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Nichtamtlicher Teil.
Zum 9. März.
An diesem Montag Morgen sind 15 Jahre vergangen, seit der erste deutsche Kaiser des neu geeinten Reiches das milde Herrscherauge schloß, seit die Zügel der Re- gierung den nimmermüden Händen Wilhelms des Großen entfielen. Ein reiches, gottbegnadetes Fürstenleben hatte sein Ende gefunden. Was unser Volk an dem Heimgegangenen Kaiser besessen hat, weiß und fühlt es selbst am besten. Seine Taten und Eigenschaften haben ihm in allen Herzen ein Denkmal errichtet, das die Kunstwerke weit überstrahlt, mit denen sich viele Städte, um sein Gedächtnis zu ehren, geschmückt haben. Das deutsche Reich ist die Schöpfung Wilhelms des Großen. Doch hat es dieser Herrscher nicht gegründet zur Erhöhung seines Ansehens unter den Königen. Er hat es geschaffen aus der Liebe zu seinem Volk und aus der Uebergewalt seines Tatendranges für die vaterländische Ehre und Wohlfahrt, als ein Werkzeug des allmächtigen Gottes.
Das Gute, was Kaiser Wilhelm der Große gewirkt hat, bleibt der Nachwelt unverloren und wird fort« zeugend Gutes weiter wirken. Schon zu seinen Lebzeiten hat die Verklärung ihre goldene Strahlenkrone um seine Stirn gewunden, so daß er in unsern Herzen lebt, wie ihn einst die Nachwelt auf menschenüberragen- der Höhe erblicken wird, als der hehre Schutzgeist deutscher Macht und deutschen Glückes! Wenn aber sein Todestag wiederkehrt im Wechsel der Zeiten, dann verlangt er Rechenschaft von der Nation, ob sie das ihr anvertraute Gut auch treu gehütet und im Geiste seines Schöpfers verständig weiter entwickelt hat. Und kann sie heute an dem Grabe ihres großen Kaisers bekennen, daß sie gleich groß im Wollen und Handeln gewesen ist wie der Entschlafene?
Soweit die Ueberlieferungen Kaiser Wilhelms des Großen auf den Erben seines königlichen Amtes und Purpurs überkommen sind, ist es nur Geist desselben Geistes, der aus ihm spricht. Unser jetzt regierender Kaiser wacht mit allen Pulsen seiner machtvollen Persönlichkeit über die Ehre und das Wohl des Vaterlandes, wie sein großer Ahnherr. In einer bald fünfzehnjährigen Regierung hat Kaiser Wilhelm II. das Banner
Ias kthtimiiisj H Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch. (Fortsetzung.)
XXL
Endlich mußte sich Sabine zur Abreise entschließen und sie verließ den nächsten Tag in Begleitung des Grafen Balkanyi den Comersee und langte nach 48stündiger Fahrt in Pest an. Sie fand den Palast verlassen und alles stumm und ausgestorben. Finstere trübe Wolken ließen die unfreundliche Umgebung noch trauriger erscheinen und Sabine fühlte sich nach den herrlichen sonnigen Tagen niedergedrückt und beengt. Sie bat Balkanyi und ihren Nechtsanwalt, die Geschäfte so schnell als möglich zu erledigen, um nur bald wieder das Trauerhaus, wo sie so betrübende Erinnerungen umgaben, verlassen zu können.
„Das wird so schnell nicht gehen," meinte Balkanyi, ben ihre Eile unangenehm berührte; er wünschte sie »'och recht lange in Pest und in ihrem Palast zu fesseln.
Sabine hörte ihn bestürzt an. Sie wandte sich nun bittend an ihren Anwalt, die ErbschaftSangelegenheit doch möglichst zu beschleunigen. Dieser kam ihren Wünschen "ach und nach zwei Tagen verlas er ihr das Testament, welches Sabine, mit Ausnahme der Gerendy'schen Familien- mUer zur Generalerbin machte. Ihr Gemahl hatte im
t gut zu machen gesucht, was er im Leben an ihr verschuldet. Sie war noch jung genug, um sich für die ttiahre der Leiden zu entschädigen. Verschiedene Entschlüsse
des Reiches mutig und erfolgreich hochgehalten. Allen Anschlägen seiner Feinde zum Trotz hat er zielbewußt die Kräfte gestärkt, die die Macht des Vaterlandes verkörpern. Er ist ein Mehrer des Reiches geworden in des Wortes edelster Bedeutung; er hat nicht nur dessen Grenzen erweitert, sondern er ist auch ein Förderer der sittlichen und wirtschaftlichen Gütern des Volkes, und mit freudigem Stolz dürfen wir es bekennen, daß der Enkel des ruhmreichsten preußischen Königs in der ganzen gesitteten Welt als Hort des Friedens verehrt wird. Kaiser Wilhelm II. hat gehalten, was er seinem kaiserlichen Großvater an seinem Sterbebette gelobte. Leider kann man nicht sagen, daß das deutsche Volk in allen seinen Teilen den ihm auferlegten Pflichten in demselben Sinne nachgekommen ist. Die Zerklüftung in Parteien und der Gegensatz vieler zu dem vaterländischen Gedanken überhaupt stehen nicht im Einklang mit den Ueberlieferungen des großen Kaisers.
Erinnerungsvoll in inniger Liebe und Dankbarkeit blicken wir heute zu der verehrungswürdigen Heldengestalt auf, treu und fest in dem Entschluß, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß sich die Worte erfüllen, mit denen der Altreichskanzler Fürst Bismarck in der denkwürdigen Sitzung des Reichstages vom 9. März 1888 feine Trauerbotschaft schloß: „Die heldenmütige Tapferkeit, das nationale hochgespannte Ehrgefühl und vor allen Dingen die treue, arbeitsame Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und die Liebe zum Vaterlande, die in unserm dahingeschiedenen Herrn verkörpert waren, mögen sie ein unzerstörbares Erbteil unserer Nation sein, welches der aus unserer Mitte geschiedene Kaiser uns hinterlassen hat: Das hoffe ich zu Gott, daß dieses Erbteil von allen, die wir an den Geschäften unseres Vaterlandes mitzuwirken haben, in Krieg und in Frieden, in Heldenmut, in Hingebung, in Arbeitsamkeit, in Pflichttreue treu bewahrt bleibe!"
Das Eiserne Kreuz.
10 März.
Für die Landwehr hatte König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1813 den Wahlspruch: Mit Gott, für König und Vaterland!" festgesetzt, und mit diesen schönen Worten stiftete er an diesem Dienstag vor 90 Jahren, dem Geburtstage der Königin Luise, das Eiserne Kreuz als Auszeichnung für die Tapfersten des Befreiungskampfes. Die Stiftung war des Königs eigenste Idee
schwebten ihr vor, doch konnte sie sich zu nichts entscheiden.
Sie gedachte der Vergangenheit und machte sich Vorwürfe, daß sie, anstatt ihr Schicksal mit Ruhe zu tragen, ihr Herz einem Menschen wie Theodor geschenkt hatte, denn nun war sie überzeugt, nicht Liebe, sondern Eitelkeit hatten ihn zu ihr gezogen. Es hatte ihm geschmeichelt, die vielumschwärmte Gräfin zu gewinnen und schwach genug, hatte sie ihm geglaubt. Nun wollte sie alles, was sie in ihrer Unerfahrenheit und Gedankenlosigkeit verschuldet, wieder gut machen und berief Bertalan Perzay zu sich, welcher sich auch zur bestimmten Stunde im Palast einfand. Er verneigte sich mit sichtlicher Unruhe und Verlegenheit vor der schönen Frau, deren Angesicht er jetzt in vollem Glänze erblickte.
„Wir kennen einander schon," sagte Sabine, ihrem Gast einen Platz anbietend. Der Kaufmann stotterte etwas, das weder eine Verneinung, noch eine Bejahung bedeutete.
„Ich ließ Sie heut wegen eben so wichtigen Ge- schäften zu mir bitten, als jene waren, welche mich einst in Ihr Haus führten."
„Ich stehe zu Diensten."
Einige Augenblicke zögerte sie, es schien ihr schwer anzukommen, sich auszusprechen. „Vor einigen Wochen gab Ihnen eine verschleierte Dame einen Schmuckkasten, was ist mit ihm geschehen?"
„Er stand so lange unberührt in meinem Schränk, bis ich ihn dem Besitzer, meinem Bruder, übergeben konnte."
„Ist Theodor Perzay in Pest?"
«Er kam unerwartet zurück und bemüht sich, seine Praxis wieder aufzunehmen, was ihm aber wohl schwer
und knüpft an das Zeichen der alten preußischen Ordensritter an. Schenkendorff besang die Stiftung in diesem Sinne:
„Wieder schmückt es unsere Fahnen
Wieder deckt es unsere Brust,
Und im Himmel noch die Ahnen
Schauen es mit Heldenlust;
War das alte Kreuz von Wollen,
Eisern ist das neue Bild,
Anzudeuten, was wir sollen,
Was der Männer Herz erfüllt.
Denn nur Eisen kann uns retten,
Uns erlösen kann nur Blut,
Von der Sünde schweren Ketten,
Von des Bösen Uebermut,
In den Freiheitskriegen wurden insgesamt etwa 10 000 Kreuze verliehen. Von den Lützowern erhielten diese Auszeichnung 126. Bei der Erinnerungsfeier im Jahre 1863 hatte sich noch eine stattliche Anzahl von Freiheitskämpfern, deren Brust das Kreuz zierte, in Berlin zusammengefunden, um in Parade vor dem Könige Wilhelm I. zu erscheinen. Der letzte Inhaber des Eisernen Kreuzes aus den Jahren 1813 bis 1815 starb 1890.
Am 19. Juli 1870, dem Gedenktage der im Jahre 1810 verstorbenen Königin Luise, ließ der König — der verewigten Mutter gleich zum Denk- und Ehrenmal — das Eiserne Kreuz wieder aufleben. Die Statuten der beiden Eisernen Kreuze von 1813 und 1870 sind im wesentlichen dieselben, auch die Rangstufen, Großkreuz, I. und II. Klaffe, blieben die gleichen. Die Verleihungen während des Krieges 1870/71 waren, den Truppenmassen entsprechend, natürlich bei weitem größer als in den Freiheitskriegen. Als nach Beendigung des letzten großen Kampfes diejenigen, welche der Kriegsgott ver- schont hatte, der Heimat zuzogen, schmückte rund 50 000 Tapfere das schlichte Eisenkreuz.
„Ein Eisern Kreuz, wie stattlich hängt's An eines Tapfern Brust!
Der König schickt's, der Mann empfängt'»
Und trägt's mit stolzer Lust, Und freut sich, bis den Ehrenlohn
Die Mutter und die Braut
Am schmucken Schatz, am braven Sohn
Am Siegesheimzug schaut."
Viele Zeugen aus Deutschlands großer Zeit sind nun
lich gelingen wird. Wäre er nur nie fortgegangen!"
„Wissen Sie, daß er mit Adrienne Tamerlan verlobt war?"
„Sigmund schrieb es mir, er selbst sprach nie davon. Er ist mit dem Ordnen seiner Verhältnisse sehr in Anspruch genommen, denn er steht am Rande „des Ruins."
„Er darf nicht zu Grunde gehen," sagte Sabine lebhaft. „Es muß ihm aus der Not geholfen werden. Ich gebe Ihnen in dieser Hinsicht carte blanche. Die Summe, welche er nötig hat; schreiben Sie getrost auf."
„Unter welchem Titel kann ich das annehmen?" fragte Bertalan zurückhaltend.
„Theodor Perzay war viele Jahre der Anwalt meines Mannes, und er hat für den Fall, daß dieser zurück- kehre, ihn bedacht. Ich füge dieser Summe von meinem Besitz soviel hinzu, als er zu seiner Rettung bedarf."
„Dies anzunehmen oder dankend abzulehnen muß ich in Theodors eignes Ermessen stellen, wenn Sie erlauben, Gräfin, werde ich ihm Ihren Willen mitteilen."
Sabine erhob stolz und kalt ihr Haupt. „Ich will ihm in diesem Leben nicht mehr begegnen," sagte sie ohne Erregung, aber so entschieden, daß Bertalan fühlte, es sei ihr letztes Wort. „Aber lassen Sie Theodor Perzay wissen," fuhr sie jedes Wort betonend fort, „daß er in allen Lebenslagen auf mich zählen kann. Mag er sich durch Sie oder Sigmund, oder brieflich an mich wenden, doch ihm selbst bleibt mein Haus verschlossen."
Eine dunkle Nöte überzog Bertalanö Angesicht bei diesen strengen Worten. Er verneigte sich und verließ