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Rr. II.
IiNtrftW ta 12. Febrilir
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Nichtamtlicher Teil.
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In der am Montag vom Bunde der Landwirte abgehaltenen General-Versammlung ist von den BundeS- rednern wiederholt Klage erhoben worden, daß die Regierungen nicht nur kein Herz für den schweren Daseinskampf des Mittelstandes hätten, sondern gar noch von der bedenklichen Neigung erfüllt wären, die in den Innungen vertretenen Reste des ehemals stolzen deutschen Handwerkertums der erdrückenden Konkurrenz seitens der Massenfabrikation und der Pfuscher schonungslos preiszugeben. Und während der Abg. von Wangenheim in diesem Sinne die deutschen Landwirte gegen die Regierungen scharf zu machen versuchte, erging sein Parteigenosse, der Abg. Dr. Derlei im Reichstage, sich in ähnlichen Gedankengängen, wobei er namentlich dem Staatssekretär Grafen von Posadowsky die vermeintliche Ansicht zuschob, daß die Regierungen nichts dazu tun könnten und wollten, um der fortschreitenden Auflösung und Proletaristerung des geschlossenen Handwerkerstandes mit gesetzgeberischen Mitteln entgegenzu- wirken.
Diese Angriffe von agrarischer Seite sind, wenn man die vorgebrachten Behauptungen nicht ohne weiteres als bare Münze ausnimmt, sondern die offen vorliegenden Tatsachen sowie insbesondere die früheren Ausführungen des Grasen Posadowsky ins Auge saßt, in jeder Beziehung haltlos und ungerechtfertigt. Es ist tief bedauerlich, daß um parleitaktischer Ziele willen Auffassungen in Umlauf gesetzt werden, für die jeder feste Untergrund fehlt. Denn — um es von vornherein kurz zu sagen — der Mittelstand im allgemeinen und das Handwerk im besondern sind nicht das Aschenbrödel der Staatsverwaltung, als welches sie von den Rednern immer wieder hingestelll werde». Es ist aber auch keineswegs der Fall, daß die Regierungen das lebhafte Verständniß für die Erhaltung und Entwicklung des Mittelstandes verloren hätten und daher dem Handwerk den Gnadenstoß geben möchten, „weil nicht mehr belebt werden kann, was nicht mehr zu beleben ist."
Die einzelnen Bestimmungen der bestehenden Hand- werker-Gesetzgebung sind ein redender Beweis für die
Ins Wjtiiiinijj des Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch.
(Fortsetzung.)
„Das ist auch nicht nötig; verwerten oder behalten Sie das Kästchen. Von diesem Augenblicke an ist der Schmuck nicht mehr mein Eigentum," sagte die Dame entschieden und wollte das Zimmer verlassen.
„Ich erhebe Einspruch gegen Ihr Fortgehen," rief Bertalan erregt und stellte sich der Dame entgegen. „Entweder gehen Sie mit bem Kästchen oder gar nicht."
„Sie wollen Gewalt gegen mich anwenden?"
„Gerade so, wie Sie mit bem Hierlassen des Kästchens." „Das ist keine Gewalt, sondern Bitte, inniges Flehen," sagte mit süßem, schmeichelnden Ton, welcher noch nie seinen Eindruck verfehlt hatte, die Fremde, und auch Bertalan stand betroffen vor ihr und sümpfte gegen den Zauber dieses Klanges.
„Ich weiß, daß Sie ein Vorurteil gegen mich haben," sagte sie schnell, den guten Eindruck benützend. „Oh, wüßten Sie doch, wie wenig Recht Sie dazu haben. Sie kennen mein Schicksal nicht und wissen nicht, wie sehr ich mich sehne, von diesen Schmucksachen loszukommen. Sie würden meine Bitte nicht abschlagen, um mein Leiden zu vermehren." Sie glitt mit der Hand unter den Schleier und brach in heftiges Weinen aus.
Perzay war ergriffen. Frauentränen verfehlen selten ihre Wirkung bei den Männern, und wenn Bertalan auch entschiedener, strenger und zehn Jahre älter wie
Bereitwilligkeit der gesetzgebenden Faktoren, die alten Formen der Handwerker-Erziehung aufrecht zu erhalten, soweit sie sich mit den unabweislichen Forderungen der Neuzeit irgend vereinbaren lassen. Als ein Unding aber muß es erscheinen, das Handwerk nach dem Muster vergangener Zeiten zum Alleinherrscher im Gebiete der gewerblichen Tätigkeit zu erheben. Den Innungen ist ein weites Entgegenkommen erwiesen, aber es ist undenkbar, ihnen auch heute noch Privilegien zu gewähren, die zu den berechtigten Lebens-Jnteressen der Groß-Jndustrie in offenem Widerspruch stehen.
Vor allem tritt aus den Beschwerden über angebliche Beeinträchtigung des Handwerks ein Streitpunkt hervor: der Befähigungsnachweis, b. h. die Berechtigung zum selbständigen Betriebe eines Handwerks von dem Nachweis einer geeigneten Vorbildung abhängig zu machen. Ueber die Unmöglichkeit, den allgemeinen BefähigungsNachweis auch in der Gegenwart zu erzwingen, dürfte eigentlich kein Streit mehr sein, nachdem sogar die Führer der Handwerker-Bewegung an dieser Forderung kaum noch festzuhalten wagen. Graf v. Posadowsky hat im Reichstage kürzlich dem Befähigungsnachweis eine Auseinandersetzung gewidmet, die von neuem selb stellte, aus welchen Gründen diesem Verlangen die Zustimmung auch fernerhin versagt bleiben müsse. Er wies überzeugend nach, daß wie den Innungen ihre wirtschaftlich politischen Befugnisse in früherm Umfange nicht zurückgegeben werden können, auch die Geltung des Befähigungs-Nachweises für das gesammte Handwerk nicht mehr durchführbar ist. Nur das Baugewerbe und vielleicht einzelne besonders komplizierte Betriebe werden auf dieses Vorrecht Anspruch erheben dürfen.
Aber ist das Handwerk deshalb dem Untergänge geweiht ? Graf Posadowsky hat auch in dieser Beziehung an der Hand reichhaltigen Materials den Beweis geführt, daß für viele Zweige handwerksmäßiger Produktion der einstmals goldene Boden noch keineswegs verloren ist, daß ferner der Staat mit wohlwollender Fürsorge verständige Wünsche des Handwerkerstandes stets zu erfüllen bestrebt ist, daß endlich der Mittelstand nicht einem absterbenden Baume auf dem Boden deutscher Nationalwirtschaft vergleichbar ist, sondern wächst und gedeiht. Dem Pessimismus, der im Dahinsiechen überlebter Organisationsformen ein Anzeichen allgemeinen Niederganges erblicken möchte, hielt Graf Posadowsky einen auf reich
sein Bruder war, so besaß er doch denselben Familien- fehler: die Schwäche und Weichherzigkeit.
Stumm und unschlüssig betrachtete er die reizende Gestalt, dann wandte er sich an den Schreibtisch zu dem fraglichen Kästchen zurück.
„Wenn diese Schmucksachen Theodor gehören," sagte er leise und ungewiß, ob er recht tue, „so übergeben Sie ihm dieselben doch selbst."
„Theodor!" rief die Fremde voll Bitterkeit. „Wo ist er, wo kann ich ihn finden? Die Welt ist so weit, wenn wir den suchen wollen, den wir lieben."
„Ich werde es Ihnen sagen," entgegnete er noch leiser, wie zuvor, indem ihm ein Gedanke aufstieg. Er mußte hier wählen zwischen Bruder und Bruder und glaubte, wenn er Theodors Zufluchtsort nenne, Sigmund zu retten, welcher nach Clara's und Rosa'S Behauptung auf demselben Wege, wie dieser, wandele. Er hoffte, das Brautpaar dadurch wieder zusammenzuführen und sich mit bem alten Hemberg, welcher ihm leicht gefährlich werden konnte, zu versöhnen. All' das durchzuckte ihn schnell wie der Blitz, und er entschied sich.
„Theodor — ist — am Comersee!"
Zögernd kamen die Worte heraus, als ob er jetzt, da er sie aussprach, die große« und vielleicht schrecklichen Folgen fühlte.
Wilde Freude prägte sich bei diesen Worten auf dem Gesicht der Dame aus, welche einen Jubelruf nicht unterdrücken konnte, und schnell, ehe er sich von feinem Staunen erholt hatte, aus bem Zimmer schwebte tyib seinen Augen entschwand.
Haltigen Tatsachen fußenden Ausblick entgegen, der dem Handwerke und dem Mittelstände eine hoffnungsvolle Zukunft eröffnet.
Politische Nachrichten.
Berlin, 10. Februar.
Se. Majestät der Kaiser stattete gestern nachmittag in Potsdam der bei dem Prinzen Emanuel Salm-Salm wohnenden Erzherzogin F r i e d r i ch von Oesterreich-Ungarn einen Besuch ab und begab Sich dann nach dem Regimentshaus des 1. Garderegiments z. F., um im Kreise des Offizierkorps den Tag seines Diensteintritts in das Regiment vor 26 Jahren zu begehen. Se. Majestät verblieb die Nacht und den heutigen Vormittag im Potsdamer Stadtschloß. Heute Mittag um 12Vä Uhr hat Se. Majestät der Kaiser die Rückfahrt nach Berlin angetreten. — Ihre Majestät die Kaiserin besuchte gestern mit Ihrer Königl. Hoheit der Prinzessin Heinrich von Preußen Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Erzherzogin Friedrich in Potsdam und danach die Kaiserin Augusta-Stiftung.
Seine Majestät der Kaiser und König haben in Gnaden genehmigt, daß die M a r i n e v e r e i n e in ihren Fahnen den Reichsadler als Hauptemblem führen dürfen, jedoch mit der Maßgabe, daß die Ordenskette auf ber Brust des Adlers in Wegfall kommt, und daß an der Fahnenstange schwarz-weiße Fahnenbänder mit dem preußischen Adler und mit der Aufschrift: „Preußischer Landeskriegerverband" angebracht werden. Auch sind hierfür besondere Muster bestimmt.
Auf der Tagesordnung der heutigen Plenarsi tzu n g des Reichstags stand die Interpellation der Abgg. Nißler u. Gen., ob der Reichskanzler der Resolution des Reichstages vom 6. März 1901 auf Gewährung eines Ehrensoldes resp, anderer Beihülfen auf Grund des Gesetzes vom 22. Mai 1895 Folge gegeben habe. Auf Anfrage des Präsidenten erklärte Staatssekretär Frhr. v. Thielmann sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Zur Begründung erhielt das Wort Abg. Nißler (k.), welcher bedauerte, daß viele Tausende von Veteranen jetzt die Beihülfe von 120 Mk. nicht erhielten, weil das Gesetz die vollständige Erwerbsunfähigkeit fordere. Die auf eine Aenderung hinzielende
XII.
In großer Bestürzung und Schreck streckte er die Arme nach ihr aus, um sie zurückzuhalten, aber es war zu spät. Seine Füße waren wie angewurzelt, auf der Stirn perlte ihm der Schweiß. Er sah plötzlich die Folgen seiner unüberlegten Handlung vor sich. In dieser Not erblickte er in Sigmund den einzigen Retter. Ihm wollte er das Geschehene mitteilen und seinen Rat erbitten. Das Kästchen, welches an der ganzen Sache Schuld trug, warf er wütend in den Geldschrank alsdann eilte er in Clara's Zimmer.
„Du wirst besser wissen, wo Sigmund um diese Zeit ist," rief er außer Atem. „Wo kann ich ihn finden? Ich muß ihn auf der Stelle sprechen."
„Was ist geschehen?"
„Ich habe jetzt keine Zeit, Dir die Einzelheiten mit- zuteilen, nachher, wenn ich mit Sigmund werde gesprochen haben. Wo ist er?"
„Ich weiß jetzt niemals, wo er ist; ich habe ihn seit drei Tagen nicht gesehen. Aber von Theodor kam vor einigen Minuten ein Bries."
„Von Theodor?! Was schreibt er?"
„Hier ist der Brief. Er ist sterblich in Adrienne verliebt und schon mit ihr verlobt. Nur davon handelt das Schreiben, sonst kümmert er sich um nichts und frägt auch nichts. Sein ganzes Sein gehl in Liebe auf."
„Ich fürchte, daß dies Gefühl fein Verderben und sein Tod sein wird," entgegnete Bertalan ernst. „Ich habe selbst die Gefahr über ihn heraufbeschworen. In einem unbedachten Augenblick verriet ich ihr, wegen der