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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg.

excl. Postaufschlag.

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Nr. 42. NiistW i>n ?. April M.

Bestellungen

auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" »nd Zllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Vierteljahr werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Die Schulstelle zu Kemmerode wird vom 1. April d. I». ab frei.

Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung. Der Einheitssatz der Alters­zulage beträgt 120 Mk.

Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bis zum 20. April d. Js. bei dem Kreisrund Ortsschul- inspektor Herrn Pfarrer Schröder in Niederaula oder dem Unterzeichneten melden.

Hersfeld, den 31. März 1903.

I. 2014. Namens des Schulvorstandes:

J. V.:

T h a m e r.

1. Der Ortsdiener Johannes Roth zu Frielingen ist für die Gemeindebezirke: Frielingen-Heddersdorf und Gersdorf und

2. der Schreiner Heinrich Schott II. zu Eitca für die Gemeindebezirke Eitra und Sieglos als Leichenbeschauer heute eidlich verpflichtet worden. Hersfeld, den 4. April 1903.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hertzfeld, den 4. April 1903.

Unter den Hühnerbeständen in der Gemeinde Kleba

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile Gautier.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Zwei ankommende Vorortszüge von Havre hielt sie in ihrer Ungeduld für den Pariser Zug. Endlich wurde der Zug 61 signalisirt. Sie sprang auf, preßte die Stirn gegen das Fenster des Wartesaals und sah einen der Reisenden nach dem andern an, die den Waggons entstiegen.

Der, den sie erwartete, erschien nicht . . .

Statt dessen brächte der Zug eine schlimme Nachricht mit. Man hatte einen Reisenden unweit der Station Beuzeville-Brsauts tot auf dem Gleise gefunden, zweifellos das Opfer irgend eines Unfalls.

Er ist es!" rief die Unglückliche erbleichend.

Man bemühte sich um sie, versuchte, sie zu beruhigen, selbst, sie zu täuschen . . . alles war unnütz.

Er ist es!" Ich bin sicher, daß er es ist!" sagte Re.Ich will ihn sehen 1"

Mit dem 8 Uhr-Zug begab sie sich nach Beuzeville. Zur selben Zeit wie sie fuhren der von der Bahnver- waltung benachrichtigte Staatsanwalt, der UntersuchungS- richter und ein Gerichsschreiber, sowie ein Kommissar ab, um den Tatbestand aufzunehmen.

Die arme Frau hatte sich nicht getäuscht es^ war in der Tat ihr Gatte, der im Wartesaal mit entstelltem, blutendem Gesicht auf einer Tragbahre lag. Die bei

ist die Geflügelseuche (Hühnerpest) ausgebrochen. Die Herren Bürgermeister der benachbarten Orte haben solches alsbald auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Zugelaufen: ein Hund, weiß mit gelben Backen. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Friedlos.

Nichtamtlicher Teil.

Berlin, den 4. April.

Se. Majestät der Kaiser ist am Donnerstage, von König Christian und dem Volke herzlich begrüßt, in Kopen­hagen eingetroffen. Bei der Galatafel, die abends statt- fand, wechselten beide Herrscher in warmen Worten ge­haltene Trinksprüche. Am Freitag besichtigte Kaiser Wilhelm in Kopenhagen das Museum für nordische Alter­tümer und das Thorwaldsen-Museum. Die Prinzen Karl und Harald von Dänemark hat der Kaiser durch Ver­leihung deS Schwarzen Adler-Ordens ausgezeichnet.

Zu den am Donnerstage im dänischen Königsschlosse gewechselten Trinksprüchen schreibt dieN. A. Z.": Die Worte, die König Christian dem Kaiser als Will- kommengruß dargeboten hat, werden in Deutschland leb« haften Widerhall wecken. Der Kaiser hat in Erwiderung des vom hohen Gastgeber ausgebrachten Trinkspruches den Empfindungen Ausdruck verliehen, welche in allen Schichten des deutschen Volkes für den ehrwürdigen Monarchen des DänenreicheS gehegt werden, der bis in das höchste Alter mit Weisheit und Hingebung seines Herrscheramtes waltet, ein Vorbild treuer Pflichterfüllung für jedermann, wes Standes er auch sei. Wie der Kaiser für den Beherrscher des nördlichen Nachbarlandes von aufrichtiger Verehrung beseelt ist, so weiß er, und Deutsch­land mit ihm, der hohen Kulturstufe, auf die sich das dänische Volk durch eigene Tüchtigkeit gehoben hat, in bereitwilliger Anerkennung gerecht zu werden. Ein großes Kopenhagener Blatt sprach dieser Tage die Meinung aus, daß die Dänen von Deutschland viel zu lernen und zu empfangen hätten, daß sie aber ihre geistige und ma­terielle Selbständigkeit nicht beiseite zu setzen brauchten.

dem Leichnam gefundenen Papiere hatten sofort seine Identität feststellen lassen: Charles Louis Lavardens, ehemaliger Unteroffizier im 3. Marine-Jnfanterie- Regiment, gegenwärtig Geschäftsreisender. Die Unter­suchung stellte einen Unfall fest; ein Diebstahl war nicht begangen worden; der Verblichene hatte sein Portemonnaie, sein Portefeuille, seine Uhr und die goldene Kette bei sich. Das Portemonnaie enthielt 10 und einige Francs in Silber, das Portefeuille drei Hundertsrancs-Scheine . . . ein Dieb hätte nicht versäumt, das zu nehmen.

Auch trug der Leichnam keinerlei Verletzung, die von irgend einer Waffe herzurühren schien; die einzige Verletzung am Kopfe stammte aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Sturze aus dem Waggon auf das Gleis, sie hatte den Tod herbeigesührt. Da der Körper nicht auf den Schienen liegen geblieben, war er von den folgenden Zügen weder geschleift noch zermalmt worden. Endlich hatten die Gerichtsbeamten den Rapport des Zugführers von Nr. 53 erhalten. Darin wurde er­wähnt, daß man auf der Seite des zweiten Schienen- strangs bei der Ankunft in Havre eine Coupstür offen­stehend vorgefunden habe; in dem betreffenden Abteil hätten zwei Reisedecken, ein Staubmantel und ver­schiedene kleine Gegenstände gelegen, die von dem Aufenthalt eines Reisenden zeugten. Der Reisende war verschwunden, ohne seine Bagage und Decken zu ver­langen. Der Zugführer hatte diesen Umstand schon be­richtet, noch ehe man von der Entdeckung des Leichnams bei Beuzeville-Blsaut« erfahren.

Der Unfall ließ sich leicht in seinen Details aus­

Wohl bei keiner großen Nation der Welt werde für diesen Gedanken mehr Verständnis zu finden sein, wie bei der deutschen, die im eignen Hause auch aus geistigem Ge­biete, der freien Entfaltung jeder Stammesart den Vorzug vor unitarischer Gleichförmigkeit einräumt. Daö deutsche Volk nimmt jeden fruchtbaren Keim, der das Kulturleben bereichert, dankbar auf und ist sich dessen bewußt, wie mannigfache Anregungen ihm gerade von den stammes- verwandten Völkern des Nordens gekommen sind. Nicht nur in ihren politischen Beziehungen, sondern auch in ihrem ideellen Schaffen können beide Nationen nur ge- winnen, wenn sich die zwischen ihnen bestehende Kultur- gemeinschaft fortgesetzt enger gestaltet. Da^ der Besuch Sr. Majestät dazu beitragen möge, solchc, Bande fester und freundschaftlicher zu knüpfen, ist unser aufrichtiger Wunsch.

Se. Majestät der K a i s e r hat seine für gestern Abend geplante Abreise von Kopenhagen auf wiederholte dringende Bitte des Königs Christian um 24 Stunden verschoben.

Der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel- Friedrich treffen Montag in Konstantinopel ein.

Die Kaiserlichen Prinzen haben sich gestern nachmittag in Begleitung ihres Gouverneurs von Plön nach Berlin begeben.

Se. Kgl. Hoheit derGroßherzog vonHessen ist am Freitag nachmittag von seiner mehrmonatigen Orientreise wohlbehalten nach Darmstadt zurückgekehrt und festlich empfangen worden.

Seit einiger Zeit laufen mancherlei Nachrichten von einem angeblich bevorstehenden Rücktritt des Kriegs­ministers v. Goßler durch die Blätter, die in jeder Beziehung unrichtig und in ihrer Begründung durchaus unzutreffend sind. Zu einem solchen Rücktritt liegt für den Kriegsminister auch nicht die geringste Veranlassung vor, zumal er mit seinen letzten Vorlagen beim Reichstage nahezu einen vollen Erfolg gehabt hat. Die Ablehnung der Zulagen für die 180 ältesten Oberst­leutnants der Infanterie darf man unter Berücksichtigung der ungünstigen Finanzlage um so weniger als einen Mißerfolg des Kriegsministers bezeichnen, als eine recht ansehnliche Mehrheit der Budgetkommission die Not­wendigkeit einer Abhülfe der vorhandenen Uebelstände an sich wohl zugab, nur den Zeitpunkt für die Ein­bringung dieser Vorlage verschoben wissen wollte. Auch die Angaben über gespannte Beziehungen zwischen dem

denken. Aus irgend einem Grunde, vielleicht durch ein Signal des Zugführers irregeführt und in dem Glauben, am Ziel seiner Reise angekommen zu sein, hatte der Reisende aussteigen wollen, hatte die Tür nach der Gleisseite geöffnet, sich vorgeneigt, bei einem Stoße das Gleichgewicht verloren und war mit dem Kopfe nach unten gestürzt.

Dies war die feste Ueberzeugung des Arztes, der die Gerichtsbeamten auf ihrer Amtsreise begleitete.

Dies war natürlich auch die Ueberzeugung des Bahn­hofsvorstehers, der nur daran dachte, die Verantwortlich­keit seiner Eisenbahngesellschaft zu retten.

Und ich, ich sage Ihnen, daß er ermordet wurde," rief Frau Lavardens, indem sie ihnen gegenübertrat.

Der Doktor, ein magerer, graubärtiger Greis, öffnete bestürzt die Augen hinter der goldenen Brille. Nicht weniger überrascht, betrachtete der Staatsanwalt die mit so viel Kühnheit Redende. Er war betroffen von ihrem Gesichtsausdruck. Frau Lavardens war von mittlerem Wuchs, aber wohlproportionirt, sie hatte den dunklen Teint der Frauen südlicher Länder und das graziöse Gesichtsoval, das den Spanierinnen und Pyrenäinnen zugleich etwas Kindliches und doch Trotziges giebt. Ihr vom Schmerze verzogener Mund war klein und rot wie ein Granatapfel, ihre Augen glänzten unter ihren Tränen wie zwei schwarze Diamanten.

Ich sage Ihnen, ich, daß er ermordet wurde," wiederholte sie heftig,und ich kenne seinen Mörder!"