Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Nbonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.
...... 1
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
HerWer greMott
T*,»J”B-.|—■■"■ ...........--- » -» urn—r um..« ,,_n,_ .^, ■" i.r. r.m, r.....- —»—- »» ~~~~---»»^«»"»»««»»»»<»»^^~»~-~——~—-»M»«»»««w»wW»mH»iano»TTi~».--^.'
GrertiKdettagen r ,,^UM^rtr<t» KsNntassdkatt" «. „IvirrftAkrte LsndwirthschaftUche Beilage/*
Kr. 16.Nincrfhm Heu 5. Wrmr 1961
Verteilungen
auf daS-
Hersselder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Mustrirtes Sonntagsblatt" und „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und. März werden von allen kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträaern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Berlin, den 21. Januar 1903.
Bekanntmachung.
Im Laufe der letzten Wochen sind an verschiedenen Orten einzelne falsche Zinsscheine von Schuldverschreibungen der preußischen konsolidirten SVaprojentigen Staatsanleihen von 1885 und 1890 zum Vorschein gekommen, durch welche denjenigen Personen, die solche in Zahlung angenommen haben, Verluste entstanden sind.
Wegen gerichtlicher Verfolgung der Verfertige! dieser Scheine ist das Erforderliche veranlaßt.
Wir machen indes hiermit noch besondeis darauf aufmerksam, daß für falscheZinsscheine inkeinem Falle von uns Ersatz gewahrt wird. Das Publikum kann sich vor Verlusten der erwähnten Art dadurch schützen, daß es die Annahme von Zinsscheinen im Privatverkehr ablehnt, da dieselben nicht dazu bestimmt sind, als Zahlungsmittel zu diene». Die Zinsscheine haben lediglich den Zweck, von den dazu bestimmten Kassen eingelöst zu werden.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. von H o f f m a n n.
Hersfeld, den 3. Februar 1903.
Im Monat Januar d. J. sind dahier für folgende Herren Jagdscheine ausgefertigt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche.
am 5/1. für Ziegelmeister Johannes Kraus in Kleinensee,
„ 7/1. „ Gutsbesitzer August Riemeyer in Tann,
„ 13/1. „ Arnold Nechberg in Hersfeld,
„ 16/1. „ Landesbauinspektor Xylander in Hersfeld, „ 20/1. „ Landrat von Baumbach in Burgdorf (Hannover),
„ 26/1. „ Wirt Johannes Fink in Solms.
b. unentgeltliche.
Keine!
B. Tagesjagdscheine:
am 6/1. „ für Schaffner Georg Göbel in Wüstfeld.
Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rat.
Der auf Donnerstag, den 12. Februar er. in Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehallen. Der Austrieb darf um 8 Uhr beginnen. Hersseld, den 3. Februar 1903.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
AuswdW Ȁ
Sowohl in Oesterreich-Ungarn wie in Rußland sind
Entwürfe zu neuen Zolltarifen aufgestellt. Der neue schweizerische Entwurf harrt der Volksabstimmung. In allen diesen Tarifen sind die Zollsätze für mannigfache Waren, an deren Ausfuhr in die betreffenden Länder Deutschland ein Jntereffe hat, heraufgesetzt. Unstreitig würde, wenn die neuen Zollsätze in Geltung treten würden, der deutsche Export nach diesen Ländern geschädigt werden. Die freihändlerische Presse nimmt diese Vorgänge zum Anlaß, um zu behaupten, daß sie solche Folgen des neuen deutschen autonomen .Tarifs vorausgesagt hätte und daß nur in der neuesten schütz- zöllnerischen Aktion Deutschlands der Grund für das Vorgehen der betreffenden Staaten zu suchen sei. Es ist merkwürdig, wie wenig die Freihändler aus der
Geschichte lernen. Als Deutschland anfangs der neunziger Jahre mit andern Ländern Handelsverträge abschließen wollte, sah es sich bei verschiedenen von den letzteren neuen Zolltarifen gegenüber. Diese Länder hatten es beizeiten verstanden, sich eine für sie vorzügliche Unterlage für Handelsvertragsverhandlungen zu schaffen. Deutschland mußte nur zu sehr die Folgen davon am eigenen Leibe spüren. Damals hatte Deutsch- land doch den alten Zolltarif im allen seinen einzelnen Teilen beibehalten. Wenn also anfangs der neunziger Jahre andere Länder neue Zolltarife mit erhöhten Zollsätzen aufstellten, um bei den damals bevorstehenden Handelsverträgen besser gerüstet zu sein, so können ähnliche Vorgänge im Auslande jetzt nicht als Folgen der deutschen Aktion bezeichnet werden. Im Gegenteil, man wird überzeugt sein können, daß, auch wenn Deutschland wieder an feinem alten Zolltarif festgehalten hätte, andere Staaten sich neue Tarifsätze für die nächsten Handelsvertragsverhandlungen geschaffen hätten. Wie aber wenn Deutschland dann wieder in der Rolle vom Anfänge der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hätte mitspielen müssen? Es wäre, schon ehe die Verhandlungen begonnen hätten, benachteiligt gewesen. Die Freihändler vergessen ganz, daß die einzelnen Staaten viel weniger ihre Zolltarife nach den Vorgängen in anderen Ländern als nach ihren eigenen Interessen zuschneiden. Weil die Interessen in Rußland und in Oesterreich die Feststellung neuer Zollsätze erfordert haben, deshalb ist in erster Linie die Herstellung neuer Zolltarifentwürfe erfolgt, und nicht weil Deutschland mit seinem neuen autonomen Zolltarif vorangegangen ist. Hätte es dies auch nicht gethan, die beiden Nachbarländer wären genau so verfahren wie jetzt, denn sie hätten die Lehren früherer Vertragsverhandlungen sicherlich beherzigt. Es ist deshalb verfehlt, Deutschland vor- zuwersen, es hätte den Abschluß von Handelsverträgen auch dadurch erschwert, daß andere Staaten sich neue Zolltarife schaffen. Das wäre auch ohne Deutschlands Vorgehen erfolgt. Jetzt hat aber Deutschland wenigstens eine den ausländischen einigermaßen entsprechende Rüstung und daß es mit dieser den bevorstehenden Kamps besser wird bestehen können, als ohne dieselbe, ist doch ganz zweifellos.
Las keheiiiniiß H Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch.
(Fortsetzung.)
, Sigmund hörte erschrocken diese Worte, denn er konnte sich nicht verteidigen, das Geheimnis eines Andern schloß ^4 ihm die Lippen.
„Zweifle nicht an mir," sagte er traurig. „Ich habe * Dich wirklich von ganzem Herzen lieb."
„Warum promenirst Du alle Tage auf der Kreuz- straße?"
„Ich habe hierzu wichtige Gründe, welche aber unser Verhältnis durchaus nicht berühren."
„Ich will das Betragen aber keinesfalls dulden," rief das Mädchen leidenschaftlich. „Entweder wählst Du Gräfin Sabine oder mich. Verehrst Du sie, so lasse mich."
«Das ist ja Wahnsinn," sagte Sigmund unwillig. »Wenn Du wüßtest, was ich für unangenehme Tage verbringe und was für eine lästige Ausgabe mir zusällt, würdest Du mir mein LooS nicht noch erschweren. Ich schwöre Dir, daß ich Dich allein liebe und mich nach ~" Gräfin Sabine nicht au« eigenem Interesse erkundige." Das heißblütige Mädchen beruhigte sich einigermaßen, als sie in ihres Bräutigams aufrichtige Augen schaute und den tiefen innigen Ton seiner Stimme hörte.
t „Bist Du mir wirklich treu?" fragte sie ihn unter Tränen.
„Ich denke nur an Dich," versicherte er ihr nochmals.
Der alte Hemberg, Rosa's Vater aber, nahm die Sache weniger leicht. Auch er hatte von dem sonderbaren Benehmen seines Schwiegersohnes gehört und von der noch seltsameren Sache, daß Perzay Bertalan Schulden über Schulden zu bezahlen habe, daß zahllose Wechsel über Theodor- an der Börse kursiren und daß die Firma nicht mehr das alte Ansehen besitze.
Dies Alles beunruhigte ihn, und er trug Bedenken, unter diesen Verhältnissen die Hand und die reiche Mitgift seiner Tochter dem dritten Perzay anzuvertrauen. Sobald aber der alte Kaufmann anfing, die Familie Perzay streng zu verurteilen, trat Rosa auf ihres Bräutigams Seile und erklärte, lieber ihrer Mitgift als Sigmund entsagen zu wollen. Sie würde die Seine werden, ob er arm oder reich sei, und sollte sie mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Der ernste, strenge Hemberg hörte mit verächtlichem Lächeln ihren Gefühlsergüssen zu.
„Du wirst gegen meinen Willen nicht heiraten," sagte er. „Ich wundere mich, daß meine Tochter nicht mehr Stolz besitzt. Dein Bräutigam schwärmt Monate lang fern von Dir im Auslande umher, beträgt sich Deiner Liebe gar nicht würdig, frägt nie nach dem Hochzeitstag, und doch willst Du Dich von diesem Manne nicht lossagen."
Rosa schwieg im stummen Trotz, aber seine Worte drückten einen Stachel in ihr Herz. „Der Vater hat Recht," dachte sie. „Ich werde mich prüfen, und vermag
ich ihn zu vergessen, so geb' ich ihm sein Wort zurück. Er liebt mich nicht, und ob Gräfin Sabine oder eine Andere seine Liebe besitzt, gilt gleich."
Sie eröffnete ihrer Mutter zu deren größtem Staunen, daß sie diesen Fasching an allen Unterhaltungen und Bällen teilnehmen wollte. „Da Sigmund doch nicht aus Heiraten denkt, so will ich diesen Winter genießen, ob er es billigt oder nicht."
„Hast Du auch die Folgen Deines Entschlusses überlegt? Eine Braut tanzt in Abwesenheit des Bräutigams nicht, und Sigmund wird es nicht recht sein."
«Er kann doch nichts dagegen einwenden, wenn ich mich zerstreuen will," sagte Rosa weinend, „Am Tage geht er seiner Praxis nach und Abends lauert er auf der Kreuzstraße dem Wagen der Gräfin auf. Warum soll ich zu Hause bleiben und vergeblich seines Kommens harren. Vielleicht kehrt er eher zu mir zurück, wenn er sieht, daß mich sein Betragen gleichgiltig läßt."
Ihre Mutter willigte ein, und bei dem nächsten Ball erschienen Hembergs, ohne Sigmund benachrichtigt zu haben. Als er am andern Tage erfuhr, daß feine Braut die ganze Nacht getanzt und zahlreiche Verehrer um sich versammelt hatte, machte er ihr heftige Vor- würfe, doch von der Hochzeit sprach er nicht ein Wort.
„Verlangst Du, daß ich mich den ganzen Winter allein langweilen soll?" fragte Rosa.
„Ich habe nichts dagegen, daß Du Dich amüsirst, aber ich will dabei sein und werde Dich in Zukunft zu allen Unterhaltungen begleiten.