Einzelbild herunterladen
 

Verwaltung vom 30. Juli 1883 ist mit Zustimmung der Gemeindeversammlung folgende, für den hiesigen Ge- meindebezirk gültige Polizeiverordnung getroffen worden.

§ 1-

Wer während der Saatzeit vom 1. April bis 15. Mai und vom 20. September bis 10. November feine Haustauben ins Feld fliegen läßt, oder wer es unter­läßt, Vorkehrungen zu treffen, daß feine Haustauben ins Feld fliegen können, wird mit einer Geldstrafe bis zu neun Mark oder mit entsprechender Haft bestraft.

§ 2.

Die Verordnung tritt am 25. April 1903 in Kraft.

ReiloS, den 20. März 1903.

Der Bürgermeister.

Lehn.

Nichtamtlicher Teil.

Deutschfeindliche Treibereien.

Die Fortschritte, die das deutsche Reich durch die Ueberlegenheit seiner Kultur und seine von aufrichtiger Friedensliebe getragene Politik gemacht hat, erregen in steigendem Maße den Neid unserer Feinde. Die Folge ist, daß sich die deutschfeindlichen Treibereien in auf­fälliger Weise vermehren. Zur Zeit arbeitet gegen Deutschland eine wohlorganisierte internationale Ge­sellschaft, die von London über Paris, Brüssel, Prag bis Petersburg reicht und neuerdings ihre Verbindung bis nach New-Iork und Washington ausgedehnt hat. Auf diese Gesellschaft sind fast alle in den Blättern auftauchenden deutschfeindlichen Nachrichten zurückzu- führen.

Der Hauptsitz der Gesellschaft ist, wie gesagt, London. Es sind namentlich die „Times" und die „National Review", die sich in der deutschfeindlichen Bewegung hervortun und in der Erfindung der unwahrscheinlichsten deutschen Eroberungsgelüste und Kriegsabsichten geradezu Unglaubliches leisten. Bald wird an die Adreffe der Holländer und Belgier eine „selbstlose Warnung" vor der „deutschen Raubgier" gerichtet, die vor Verlangen brenne, die Niederlande zu annektieren. Dann wieder heißt es, das deutsche Reich gedenke seinen Besitz durch Landerwerbungen im Orient und in Kleinasien „abzu- runden", und was der Fabeln für politische Kinder mehr sind. Im Zusammenhangs hiermit wird dann weiter mit Vorliebe behauptet, die deutsche Politik habe es sich zum Ziele gesetzt, die staatliche Auflösung Oesterreich- Ungarns nach Kräften zu fördern, um sich dadurch den Weg nach dem Mittelmeere und dem Orient zu ebnen. Obwohl gerade die deutschfeindliche Legende über Oester­reich eine ungewöhnliche Verständnislosigkeit für bas wirkliche Verhältnis Deutschlands zu der habsburgischen Monarchie voraussetzt, findet sie doch im Auslande nur zu bereitwillig Glauben.

In Petersburg sorgen die „Nowoje Wremja" und der panslavistische „Swet" sür deutschfeindliche Mel­dungen. Das Bemühen dieser Klique ist darauf gerichtet, zwischen England und Deutschland, sowie zwischen Deutschland und den übrigen Dreibundmächten Zwie­tracht zu säen und in Rußland das Gefühl zu erzeugen, als wühle Deutschland im Geheimen gegen Rußland. Gleichzeitig will man die Engländer glauben machen,

Deutschland verfolge ihnen schädliche Zwecke, denen sie nur durch engern Anschluß an Rußland und Frankreich zu entgehen vermöchten. In Amerika arbeitet die so­genannte gelbe Preffe für die Zwecke der deutschfeind­lichen Gesellschaft. Die von ihr während des Konflikts mit Venezuela der deutschen Politik angedichteten finstern Pläne, Landokkupationen in Südamerika 2C„ sind noch in aller Erinnerung.

Den deutschfeindlichen Treibereien gegenüber ist es nützlich, auf die Ziele unserer Politik hinzuweisen. Nur so kann die von unsern Feinden geübte Brunnen- Vergiftung ihre Wirkung einbüßen und die Ehrlichkeit der deutschen Politik schließlich die ihr gebührende An­erkennung finden. In Europa hat Deutschland keinen andern Ehrgeiz, als auf der Grundlage seines gegen­wärtigen Besitzstandes sich den Frieden so lange zu sichern, wie irgend möglich ist. In allen Verwicklungen der letzten Jahre hat es, wie jetzt bei sden Wirren in den Balkan-Ländern seinen Einfluß zur Erhaltung des Weltfriedens geltend gemacht; wo, wie in Südafrika, der Krieg Tatsache wurde, die strengste Neutralität auf­rechterhalten; in den chinesischen Angelegenheiten dafür gesorgt, daß die Grenze des Notwendigen nicht über­schritten wurde; in den, aus Anlaß des Tientsiner Eisenbahnstreites drohenden englisch-russischen Konflikt zum Frieden vermittelt; in Oesterreich-Ungarn, im Streit der Parteien und Nationen auf die Notwendigkeit der Verständigung und des Kompromisses hingewiesen und alles getan, um die Dynastie in ihrer Stellung zu fördern und zu stützen.

An keiner Stelle ist der Versuch gemacht worden, in das innere Parteileben der Nachbarn einzugreifen. Wir sind in unsern Grenzpfählen geblieben und haben nach außen hin nur ein doppeltes Ziel zu verfolgen: den Ausbau unserer Kolonien und die Behauptung des Grundsatzes der offenen Thür, d. h. des Wettbewerbes zu gleichem Recht, wo immer neue Gebiete sich dem Handel der Kulturvölker erschließen. Dieses politische Programm aber ist mit den berechtigten Interessen aller Mächte vereinbar.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 27. April.

Vom Aufenthalt Sr. Majestät des Kaisers auf der Wartburg wird vom 25. d. Mts. folgendes berichtet: Der von dem Kaiser und dem Großherzog geplante Ausflug nach der „Hohen Sonne" unterblieb wegen der rauhen Witterung. Freitag Abend wurde „Deutsche Komödie" von SchlaaS aufgeführt. Sonntag Vormittag um 11 Uhr findet Gottesdienst in der herrlichen Wartburg-Kapelle statt. Der Kaiser begibt sich um die elfte Abendstunde von der Wartburg nach seinem Salonzug. Die Abfahrt er­folgt Montag Morgens 4 Uhr.

Se. Kaiser!. und Königl. Hoheit der Kronprinz und Se. Königliche Hoheit PrinzEitel-Friedrich sind am Freitag nachmittag in Florenz eingetroffen. Am gleichen Tage statteten beide Prinzen der in Florenz weilenden Prinzessin Friedrich Karl von Preußen einen Besuch ab und unternahmen später einen Spaziergang.

Dem GeneraloberstGrafenv. Haeseler, kommandierender General des 16. Armeekoips in Metz,

widmet das „Militär-Wochenblatt" zu seinem fünfzig­jährigen Dienstjubiläum am 26. April einen Artikel, in welchem der General kurz und treffend folgendermaßen charakterisiert wird: Gleich freundlich zu seinem jüngsten Leutnant wie zu seinem ältesten General, von gleichem Jntereffe für diesen wie jenen, beurteilt er in seinen Untergebenen nur den Soldaten. An sich selbst die höchsten Anforderungen stellend, fordert er von jedem Offizier wie von jedem Manne auch die Anspannung aller Kräfte im Allerhöchsten Dienste. Ehrenvoll ist sein Platz in der Armee, in der Geschichte des deutschen Vaterlandes!

Aus Metz wird unterm 26. April geschrieben: Aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums wurde dem kommandierenden General des 16. Armeekorps Grafen v. Haeseler von Seiner Majestät dem Kaiser der Rang eines Feldmarschalls verliehen. Der Großherzog von Baden verlieh dem Jubilar den Hausorden der Treue. Heute früh traf ein Glückwunschtelegramm Seiner Majestät des Kaisers ein. Im Laufe des vormittags erschienen sämtliche Generale und RegimentS-Kommandeure des 16. Armeekorps, um dem Jubilar ihre Glückwünsche zu überbringen, und überreichten als Ehrengeschenk ei^ getreue verkleinerte Nachbildung des auf der Esplanade in Metz stehenden Prinz Friedrich Karl-Denkmals. Die Ansprache hielt der Gouverneur von Metz General Stoetzel. Hierauf überreichte eine Deputation von Offizieren des bayrischen Kontingents eine getreue ver­kleinerte Nachbildung des sogenannten Prinz Friedrich Karl-Steines in Vionville. Um 11 Uhr erschienen die Spitzen der Zivilbehörden zur Gratulation. Nachmittags fand zu Ehren des Grafen Haeseler ein Festmahl statt. Der Jubilar brächte das Kaiserhoch aus. General Stoetzel trank auf das Wohl des Grafen Haeseler, welcher dankend erwiderte. Abends wird dem Jubilar von sämtlichen Vereinen der Stadt Metz ein Fackelzug dargebracht werden.

In der Budgetkommission des Reichstag« wurde die Nachtragsforderung für den Neubau d e s M a r i n e- amts in derBellevuestraße mit 19 gegen 6 Stimmen a b g e l e h n t.

Die „Neue Hamburgische Börsen-Halle" berichtet über den Abschluß eines Abkommens zwischen dem Amerika- nischenTabakStrust und drei Hamburger Firmen, nämlich der Firmen Barsdorf, Fischer u. Hachfeld, S. Wassermann und Heinrich Abraham u. Co., wonach diese die Vertretung für die Havanasabrikate des Trusts in Deutschland übernehmen werden.

Von Zeit zu Zeit werden Nachrichten verbreitet, daß dieHandelsvertrags-Verhandlungenmit diesem oder jenem Staat oder überhaupt begonnen hätten oder weit vorgeschritten seien u. s. w. Ge­wöhnlich folgt dann ein offiziöser Widerruf auf bem***| Fuße. So auch jetzt. Es wird erklärt, daß überhaupt noch keine materiellen Verhandlungen über Handel«, vertrüge mit Rußland oder mit einem andern Staate stattgefunden haben. Auch die vorübergehende An­wesenheit Timiriasews in Berlin habe nichts mit den Handelsverträgen zu tun.

Der Gesetzentwurf betreffend die Vorbildung für den höheren Verwaltungsdienst wurde vom Abgeordnetenhaus in dritter Lesung unver­ändert nach den Beschlüssen der zweiten Beratung genehmigt.

Das erste Scenenbild stellte die Badestadt Biarritz dar. Der seinen Träumen nachhängende Mann sah sich in Biarritz in Gesellschaft eines herrlichen Geschöpfs, das feine zauberhaften Augen und grobherrlichen Manieren bestochen, ein prächtiges Leben führen, bis er eines Tages, fröhlich und nichts ahnend, aus feinem Landauer steigend, von zwei Geheimpolizisten verhaftet wurde — er, Gaston Rozen, der heutige Baron von Saint-Magloire!

In schärfster Bewachung brächte man ihn nach Paris, und nie wurde ein Gefangener schärfer bewacht. Seine kühne Flucht während seiner letzten Haft rechtfertigte die Vorsicht. Rozen begriff, daß er keine Aussicht hatte, der Strafe zu entgehen. Er zeigte sich ergeben und reuig und warf die ganze Schuld für sein Vergehen auf die schlechte Erziehung, die er genossen. Er weinte und klagte so meisterlich, daß die Richter nicht das Maximum des Strafmaßes auf ihn anwandten. Und dann der Urteilsspruch, die Einkerkerung auf der Insel de R5, die Abreise^ der zur Zwangsarbeit Verurteilten auf einem militärischen Transportschiff, die Ueberfahrt im Zwischendeck, mitten unter Hundert, wie Tiere hinter eisernen Gittern eingepferchten Elenden, von Schild­wachen mit dem Gewehr im Arm bewacht. Die Ueber1 fahrt nach Cayenne! Dies alles zog am Auge des Barons vorüber. Ein Anflug von Zorn glänzte in feinen Augen, eine Falte teilte feine Stirne. Er sah jetzt Rozen, den lebhaften Gentleman, den gefeierten Don Juan, in der schändlichen Sträflingskappe, mit glattrasirtem Kopf, einen traurigen Angehörigen der rohen Truppe der Galeerenfklaven, von den Wächtern gepeinigt, von den schändlichen Gefährten schief ange­sehen — weil sie ihn anfangs für einen posirenden Schauspieler hielten.

Und jeden Tag mußte er unter Aussicht brutaler Wärter in der Hitze der Tropensonne sich zu den härtesten Verrichtungen demütigen; seine zarten und früher so wohlgeformten Hände trugen von der Arbeit Verletzungen davon, seine schöne Gesichtsfarbe wich einem dunklen Erdbraun . . . Als Rozen in Cayenne ankam, war seine bange Frage, wo man ihn unterbringen

würde; er hatte gehofft, daß man ihn aus dem Festland , ließe, wo das Leben der Sträflinge weniger hart und ein — Entkommen möglich war.

Die Strafkolonie Guyana teilt sich in mehrere Deporlationsdistricte: Cayenne, Couron und die JUs du Salut. Die letzteren heißen Teufelsinsel, St. Josef und Königsinsel. Auf St. Joses und der Jle Royale sind die gefährlichsten, unverbesserlichen und die „nam­haften" Verbrecher untergebracht, die bei ihrer Ausreife aus der Hauptstadt einer ganz besonderen Aufsicht em­pfohlen werden. Dort ist die Behandlung hart, die Aufsicht unerbittlich und die Flucht eine Chimäre.

Rozen wurde nach der Königsinsel gebracht und Unter der Nummer 883 eingeschrieben. Die Insel ist ziemlich groß, und auf ihr steht das Oberkommando. Einige niedrige Häuser rings um eine bescheidene Kirche dienen dem den Oberbefehl führenden Major und den höheren Beamten als Wohnungen; nahe diesen Häuser­gruppen steht das Krankenhaus, und jenieit desselben beginnen die Baracken, in denen die Sträflinge arbeiten und ihre Schlafsäle haben.

Nr. 883 ward schweigsam und finsterer Laune . . . eine wilde Wut ergriff ihn, im Spiel gegen die Gesell­schaftsordnung verloren zu haben. Oft fragte er sich, ob es nicht besser sei, gleich zu enden, sich in das Meer zu werfen und den Haifischen zur Beute zu werden, die entlang der Küste ausspähten nach jenen Opfern, die ihnen das Hospital von Zeit zu Zeit spendete. Denn Begräbnisse giebt es auf diesen Inseln nicht, das Meer bildet die letzte Ruhestätte ihrer Bewohner. Doch die Selbstmordideen verließen ihn bald, in kurzer Frist lebte er sich in die neue Existenz ein — sein AssimilirungS- talent siegte auch hier. Als geschickter Schauspieler markirte er den unterwürfigsten aller Gefangenen und gewann durch tausend kleine, flink erdachte Gefälligkeiten schnell das Vertrauen seiner Leidensgefährten. Die Wächter notirten ebenfalls 883 als eine gut Disciplin haltende Nummer. Eines Tages, als er die Sträflinge in Revue vor sich aufmarschiren ließ, ermutigte der Major Nr. 883, in dieser Haltung zu verbleiben, und deutete an, daß er ihm in zwei Jahren vielleicht eine

Erleichterung des eisernen Regimes, unter dem er lebte, bewilligen werde.

Aber wenn er allein war, wenn alles um ihn schlief, dann beweinte Rozen, den Kopf in die Hände gestützt, seine Fehler und bedauerte bitter, so viel Fähigkeit und Talent verschwendet zu haben, um schließlich in der Zwangsjacke eines Galeerensträflings zu enden.

(Fortsetzung folgt.)

— Der Bauerngutsbesitzer Friedrich Leppin im Dorfe Göttlin des Kreise- Jerichow II streute vor einigen Tagen mit einer geringfügigen Wunde an der Hand Kunstdünger aus. Alsbald stellten sich bei ihm die Anzeichen einer Blutvergiftung ein, Hand und Arm schwollen fürchterlich an, und nach kurzer Zeit erlag" der Erkrankte, da er zu spät ärztliche Hülfe angerufen, feinen qualvollen Leiden.

— Ein furchtbarer Kampf zwischen Wilddieben und Förstern spielte sich in Sar­dinien ab, und zwar in dem Walde der „Sieben Brüder" bei Sinai. Dieser Wald ist der Ueberwachung von fünf Förstern anvertraut, welche in einem Hause im Innern des Forstes wohnen. Am Unglückstage begaben sich zwei von ihnen, Palmas und Tiana, zu einer Gerichts­verhandlung nach Sinai, während ihre drei Kameraden Porcu, Aru und Cafile zurückblieben. Als aber die ersteren nach 24 Stunden zurückkehrten, sahen sie die Pferde ihrer Kameraden mit Blut bedeckt in einer Waldlichtung. Die drei Forstbeamten wurden erst nach mehrstündigem Suchen tot in einem wahren See von Blut aufgefunden. Der aufgewühlte Boden, die zer­tretenen Sträucher, die von Kugeln durchlöcherten Bäume zeugten von dem furchtbaren Kampfe, in dem die Förster schließlich unterlegen waren. Dem einen war der Schädel durch zwei Flintenschüsse durchbohrt, der andere war im Kampfe Mann gegen Mann gefallen und von unzähligen Dolchstichen zerfleischt, der dritte durch einen Axthieb zu Boden gestreckt. Man glaubt, daß Bauern, die von den Förstern wegen Jagdfrevels zur Anzeize ge­bracht waren, diese Morde aus Vendetta verübten.