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Ar. 17. S-mien- to 7. Febrmr 1901
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Hersselder Kreisblatt
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„Mustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Ilustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 2. Februar 1903.
Die Herren Ortsvorstände erhalten hierdurch die Weisung, das im § 8 Absatz 3 des Reglements vom 4. Mä>z 1875 (Amtsblatt Nr. 15) vorgeschriebene Verzeichnis k eijenigen noch nicht geimpften Kinder, welche in den Gemeindebezirken nicht geboren, sondern dahin verzogen sind, bis zum 20. F e b r u a r d. I s. mir einzureichen. Die Herren Standesbeamten werden angewiesen, unter Benutzung des Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Formulars, die vorgeschriebenen Jmpflisten durch Eintrag der im Jahre 1902 geborenen noch lebenden Kinder (Spalte 2 bis 5) vorzurichten und bis zum obigen Termine gleichfalls mir einzureichen. Bei Ausstellung dieser Liste ist noch zu beachten, daß die Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen in unmittel« barer Reihenfolge eingetragen werden.
Gleichzeitig ersuche ich die Herren Ortsschulinspektoren unter Benutzung des Ihnen übersandten Formulars durch Eintragung der sämmtlichen Schüler, welche im laufenden Jahre das 12. Lebensjahr zurücklegen werden, die Liste für die Wiederimpfung seitens der Herrn Lehrer vorrichten und hiernächst bis spätestens bis zum 25. Februar d. J. einreichen zu lassen.
Falls sich Schüler vorfinden sollten, von welchen einen Nachweis der Erstimpfung nicht erbracht werden kann, sind solche in einem Begleitschreiben besonders namhaft zu machen.
I. 685. Der Königliche Landrat. J. V. T h a m e r.
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Nichtamtlicher Teil.
Kill Mtnltog.
G. Februar.
An diesem Freitage sind 15 Jahre verstrichen, seit eine gewaltige Bewegung ganz Deutschland durchzitterte, so hinreißend, so elementar, wie sie unser Volk sonst nur erlebt hat, wenn der Ruf zu den Waffen erscholl. Eherne Töne waren erdröhnt, mächtig, fortreißend, zündend, wie einst des Demostbenes Ruf an die Athener: Bismarck hatte gesprochen, und einstimmig hatte der Reichstag unter der Macht seiner Rede bewilligt, was vom Kaiser für des Reiches Wehrkraft gefordert war.
Ernst und drohend war die Lage, als das Jahr 1888 die Schwelle betrat. In Frankreich war mit Boulanger ein Ele ment zur Macht gelangt, das nur dann eine Berechtigung hatte, wenn es sich fit Abenteuern betätigen durfte. Dort war Ane neue Wehrvorlage angenommen, neue CadreS waren errichtet. In Rußland übertönte der Lärm dcrHctzpresse jedes vefonnene Wort, und noch im November des eben beendeten Jahres war das Verhältnis zwischen den beiden Kaiserhöfen P spannt, daß Zar Alexander den schuldigen Gegenbesuch
m Aon Kopenhagen aus plötzlich abbestellte. Die berüchtigten Fälschungen der OrleanS, polnische und dänische ^!ff"60en hatten das gute Verhältnis der beiden Höfe zer 1 ut. und an einem seidenen Faden hing die Entscheidung
über Krieg und Frieden. Da fand am 18. November, als der Zar sich dennoch entschloß, auf einen halben Tag Berlin zu besuchen, die berühmte Unterredung zwischen ihm und Bismarck statt, und als der Monarch dem deutschen Staatsmanne an der Hand von Dokumenten ein Doppelspiel im Orient vorwarf, da hörte der Zar das empörte Wort: „Majestät, man hat Sie betrogen!"
Aber nur der Zar wurde gläubig, die russischen Pan- slavisten, von polnischen Agitatoren aufgestachelt, trieben fort in ihrem Hasse gegen Deutschland, und die Wolken blieben bedrohlich. Das neue Landwehr- und Landsturmgesetz sollte dem deutschen Heere im Kriegsfalle V2 Million neuer Streiter zuführen. 278 Millionen Mark wurden von der Volksvertretung gefordert. Die erste Beratung dieser Anleihe-Vorlage stand zugleich mit der dritten Lesung des Wehrgesetzes auf der Tagesordnung des Reichstages. Bitt fieberhafter Spannung harrte die Welt des Tages und der angekündigten Rede des großen Kanzlers. Der Reichstagssaal war in allen seinen Teilen dicht besetzt; in der Hofloge saß Prinz Wilhelm, unser jetziger Kaiser. Endlich hieß es: 's, Der Herr Reichskanzler hat das Wort!"
Wer den großen Staatsmann damals im Waffenrocke seiner Eisenreiter sah, in dessen Söhne äst das Bild des Unvergeßlichen eingegraben, unauslöschlich und unverwischbar. Da sprach er die goldenen Worte von der Friedensliebe des deutschen Volkes, die nur dem furor Teutonicus weiche, wenn es sich um das Höchste und Heiligste handle. Und immer markiger hob sich die arbeitende Brust, bis sich endlich das ganze deutsche Mannesempfinden zusammendrängte in das Kernwort: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt!" — Der Eindruck, den die Rede machte, spottet der Schiloerung. Als der Kanzler geendet hatte, da blieb es einige Sekuuden still; aber dann brach es los, brausend, tosend, sich immer erneuernd. Und ein Unerhörtes geschah: Unter dem Eindruck der Worte des eisernen Kanzlers erhob sich ein Mann vom Zentrum, Freiherr von Franckenstein, zu dem Anträge, die Wehrvorlage im ganzen und ohne Debatte zu genehmigen. Dies geschah einstimmig und unter lautem Jubel Fürwahr, es war ein großer Tag, jener G. Februar 1888 !
Weshalb wir daran erinnern? Nun, weil sich ein Vergleich mit der Gegenwart aufdrängt. Wer hätte damals, wo der Krieg mit Rußland auf des Messers Schneide stand, wohl auf Ereignisse zu hoffen gewagt, wie sie sich im vorigen Jahre auf der Rhede von Reval und jüngst beim Besuch unsers Thronerben in Petersburg abspielten! Einst Haß, jetzt wohlwollendes Vertrauen. Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar. Dieser Umschwung ist umso freudiger zu begrüßen, als er nicht mit einer Einbuße von Ansehen erkauft worden ist. Auch heute laufen wir niemand nach, und noch immer ist unser Schwert scharf und schneidig, aber das Mißtrauen in unsre aufrichtige Friedensliebe ist geschwunden. Das alles erreicht zu haben, ist ein unschätzbares Verdienst unsers Kaisers und der jetzigen Leitung unserer auswärtigen Politik.
Politische Nachrichten.
Berlin, 5. Februar.
Se. Majestät der Kaiser empfing heute vormittag um 10 Uhr den österreichisch-ungarischen Hauptmann und Militäcattachs Ritter Klepsch-Kloth von Rohden behufs Ueberreichung des Militärschematismus und hörte darauf die Vorträge des Kriegsministers, des General- inspekteurs der Festungen, des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des MilitärkabinetS.
Nach dem heute früh ausgegebenen Bulletin hat Prinz Friedrich Christian von Sachsen in der vergangenen Nacht wenig geschlafen und lebhaft geträumt. Die Temperatur, die sich im Laufe des gestrigen Tages in mäßigen Grenzen bewegte, steigerte sich in den späteren Abendstunden und während der Nacht, sodaß mehrere kühle Bäder notwendig wurden. Gegenwärtig beträgt die Temperatur 39,5, der Puls 108, Komplikationen sind nicht vorhanden.
Wie jetzt nach einer Dresdener Meldung der „Köln. Ztg." endgültig bestimmt worden ist, wird sowohl das 12. als auch das 19. Armeekorps, also beide sächsischen Armeekorps, sich in diesem Jahre an den K a i s e r - Manövern beteiligen. Dre Kaiserparade findet bei Leipzig statt.
Eins der beliebtesten Kampf- und Agitationsmittel der „deutschen" Sozialdemokraten ist das Schreckgespenst des Militarismus. Frisch und froh behauptet jeder Genosse, daß Deutschland am Militarismus zu Grunde gehen müsse, oder aber, er verlangt, daß das
stehende Heer überhaupt abgeschafft werde und an seine Stelle das Volksheer gesetzt werden müsse. Die Sozialdemokraten sind wegen dieser Haltung in nationalen Fragen aus berufenem Munde als „vaterlandslose Gesellen" bezeichnet worden. Daß sie diese Bezeichnung durchaus verdienen, zeigt mit unwiderlegbarer Deutlichkeit ein Bericht über eine der letzten Sitzungen ber französischen Kammer, in der von dem Berichterstatter für das Heer, dem Abgeordneten Maujean, einem der fortgeschrittensten unter den Radikalen, zunächst bemerkt wurde, daß Frankreich mit einem Militärbudget von 1100 Millionen Francs nur hinter England, das 1200 Millionen aufwenvel, zurückbleibt. Alle andern Großmächte opfern weniger als Frankreich; nämlich Rußland 980, Deutschland 950, Oesterreich-Ungarn 500, Italien 400 Millionen Francs. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen an Heeresausgaben: in Frankreich 27 Francs, in England 26, in Deutschland 16, in Italien 12, in Oesterreich-Ungarn 9, in Rußland 8 Francs. Der Berichterstatter und die Redner, die an der allgemeinen Erörterung teilnahmen, haben nur eine Sorge verraten, die, daß die Stärke des französischen Heeres hinter der des deutschen zurückbleibt. Er wolle, so erklärt der französische Sozialist, ein starkes Heer, denn ein Volk, das sich selbst aufgebe oder -feine Niederlage vergessen könne, verdiene diese Niederlagen. Die Leute, die sagen, die Grenze sei nichts anderes als ein Pfahl, schwatzen albernes Zeug. Es dürfe keine Partei- unterschiede geben, wenn die Stärke des Heeres in Frage komme. Nur ein gewaltiges Heer verbürge dem Lande einen ehrenvollen Frieden. Die Kammer bewilligte denn auch ohne Murren den Voranschlag, obschon der Berichterstatter nicht verfehlt hatte, auf die Schwere der Last, die das französische Volk sich nun einmal aufbürden muß, noch ausdrücklich hinzuweisen. Was sagen dazu die deutschen Arbeiter, die blindlings und gläubig hinter den sozial» demokratischen Verrätern des Vaterlandes herlaufen?
Im Reichstage haben zwei Anträge betreffend die Gewährung von AnwesenheitSgeldern und die Abänderung des Jefuitengesetzss dem Reichskanzler zu wichtigen Erklärungen Anlaß gegeben. Auf freisinniger und sozialdemokratischer Seite wurde schon am Ende des vorigen Jahres die Einführung von Anwesenheitsgeldern als sicher in Aussicht stehend bezeichnet. Aus der Erklärung des Reichskanzlers ging hervor, daß die verbündeten Regierungen auf dem Standpunkt verharren, daß die Diätenlosigkeit mit dem bestehenden allgemeinen gleichen Wahlrecht so eng verknüpft sei, daß eine Abänderung der einen ohne einschneidende Umgestaltung der anderen Einrichtung nicht denkbar sei. Dagegen scheint der zweite, ebenfalls vom Zentrum ausgegangene Antrag ein größeres Entgegenkommen, wenigstens auf feiten des führenden Bundesstaates Preußen, finden zu sollen, indem der Reichskanzler in Aussicht stellte, daß der § 2 des Jesuitengesetzes, wonach deutschen Angehörigen des Jesuitenordens der Aufenthalt in einem bestimmten Orte angewiesen oder versagt werden kann, ausgehoben werden wird.
Im Abgeordnetenhaus« gab heute Minister Freiherr von Hammer st ein ausführliche Erklärungen über polizeiliche Mißgriffe ab.
Der Reichstag fetzte heute die zweite Lesung des Etats des Reichskanzlers fort in Verbindung mit der Resolution der Abgg. Dr. Barth (Fr. Vgg.) und Müller-Sagan (Fr. Vp.) betreffend die Neueinteilung der Wahlkreise. Abg. Ledebour (Soz.) stellt einen Antrag seiner Partei in Aussicht, daß die Wahlen am Sonntag Dorgenommen werden sollen und polemisierte gegen dem Abg. Fürsten Bismarck.
Die heute vorliegenden Meldungen verstärken den Eindruck, daß der Weg zur Verständigung in den Washingtoner Konferenzen über die Venezuela- frage jetzt geöffnet ist, besonders dank der Geschicklich- keit des deutschen Vertreters. Seinem Vorschlags, bei der Schuldentilgung den drei verbündeten Mächten eine Vorzugsfrist von drei Monaten einzuräumen, soll auch