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Rr. D.

Sonnt* den 2. April

Verteilungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" un» Wustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Vierteljahr werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Gefunden: ein Sack Guano. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Hillartshausen.

Nichtamtlicher Teil.

Killt Lektillll.

Alle Sachverständigen stimmen darin überein, daß die Zerstörung der schwachen, meist aus hölzernen Schiffen bestehenden Kriegsflotte der Spanier bei Manila keine große Heldentat war. Gleichwohl gilt Admiral Dewey in Amerika als großer Held, und es mag auch nicht geleugnet werden, daß er sich als tüchtiger Seemann be­währt hat. Es ist Sache der Amerikaner, wie hoch sie feine Taten bewerten wollen. Der Amerikaner hat viel Selbstgefühl und liebt den Ruhm. Ins Extreme ent­wickelt, wird das Selbstgefühl zum Protzentum, die Ruhmliebe zur Reklame. Der Amerikaner entschuldigt solche Auswüchse leichter als wir Europäer; es gehört zum Geschäft, und in der geschäftlichen Rührigkeit ist er Meister.

Aber selbst nach amerikanischen Begriffen ist Admiral Dewey als Redner nicht so glücklich wie als Flotten, führer. Kürzlich hat er sich abfällig über die Kriegs- tüchtigkeit der deutschen Marine geäußert und sich ge­rühmt, mit seinem großen UebungSgeschwader im karai- bischen Meer während der deutsch-englischen Blockade vor Venezuela dem deutschen Kaiser eine Lektion erteilt

Sie Heiligen drei Acht.

Eine Militärhumoreske aus dem bayerischen Oberland von Franz Bischhofshafen.

(Fortsetzung.)

NurVize," kloans Patscherl, nur Vize, wenn i bitten darf!" wehrte der Obmann des Kleeblatts ob, und als er sah, daß sich die in sichtlicher Verlegenheit befindliche Kleine entfernen wollte, hielt er sie zurück und sagte so liebenswürdig wie möglich:Nur oan kloan Augenblick no, kloans liabs Mäuferl! Woaßt, i hätt mal Dir zreda, was Gschäftliches. Drum sei so guat und setz Di a wengerl zu mir. Die andern Fräuleins dürfen dös aa hören, dös fchadt gar nix, es is sogar besser."

Diesehöfliche" Bitte durste das junge Mädchen nicht abschlagen. Sie machte einen wohlgelungenen An­lauf zur Versöhnung und war begierig, was ihr der Tausendsassa von den grünen Reitern wohl zu erzählen haben mochte.

.Nu sag mir amal, kloans Patscherl" fing der ^itherkönig bedächtig an,stimmt nu dös wirkli, daß bie Madame a wengerl schlecht hört?"

»Das stimmt! sehr schlecht, beinahe gar nichts."

»Dös gfreut mi, meiner Seel, wahrhaftig in Gott, bös gfreut mi!" meinte Girgl mit ungeschminkter Auf­richtigkeit.

»Was, das freut Sie?" rief die junge Dame mit -^fremden und Unruhe.

«Ja und woaßt, warum?"

zu haben. Sollten wir uns darüber aufregen? Gewiß nicht; denn jedermann weiß, auch in Amerika, daß die wenigen deutschen Schiffe nicht zu einer Kraftprobe unserer Seemacht nach Venezuela geschickt waren. Einige Zeitungen wollen zwar wissen, daß der deutsche Ge­sandte Frhr. Speck von Sternburg zu schleunigem Be­richt über die Redeaffäre aufgefordert oder gar zur Er­hebung von Vorstellungen bei dem Kabinst in Washing­ton angewiesen worden wäre. So aufgeregt sind der Reichskanzler und das Auswärtige Amt nicht, und es wäre ein schlechter Vertreter, der nicht von selbst über einen Vorfall wie diesen berichtete. Denn bemerkens­wert war er immerhin, zumal der Admiral Dewey eine hohe aktive Stelle in der Seemacht begleitet. Präsident Roosevelt hat es aus freiem Antriebe für nützlich ge­halten, den redefreien Admiral vor sich zu laden und ihm Vorhaltungen über das Unpassende seines Verhaltens zu machen. Auf diesen Beweis von Takt konnten die Leiter der deutschen Politik ohne Weiteres rechnen, und daß sie sich nicht verrechnet haben, kann uns in jeder Beziehung zur Genugtuung gereichen.

Einzelne deutsche Blätter haben die Angelegenheit benutzt, um den Wunsch zu äußern, unser Kaiser möge mit Freundlichkeiten gegenüber Amerika sparsamer sein. Es wurde insbesondere darauf verwiesen, daß der Kaiser dem Präsidenten Roosevelt habe wissen lassen, wenn die amerikanische UebungSflotte nach Europa komme, werde sie auch in Kiel willkommen sein, und daß der Präsident geantwortet habe, die Flotte gehe nur nach den Azoren, ohne europäisches Festland zu berühren. Wir sehen nicht ein, wie man darin etwas Nachteiliges für uns er« blicken kann. Den Wunsch, mit den Vereinigten Staaten in möglichst freundlichsten Beziehungen zu leben, hegen wir doch nicht um der schönen Augen der Amerikaner und der Amerikanerinnen willen, sondern weil er unsern politischen Interessen entspricht; und ihn zu erkennen zu geben, wäre nur dann ein Fehler, wenn Ansichten a la Dewey in Amerika herrschten. Daß dies aber nicht der Fall ist und vielmehr derselbe Wunsch bei den verantwortlichen Staatsmännern der Vereinigten StaateN besteht, hat gerade die freiwillige und schnelle Lektion des Präsidenten Roosevelt wegen der Redeentgleisung des Helden von Manila deutlich bewiesen, deutlicher, als es die Annahme einer von vornherein bedingten, gelegentlichen Einladung nach Kiel hätte tun können.

Wie soll ich den Grund Ihrer sonderbaren Schaden­freude erraten können!"

Schadenfreude? Na, Schadenfreude is dös nit. O na, das arme Weiberl thuat mir aufrichtig load, aber woaßt, warums mi freut?"

Na?"

Um der Musi willen!Ja, kloans Patscherl, wir ham a ganz sakramentisch Pech ghabt. D Noten Hammer verloren, und nu müassen wir Alles auswendig spieln," sagte Girgl mit der Miene eines in Nöten befindlichen Biedermannes.

So, darum oh, ich fange an schon zu ahnen!" rief die Kleine lachend.Sie denken, dadurch wird wohl Ihr Repertoire leiden."

Und wia, Patscherl ganz damisch leidets dar­unter!" gab Girgel offen zu.Drum will ich Dir und den Fräulein ja sagen," fuhr er geheimnisvoll fort, thuat mir den Gfalln und patscht, so oft a Stückl aus is, aus allen Leibeskräften in d Händ. Umsunst braucht Jhrs nit zua thuan. Jede kriagt an Mark, und wenn die Mamsell Köchin mit ihre großen Händ mitpatscht, die kriagt zwoa. Also seid so guat! Wenn die gnä Frau siehgst, was wir für an riesigen Beifall findn, dann is ja Alles guat, und wenn Du mir helfen thuast, kloans Maus, nachher kannst so viel Busserl» kctagn von mir als magst. Woaßt, es is ja bloß zwegn den Leutnant zu thuan. Hörn thuat er sowohl wie die Kousine vor lauter Liab doch nix aber sehqn muaß erS, was wir für an Patscher kriagn, wenns Stückl aus.

Die drei jungen Damen brachen bei der Erklärung

Politische Nachrichten.

Berlin 31. März.

S e. Majestät der Kaiser begab sich heute Morgen um 8 Uhr 25 Minuten nach Potsdam, um da­selbst Kompagniebesichtigungen beizuwohnen.

Der offizielle Bericht über das Befinden der Kaiserin, der heute Mittag im Schloß ausgelegt wurde, hat folgenden Wortlaut:Der Ihrer Majestät der Kaiserin angelegte erste Verband wurde heute durch einen Gipsverband ohne Schwierigkeit ersetzt. Der Be­fund der Bruchstelle war günstig, das Allgemeinbefinden gut. Berlin 31. März 1903. gez. von Bergmann. Dr. Zunker."

(Zu der Reise des Kaisers n'ach Kopen­hagen.) Es ist nunmehr bestimmt, daß die Kaiser- jachtHohenzollern" am 2. April um 2 Uhr Nachmittags auf der Kopenhagener Reede aufankern wird, von den Kanonen der Seeforts und der Kriegsschiffe begrüßt. Unmittelbar nachher begibt sich der König, von seinen männlichen Verwandten begleitet, an Bord derHohen­zollern", um den Kaiser willkommen zu heißen, und gleichzeitig melden sich die dem Kaiser während seines Aufenthalts in Kopenhagen attackierten Offiziere, unter welchen auch der oberste Befehlshaber des dänischen Heeres General Hedemann sich befindet. Nach wenigen Minuten begibt der König sich wieder ans Land, wo ein Zeltpavillon errichtet sein wird und wo die Minister, die höchsten Zivil- und Militärbehörden der Hauptstadt, die Mitglieder des diplomatischen Korps u. a. sich ver­sammelt haben, und gleich nachher verläßt der Kaiser seine Jacht, um ans Land zu gehen. Hier werden nun die verschiedenen hochstehenden Persönlichkeiten dem Kaiser vorgestellt, welcher dann, vom König begleitet, die Ehrenwache eine Kompagnie Gardegrenadiere abschreitet. Unmittelbar nachher erfolgt unter Eskorte von Gardehusaren die Abfahrt nach dem Residenzpalast, woselbst sich sämtliche fürstliche Damen versammelt haben. Im Laufe der folgenden Stunden werden Be­suche ausgetauscht und um 7 Uhr findet die königliche Galatafel statt, an welcher gegen siebzig Personen teil- nehmen werden. Es wird bei dieser Gelegenheit eine- ganz ungewöhnliche Pracht entfaltet werden. Der deutsche Kaiser wird in Kopenhagen nicht nur mit der Kaiserin-Witwe Maria Feodorowna, sondern auch mit

des findigen Vizekönigs in ein krampfhaftes Lachen aus. Die dicke fettglänzende Köchin aber betrachtete mittler­weile ihreRiesenpratzen" und berechnete, was für ein Kapital sie daraus schlagen könnte, wenn sie anstatt a ordinäres Kuchelmensch" a Hauptpatscherin im Münchener Neuen Schauspielhaus geworden wäre; sie hatte ein Gefühl, als hätte sie ihren Beruf verfehlt.

Lieber Freund," nahm nach einiger Zeit das Patscherl" wieder das Wort,wir sind um des Leut­nants und der Cousine willen bereit, Ihnen aus der Not zu helfen. Jawohl, wir werden klatschen, und Sie sollen mit uns zufrieden sein. Aber auf denknallen­den" Lohn, den sie uns so bereitwillig zur Verfügung gestellt haben, verzichten wir. Wir siyd keine Freundinnen vom Küssen."

Herrgottsakca, dös is aber schad--so a Pech kann nur i habn," brummte Girgl mit dem Ausdruck einer unliebsamen Enttäuschung und sah sehnsüchtig nach den roten Lippen der jungen Mädchen.Nu, dann laß i mi aufhängn auf den nächst besten Tauben- kobel (Taubenschlag), wenn nit Jede von Enk schon ihren Schatz hat," meinte er resigniert.

Aber dös wär ja a Wunder, wenn solche schöne Bleamerl koan Liebhaber finden thäten."

Den jungen Damen schien diese naive ländliche Galanterie nicht zu mißfallen. Sie kicherten ein wenig, nickten dem Vizekönige freundlich zu und entfernten sich alsdann aus der Küche, wobei dasPatscherl" nicht vergaß, durch einen zarten Rippenstoß die fettglänzende Köchin an irgend etwa» zu erinnern.