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«r. 57.
Nnt* den 11 Mai
Amtlicher Teil.
ReichstaBvchl betreffe»».
Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 17. April d. Js. — Kreisblatt Nr. 47 — verfehle ich nicht, die Herren Ortsvorstände nochmals darauf hinzuweisen, daß die Auslegung der Wählerlisten am
Montag den 18. Mai d. Js. zu beginnen und volle a ch t Tage zu dauern hat.
Die vorgeschriebene Bekanntmachung hinsichtlich der Offenlegung der Liste hat v o r h e r a u f ortsübliche Weise und spätestens am 16. Mai er. zu erfolgen.
Hersfeld, den 13. Mai 1903.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, den 12. Mai.
Se. Majestät der Kaiser ist gestern nachmittag um 5 Uhr von Karlsruhe nach Straßburg i. E. abgereist. Zur Verabschiedung waren Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Groß' Herzogin, der Erbgroßherzog und Prinz Max von Baden aus dem Bahnhose erschienen. Um 6 Uhr 20 Min. Abends traf Se. Majestät in Straßburg ein. Zum Empfang am Bahnhöfe waren erschienen Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Staatssekretär v. Köller, der kommandierende General des 15. Armeekorps Ritter Hentschel v. Gilgenheimb, der Gouverneur Generalleutnant v. Moßner, Polizeipräsident Dall u. a. Se. Majestät der Kaiser begrüßte die Erschienenen aufs herzlichste, schritt die Ehren- kompagnie ab und fuhr nach dem Vorbeimarsch der letzteren mit dem Statthalter im offenen Wagen, eskortiert von einer Abteilung des Rheinischen Husaren- Regiments Nr. 9, unter den begeisterten Zurufen des Publikums nach dem Kaiserpalast. Abends fand im Kaiserpalast ein Essen zu 50 Gedecken statt, an welchem außer Sr. Majestät dem Kaiser und den Herren des
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Muß ich Euch das Gedächtnis etwas auffrischen?" versetzte der Vorstädter von Paris lustig. „Bastien . . . Macaron, wenn's Euch besser gefällt!"
„Ach ja, jetzt erinnere ich mich!"
„Weiß der Himmel!" Das macht Spaß, so ein paar tausend Kilometer von der Heimat einen Gefährten zu treffen, und dann muß ich Euch auch einen wirklichen Kerl, einen ganzen Kerl vorstellen — Gaston Rozen." Dann zu Rozen gewendet: „Der Genosse Henry Dulac, ein Mitbruder. Ihr werdet Euch gut miteinander vertragen."
Dulac und Rozen reichten sich die Hände.
„Doch," fuhr Macaron fort, „man kann sich nicht aus dem Trottoir begucken . . . wenn wir in ein Cafä eintreten würden?"
Nicht weit von ihnen lag ein Gase mit glänzend erleuchteten Erkern. Sie traten dort ein. Bastien machte Dulac mit ihren Erlebnissen bekannt. Er er= zählte ihm den Aufstand der Sträflinge, ihre Flucht aus dem Bagno und die Gefahren, die sie seitdem überstanden.
Während Macaron sehr feurig ihre Abenteuer auf« tischte, beobachtete Rozen den neuen Bekannten. Er schien den Charakter dieses Mannes ergründen zu wollen.
Gefolges teilnahmen: der Statthalter Fürst zu Hohen- lohe-Langenburg, Staatssekretär v. Köller, die Unterstaatssekretäre, der Bürgermeister Back, die Generalität und die Spitzen der Behörden. Nach dem Essen hielt Se. Majestät der Kaiser Cercle.
Es ist nunmehr gewiß, daß das gegenwärtig vor Villafranca vor Anker liegende Mittelmeergeschwader der Vereinigten Staaten gegen Ende dieses Monats nach Kiel in See gehen wird. Die Bedeutung dieses Ereigniffes darf nicht unterschätzt werden. Es bildet ein weiteres Glied in der Kette der innerhalb der letzten Jahre zwischen dem Deutschen Reiche und den Vereinigten Staaten ausgetauschten Höflichkeits- und Freund- schaflsbezeugungen die in der herzlichen Aufnahme und Begrüßung des Prinzen Heinrich von Preußen seitens der Vertreter der Behörden und der Bevölkerung anläßlich feiner Reise durch die Unionsstaaten ihren bedeutungsvollsten Ausdruck erhalten haben.
Der aus der diesjährigen Begebung von 3 proz. R e i ch S a nl e i h e der Reichshauptkafle noch zustehende Restbetrag ist an sie bereits jetzt — zwei Wochen vor dem auf den 26. d. Mts. festgesetzten Endtermin — vollständig bezahlt worden. Auch hat die Lieferung aller Stücke der begebenen Reichsanleihe nunmehr stattge- funden, so daß demnächst im Umtausch gegen diese die Einziehung der ausgegebenen Jnterimsscheine vor sich gehen wird.
Für das abgelaufene Etatöjahr haben aus den im Etat der Staatseisenbahnverwaltung zur Prämiirung nützlicher Erfindungen vorgesehenen Mitteln 16 Beamten und Arbeitern der Eisen- bahnverwaltung Belohnungen im Gesamtbetrage von 5950 Mk. für Erfindungen und Verbesserungen, die für die Erhöhung der Betriebssicherheit oder in wirtschaftlicher Beziehung von Bedeutung sind, bewilligt werden können.
Ein Besuch des Kaisers in Mainz ist für den 10. Juni in Aussicht genommen. An diesem Tage soll auf dem Großen Sande in Gegenwart des Groß- Herzogs von Heffen eine Truppenschau abgehalten werden, an der der Kaiser von Wiesbaden aus teilzunehmen gedenkt.
Für die militärischen Festlichkeiten zum ehrenden Gedächtnis Friedrichs des Großen am 28. und 29. Mai inDöberitz werden besondere Vorbereitungen getroffen. Das ganze Barackenlager wird mit reichem
Sein Blick war lebhaft und voll Intelligenz, doch fühlte man, trotz der anscheinenden Stärke, daß man es mit einem Unentschlossenen, einem leicht zu führenden Menschen zu tun habe. Die Unterhaltung entwickelte sich, und nach und nach begannen beiderseitige Geständnisse und Vertraulichkeiten. Von beiden Seiten wurden die Zu- kunftspläne enthüllt.
Rozen ergriff beredt das Wort; seine warme und überzeugende Stimme nahm die Hörer gefangen. Er machte aus feiner Jugend einen für sich vorteilhaften Roman und zeigte sich darin als unschuldig Verurteilten, der einen Menschen, einen Mitbruder retten gewollt.
Und Dulac hörte vertrauensvoll und ganz bewegt dies Märchen an, das schon so treffliche Wirkung in Cayenne auf Elena gehabt. Auch Macaron hörte aufmerksam zu, ebenfalls von der musikalischen Stimme Rozens eingewiegt. Dann erzählte Rozen ihnen von seinem Traum: die bezähmte Gesellschaft; Reichtum, Macht in den Händen einiger Genossen, die ihm folgen würden.
Er sprach weitschweifig und zeigte, daß, wenn die Anfänge des Werkes schwierig sein müßten, das Glück und der Ruhm schließlich die Anstrengungen der Verbündeten krönen würden. Dank ihnen würde die besser gewordene Gesellschaft eine neue Aera heraufblühen sehen.
Keine Armen mehr, keine Sklaven! Freie Männer, die für sich selbst arbeiten, nicht mehr für die schlimme Bande der heutigen Finanzwelt.
Dulac hörte ihm zu, ganz hingerissen von den
Festschmuck versehen. Die Feier am Vorabend der Denkmalsenthüllung, an dem der große Zapfenstreich ausgeführt wird, findet in der Zeit von 8 bis 11 Uhr statt. Der Kaiser übernachtet im Barackenlager. In aller Frühe des 29. Mai beginnt die große Gefechtsübung des Gardekorps; soweit die Truppen nicht im Lager selbst untergebracht werden können, finden Ein- quatierungen, namentlich der Kavallerie, in den umliegenden Ortschaften statt. Nach beendigter Uebung wird das ganze Korps an derselben Stelle zusammen- gezogen, wo vor 150 Jahren Friedrich der Große seine Heerschaaren um sich sammelte.
Der Leiter des Militär-Reitinstituts in Hannover General von Mitzlaff wurde durch den Hufschlag eines Pferdes schwer verletzt.
Einen neuen Bauernfang versuchte der sozialdemokratische Reichstagskanditat Ewald in einer kürzlich stattgehabten Versammlung in Werder. Er versicherte den Anwesenden, daß im sozialdemokratischen Zukunsts. floate bei Erbteilungen eines bäuerlichen Besitzes das - Gut nicht wie jetzt mit Hypotheken zum Zwecke der Ab- findung der übrigen Geschwister belastet werden würde. Der Staat würde vielmehr alsdann diese Erben mit Tausendmarkscheinen abfinden, die nur mit Vs v. H. verzinst zu werden brauchen. Abgesehen davon, daß bei einem solchen Verfahren der Staat einfach Bankerott machen müßte, ist die Sache schon deshalb fauler Schwindel, weil es im sozialdemokratischen Zukunfts- staate gar keinen Privatbesitz an Grund und Boden, weder großen noch kleinen, weder ländlichen, noch städtischen, geben wird.
Einfach in die Luft sprengen will der sozialdemokratische Abgeordnete Kunert bei der Verwirklichung des sozialdemokratischen Zukunsts- staates diejenigen, welche sich am letzten Ende dafür nicht gewinnen lassen. Wörtlich führte Herr Kunert nach der „Eberswalder Ztg." in einer sozialdemokratischen Wählerversammlung kürzlich in Eberswalde aus: „Jeder vierte Mann im Reiche sei schon heute Sozialdemokrat. Die diesjährige Wahl wird sicher den Beweis bringen, daß die Hälfte im deutschen Reiche der Sozialdemokratie angehört. Wir stehen aber nicht damit stille, wir bekommen noch einen zweiten Mann, und wenn dies bei oberirdischer Arbeit nicht gelingt, wird es unterirdisch versucht werden. Beim Rest, der sich dann nicht aufklären läßt, werden sich Mittel finden, ihn einfach in
Utopien, mit denen Rozen seine Gewinngier, seine erschreckende Herrschsucht maskirte.
„Ach," rief er in sichtbarer Bewegung, als Gaston geendet, „wie schade, daß Sokolow nicht hier ist . . . er würde Ihnen um den Hals fallen. Mit einem Menschen wie Sie würde man eine Welt wieder aufbauen !"
„Sokolow," versetzte Rozen, „Sie wissen, wo Sokolow istr
„Er war hier, knapp sind'S zwei Monate."
„Seine Hilfe wäre uns unentbehrlich," fuhr Gaston fort. „Das Genie dieses Apostels der geheiligten Sache würde uns über die Anfangsschwierigkeiten triumphiren helfen. Er muß einer der Unsern sein . . ."
„Gegenwärtig," erwiderte Dulac, „ist er mit einem halben Dutzend Gefährten nach Chaco, unweit von Formosa, gereist, um ein Arkadien zu gründen, ein Land, wo es weder Herren noch Diener geben würde."
Rozen lächelte. Ja, er erkannte darin diesen Sokolow, den edelmütigen und begeisterten Mann, der für den Triumph seiner Ideen, die absolute Gleichheit unter der Menschheit, jedes Opfer bringen würde. Er erinnerte sich, daß der Gelehrte auf chemischem Wege Gold her- zustelley versuchte, und seine Untersuchungen über das Argentaurum hatten ihn besonders interessirt.
Er mußte um jeden Preis diesen Mächtigen für sich gewinnen. Sein Entschluß war sofort gefaßt.
„Ich werde Sokolow aussuchen und ihn hierher bringen!" Dann fragte er Dulac: „Warum sind Sie ihm nicht gefolgt?"