im Sommer leicht. Ist Kunigunds (3.) tränenschwer, dann bleibt gar oft die Scheune leer. Märzenstaub ist's Pfund 'nen Taler wert. Ist Marien (25.) schön und rein, wird das Jahr sehr fruchtbar sein. Joseph klar gibt ein gutes Honigjahr. Auf Mälzendonner folgt ein fruchtbar Jahr, viel Frost und Regen bringt Gefahr. Zu frühes Säen ist nicht gut, zu spätes Säen auch übel tut. Wie die 40 Ritter (9.) das Wetter gestalten, so wird es noch 40 Tage anhalten. Märzgewitter zeigen an, daß große Winde ziehn heran. Ist's an Mariä schön und hell, gibtS viel Obst auf alle Fäll'! Märzen- blüte ist ohne Güte. Im Märzen kalt und Sonnenschein, wird eine gute Ernte sein. Wenn im März viel Winde wehn, wird's im Maien warm und schön. So viel im März die Nebel steigen, so viel im Sommer sich Wetter zeigen. Märzenserkel und Märzenfohlen alle Bauern haben wollen. Trockner März und feuchter April tuts dem Landmann nach seinem Will. Was der März nicht will, das holt sich der April, was der April nicht mag, das steckt der Mai in den Sack. Ein schöner Josephitag (19.) das ganze Jahr gut werden mag!
* (Postverkehr mit den Besatzungen S. M. Schiffe in den westindischen Gewässern.) Nachdem die Blockade gegen Venezuela eingestellt worden ist und damit das mobile Verhältnis der beteiligten Streitkräfte aufgehört hat, können Postsendungen an und von Personen der Besatzungen S. M, Schiffe in den westindischen Gewäffern nicht mehr als Gegenstände der Feldpost zur Beförderung gelangen; es kommt daher die nach der Bekanntmachung vom 11. Januar zugestandene Portofreiheit und Portoermäßigung in Wegfall. Für den Postverkehr mit diesen Schiffsbesatzungen gelten von jetzt ab wieder die im Verkehre mit den deutschen Kriegsschiffen im Ausland allgemein bestehenden Portosätze.
Hn. Hersfeld. 2. März. Die Sonne kehrt von der südlichen Halbkugel zu uns zurück. Am 1. März befindet sie sich noch 8 Grad südlich vom Aequator. Am 21. März, um 8 Uhr abends, erreicht sie den Aequator, für einen Augenblick die nördliche und südliche Halb, kugel mit gleicher Liebe umfaffend. Dann aber wendet sie sich mehr und mehr der nördlichen Erdhälfte zu; sie tritt in das Zeichen des Widders ein, und damit beginnt der astronomische Frühling. Der meteorologische pflegt sich nicht mit derselben Pünktlichkeit einzustellen. Mitunter eilt er dem astronomischen voraus, mitunter läßt er auch noch längere Zeit auf sich warten und uns unter den Unbilden eines langen Winters leiden. Am Ende des Monats steht dann das Tagesgestirn schon 4 Grad nördlich vom Aequator; es steigt dann bereits bis zu 42 Grad über unsern Horizont empor, während seine Mittagshöhe am 1. März nur 30 Grad betrug. Am meisten bemerkbar macht sich die Wandernng der Sonne nach Norden durch das Längerwerden der Tage. Am t.März erfolgt der Sonnen-Aufgang kurz nach 6^/4 Uhr, der Sonnen-Untergang bald nach 5V2 Uhr, der Tag dauert mithin 10^/4 Stunden. Am 31. März geht das Togesgestirn bereits gegen 5V2 Uhr auf und erst um 6V2 Uhr unter, es verweilt also 13 Stunden bei uns. Der Mond zeigt sich in den ersten Tagen des Monats als schmale Sichel beim Sonnen-Untergang am Abendhimmel. Am 6. März ist seine halbe Scheibe sichtbar, er steht im ersten Viertel. Am 13. ist Vollmond. Dann nimmt er wieder ab, zeigt sich am 21. im letzten Viertel und steht am 29. zwischen uns und der Sonne. Seine uns zugekehrte Seite erhält kein Licht, es ist Neumond. Dabei steht er noch nahe genug dem Durchschnittspunkte seiner Bahn mit der Ekliptik, um für einen Teil der Erdoberfläche vor die Sonne zu treten und so das Schauspiel einer Sonnenfinsterniß zu gewähren, die für die auf der Centrallinie der Verfinsterung liegenden Orte ringförmig ist. Bei uns ist diese Finsternis
ihn zu verlaffen. Meine Gefühle müssen mit der Schönheit des Ortes übereinstimmen und wenn dies mangelt, ist nichts im Stande, meine Aufmerksamkeit zu fesseln."
„Sie haben heut stürmische Szenen durchlebt, Gräfin?"
„Ich bin dies gewöhnt, mein Leben wogte immerdar in Ebbe und Flut."
„So würde Ihnen Ruhe und Stille lästig sein?"
„Ruhe und Stille wären der Tod meines stürmischen Herzens. Meine Kinderzeit ausgenommen erinnere ich mich keiner ruhigen Tage. Glücklicher Stunden ja, aber sie wurden mit großer Aufregung bezahlt." Sie sprach wie träumend, als hätte sie Sigmunds Gegenwart ver- geffen, während ihre Augen an der weiten Aussicht hingen. „Ich ruhe mich gern aus, doch nur nach großer Ermüdung und in der Hoffnung auf neue Anregungen."
Sigmund erschrak. Konnte er einer solchen Natur trauen? Verdiente sie eine Anhänglichkeit, sie, welche die Abwechslung suchte und der stille Friede langweilig war?
Er lauschte mit zurückgehaltenem Atem jedes Wort von den Lippen seiner Gefährtin. Sie nahm dies alles nicht wahr.
„Wenn ich ganz frei wäre, fuhr sie fort, würde ich kein Land als meine Heimat betrachten, sondern mein Leben auf Reisen zubringen. Mit den Wolken würde ich ziehen und mich an dem Orte niederlassen, der mir gefiele und weiter eilen, wenn ich seiner Schönheit satt wäre. Nach einem solchen schönen, anziehenden Leben sehne ich mich."
„Haben Sie kein anderes Verlangen?"
„Anderes?" fragte Sabine. „Einst sehnte ich mich nach Anderem, nach Liebe und Gegenliebe!
nicht zu sehen; ihr SichtbarkeitSgebiet beschränkt sich auf den größern Teil Asiens (mit Ausnahme von Kleinasien, Arabien und den Nachbarländern), das nordwestliche Amerika, die nördlichen Polargegenden und den Norden des stillen Ozeans. Merkur steht am Morgenhimmel. Er geht zuerst um 6 Uhr, zuletzt eine halbe Stunde früher auf. bleibt aber wegen feiner südlichen Deklination in ungünstiger Stellung. Venus ist Abendstern im Bilde der Fische und des Widders. Mars in der Jungfrau kommt am 29. März in Opposition zum Tagesgestirn und ist die ganze Nacht hindurch sichtbar. Mars bleibt rund 100 Mill. Kilometer von uns entfernt. Jupiter im Wassermann bleibt noch in den Strahlen der Morgendämmerung. Saturn im Bilde des Steinbocks ist bereits am Morgenhimmel sichtbar und geht zuletzt zwei Stunden vor der Sonne auf. Von den Fixsternen finden wir im Nordosten den großen Bären und darunter tief am Horizonte das Bild des Bootes mit dem strahlenden Arkturus. Im Norden steht unter dem Polarstern der Cepheus und noch tiefer der Schwan mit Deneb. Im Nordwesten erblicken wir die Sternbilder Perseus, Kassiopeja und Andromeda, im Westen den Fuhrmann mit der funkelnden Kapella und den Stier mit dem Aldebaran. Im Südwesten breitet sich das prächtige Bild des Orion aus, während wir im Süden die Zwillingssterne Kastor und Pollux, den Procpon und den hellsten der Fixsterne, den Sirius, finden. Im Südosten haben wir den Krebs, an den sich nach Osten zu der große Löwe mit dem ReguluS anschließt, während das Bild der Jungfrau mit Spika sich über den Horizont erhebt
H Hersfeld, 1. März. Von Seiten der Zuckerfabrik Hünfeld geht uns folgendes zur Veröffentlichung zu: „Um allen Gerüchten über einen stattgehabten Ver- kauf unseres Fabriketablissements entgegenzutreten, teilen wir mit, daß die Wiederaufnahme der Rübenverarbeitung der Zuckerfabrik Hünfeld voraussichtlich im Herbst des Jahres 1904 stattfinden wird, sobald die z. Zt. zwischen einzelnen Gutsbesitzern und der Warburger Zuckerfabrik abgeschlossenen Rübenkontrakte erledigt sind. Da bis dahin wohl auch die neue Bahn Hünfeld—Vacha— Gerstungen fertig sein wird, so dürfte eine erheblich stärkere Rübenlieferung gegen die früheren Jahre zu er. warten sein.
Ziegenhain, 26. Februar. Mit dem Bau der Eisenbahn Treysa-Hersfeld wird bestem Vernehmen nach bereits am 1. April der Anfang gemacht werden.
Caffel, 28. Februar. Der Kaiser hat einen Jmmediatbericht über den Brand auf dem Königlichen Bergwerk Wilhelmshöhe eingefordert. Wahrscheinlich werden die niedergebrannten Gebäude nicht wieder aufgebaut werden.
Caffel, 27. Februar. Herr Polizeipräsident Dr. Steinmeister ist zum Polizeipräsidenten in Hannover und Herr Oberpräsidialrat Fromme zum Regierungspräsidenten in Hildesheim ernannt worden. An die Stelle des Herrn Polizeipräsidenten Dr. Steinmeister wird Herr Regierungsrat Graf Berg, bisher in Hannover, treten.
Rotenburg, 27. Febr. Die der Herculesbrauerei zu Caffel gehörige Gastwirtschaft „zum Adler" im Zwickel ist an einen auswärtigen Herrn verkauft. Als Kaufpreis werden 23,000 Mk. genannt. — Wie zuverlässig verlautet, ist Herr Amtsrichter Reul in Nentershausen zum 1. Mai als Amtsrichter an das hiesige Gericht versetzt. Herr Assessor Möll aus Marburg ist mit der einstweiligen Stellvertretung beauftragt und hat bereits die Amtsgeschäfte übernommen.
Hanau, 1. März. Heute Nachmittag wurde die Leiche des feit Mittwoch vermißten 32jährigen Kaufmanns A. Rößler, Leiters der Filialen von I. Latcha's Kolonial- waarengeschäst, aus der Kinzig geländet. Der Fall ist um so tragischer, als stichhaltige Gründe für die Selbstmordaffäre kaum vorliegen und der äußerst ge-
Wie ein Wehrus tönten diese Worte von ihren Lippen, dann richtete sie ihre Augen auf Sigmund, welchem der gramvolle und doch leidenschaftliche Klang ins Herz drang.
„Können Sie nie mehr lieben?" fragte er kaum hörbar.
„Ich fürchte die Täuschung, welche die Liebe meist mit sich bringt." Einmal mußte ich die Qualen derselben tragen, ein andermal verursache ich sie vielleicht selbst."
Sie schwiegen. Langsam senkte sich die Dämmerung zur Erde nieder, leichte Wolken umschleierten die Firne und es wurde kühl. Sigmund erschauerte bis ins Innere vor den rauhen Worten der Gräfin.
„Wann verlassen wir das Comertal?" fragte er, sich erhebend.
„Ich erwarte nur Nachrichten vom Grafen, alsdann überlasse ich mich Ihrem ärztlichen Rat."
Sigmund verbeugte sich und ging. Die letzten süßen, freundlichen Worte hatten ihn etwas beruhigt. Des Liebenden Hoffnung wird durch den geringsten Funken angefacht und Sigmund lieble, liebte unsäglich, wahnsinnig.
XIX.
Die folgenden Tage brachten keine Veränderung. Theodor suchte Adrienne täglich auf, aber er war mürrisch, zerstreut und traurig. Man sah, daß er seine Besuche nur gewohnheitsmäßig, oder aus Zwang tat. Adrienne, von ihrem Vater belehrt, zeigte weder Eifersucht noch Zweifel. Im Stillen floffen ihre Tränen, aber ihr Bräutigam merkte nicht, daß sein Betragen sie betrübte und er war überzeugt, daß Tamerlans nichts von seiner Gemütsstimmung gewahrten.
schäftstüchtige junge Mann sich auch noch am 15. d. M. mit einem hiesigen hochachtbaren Mädchen zu verheiraten gedachte.
Uslar, 26. Februar. Bei dem gestern Abend hier und in der Umgegend niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz in ein Wohnhaus zu Hardegsen ein. Das schnell um sich greifende Feuer äscherte in wenigen Stunden 5 Wohnhäuser mit den dazu gehörigen Stallungen ein.
Gersfeld (Rhön), 26. Februar. Das Basalt- werk Bischofsheim hat im vergangenen Jahre 15000 Waggons versandt und steigt die Nachfrage nach diesem Straßendeckmaterial mit jedem Tag. Hat auch sonst die Natur mit ihren Schätzen unsere südliche Rhön recht stiefmütterlich bedacht, so ist uns doch an dem Basalt eine concurrenzlose Erwerbsquelle geboten. Man darf mit Gewißheit annehmen, daß auch die in Aussicht gestellte Bahn Brückenau-Wildflecken gut mit unseren schwarzen Diamanten befrachtet wird.
Frankfurt a. M., 1. März. Das seit 1615 erscheinende Frankfurter Journal geht Ende März dieses Jahres ein.
Wiesbaden, 28. Februar. Der 50jährige Weinhändler Wolfsohn hat sich auf der Fahrt von Castel nach Wiesbaden im Eisenbahnzuge erhängt.
Mainz, 21. Februar. Der Werkführer der städtischen Hafenverwaltung M. Färber ist verschwunden- — Die Centralkrankenkaffe „Humania" mit dem Sitze in Mainz, wurde, weil sie ihren Verpflichtungen gegen die Mitglieder nicht nachkam, vom Provinzialausschuß für geschloffen erklärt.
Aus Thüringen, 26. Februar. In der Nacht vom Montag zum Dienstag wurde in Stößen die Wittwe Hüttich von dem bei ihr als Schlafbursche wohnenden I Johann Oels erstochen. Dieser war mit Frau Hüttich, I mit der er im Conkubinat lebte, in Streit geraten und schlug sie in's Gesicht. Der gerade anwesende Bräutigam der Tochter der Frau Hüttich, der aus Leipzig zur Kindtaufe herübergekommen war, wollte dazwischen treten um Frieden zu stiften, als Oels die Frau mit einem spitzen Meffer in die Brust stach. Da das Herz getroffen war, war sie sofort tot.
$ t r m i f 611 §.
— Die Berufungsverhandlung gegen den Matrosen Köhler, der, wie wir s. Z. berichteten, wegen Ermordung des Unteroffiziers Biedritzki an Bord S. M. S. „Loreley" vom Kriegsgericht zu Wilhelmshaven zum Tode verurteilt worden war, findet, wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, am 9. März d. J. vor dem dortigen Ober-Kriegsgericht statt. Die Verhandlung beginnt bereits um 8^2 Uhr Morgens. Köhler hatte gegen das Urteil erster Instanz Berufung beim Ober-Kriegsgericht eingelegt.
— (Die Vögel auf den Damenhüten.) Aus Cincinnati, Ohio, wird berichtet: Die verflossene Legislatur des Staates Ohio hat energische Gesetze zum Schutze der heimischen Singvögel erlassen, die auch das Verwenden von Vogelbälgen beim Garnieren von Damen- Hüten strafbar machen. Neulich besuchte ein Staats- beamtet mit einem weiblichen Sachverständigen sämtliche Putzgeschäfte von Cincinnati, nachdem dieselben vor einigen Wochen schon auf den Erlaß jener Gesetze auf. merksam gemacht worden waren. Die Razzia halte mehrere Verhaftungen zur Folge, und jüngst wurde der erste Fall vor einem Friedensrichter verhandelt. Die Geschworenen fanden den Angeklagten schuldig, und dieser wurde zu 50 Dollars Strafe verurteilt. Die Freunde der kleinen gefiederten Sänger sind erfreut über den Ausgang des Prozesses. In allen größeren Städten des Staates sind letzthin solche Razzien bzw. Verhaftungen vorgenommen worden.
Sigmund besuchte seine Verwandten nicht, aber Adrienne sah ihn oft am Ufer des Sees mit einer tiefverschleierten Dame. Sie kannte das Geheimnis des Schleiers nicht und ahnte nicht, in welch' nahem Zusammenhangs jenes verschleierte, wunderbar schöne Antlitz mit ihrer Trauer stand.
Sigmund zeigte Sabine während eines ihrer gewohnten Spaziergänge ihre Nebenbuhlerin.
(Fortsetzung folgt.)
— C 0 blenz, 28. Februar. Der während der Nacht herrschende orcanartige Sturm richtete großen Schaden an Gebäuden, vornehmlich an Neubauten an. Die Turmkuppel der Barbarakirche droht einzustürzen.
— Ein Landesverratsprozeß vor dem Reichsgericht steht wieder bevor. Gegen einen Maler Müller in Neu-Breisach ist die Untersuchung wegen Verrats militärischer Geheimnisse eingeleitet. In den nächsten Tagen schon wird sich ein Vertreter der Reichsanwaltschaft nach Straßburg begeben und die Ueber- führung des Verhafteten nach Leipzig anordnen.
— Haugesund (Norwegen), 28. Februar. Während eines Sturmes kenterten gestern zwei Fischerboote. Die Besatzung des einen Bootes, vier Mann, ist ertrunken, von der des anderen Bootes ertranken drei Mann, während zwei gerettet wurden.
— New - N 0 rk, 28. Februar. Infolge Nach- geben« der Schienen entgleiste in der vergangenen Nacht ein Eisenbahnzug in der Nähe von Lenon-City (Tennessee), wobei fünf Eisenbahnangestellte und eine Frau ums Leben kamen und eine größere Anzahl Personen verletzt wurde.