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Die Vorkehrungen der Regierung haben indessen offen­sichtlich beschwichtigenden Einfluß geübt und dem Treiben der Agitatoren einen festen Damm entgegengesetzt. Nicht an letzter Stelle dürfte sich die Tatsache geltend gemacht haben, daß ungeachtet des von den Führern der Aus­standsbewegung versuchten Druckes die gesetzgebenden Körperschaften das AuSstandsgese tz rasch erledigt haben. Dos Gesetz, dem die Zweite Kammer mit 78 gegen 15 Stimmen die Zustimmung erteilte, während es in der Ersten Kammer sogar einstimmige Billigung fand, enthält sehr weitgehende Strafvorschriften, deren straffe Handhabung außer Zweifel steht.

Der Zentralverband zur Bekämpfung des Alkoholismus hat an den Reichstag die Bitte gerichtet, daß bei der bevorstehenden Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes auch Trunksüchtige als Kranke bezeichnet werden, damit auch ihnen die Wohltat des Gesetzes, nämlich eine entsprechende Heil­behandlung, zugänglich gemacht werde.

Der «Reichsanzeiger" veröffentlicht eine ausführliche Bekanntmachung des Landwirtschaftsministers über die Schafräude. Danach sind im Jahre 1902 in Preußen in 20 Regierungsbezirken und 87 Kreisen ins­gesamt 36198 Schafe in 659 Beständen dem Froehner- schen, in einigen Fällen auch einem anderen ähnlichen Badeverfahren unterworfen worden. Hiervon waren am Schlüsse des Jahres 31 793 Schafe in 605 Be­ständen geheilt, bei 1508 Schafen in 29 Beständen war das Heilverfahren noch nicht beendet, 756 Schafe in 8 Beständen sind ohne Erfolg gebadet, 2064 Schafe in 17 Beständen vor Beendigung der Kur geschlachtet und 77 Schafe infolge des Badens eingegangen. Außerdem wurde noch in 232 Beständen, zum Teil mit Erfolg, die Schmierkur angewendet.

Die hessische Rechtspartei erläßt eine öffentliche Erklärung, worin es heißt, daß es in dem bevorstehenden Wahlkampfe trotz der Erledigung des Zolltarifs sich fast ausschließlich um wirtschaftliche Fragen handele, denen die hessische Rechtspartei als solche neu­tral gegenüberstehe. Auf Grund dieser Erwägungen und nach wiederholter Beratung mit den politischen Gesinnungsgenossen wird erklärt, daß man die Partei­genossen ersuche, von der Aufstellung eigener Kandidaten diesmal abzusehen und sich der Teilnahme an der Wahl enthalten zu wollen.

In S p a n i e n nimmt die republikanische Bewegung sichtlich zu. In den Osterfeiertagen wurden in allen Städten Spaniens von Tausenden besuchte Wahl-Ver­sammlungen veranstaltet, in denen die heftigsten Reden gegen die Regierung und Monarchie gehalten wurden.

(Philippinen.) Manila, 13. April. Das Flaggschiff des Admirals MontojoReina Christina", welches in der Seeschlacht bei Manila am 1. Mai 1898 gesunken war, ist jetzt gehoben und auf den Strand ge­schafft worden. In dem Schiffe wurden etwa 80 Skelette von Mannschaften des Schiffes gefunden. Ein Offizier, welcher den Degen in der Scheide an der Seite trug, war von 15 Kugeln getroffen worden. Die Amerikaner beabsichtigten, die Ueberreste der Gefallenen nach see­männischem Brauche in das Meer zu versenken, die Spanier wünschen jedoch, dieselben in der Heimat zu bestatten.

Aus Peking, 13. April, wird berichtet: Eine Wirtshausstreitigkeit zwischen etwa 50 deutschen und

vertraute er sich Rozen an. Dieser empfing den Spieler mit einem feinen Lächeln.

Sie werden sich doch wegen solcher Kleinigkeit nicht ausregen? Wie viel brauchen Sie heute?"

Tausend Francs."

Sie sollen sie haben."

Aber morgen? Die Chefs werden die Abrechnung verlangen," seufzte der Chef des Hilfsbureaus, den das Anerbieten Rozens nur zur Hälfte beruhigte.

Morgen werden wir was anderes gefunden haben," erwiderte Rozen, «davon reden wir heute Abend. Sie werden mit mir essen, nicht wahr?"

Mittags brächte Gaston dem Kafsirer die taufend Francs, wie er versprochen hatte. Auch diese hatte er der mütterlichen Kasse entlockt, nicht ohne Mühe, denn Rosa de Croix wurde es endlich müde, in dieser Weise Geld herzugeben. Aber da er die tausend Francs ab­solut nötig hatte, um seinen Plan durchzusühren, hatte Rozen vor seiner Mutter eine Gefühlskomödie gespielt, geweint, sich vor die Brust geschlagen, und die Mutter hatte nochmals eingewilligt, ihre Börse zu öffnen.

Abends hatte Rozen in einem kleinen Montmartre- Restaurant dafür Sorge getragen, ganz ungesehen in einem separirten Zimmer. mit dem Hilfschef speisen zu können. Sie hatten sich eingeschlossen, und beim Dessert, als Gaston seinen Freund dahin gebracht hatte, wo er ihn haben wollte, neigte er sich zu ihm und flüsterte dem vom Wein Erregten mit schmeichelnder Stimme zu:

Sie schulden Ihrer Kasse noch viertausend Francs, die zu ersetzen Ihnen unmöglich ist. Ich habe gestern bemerkt, daß man von Ihnen sprach . . . Die Chefs haben Wind . . ., sie haben erfahren, daß Sie am Sonntag gespielt haben, sie wissen sogar, daß Sie sehr hoch gespielt haben."

Der andere wurde erdfahl.Ich bin verloren."

Nein wenn Du tun willst, was ich Dir sage." Es war das erste Mal, daß Rozen den Direktor der Hilsskasse duzte. Der aber bemerkte es nicht, noch weniger den befehlenden Ton, in dem fein böses Gegen­über fortfuhr:

Höre: morgen werden Dir 50,000 Francs gehören.

ebensoviel österreichischen Soldaten artete auf der Straße zu einer Schlägerei aus. Die Streitenden gingen mit Knütteln, Messern und anderen Waffen gegen ein­ander los. Eine Menge von Chinesen sah dem Streite zu. Eine deutsche Kompagnie mit aufgepflanztem Seiten­gewehr und eine österreichische Patrouille trennten die Kämpfenden und säuberten die Straße. Mehrere der Kämpfenden mußten in das Hospital gebracht werden. Die beiden Kontingente werden mehrere Wochen Kasernen* arrest haben.

Aus Pr-tiiz will AWrBiel.

* Am 22. April 1903 findet von nachmittags I2V2 Uhr ab auf dem Königlichen H a u p t g e st ü t Beberb eck bei Hofgeismar der öffentliche Meistbietende Verkauf von 1 elfjährigen, 1 siebenjährigen und 20 vierjährigen Stuten sowie von 10 vierjährigen Wallachen statt. Die Pferde werden während der Versteigerung vorgestellt, aber auch am 22. April von 103A bis 12 Uhr unter dem Reiter ge­zeigt und können vorher täglich von morgens 7 bis 10V2 Uhr unter dem Reiter gesehen werden. Am 22. April werden vormittags 10 Uhr am Bahnhöfe Hof­geismar Wagen zur Abholung bereitstehen. Anmeldungen zur Benutzung dieser Wagen sind an die Gestütdirektion zu richten. Dort und bei dem Zentralbureau des Ministeriums für Landwirtschaft rc. in Berlin W 9, Leip­ziger Platz 7, sind Listen der zum Verkauf kommenden Pferde und die Versteigerungsbedingungen zu erhalten.

* Der Verbandstag der deutschen Buch- binder»Jnnungen wird in diesem Jahre in Caffel und zwar am 25. bis 28. Juli tagen. Die Verhand­lungen finden in den Räumen derKaisersäle" statt.

* (83 e r Denkmal bei Wörth.) Von dem Ausschuß für das Denkmal der im Kriege gegen Frank­reich gefallenen Dreiundachtziger war Herr Franz Plitt in Caffel gewählt worden, einen geeigneten Platz auf dem Schlachtfeld von Wörth auszusuchen und käuflich zu erwerben. Derselbe ist von dieser Mission zurück­gekehrt. Der Platz sollte sich genau auf der Stelle be­finden, auf welcher das Regiment gekämpft hat, dann aber auch wieder an gangbarem Wege liegen, und zwar so, daß das Denkmal zu voller Geltung kommt. Da nur wenige Plätze diesen Wünschen entsprachen und die Besitzer nicht so leicht zum Verkauf zu bewegen waren, so gestalteten sich die Verhandlungen ziemlich schwierig. Immerhin ist es gelungen, einen allen Wünschen ent­sprechenden, schönen Platz zu erwerben. Derselbe be­findet sich auf der Höhe von Elsaßhausen, zwischen diesem Ort und der Straße Morsbrunn-Fröschwiller, ganz in der Nähe des 94er Denkmals. Das 83. Regiment hatte bekanntlich in der Schlacht von Wörth den Südrand des Niederwaldes zwischen Eberbach und Albrechtshäuser Hof genommen. Nicht ohne große Opfer, Baum für Baum erkämpfend, sind die beiden Musketier- bataillone im Wald bis an den Nororand desselben vorgedrungen, während das Füsilierbataillon, welches der Artillerie gefolgt war, südöstlich auf Elsaßhausen vorging. Das Regiment nahm dann an der Wegnahme dieses Ortes, sowie an der Vernichtung der aus vier Kürassierregimentern bestehenden Division Bonnemains und an der Erstürmung von Fröschwiller teil. Die schwersten Verluste hatte das 83. Regiment bei dem

Ein bereits gelöstes Billet nach Havre wird Dich über­morgen weit hinwegführen . . . nach New Aork. Dort weiß ein entschlossener Mensch sich mit 50,000 Francs aus der Affaire zu ziehen."

Meiner Treu," erwiderte der andere nach einigem Zögern,Dieb bleibt Dieb. Doch sprich, was ist zu tun?"

Also! Morgen wird ein gewisser Jacobsen aus Amsterdam in Paris eintreffen . . . Der hat ein Ver­mögen bei sich."

Woher weißt Du das?"

Gestern Abend war ich im Cafe des Lapitaires, Dort habe ich das Gespräch zweier Diamantenhändler belauscht, und daher weiß ich, daß morgen der Herr Jacobsen aus Amsterdam in Paris landen wird, mit Brillanten im Werte von 200,000 Francs. Du bringst sie an Dich."

Aber wie soll ich das anstellen?"

Rozen zuckte die Achseln.

Das ist so einfach. Weißt Du, was Chloroform ist? Ja? Gut denn, Du wirst welches bei Dir haben, wirst im Hotel erscheinen, nach Jacobsen fragen."

Er wird mich nicht empfangen!"

Doch! Du wirst ihm hier diese Karte senden."

Die unserer Chefs?"

Was ist dabei, da Du fliehen wirst! Du verstehst das Uebrige. Ist Jacobsen eingeschläfert, wirst Du ihn seiner Diamanten, Papiere u. s. w. berauben und an seiner Stelle die 200,000 Francs flüssig machen. Ich werde Dich erwarten, wir teilen, und Du machst Dich aus dem Staube. HastDu verstanden?"

Ja."

Anderen Tages war die Sache getan, wie Rozen sie geplant . . .

Der Staatsanwalt las mit großer Aufmerksamkeit dieses gerichtliche Feuilleton. Schnell überflog er die Blätter, in denen von diesem kühnen Diebstahl die Rede war.

Rozen war nach dem Streich ganz ruhig auf sein Bureau zurückgekehrt.

Man hatte bei Jacobsen die Firmenkarten der Ge-

ersten Angriff auf den Wald erlitten und würde das Denkmal wohl hier seinen richtigen Platz gefunden haben. Da aber dieser Teil des Schlachtfeldes wenig zugänglich ist und von Touristen fast gar nicht besucht wird, so hat man sich entschlossen, oben auf der Höhe von Elsaßhausen, dort, wo nach blutigem Kampfe die Siegespalme gepflückt wurde, das Denkmal zu errichten. Von der ausgesuchten Stelle aus hat man einen herr­lichen Blick auf die landschaftlich, schöne Umgebung. Möchte ein Jeder nach seinen Kräften und in seinem Kreise zu den Mitteln beitragen, die noch fehlen, damit der Ausschuß in der Lage ist, ein würdiges Denkmal zu errichten, geweiht dem Andenken jener Männer, welche ihr Leben für das Vaterland ließen. Der Tag der Einweihung aber wird eine schöne Rückerinnerung für alle diejenigen sein, welche jene große Zeit durchlebten und welche die Ehre hatten, an jenem gewaltigen Ringen teil zu nehmen, aus dem das geeinte große deutsche Vaterland hervorging. (C. T.)

(:) Hersfeld, 15. April. Eine weitere Vermehrung an Geräten hat unsere hiesige Feuerwehr durch Neubeschaffung einer Leiter nebst Spritze und Schlauch­wagen erhalten. Nachdem die Geräte gestern Morgen auf ihre Leistungsfähigkeit hin erprobt worden «WW wurden dieselben am Nachmittag unter Vorantritt der Otter'schen Kapelle von den Mannschaften der 4. Kom­pagnie von der alten Gasanstalt aus nach dem Markt­platz gebracht. Dortselbst hatte sich die ganze übrige Feuerwehr aufgestellt, auch waren die Spitzen der städtischen Behörden vertreten. Nach einer kurzen Erklärung der neubeschafften Geräte und Vorführung der neuen Leiter wurden dieselben der Stadt übergeben. Darauf fand ein Vorbeimarsch der gesamten Feuerwehr mit Geräten statt. Im Anschluß hieran hielt Herr Feuerwehrleutnant Bächstädt eine Ansprache, in welcher er betonte, daß am heutigen Tage 25 Jahre verflossen seien, seit­dem der jetzige Hauptmannn der Feuetwehr Herr Kauf­mann Auel als Leutnant eingetreten sei. Zum Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste überreichte Herr Bäch- städt im Namen der gesamten Feuerwehr einen pracht­vollen silbernen Tafel-Aufsatz und brächte ein Hoch auf den Jubilar aus. Tief gerührt dankte Herr Hauptmann Auel für das Geschenk. Darauf ergriff als Vertreter des Herrn Bürgermeisters Herr Tuchfabrikant F r. Braun das Wort, beglückwünschte Herrn Auel namens der Stadt Hersfeld und brächte ein Hoch auf die Hersfelder Feuer­wehr aus. Nach einem Vorbeimarsch vor dem Jubilar wurden die Kompagnien entlasten. Mit der Musik an der Spitze zog alsdann ein Teil der Feuerwehr nach der Bolenderschen Wirtschast, wo noch einige Stunden gemütlich verweilt wurde.

):( Hersfeld, 15. April. Man kann vonweißen Ostern" reden, wenn man von den vergangenen Feier­tagen spricht. Zwar war die Nacht zum Ost er sonntags trotz ihrer klaren Wolkenlosigkeit, die es gestattete, den tadellosen Verlauf der fast totalen Verfinsterung des Frühjahrsvollmondes zu beobachten, noch verhältnismäßig warm, aber bald trat der Umschlag ein, und der wetter­wendische April trat sein Regiment an. Hier und da ließ er ein paar freundliche, warme Sonnenstrahlen durch die Lücken des Gewölks hindurch, gleichsam als wollte er der Well zeigen, wie es hätte sein können, gleich darauf aber pustete er wieder mit kaltem Odem auf die Menschheit. Am Sonntag würzte er diesen

brüder Rumsel gefunden, und natürlich hatte sich der Verdacht auf den flüchtigen Direktor des Hilfsbureaus gelenkt. Rozen verbreitete allerlei Geschichten über dessen Rennwetten, die wohl den Diebstahl veranlaßt hätten.

Während einiger Zeit lebte Rozen auf größtem Fuße; Abends verwandelte er sich aus dem Bankbeamten in einen reichen, in Paris zum Vergnügen weilenden Ausländer. Aber dann war fein Helfershelfer nach Frankreich zurückgekommen, um einen weiteren Anteil an der großen Beute zu fordern.

Ich habe nichts mehr, mein armer Freund."

Nichts mehr? Geh doch! Wenn Du mir nicht noch heute Abend 20,000 Francs giebst, werde ich Dich benunciren."

Rozen hatte dies nicht für möglich gehalten, aber anderen Tages wurde er verhaftet.

Anfangs hatte er geleugnet, aber als man ihn seinem Helfershelfer gegenüberstellte, als er sich über die Herkunft von 10,000 Francs, die man in seinem Zimmer gefunden, nicht ausweisen konnte, und als der Restaurateur, bei dem er mit seinem Mitschuldigen dinirt hatte, ihn wiedererkannte, da hatte er eine sehr kluge Komödie gespielt.

Wenn ich gestohlen habe," sagte er,so war es nicht für mich, sondern, um einen Kameraden vor dem Untergänge zu bewahren."

Er appellirte an feine Vorgesetzten und an seine Mutter, aber niemand antwortete auf seine Bitten. Da änderte er von neuem seine Taktik und gestand alles. Von diesem Augenblicke an strebte seine ganze List nur nach einem Ziel: Flucht.

(Fortsetzung folgt.)

I m 111, Lebensjahre gestorben ist in St. Peters Port auf der Insel Guernsey die älteste Engländerin, eine Dame, die drei Jahrhunderte kennen gelernt hat. Mrs. Margaret Anne Neve wurde am 18. Mai 1792 geboren; sie lebte in außerordentlich günstigen Vermögensverhältnissen, war aber seit mehr als 50 Jahren Witwe und hatte keine Kinder.