Empfang des kaiserlichen Gastes festlich geschmückt, und die Bevölkerung hat sich offenbar auf das beste vorbereitet, unserem Kaiser einen herzlichen Willkommen zu bieten. Soweit Aeußerungen der öffentlichen Meinung aus Dänemark vorliegen, zeugen sie von aufrichtiger Freude über den Besuch und ebenso von rückhaltloser Anerkennung der politischen Bedeutung der bevorstehenden Monarchenbegegnung. Die Reise des Kaisers ist bisher programmäßig verlaufen. — Kiel, 2. April. Bei trübem, regnerischem Wetter traf der kaiserliche Sonderzug kurz vor 3ä7 Uhr hier ein und rangierte direkt vor der Landungsbrücke am Bahnhof. Dort begrüßten Admiral von Küster, der Stadtkommandant Oberstleutnant Dürr, sowie der neue Polizeipräsident von Schrötter den Kaiser, welcher den letzteren durch eine längere Unterhaltung auszeichnete. Der Monarch in Admiralsuniform bestieg das Verkehrsboot „Hulda" und fuhr unter Salut der im Hafen liegenden Kriegsschiffe an Bord der „Hohenzollern". Beim Passieren der einzelnen Schiffe brachten deren Besatzungen drei Hurras auf den obersten Kriegsherrn aus. Nachdem das Gepäck des Kaisers und des Gefolges an Bord geschafft war, machte die „Hohenzollern" von feiner Boje los und trat um 7Va Uhr die Fahrt nach Kopenhagen an. Der Kreuzer „Nymphe" und das Torpedoboot „Sleipner" folgten. Abermals ertönte der Kaisersalut der Schiffe und der Strandbatterie Friedrichsort, und als der Pulverdampf sich verzog, hatte die „Hohenzollern" bereits die Außenförde erreicht.
In dem Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin ist weiterhin ein normaler Verlauf des Heilungsprozeffes zu verzeichnen. Das Allgemeinbefinden ist durchaus zufriedenstellend.
Der Kultusminister machte in einem besonderen Erlaß die Pflege einer guten leserlichen Handschrift bei den Schülern allen Leitern und Lehrern höherer Lehranstalten zur besonderen Pflicht.
(Zur Ausführung des Fleischbeschaugesetzes.) Der Bundesrat hat auf Grund des § 22 des Gesetzes, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, vom 3. Juni 1900 über die Behandlung des Fleisches von schwach trichinösen und nur leicht an Schweineseuche erkrankten Schweinen am 26. März 1903 beschlossen, was folgt: 1. Schweine, bei deren Beschau durch die mikroskopische Untersuchung von mindestens je 6 aus den Zwerchfellpfeilern, dem Rippenteile des Zwerchfells, den Kehlkopfmuskeln und den Zungenmuskeln zu untersuchenden Präparaten in nicht mehr als acht Präparaten Trichinen festgestellt werden, gelten als schwach trichinös. Die ganzen Tierkörper von solchen Schweinen sind als bedingt tauglich anzusehen. Die Brauchbarmachung solchen Fleisches zum Genusse für Menschen hat durch Kochen oder Dämpfen zu geschehen. Bei Fett ist auch Ausschmelzen gestattet. Bei der Anwendung dieser Verfahren sind die Vorschriften im § 39 der Ausführungsbestimmungen A zum Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetze mit der Maßgabe zu beachten, daß beim Kochen das Fleisch in Stücken von nicht über 10 cm Dicke mindestens 2Va Stunden im kochenden Waffer gehalten werden muß. In das Zollinland ein- geführte geschlachtete Schweine, bei denen in nicht mehr als acht von den vorschriftsmäßig zu untersuchenden Präparaten Trichinen gefunden worden sind, dürfen auf Antrag des Verfügungsberechtigten zur Wiederausfuhr zugelassen werden, wenn das Fleisch vorher der für schwach trichinöses Fleisch bei Schlachtungen im Jnlande vorgeschriebenen Behandlung unterworfen worden ist. Eine besondere Kennzeichnung des Fleisches darf in solchem Falle unterbleiben. 2, Von Schweinen, bei deren Beschau sich ergibt, daß es sich nur um eine schleichend, ohne Störung des Allgemeinbefindens verlausende und mit erheblicher Abmagerung nicht verbundene Erkrankung an Schweineseuche oder nur um
Ueberbleibsel dieser Seuche, (Verwachsungen, Ver- narbungen, eingekapselte, verkäste Herde u. dergl.) handelt, sind die Tierkörper mit Ausnahme der als untauglich zu erachtenden veränderten Teile als tauglich zum Genuffe für Menschen anzusehen. Bei denjenigen in das Zollinland eingeführten geschlachteten Schweinen, deren Untersuchung ergibt, daß es sich bei ihnen um Schweineseuche ohne Allgemeinerkrankung handelt, sind nur die veränderten Teile in unschädlicher Weise zu beseitigen. Im übrigen sind die betreffenden Tierkörper sowie alle sonstigen, mit ihnen zur nämlichen Sendung gehörigen Tierkörper, von denen anzunehmen ist, daß auf sie eine Uebertragnng des Krankheitsstoffes stattge- funden hat, von der Einfuhr zurückzuweisen. Diesen Beschlüffen gemäß ist der Wortlaut der AusführungS- besiimmungen zum Gesetz entsprechend abgeändert worden.
(Türkische Reserven nach Mazedonien unterwegs.) Die Landwehren in Kleinasien, diese auch 1897 in Thessalien so bewährten „Triarier" der türkischen Wehrmacht, werden nun in erheblichem Umfange zur Unterdrückung der Revolution in Mazedonien aufgeboten. Ein Telegramm aus Konstantinopel meldet darüber: Das Gefecht zwischen Albanesen und Regierungstruppen bei Mitrowitza und die Verwundung des russischen Konsuls Schtscherbina durch einen Albanesen haben in hiesigen amtlichen Kreisen ernste Besorgnis hervorgerufen. 16 Redif-Bataillone aus dem Vilajet Smyrna haben Befehl erhallen, sich nach Saloniki zu begeben." — Wie arg es auch im südlichen Teile Mazedoniens zugeht, wird durch neue Meldungen aus Wien bestätigt: Eine bulgarische Bande überfiel, wie der N. Fr. Preffe aus Saloniki gemeldet wird, am 29. März dort ein Dorf an der Orientbahn, ermordete einen bulgarischen Mühlenbesitzer, der sich bisher geweigert hatte, trotz Drohungen der Banden- führer diese zu unterstützen und sich der Insurrektion anzuschließen, tötete auch den Mühlenknecht und schlachtete die schwangere Gattin des Müllers barbarisch ab. In der ganzen Gegend herrscht unter der Be- völkerung Panik und Furcht vor den Banden. Im Bezirk Tetomo plünderten die Albanesen mehrere serbische Dörfer und steckten zwei serbische Kirchen in Brand. Die russische Regierung fährt fort, Berichte über die Vorgänge in Mazedonien zu veröffentlichen, deren Fassung und Schlußfolgerungen bestätigen, daß man für die nächste Zeit ernster Entschließungen gewärtig sein muß.
Aus Prrlllilz mI Akchbllrgebiet.
*VorübermäßigemZudrang zum Studium der Mathematik warnt im Auftrage der Deutschen Mathematikervereinigung Prof. Dr. S t ä ck e l - K i e t. Er schreibt u. a.: In letzter Zeit ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß in Preußen Mangel an Kandidaten für das höhere Lehramt herrsche und es sich empfehle, diesen Beruf zu wählen. Das mag für Philologen und Historiker zutreffen, bei den Mathematikern steht es insofern anders, als die gegenwärtig allerdings recht günstigen Aussichten sich in kurzer Zeit erheblich verschlechtern werden . . . Bei der seit 1900 herrschenden Studentenzahl werden in einigen Jahren die Lücken ausgefüllt und bald daraus Ueberfluß an an- stellungtzsähigen Kandidaten vorhanden sein.
* (Die Unteroffiziere des Beurlaub t e n st a n d e s.) Der Kaiser ordnet an, daß bei der großen Wichtigkeit, die dem Vorhandensein eines ausreichenden, tüchtigen und zuverlässigen Unteroffizier* korps des Beurlaubtenstandes für den Mobilmachungsfall beizumessen ist, der Auswahl und der Ausbildung der Bewerber — ganz besonders im Auftreten als Vorgesetzte und in der Gefechtstätigkeit — eine hohe Sorgfalt zugewendet werden muß. Alle Truppenbefehls-
haber usw. sollen daher unausgesetzt ihr Augenmerk hierauf richten und auf eine kriegSgemäße Ausbildung dieser Mannschaften hinwirken. Die höheren Vorgesetzten sollen sich bei Besichtigungen und sonst sich bietender Gelegenheit von dem Stande der Ausbildung der Unteroffiziere und Unteroffizier-Bewerber überzeugen.
A Hersfeld, 3. April. Gestern Mittag gegen 3/il Uhr brach in der W ö l b i n g s ch e n Dampf. Ziegelei dahier Feuer aus. Mit unheimlicher Schnelligkeit griff das Feuer um sich, so daß bereits nach wenigen Minuten der zirka 50 Meter lange Bau einem einzigen Flammenmeer glich. Die Tätigkeit der schnell herbeigeeilten Feuerwehr konnte sich nur auf den Schutz einiger in der Nähe liegender Gebäude und des Anbaues, in dem eine neue Dampfmaschine stand, beschränken, welche dann auch gerettet werden konnten, Bereits nach einer halben Stunde stürzte der Dachstuhl bes gesamten Fabrikgebäudes ein. Das Feuer hatte besonders im Innern durch die zahlreichen Holzgestelle - reichliche Nahrung gesunden. Kurz nach zwei Uhr war nur noch eine glühender Trümmerhaufen. Das Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Wie verlautet, soll das Feuer in der Schreinerei ausgebrochen fein. Der Schaden ist teilweise durch Versicherung gedeckt?
):( Hersfeld, 3. April. Auf dem letzten Viehmarkt ist ein Saugkalb stehen geblieben. Dasselbe wurde von der Polizei an einen Metzger zum Schlachten verkauft.
Hersfeld, 3. April. (Gefahren des Tabakrauchens.) Vor frühzeitigem Tabakrauchen kann nicht oft und eindringlich genug gewarnt werden. Jeden Menschenfreund muß es mit Wehmut erfüllen, wenn er den bleichen, kleinen, ausgemergelten Gestalten begegnet, welche, besonders an Sonn- und Feiertagen, die Zigarre oder Zigarette im Munde, herumschlendern. Nicht die Not hat die Röte und Frische der Gesundheit von ihren Wangen getrieben, nein — die Folgen des frühzeitigen Tabakrauchens sind es, welche auf den zarten Organismus der Jugend so schwer einwirken, das Wachstum hemmen und nicht selten die Entkräftigung und Enl- nervung herbeiführen. Erst der vollständig entwickelte Organismus vermag das Tabakrauchen ohne Nachteil zu ertragen. In dieser Erkenntnis ist in der Schweiz das Tabakrauchen bis zum 18. Lebensjahre verboten. Einer Reihe von Krankheiten würde vorgebeugt werden, wenn das frühzeitige Tabakrauchen unterbliebe. Mögen daher die Lehrer der Jugend, die Eltern, Vormünder, die Lehr- und Dienstherrn mit allem Nachdruck dahin wirken, daß die ihrer Obhut anvertraute Jugend das frühzeitige Tabakrauchen unterlasse.
X Schenklengsseld, 3. April. Da leider bis jetzt die schon vor längerer Zeit bei dem Eisenbahn-Ministerium nachgesuchte Konzession zum Bau der Bahn ^ersi-^v — Schenklengsseld—Heimboldshausen noch nicht bewilligt ■ 'ist, so befürchtet man das Scheitern dieses Projektes. Demzufolge macht sich auch wieder in hiesigen interessierten Kreisen die schon vor Austauchen des genannten Projekts im Gange gewesene Bestrebungen um Anschluß des hiesigen Ortes an eine an der Bahnlinie Hünfeld—Gerstungen gelegenen Stationen, wofür wohl am ersten der nahe gelegene Ort Eiterfeld in Betracht kommt, bemerkbar.
(0 Lengers, 3. April. Vor Kurzem hatte Herr Winkelhardt dahier das Glück, in der Werra eine Fischotter zu erlegen.
Cassel, 1. April. Von der Strafkammer in Fulda waren die Freiherren Eberhard und Sigismund v. d. Tann aus Tann wegen Diebstahls bezw. Beihilfe, im wiederholten Rückfall zu 2 bezw. 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Den Angeklagten stand früher ein Anspruch an Deputatholz zu; doch hatte dieses aufgehört und hatte der Administrator des v. d. Tann'schen Familien- fideikommis dem Eberhard v. d. Tann die Fortnahme von Holz aus dem Forst verboten. Die Angeklagten
sann sich anders und schob sie in das innere Täschchen des Portefeuilles zurück.
„Keine Dummheiten I" flüsterte er. „Das ist verboten . . . obgleich es wirklich schade ist, das zu verlieren, was man nur zu greifen hätte . . . Schließlich, weil's so angeordnet ist!"
Die Papiere prüfte er genau, ohne sie in Unordnung zu bringen. Endlich entdeckte er eines, das sorgfältig in das andere Täschchen gesteckt und mit einer Nadel am Futter des Portefeuilles befestigt war. Das mußte sein, was er suchte. Befriedigt ausatmend, steckte er es in seine Tasche, brächte das Portefeuille in die seines Opfers zurück und knöpfte bedächtig den Rock wieder zu.
In demselben Augenblick machte ihn ein charakteristisches Knirschen erbeben. Die Bremsen zogen an. Der Zug mußte dicht vor einer Station fein.
Der Mörder beeilte sich, wieder den Lichtschirm um die Lampe zu ziehen, der das Abteil verdunkelte. Es war die höchste Zeit, der Zug stand still.
„Beuzeville-Bröauts! Fünf Minuten Aufenthalt!" rief der Wagenschaffner.
Es waren Augenblicke furchtbarster Angst für den Mörder — diese fünf Minuten, während deren ein Reisender einsteigen, ein Beamter durchs Fenster herein- schauen oder die Türe öffnen konnte. In die Ecke gedrückt, die linke Hand am Türgriff der Gleis-Seite, die rechte mit feinem schrecklichen Stock bewaffnet, hielt sich der Mörder bereit, jeden zu erschlagen, der sich zeigen würde, und dann in die dunkle Nacht hinauszufliehen. Doch alles blieb ruhig, und nach einer Weile, die ihm jahrhundertelang schien, ertönte der Pfiff des Stationsvorstehers, das Signal zur Abfahrt. Der Verbrecher
erhob sich und schöpfte tief Atem. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als er die Kleider des Toten vollends in Ordnung brächte; dann öffnete er die Tür, packte den Leichnam mitten am Körper, daß er hin- und herschwankte, und ließ ihn hinunter auf die Schienen fallen.
Alles schlief im Zuge. Niemand hörte etwas vom Sturz des Köipers, den das Geräusch der Wagenräder übertönte. Der Mann zog den Lampenschirm zurück und untersuchte das Polster, das von keinem Blutstropfen befleckt war. Dank der Tuchmütze, die dicht den Kopf umgab, hatte sich keine äußere Wunde gebildet. Befriedigt stieg der Mörder auf das Trittbrett hinab, ließ die Wagentür offen und schlüpfte entlang der Waggons fort.
Wer ihn jetzt gesehen hätte, würde ihn fü« einen Kontroleur gehalten haben, der den Zug inspicirte.
Unbemerkt gelangte er zu einem leeren Wagenabteil dritter Klasse, öffnete und stieg ein, warf seinen Stock weg, wickelte die Schaffnermütze in ein Zeitungspapier, zog einen weichen Hut aus der Tasche des Ueberziehers, setzte ihn auf ... steckte sich dann eine Cigarette an und wartete das Ende der Reise ab.---
Um 5 Uhr 5 Minuten fuhr der Zug 53 in den Bahnhof von Havce ein. Nur fünf oder sechs Personen erwarteten ihn in dieser für den Winter so frühen Wlorgenßunbe; auch enthielt der Zug nur wenige Reisende. Der Mörder sprang leicht aus seinem Wagen, gab seinen Fahrschein dem Beamten und verlor sich im Dunkel der Straßen.
Nach und nach gingen die Reisenden hinaus, der Wartesaal leerte sich. Nur eine junge Frau von 25
bis 26 Jahren blieb, den Blick auf den verlassenen Perron geheftet. Als der Beamte die Tür schloß, näherte sie sich ihm.
„Sagen Sie," fragte sie mit erregter Stimme, „das ist doch der Pariser Zug?"
„Ja, Madame."
„Der Zug, der um 11 Uhr 10 Minuten abging?"
„Jawohl . . . Erwarten Sie jemand mit diesem Zug r
„Meinen Gatten. Ec hatte mir telegraphirt, daß er diesen Zug nehmen würde. Ich weiß nicht, was es sein kann . . ."
„Er wird den Zug versäumt haben . . . und mit dem nächsten ankommen."
„Glauben Sie?"
„Weiß Gott! Das erleben wir jeden Augenblick. Gehen Sie, ich wüßte nicht, worüber Sie sich aufregen könnten," und damit wollte der Beamte achselzuckend davongehen. Doch die junge Frau hielt ihn zurück.
„Kommen die anderen Züge bald an?" (1
„Gewiß, der Zug 61 ist um 7 Uhr 40 Minuten hier. Ihr Mann wird diesen genommen haben, nenn er es nicht vorgezogen hat, den Blitzzug zu erwarten, der aber erst um 11 Uhr hier ist. Kommen Sie in zwei Stunden wieder; ich bin sicher, daß er mit dem Zug 61 eintreffen wird, den nehmen alle, die den Zug 53 versäumen." ,
„Danke, ich werde warten." Die junge Frau Hüd'te
sich besser in ihren pelzgefütterten Mantel unD setzte sich
in eine Ecke des Saales, und war unangenehm.
Das Warten dauerte la^ge
(Fortsetzung folgt.)