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Rr. 71. Ionnerftag m 11 Kni 1903.

Amtlicher Teil.

Zum Schutz der Reichs-Telegraphenanlagen sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänder- ung von Bestimmungen des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen:

§ 317. Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Tele - graphenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Teile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Ge­fängnis von einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

§ 318. Wer fahrlässiger Weise durch eine der vorbezeichneten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage ver­hindert oder gefährdet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neun­hundert Mark bestraft.

Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§ 317 und 318 sind Fernsprechanlagen mitbegriffen.

Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig teils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Steinwürfe rc.), teils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Zugleich wird demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der Reichs-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Täter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mark hiermit zugesichert.

Caffel am 20. Mai 1903.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hosfniann.

Gefundene Gegenstände:

Zwei Kriegervereins-Abzeichen. Meldung bei dem Ortsvorstand zu Schenktengsfeld.

Nichtamtlicher Teil.

Der Thronwechsel in Serbien.

Das schauderhafte Königsdrama in Belgrad hat nun­mehr mit der Erhebung des Prinzen Peter Karageorge-

. Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile G a u t i e r.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Bankier hatte seine Kaltblütigkeit wieder ge­wonnen. Er kannte Lavardens genugsam, um ihn * eines Verrats für unfähig zu halten, und er wußte, daß er ihn bald in seinen Dankesschuldner um- l wandeln konnte.

Gut," sagte er, indem er seine ganze Kühnheit zurückfand, und kalt, der Gefahr spottend, setzte er hinzu:Ich bin'S. Jetzt bin ich in Ihrer Hand. Der Augenblick ist Ihnen günstig. Was Sie vorhin erbaten, jetzt können Sie es erheischen . . ."

«Nein, nein," halten Sie ein!" rief Lavardens. «Gott behüte, daß ich eine Ueberraschung dazu benutze, - feie auszubeuten. Sie haben viel gefehlt, ich sage es offen; Sie sind der Strafe entgangen und haben dank Ihrer Intelligenz eine außergewöhnliche Stellung er- rungen. Ich |e^e jn Ihnen nur noch den Baron Sarnt-Magloire, dessen Hilfe ich erbitte, wie ich es ge- | ran, als ich eintrat."

- »Ich danke Ihnen," sagte der Bankier, indem er : ihm Hand reichte,auch Sie sind ein außer­gewöhnlicher Mensch, Lavardens. Die sozialen Vor- urteile haben Ihre Ritterlichkeit und Geradheit nicht veernstußt ... und der Baron Saint-Magloire wird

witsch auf den serbischen Thron geendigt. Der neue König ist ein Nachkomme jenes schwarzen (Kara) Georg, der sich vor hundert Jahren durch die Befreiung Ser» biens vom türkischen Joch zum Oberkommandanten auf- schwang. Die Herrschaft hat dann zwischen den Häusern Karageorgewitsch und Obrenowitsch gewechselt. Von 18171839' herrschte Milosch Obrenowisch, der ab- dankte. Von 18421858 herrschte der Sohn des Kara Georg, Alexander Karageorgewitsch, der dann von dem alten Milosch Obrenowitsch wieder vertrieben wurde. Seitdem waren die Obrenowitsche ununterbrochen an der Regierung, jedoch hielten die Karageorgewitsch« ihren Thronanspruch aufrecht.

Es ist kaum zweifelhaft, daß der nunmehrige König Peter im geheimen eine lebhafte Agitation nach Serbien unterhalten und insbesondere die wachsende Mißstimmung der serbischen Armee gegen den König Alexander für sich auSzunutzen verstanden hat. Daß er aber von dem Mordplan gegen den König und die Königin Draga vorher Kenntnis gehabt habe, ist durch nichts erwiesen und kaum wahrscheinlich.

Der Abscheu vor dem mit äußerster Brutalität ver­übten Morde kann nicht gemildert werden durch die Sünden, die der unglückliche, in der völlig zerrütteten Ehe des Königs Milan und der Königin Natalie aus­gewachsene Alexander und die herrschsüchtige, rücksichtslos auf die Vorteile ihrer Familie bedachte Draga auf sich geladen hatten. Es fragt sich, ob die Verschwörer be­straft werden. Von den fremden Mächten hat sich keine in das KönigSdrama cingemischt. Die nächstinteressierten, Rußland und Oesterreich-Ungarn, waren alsbald einig darin, den Dingen ihren Lauf zu laffen und ohne An­erkennung der provisorischen Regierung die weitere Ent­wickelung abzuwarten. Schlimmer konnte die politische Lage nicht wohl werden, als sie sich in der letzten Zeit in Serbien durch den Verfassungsbruch des Königs Alexander und durch hje verwegene Absicht der Draga, ihren Neffen, einen jungen, äußerst mißliebigen Leutnant zum Thronfolger zu machen, schon gestaltet hatte. So werden die Mächte die Wahl des neuen Königs Peter anerkennen und seiner Thronbesteigung keine inter­nationalen Schwierigkeiten entstehen.

Die nächste innere Schwierigkeit für ihn aber wird sein, wie er sich zu den Urhebern des Blutbads im alten Konak stellt. Eine Offiziersversammlung soll beschlossen haben, daß den Kameraden, die die Tat der Befreiung

sich glücklich schätzen, Ihnen seine Dankbarkeit zu be­weisen. Sie haben mir vorhin ein Geschäft vorge- schlagen, das ich für sehr gut halte, aber verlangt zu viel Zeit und Mühe, viel zu viel Mühe, viel zu viel Zeit. Ich will Ihnen ein anderes vorschlagen, welches Ihnen schneller größere und schönere Gewinne ver­spricht. Ich werde Sie schnell reich und angesehen machen!"

Und mit der ihm eigenen Redegewandtheit, die an Meisterschaft grenzte, begann er, ihm den Plan zu ent» wickeln, welchen er seit langem schon erwogen.

Aber was gefürchtet, trat ein. Die Miene seines Gegenübers verfinsterte sich mehr und mehr und zeigte anstatt Freude und Enthusiasmus eine lebhafte Verlegenheit.

Ich bedauere sehr," sagte verwirrt Lavardens, als Rozen seine Ausführungen beendet hatte,leider kann ich Ihren Vorschlag nicht annehmen."

Aber bedenken Sie doch," rief der Bankier betreten, unser Gold ist wirkliches, wahrhaftiges Gold, welches sich in nichts von dem echten unterscheidet. Sehen Sie selbst; wo finden Sie einen Unterschied?" Und damit reichte er ihm eine Barre, die er seinem Schreibtisch entnommen.

Ich weiß, daß das falsches Gold ist, und das genügt mir," antwortete einfach Lavardens

Es wäre vergebliche Mühe gewesen, ihn umstimmen zu wollen. Er war seit den ersten Worten Rozens da­von überzeugt, daß er in die Höhle einer Falschmünzer­bande geraten.

von dem Willkürregiment des verhaßten Königspaares vollbrachten, keine Belohnung (!) zu teil werde. Was wäre dann von der Stimmung der Armes zu erwarten, wenn die Mörder bestraft würden? Wenn der erste Freudenrausch über den Thronwechsel vorüber ist, wird sofort auch der alte Parteizank in Serbien wieder auf­leben, so daß es dem neuen König an sehr ernsten Sorgen nicht fehlen wird.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 16. Juni,

Se. Majestät der Kaiser empfing gestern nachmittag den Maler Prof. Hans Bohrdt. Zur Abendtafel waren der Kronprinz und Prinzessin Feodora zu Schleswig-Holstein geladen. Heute morgen um 7 Uhr begab Se. Majestät der Kaiser Sich nach Kummers­dorf zur Vorführung von Geschützmodellen und Schieß- versuchen. Se. Majestät traf Mittags in Berlin ein und hörte im Königl. Schlosse den Vortrag des Stell- Vertreters des Chefs des Militärkabinets, Obersten v. 'Oertzen. Se. Majestät gedenkt bis morgen abend in Berlin zu verbleiben.

Gestern, am Todestage Weiland Sr. Majestät Kaiser Friedrichs, erschienen gegen 8V2 Uhr Vormittags Ihre Kaiserlichen Majestäten im Mausoleum der Friedenskirche in Potsdam und legten am Sarkophage Kaiser Friedrichs einen Lorbeerkranz mit weißen Nelken und Orchideen nieder. Gegen I2V2 Uhr traf Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kronprinz am Mausoleum ein, wo er von einer Abordnung des Offizierkorps des Regiments Kronprinz erwartet wurde, die einen Kranz aus Lorbeer und Palmwedeln mit weißer Schleife überbrachte. In Begleitung der Ab­ordnung legte der Kronprinz hierauf den Kranz am Sarkophage Kaiser Friedrichs nieder. Auch Prinz Friedrich Leopold und verschiedene Offizierkorps sowie Kriegervereine legten Kränze am Grabe nieder.

Ueber das genaue Reiseprogramm des Kaisers werden folgende Einzelheiten gemeldet: Am Mittwoch, dem 24. Juni, trifft der Kaiser von Cuxhaven in Kiel ein, um den Regatten der Kieler Woche beizu- wohnen. Am Donnerstag, dem 25. Juni, wird der Kaiser in Beisein der in Kiel anwesenden Admirale um 9 Uhr vormittags einem Vortrage über Funkentelegraphie

Rozen konnte also nur auf verbrecherischem Wege vorwärtskommen?

Fast wollte es ihn gereuen, zu edelmütig gewesen zu sein. Die schöne Rednergabe Rozens war an diesem hartköpfigen Ehrenmanne verloren, aber plötzlich brach der Bankier mit seiner gewohnten Geistesgegenwart den Bann. Mit einem seinen Lächeln der Ueberlegenheit be­gann er:

Also immer der alte Tugendbold, mein lieber Lavardens! Ich habe es wohl geahnt, aber ich wollte Sie auf die Probe stellen. Verzeihen Sie mir! Ich habe die Schlechtigkeit der Menschen so oft und aus der Nähe sehen müssen und habe so viel darunter gelitten, daß ich ein eingesteischter Misanthrop, ein Skeptiker und Pessimist geworden bin. Glauben Sie mir, daß neun Zehntel aller ehrlichen Leute der ganzen Welt ohne Unterschied der gesellschaftlichen Kaste sich darum ge­rissen hätten, meinen Vorschlag anzunehmen! Sie da­gegen, Sie haben nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Es tut mir wohl, endlich einen Mann gefunden zu haben, der fest gegen alle Versuche ist, es tut mir wohl, und es rührt mich, daß der Gefundene gerade derjenige ist, der mir die Hand allein gereicht hat, als ich im Unglück und, leider, fei es gesagt, im Verbrechen lebte ... der Mann, der mir die Möglichkeit gab, das große Werk der Rehabtlitirung, der Wiederaufrichtung des inneren Menschen zu unternehmen und durchzu- führen. Hören Sie, alter Freund, wenn es möglich wäre, künstlich Gold herzustellen, wie ich Ihnen vorhin sagte, so wäre das Gold deshalb doch nicht falsch . . .