag einziehen werden. Entscheidend für die Zusammensetzung des Reichstages sind die Stichwahlen. Möchten hier doch die staatserhaltenden Parteien vor allem nicht vergessen, daß die revolutionäre Sozial­demokratie ihr gemeinsamer Gegner ist, dem gegenüber die kleineren Partei-Unterschiede in den Hintergrund treten müssen!

Nächst den Reichstagswahlen haben die Begeben­heiten in S e r b i e n das allgemeine Interesse in An­spruch genommen. Die einstimmig erfolgte Wahl des Fürsten Peter Karageorgiewitsch zeigt, daß es den heute in Serbien herrschenden Persönlichkeiten gelungen ist, jeden Widerspruch niederzuhalten, und es ist begreiflich, daß dort niemand nach den letzten Geschehnissen die Neigung empfindet, sich den Unwillen des Heeres zu- zuziehen. Immerhin kommen Nachrichten aus Serbien, daß doch viele gebildete Kreise wegen der rohen Grau­samkeit entsetzt sind, mit der der König und die Königin abgeschlachtet wurden. Es werden darüber gräßliche Einzelheiten berichtet, die sich allerdings auf ihre Nichtigkeit hin schwer prüfen lassen. Wie dem aber auch sei, Fürst Peter wird sich sicher nicht immer in der Sonne einer ungeteilten Volksgunst wärmen, und die Aufgabe, die ihm erwächst, ist außerordentlich schwer. Es kann als sicher gelten, daß sowohl Rußland wie Oesterreich den neuen König anerkennen werden; die andern Mächte werden diesem Beispiel folgen. Was uns betrifft, so gilt auch noch heute von Serbien das Wort des Grafen Bülow:Den verschiedenen Balkan­völkern stehen wir freundlich und unparteiisch gegen­über." Aber der Reichskanzler fügte hinzu:Wir wünschen, daß Ordnung im Orient herrsche, schon weil das Gegenteil seine Rückwirkung auf den Occident nicht verfehlen würde."

Auch von Serbien abgesehen, hat die Lage auf der Balkanhalbinsel noch immer viele dunkle Punkte. Die mazedonische Gefahr ist trotz der Beschwörung des albanesischen Ausstandes und trotz der Unterdrückung der mazedonischen Komitees in Bulgarien noch immer nicht vollständig beseitigt. Desgleichen sind die Be­ziehungen der Pforte zu Bulgarien noch nicht so ge­bessert, daß jede Spannung überwunden wäre! Endlich hörte man in der letzten Zeit wieder von zahlreichen Zusammenstößen zwischen Türken und mazedonisch­bulgarischen Banden. Was in dieser Lage allein be­ruhigen kann und was der springende Punkt bleibt, ist die Tatsache, daß Rußland nach wie vor keine kriegerischen Verwicklungen auf dem Balkan dulden will, und daß es in diesem friedenssreundlichen Streben auf das eifrigste von Oesterreich Ungarn unterstützt wird.

Eine Umwälzung friedlicher Art hat sich in Italien vollzogen. Das demokratische Ministerium Z a n a r d e l l i ist einem Ansturm von links ge- wichen, nachdem es in der Kammer noch ein kleines

Vertrauensvotum errungen hat. Niedrige persönliche Angriffe gegen die Ehre des Chefs der Marine-Ver­waltung, die von den Sozialdemokraten ausgingen, sind die Ursache der Ministerkrise. Wahrscheinlich wird jedoch das Kabinet Zanardelli bald ganz oder mit kleinen Aenderungen wieder erscheinen. Das Gegenstück hierzu ist die Ministerkrisis in Ungarn, die durch den Rücktritt des Minister-Präsidenten v. Szell hervorgerufen wurde. Wie diese enden wird, darüber werden die nächsten Tage Aufschluß geben.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 18. Juni,

S e. Majestät der Kaiser ist gestern abend 11 Uhr 20 Min. vom Lehrter Bahnhof aus nach Meppen abgereist.

Der Kaiser besuchte heute die Landwirtschafts­Ausstellung in Hannover und nahm das Diner beim Grafen Waldersee ein.

Ihre Majestät die Kaiserin stattete gestern nachmittag der Frau Prinzessin Friedrich Karl einen Besuch ab. Heute früh wohnte Ihre Majestät im Königlichen Schlosse der 15. Jahresversammlung des Evangelisch-kirchlichen Hülfsvereins und später imAugusta- Hospital der Einweihung des Feierabendhauses für Schwestern bei. Sodann begab Sich Ihre Majestät nach Potsdam bezw. dem Marmorpalais zurück.

Der Kaiser, welcher seinen Besuch der Deutschen Städte-Ausstellung in Dresden für den 1. September zugesagt hat, wird an diesem Tage auch die zum Deutschen Städtetag am 1., 2. und 3. September versammelten deutschen Stadtvertreter empfangen, an die soeben die Einladungen ergangen sind. Jede Stadt mit weniger als 100 000 Einwohnern entsendet zwei Vertreter, jede Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern ebenfalls zwei und für jedes weitere angefangene 100000 noch je einen Vertreter. Nur die Städte über 25 000 Einwohner haben Einladungen erhalten.

Nach dem jetzt vorliegenden W a h l r e f u l t a t sind die Wahlergebnisse folgende: 31 Konservative, 88 Zen­trum, 14 Polen, 6 Reichspartei, 54 Sozialdemokraten, 4 Wilde, 6 Elsässer, 5 Nationalliberale, 1 Däne, 1 Neformpartei, 3 Bauernbund. Es finden 184 Stich­wahlen statt; daran sind beteiligt: 37 Konservative, 122 Sozialdemokraten, 24 Freisinnige Volkspartei, 65 Nationalliberale, 11 Freisinnige Vereinigung, 4 Elsässer, 8 Polen, 16 Reichspartei, 1 Bündler, 5 Antisemiten, 35 Zentrum, 10 Wilde, 5 Bauernbund, 8 Deutsche Volkspartei, 8 Welsen, 8 Reformpartei.

Zur Ausführung des Kinderschutzge­setzes erörtert ein Erlaß des Handelsministers die Frage, welche Vorschläge dem Bundesrat für die Fest­setzung der Ausnahmebestimmungen, betreffend die Be­schäftigung eigener Kinder in gewerblichen Be­trieben, während der zwei ersten Jahre nach Inkraft­treten des Gesetzes gemacht werden sollen. Der Minister gibt dafür die generelle Anweisung, es sei im Interesse des mit dem Gesetze verfolgten Zweckes grundsätzlich davon auszugehen, daß bei der Zulassung von Aus- nahmen nirgends über das Maß des im wirtschaftlichen Interesse der betroffenen Betriebe unbedingt Gebotenen hinausgegangen wird.

Im Beisein der Minister v. Podbielski und v. H a m m e r st e i n wurde heute in Hannover die L a n d - wirtschafts-Ausstellung eröffnet.

Der in Amerika weilende preußische Finanzminister F r h r. v. R h e i n b a b e n wurde gestern in Washington dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgestellt. Das darauf folgende Sänger­fest in Baltimore gab Herrn Roosevelt Gelegenheit, sich anerkennend über das deutsche Element zu äußern.

Rußland macht dem neuen König von Serbien die Bestrafung der Königsmörder zur Pflicht.

Der Sultan v o n M a r o k k o scheint sich jetzt doch etwas sicherer zu fühlen vor den Rebellen. Im