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«r. 10.

Donnerstag Sei 22. Januar

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Amtlicher Theil.

. Hersfeld, den 21. Januar 1903.

Die Erledigung der diesseitigen Verfügungen

1. vom 9. Februar 1884, Nr. 1721, Kreisblatt Nr. 20, Revision der FeuerungSanlagen betreffend,

2. vom 17. Oktober 1900 I. 1. Nr. 2546, Kreisblatt Nr. 125, Einreichung einer Nach Weisung über die vorhandenen deckfähigen Kühe und Rinder sowie sprungfähigen Bullen betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 26. d. Mts. in Erinnerung gebracht.

Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine Strafe von je 3 Mark festgesetzt werden.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Nichtamtlicher Theil.

IeiltschlllilSs AniMMunW.

Im Vordergrund des politischen Interesse« steht selbstverständlich gegenwärtig die Frage der Neu­regelung der Handelsbeziehungen Deutschlands zum Auslande. Nachdem der neue Zolltarif zustande ge­kommen ist, wird alles darauf ankommen, welchen Ge­brauch die Regierung von der ihr damit gegebenen Waffe macht und wie sie die Position, welche Deutsch­land als bester Konsument des Weltmarktes hat, bei den bevorstehenden Verhandlungen ausnutzt. Ge­kündigt ist noch kein Handelsvertrag, Verhandlungen mit anderen Staaten sind auch noch nicht eingeleitet. So­viel aber ist sicher, daß Deutschland Wert auf die Erhaltung guter Handelsbeziehungen zum Auslande legt und von diesem Standpunkte aus künftig vorgehen wird. Andererseits weiß die deutsche Regierung sehr wohl, daß das Ausland noch größeres Interesse an Handelsverträgen mit Deutschland hat, sie kann also in Ruhe die einmal eingeleitete Entwicklung der Dinge abwarten. Allem Anscheine nach wird man zunächst daran gehen, einige Verträge zu erneuern, in denen sich Aenderungen des deutschen autonomen Tarifs vor-

Las Geheiimiitz des Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Längs ch.

l.

Es war ein düsterer Novembernachmtliag; im dämmern­den Halbdunkel saß Gräfin Sabine am Kami», und schaute träumend in die Flammen. Schattige Citionen- haine, veilchenbedeckte Wege erstanden vor ihrem Blick. Epheuüberrangte Felsenstufen führten zur Höhe, auf welcher einsam ein Kloster lag; drunten spülten wogend grüne Meeresweilen, darüber wölbte sich der ewig lächelnde Himmel ihrer Heimath. Seufzend gedachte sie der sonnigen Fluren, wo sie als Kind gespielt, und wo nun ein bleicher Jüngling wandelte. Ach, sie durfte nicht sehnend seiner denken, und doch gehörte ihm all ihr Sinnen und Trachten.

Graf Moritz, ihr Gatte, trat ein. Sabine fuhr empor; vor der rauhen Wirklichkeit versanken die be­zaubernden Bilder ihrer Phantasie.

Schlechte Nachricht!" sagte ärgerlich der Graf. Ich bekam einen Brief au« Cannes, worin mir Dr. Perzay den Tod seines Bruders, unseres Anwaltes anzeigt."

Todtenbleich, mit geschlossenen Augen fiel Sabine in den weichen Sessel zurück. Die Flammen des Kamin- warfen ungewissen Schein auf ihre zitternde Gestalt.

Du schweigst," sprach vorwurfsvoll ihr Gatte,was geht Dich auch unser Anwalt, die Geschäfte, die Prozesse,

finden sollen. Die Erneuerung der Meistbegünstigungs- verträge dürfte erst später herankommen, was auch ganz vernünftig ist, da man erst übersetzen muß, welche Konzessionen Deutschland hat machen müssen, um daran abzumessen, was für die Meistbegünstigungs- klausel zu fordern ist. Vornehmlich auch das Ver­hältniß gegenüber den Vereinigten Staaten von Nord­amerika erfordert eine Neuregelung. Ein absolutes Meistbegünstigungsverhältniß besteht zwischen Nordamerika und Deutschland nicht mehr, nachdem Ersteres den Ver­trag von 1828, den es mit Preußen abgeschlossen hatte, und der später auf Deutschland ausgedehnt wurde, in anderem Sinne als in dem der absoluten Meistbe­günstigung selbst ausgelegt hat. Selbstverständlich wird Deutschland diesen von Nordamerika eingenommenen Standpunkt bei den künftigen Verhandlungen selbst zum Ausgang nehmen. Es könnte gar nicht anders vor­gehen, wenn es nicht direkt seine Interessen schädigen wollte. Es ist kaum anzunehmen, daß zwischen den größeren europäischen Staaten Kündigungen der Tarif­verträge Vorkommen werden, ehe nicht über die Er­neuerung der letzteren Einverständniß erzielt ist. Diese herbeizuführen, ist nun das nächste Ziel der Regierung. Ihr die Erreichung desselben zu erleichtern, wird Aufgabe sämmtlicher Patrioten sein. Leider ist jetzt schon zu bemerken, daß ein gewisser Teil der deutschen Presse seine Haltung stark wird ändern müssen, wenn ihm das Zeugniß gegeben werden soll, daß auch er an der Erlangung des gesteckten Zieles mitarbeite. Diese Organe sind in einem großen Irrthum befangen, wenn sie annehmen, daß Deutschland ein größeres Interesse an der Erhaltung guter Handelsbeziehungen zum Auslande Habs, als dieses selbst. Das gerade Gegenteil ist richtig. Die Zahlen des Aus- und Ein- futzrhandels reden hier eins gar nicht mißzuverstehende Sprache. Vor allem aber wird es natürlich darauf an- kommen, daß die interessierten Kreise selbst die zuständigen Regierungsstellen über die in Betracht kommenden Haudelsverhältnisse eingehend unterrichten. Die deutschen Unterhändler müssen diesmal genau informirt fein, um zu wissen, welche Interessen, bei jeder vom Ausland er­hobenen Forderung auf dem Spiele stehen. Darüber werden ja auch Rückfragen veranstaltet werden können. Jedenfalls kann die Regierung allein zu guten Handels­verträgen nicht gelangen. Sie muß Unterstützung und Information von allen Stellen finden, die für den

wie die Zukunft an! In der milden Luft Deines duftigen Boudoirs verbringst Du Deine Tage, dem Grundsatz Deiner Heimath, dem dolce farniente huldigend und träumst von früh bis Abends von Ocangenblüten und Wellengemurmel. Die Sorgen, Lasten und Mühen läßt Du mir."

Die Gräfin antwortete nicht.

Sprich, rühre Dick, sage daß Du lebst! Dieses Schweigen ist unerträglich. Nur die zuckenden Lider Deiner geschlossenen Augen zeigen, daß Du nicht todt bist."

Ich bin krank."

Einbildung! Du langweilst Dich. Gehe in Gesell­schaften und unterhalte Dich wie früher. Gesang und Lustbarkeiten werden Dich zerstreuen. Die Einsamkeit ist nicht gut und gebiehrt Gedanken. Lasse Dir huldigen, Deine Schönheit bewundern, und Dein Leiden wird verschwinden. Sonst warst Du sprühend und gesund. Warum erfreut Dich jetzt nichts mehr?"

Sabine preßte die Hände vor ihr Angesicht und athmete schwer, doch kam kein Laut über ihre Lippen. Umsonst wartete der Graf auf Antwort, sie war stumm, stumm wie das Grab.

Er nahm seinen Hut.So kommen wir zu keiner Unterhaltung," sagte er verdrießlich,ich will Deine Träume nicht stören und gehe."

Was sagtest Du?" fragte endlich vom Fieber durch- schauert Sabine, indem sie ihn zurückhielt.Wer starb, wann, wo? Woher hast Du die Nachricht?"

Graf Moritz wandte sich zurück.

Erinnerst Du Dich an den jungen RechtSgelehrten

Handel mii dem Auslande in Betracht kommen. Daß diese ihr auch von der Presse gewährt werden, liegt im eigensten vaterländischen Interesse.

Politische Nachrichten.

Berlin, 20. Januar.

Ihre Kaiserlich e n Majestäten machten gestern Nachmittag mit Ihren hohen Gästen eine Prome­nade im Garten von Belltvue. Zur Abendtafel waren geladen Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Max von Baden und Prinz Friedrich Karl von Hessen; zum Thee: Ober-Hofprediger D. Dryander, Prof. Kekule v. Stradonitz und Prof. Delitzsch. Heute Morgen unternahm Se. Majestät der Kaiser den ge­wohnten Spaziergang im Tiergarten, suchte im Anschluß daran den Reichskanzler Grafen v. Bülow auf und hörte im Königlichen ^'Schloß die Vorträge des Chefs des Militär» kabinets, des Chefs des Admiralstabes und des Chefs des MarinekabinetS.

Aus Petersburg, 20. Januar, wird berichtet: Se. Kaiserliche Hoheit der Deutsche Kronprinz hat infolge leichter Erkältung die für heute in Aussicht genommene Reise nach Nowgorod zum Besuche bei dem Infanterieregiment Wyborg, dessen Chef Se. Majestät der Deutsche Kaiser ist, aufgegeben.

Die einzelnen Parteien treten jetzt aUmälig lebhafter in die Vorbereitung für die Reichstags-Wahlen ein. DieConseco. Corresp." schreibt aus diesem An­laß :Die Wahlbewegung ist diesmal früher als je in Gang gekommen. Die Sozialdemokcaten zwar sind jahr­aus jahrein mit der Vorbereitung für die Wahlen be. schäfiigt; sie sind fast beständig bereit, in den Kamps einzutreten. Die bürgerlichen Parteien aber haben dies­mal ebenfalllls bei Zeiten die Arbeit begonnen, und das ist gut so. In erster Linie handelt es sich bei Wahl­vorbereitungen um zweierlei: um die Füllung der Kriegs- kasss und um den Ausbau der Organisation. Von ganz erheblicher Wichtigkeit^aber auch die rechtzeitige Auf­stellung der Kandidaten. In dieser Hinsicht die Sozial- demokratie ebenfalls ziemlich fertig gerüstet. Sie weiß die Vorteile frühzeitiger Kandidatennominirungen zu schätzen. Ist nämlich die Personenfrage in den Wahl­kreisen gelöst, so ist dadurch nicht nur das Aufstellen vonZGegenkansidalen erschwert, sondern auch dem be-

Theodor Perzay, der an einem Lungenleiden erkrankt ins Ausland nach Cannes reiße ?"

Gewiß, Du erwähltest ihn ja zu Deinem Anwalt."

Er war mehr als das, war meine rechte Hand. Ich konnte mich völlig auf ihn verlassen. N» , dieser junge Mann schnell und unerwartet gestorben. Sein Tod setzt mich in die größte Verlegenheit; ich weiß nicht, was ich ohne ihn beginnen werde."

Er sprach heftig und wandte sich von der Thür zurückkehrend Sabinen zu, welche ihn mit weit geöffneten Augen und zitternden Lippen anschaute.

Ist dies wirklich wahr?" fragte sie zögernd.

Das das Telegramm seines Bruders Sigmund, der ihn begleitete. Lies; er theilte mir das traurige Ereigniß mit."

Sabine nahm die Depesche, richtete die Augen darauf, sah aber nichts. Die Buchstaben verschwammen vor ihrem Blick, kalter Schweiß trat auf ihre Stirn. Plötzlich entglitt das Papier ihrer Hand, und sie stürzte ohn­mächtig zu Boden. Ueberrascht und erschrocken beugte sich ihr Gemahl zu ihr herab.

II.

In der Königstraße erhebt sich das große, dreistöckige Haus der Familie Perzay, welches auch nach der Eltern Tode die drei Brüder in der größten Einigkeit bewohnten. Bertalon, der älteste von ihnen, war verheiratet, die beiden jüngeren speisten bei ihm, wohnten jedoch sonst für sich unb gingen ihren eigenen Geschäften nach. Man hielt die Perzay« für eine der reichsten Bürgerfamilien