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GeaLisb eiligen r,,3UnftrirUs »öimwafWatt0 x. „30uftrirte LandwirthschLftlich» Aettage.^
Sr. 51. IMnerstas Ute K April 1963.
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Amtlicher Teil.
HerSfeld, den 16. April 1903.
Die unter den Geflügelbeständen in der Gemeinde Kleba ausgebrochene Seuche ist erloschen.
I. 2353. Der Königliche Landrat.
J. V.:
■ _______________________________T h a m e r,__________
Der nächste Viehmarkt zu Fulda wird am 14. Mai d. Js. — Auftrieb beginnt um 6 Uhr morgens — abgehalten.
Am 27. Mai d. Js. findet zu Fulda ein Bullenmarkt statt, zu welchem der Auftrieb erst um 8 Uhr Vormittags beginnt.
Für beide Märkte find die bisherigen Anordnungen maßgebend.
Hersfeld, den 28. April 1903.
Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
z Berlin, den 28. April.
Seine Majestät der Kaiser hörte gestern vormittag noch den Vortrag des Ministers Budde und empfing eine Deputation deö schwedischen Bohuslaen- RegimentS Nr. 17, welche sich zur Jubiläumsfeier des 33. Infanterieregiments Graf v. Roon begab. Nach- mittags unternahm Se. Majestät einen Ausritt. —
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Rozen rang die Hände, seine Augen blitzten in grimmer Wut, wenn er sich sagte:
„O, ich werde meine Rache haben, und sie wird furchtbar sein! Zu was würden mir denn alle Kennt- nisse, so viel Kühnheit und mein erfinderischer Geist nutzen? Ich habe einen Fehltritt getan, bin ausgeglitten, gut . . . aber ich werde mich wieder erheben. Ich muß von hier fortkommen, und die Lektion wird nicht umsonst gewesen sein. Ich war zu jung . . . doch jetzt, jetzt will ich, daß sich mir alles beugt . . . ich will, daß die Mächtigsten der Erde mit mir zählen! Ja, ich werde von dieser verfluchten Insel fliehen; ich werde wieder im vollen Leben Fuß fasten und steigen, hoch und höher, auf einen goldenen Sockel, vor dem die Größten zu meinen Füßen liegen und meinen Schutz anflehen sollen. Hinfort will ich nicht nur Vermögen und Liebe, ich will, was alles umfaßt: Macht. Alle und alle will ich unter meiner Hand beugen. Ich will König sein, und mehr als König: Beherrscher der Welt.
Männerehre und Frauentugend, Ruhm und Genie — ich werde das alles mit Füßen treten, wenn ich Gold habe, viel Gold, um alles Große und Edle zu ersticken. Die Menschheit soll nur noch ein Marionetten-Spiel
Heute morgen begab Se. Majestät Sich nach Potsdam, um auf dem Bornstedter Felde den Bataillonsbestch- tigungen des 1. Garderegiments zu Fuß beizuwohnen. Auf der Fahrt nach Potsdam hörte Allerhöchstderselbe den Vortrag des Staatssekretärs Kraetke.
Ihre Majestät dieKaiserin gedenkt morgen vormittag in der Delegiertenversammlung des Vaterländischen Frauenvereins im Ministerium der öffentlichen Arbeiten und übermorgen in der Generalversammlung des Vereins in der Singakademie zu erscheinen. Von dem beabsichtigten Empfang und der Vorstellung von Delegierten im Königlichen Schlöffe wird mit Rücksicht auf die für die hohe Frau noch erforderliche Schonung in diesem Jahre dagegen Abstand genommen werden.
Se. Majestät der Kaiser traf heute Vormittag auf der Wildparkstation ein und begab sich von dort zu Pferde nach dem Bornstedter Felde, wo er aus Anlaß der Wiederkehr des Jahrestages der Schlacht bei Großgörschen eine Truppenbestchtigung vornahm. Hierzu hatten auf dem Felde das 1. Garde-Regiment und das Lehr-Jnf.-Bataillon Aufstellung genommen. Nach der Besichtigung fand ein Exerzieren im Feuer statt, zu dem noch herangezogen waren 2 Kompagnien Garde- Jäger, die Unteroffizierschule, das Leib-Garde-Husaren- Regiment, das 1. Garde-Manen-Regiment und 2 Batterien des 4. Garde-Feldartillerie-Regiments. Nach der Kritik nahm Seine Majestät zweimaligen Parademarsch der Truppen ab und hielt sodann inmitten eines vom 1. Garde-Regiment gebildeten offenen Karrss eine kurze Ansprache. Darauf begab sich der Kaiser zum Frühstück nach dem Offizierkasino des 1. Garde- Regiments.
In Begleitung des Kaisers auf f e i n e r R e is e nach Rom werden sich Reichskanzler Graf Bülow, Feldmarschall Graf Waldersee und die drei KabinetS- chefs befinden. Zur Auffahrt des Monarchen in den Vatikan werden 17 Pferde und 3 Equipagen aus dem Kaiserlichen Marstall mittels Sonderzuges von Berlin via Brennerbahn nach Rom gebracht werden.
Der Abschluß brauchbarerHandelSver» träge wird die erste und wahrscheinlich auch die wichtigste Aufgabe sein, mit der sich der neue Reichstag zu beschäftigen haben wird. Von seiner Entscheidung wird für eine lange Reihe von Jahren die Gestaltung des gesamten deutschen Wirtschafts- und Erwerbslebens ab. hängig gemacht werden. Es ist klar, daß diejenigen die
fein, dessen Drähte ich halten werde. Rozen, dummer Lebemensch, geschickter Schwindler, Du bist tot! Ein anderer Mensch wird aus der Zwangsjacke der Nummer 883 hervorgehen. Vor dem neuen Eroberer werden sich alle im Staube winden. Ein Dämon soll Mensch werden und wird die teuflische Runde um das goldene Kalb aufführen."
Vor den Augen des Sträflings, im Dunkel der Baracke, erschien Paris, Paris, das er zerstückeln wollte, Paris, das er mit Tränen und Blut überschwemmen würde . . . Aber nach solchen Träumereien und Hallucinationen überlegte Nr. 883 lange. Er sagte sich, daß seine gute Führung ihn nach frühestens zwei Jahren nach dem Festlande versetzen würde.
Von der Königsinsel fliehen! Das war unausführbar. Die Flucht — Rozen wußte es wohl — war nur von Maroni aus möglich, dem Orte, wo die Verbannten und Sträflinge untergebracht waren, denen man nach genügend langem Aufenthalte im Bagno ein leichteres Geschick und eine relative Freiheit gewährt hatte. Er mußte es also auf jeden Fall durchsetzen, dorthin gebracht zu werden. Von dem Tage an, an dem er diese Idee ausgesonnen, suchte Nr.^883 nach einem Mittel, sie zu verwirklichen.
Er stellte sich krank und wurde ins Hospital gebracht. Dort strengte er sich an, durch resignirte Haltung und eifrige Frömmigkeit die Zuneigung der Pflegeschwestern zu erlangen. Man behandelte ihn mit Wohlwollen, hoch bald begriff er, daß er von dieser Seite nichts zu erwarten hatte. Die Oberin empfahl ihn den Wärtern,
Tragweite des Bestehens langfristiger und den deutschen Interessen günstiger Handelsverträge am lebhaftesten empfinden und in richtigster Weife beurteilen können, deren finanzielles bezw. wirtschaftliches Wohl und Wehe mit dieser Frage aufs engste verknüpft ist. Auch aus diesem Grunde müssen von Seiten der Or^nungs- Parteien alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, daß eine Partei, die ohne Unterschied aöes’negiert, was zur Erhaltung und Förderung der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen beitragen könnte, nicht noch weiter Macht gewinnt, als sie leider, gefördert durch den wachsenden I n d i f f e r e n t i S mus weiter V o l k s k r e i s e in politischen Angelegenheiten, schon gewonnen hat. Dabei hätte gerade die sozialdemokratische Partei, wenn sie wirklich, wie sie angiebt, als Vertreterin der Interessen der deutschen Arbeiter gelten will, noch mehr als die Vertreter von Industrie und Handel Anlaß, die Bemühungen der Regierung, zu günstigen Handelsverträgen zu gelangen, zu unterstützen. DaS Gegenteil hat die S o z i a l d e m o k r a t i e getan. Sie hatte alle Kräfte daran gesetzt, das Werk der Zoll, tarifvorlage zu zerstören, und es wäre ihr tatsächlich gelungen, die Vorlage zu Fall zu bringen, die sicherlich allen Gebieten des deutschen Wirtschaftslebens zu Ratten kommen wird, wenn nicht die übrigen Parte.en sich gegenüber diesen Angriffen fest zusammengeschlossen hätten. Nicht minder groß ist die Gefahr, wenn die Frage über Abschlüsse von Handelsverträgen dem neuen Reichstag zur Beratung gestellt wird. Gewinnt dann die Sozialdemokratie die Oberhand oder gelingt es nicht, eine Mehrheit für die von der Regierung in Vorschlag gebrachten Verträge zu stände zu bringen, so müssen unter allen Umständen Handel und Wandel in deutschen Landen und der gesamte auswärtige Handelsverkehr Deutschlands den schwersten Erschütterungen und Verlusten ausgesetzt werden. Dieser schweren Gefahr vorzubeugen, ist Pflicht jedes auf nationalem Boden stehenden Bürgers. Nicht erst im neuen Reichstag darf der Kampf gegen die Sozialdemokratie begonnen werden. Nicht immer wird es gelingen, den Strom einzudämmen, der schon an den Grundmauern des Staates und der Gesellschaft nagt. Seinem weiteren Vordringen müssen sich einheitlich und einmütig die in dem Gedanken an die Größe und Ehre des deutschen Vaterlandes geeinigten Vertreter aller übrigen Parteien entgegenstellen.
aber dies war auch alles. Rozen war der Verzweiflung nahe. Kein Mittel kam ihm in den Sinn, das ihm zur Flucht von der Königsinsel verhelfen konnte. Um die Aufmerksamkeit der Behörde auf sich zu lenken, wäre die Gelegenheit zu einer mutigen Tat nötig gewesen, ober er hätte sich durch einen jener Dienste hervortun müssen, die man reichlich belohnt — obwohl man den, der sie erweist, verachtet . . . Was würde ihm daran liegen!
Zu allem war er bereit, zu einer heroischen Tat wie zu einer gemeinen Feigheit. Die Hauptsache war, von der Insel fortzukommen; dafür würde er sein Leben wagen. Er entschloß sich, um die beiden hohen Ge- winnste zu spielen: Freiheit oder Tod.
7. Kapitel.
Nr. 883 siechte geradezu sichtbar dahin. Die Wut, hier als Gefangener zu den rohen Bagger-Arbeiten und der Gesellschaft unwürdiger, stupider Gefährten verurteilt zu sein, versetzte Rozen in verzehrendes Fieber.
Jeden Abend, wenn er in seiner Hängematte kauerte, schloß er die Augen, und seine Träumereien nach Größe und Macht begannen. Ach, frei zu werden! . . Seine ganze Intelligenz und seine fruchtbare Einbildungskraft strebten diesem Ziele zu.
Die verrücktesten Ideen durchliefen ihm den Kopf; doch in dem Chaos von Plänen war keiner durchführbar. Von tausend gab es nicht eine Chance, die Königsinsel lebend zu verlassen. Wütende Zornansälle rissen den Verurteilten hin: er arbeitete lässig, und wenn ein