Einzelbild herunterladen
 

MOg 6« 20. 30111101'

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Nbonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postaufschlag.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltkeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

GratiObeilagrn r ,,3U«^rirte» L sr-nragsdratt ' *^ÜMftrirte lanvWirthschastUche Beilage

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 15. Januar 1903.

Die Polizeibehörden des Kreises haben bei Entgegen­nahme von Anträgen auf Erteilung von Wandergewerbe­scheinen zum Sammeln von Lumpen, Knochen oder rohen Fellen die Gewerbetreibenden auf die Polizeiverordnung vom 20. Oktober 1893 Amtsblatt 1893 Seite 285 aufmerksam zu machen und dieselben zu Protokoll erklären zu lassen, daß ihnen die gedachte Verordnung bekannt ist. III. 88. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

I Hersfeld, den 17. Januar 1903.

Der Landwirt Heinrich Schade in Allmershausen ist heute als Bürgermeister der Gemeinde Allmershausen auf die Dauer von 8 Jahren eidlich verpflichtet worden.

A. 154. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Zum 1. Oktober d. Js. werden vom unterzeichneten Bezirkskommando

2 zweijährig-Freiwillige Schreiber gesucht.

Junge Leute, welche als Schreiber längere Zeit in einem Bureau tätig gewesen sind und eine tadellose Hand­schrift besitzen, werden aufgefordert, ihre Bewerbungsgesuche unter Vorlage eines Lebenslaufes, sowie eines Meldescheins und von Zeugnissen über ihre bisherige Tätigkeit baldigst hierher einzusenden.

Bezirks-Kommando Ravensburg (Bodensee).

Bekanntmachung.

Die Interessenten der Ludolph'schen Familienstiftung werden auf die diesseits in dem Amtsblatte der König­lichen Regierung zu Gaffel heute erlassene Bekannt­machung, betreffend Anmeldung der Ansprüche an den Zinsengenuß der Stiftung hierdurch aufmerksam gemacht.

Rotenburg a/F., den 9. Januar 1903.

Der Königliche Landrath. T u e r ck e.

Mignon.

Novellette von Elfe K r a f s t.

(Schluß.)

Auf ihr Klopfen öffnete eine alte Frau.

Bitte," sagte sie sehr zuvorkommend, indem sie, so schnell sie vermochte, die Thür wieder schloß und die junge Dame in das Wartezimmer führte.Der Herr Doktor werden gleich kommen, der Herr Doktor sind augenblicklich noch besetzt," log sie in geschäftlichem Pflichtbewußtsein.

Lisbeth schüttelte den Kopf.

Ach nein, ich bin ja garnicht krank, ich wollte nur zu Fräulein Erna Röger!"

Die Alte legte die Hand hinters Ohr, als hätte sie nicht recht verstanden.

Zu wem wollen Se?"

Lisbeth wiederholte ihre Bitte etwas lauter und setzte ungeduldig hinzu:Aber so bringen Sie mich doch zu meiner Freundin, ich will mich doch nur nach ihrem Befinden erkundigen."

Die Alte sah aus, als hätte sie eine Geisteskranke vor sich. Immer zwei Schritt von dem jungen Mädchen entfernt, räusperte sie sich laut, um den Herrn Doktor im Nebenzimmer aufmerksam zu machen. Solche Kranke waren denn doch zu gefährlich.

Lisbeth ergriff unruhig ihren Arm.

Warum sehen Sie mich denn so erstaunt an? Darf ich denn Fräulein Erna nicht sprechen?"

Nichtamtlicher Theil.

Ar Besuch M AWriuM in Petersburg.

Nach der Ankunft begaben sich am Freitag vom Bahnhof aus Kronprinz Wilhelm und der Großfürst-Thronfolger in das Winterpalais, um dem Kaiser und der Kaiserin einen Besuch abzustatten. Nachdem der Kronprinz von dem Kaiser und der Kaiserin begrüßt worden war, er­nannte ihn der Kaiser zum Chef des Kleinrussischen Dragonerregiments Nr. 40, dessen Chef früher der Prinz Albrecht von Preußen, der Vater des Prinz- Regenten von Braunschweig, war. Bald darauf meldete sich eine Abordnung des Regiments bei dem neuen Regimentschef. Sodann fuhr der Kronprinz zum Be­suche der Kaiserin-Mutter in das Anitschkow-Palais. Nach der Rückkehr fand im Winterpalais Familien- frühstück statt. Nach dem Frühstück empfing der Deutsche Kronprinz eine Abordnung der Stadtvertretung, mit dem Ober-Bürgermeister an der Spitze, welche auf goldener Schüssel Brot und Salz überreichte und den Kronprinzen als den Erben des befreundeten, mächtigen Nachbar­reichs in der Residenz des russischen Reiches will­kommen hieß.

Abends 7 Uhr fand im Winterpalais zu Ehren des Deutschen Kronprinzen ein großes Galadiner statt. Die hufeisenförmig aufgestellte Tafel war mit dem goldenen Tafelschmuck des Kaiserlichen Hausschatzes und prachtvollen Blumenarrangements ge­schmückt. Das Diner wurde auf goldenen Schüsseln gereicht. In der Mitte der Haupttafel hatten die beiden Kaiserinnen Platz genommen, links neben der Kaiserin Mutter saß der Kronprinz, welcher auch die Kaiserin- Mutter zu Tisch geführt hatte, in der Uniform seines ihm Vormittags verliehenen Dragonerregiments mit dem Andreas-Orden. Neben dem Kronprinzen saßen die Großfürstin Maria Georgiewna, Großfürst Alexej und Gräfin Alvensleben, rechts von der Kaiserin Alexandra der Großfürst-Thronfolger. Den beiden Kaiserinnen gegenüber hatte Kaiser Nikolaus zwischen der Groß­fürstin Wladimir und dem deutschen Botschafter Grafen Alvensleben auf der einen und der Großfürstin Xenia

Hier giebt's gar kein Fräulein Erna," platzte Katrin muthig heraus,hier giebt's bloß unsern Herrn Doktor und mir!"

Lisbeth mußte sich plötzlich mit beiden Händen an dem Tisch festhalten, vor dem sie stand.

Aber aber," wie ein Schluchzen stieg es in dem geängstigten Mädchen empor.

Willi Röger, der plötzlich im Zimmer auftauchte, schob mit einem Ruck die Dienerin zur Seite und wies sie mit kurzen Worten hinaus.

Fassungslos starrte Lisbeth in sein Gesicht.

Helfen Sie mir doch, rufen Sie doch Erna," bat sie flehend.

Dem Mann fiel sein begangenes Unrecht bitter schwer aufs Herz.

Lisbeth," sagte er weich, reuevoll, unwillkürlich den zärtlichen Ton vom Künstlerinnenfest anschlagend.

Sie ließ seine Finger los, flüchtete zur Thür und zitterte am ganzen Körper. Die blauen Augen lagen wie tot in dem weißen Mädchenantlitz.

Ganz verzweifelt stellte er sich ihr in den Weg. Es war ihm unmöglich, jetzt das steife, fremde Sie zu ge­brauchen.

Hör mich doch, Lisbeth, sieh mich doch nicht so schreckhaft an, du, Geliebte du! Ja, es war nicht recht von mir, diese Komödie damals vor vier Wochen. Aber ich wollte ja nicht betrügen, nicht heucheln, ich war dir ja so gut, so schrecklich gut, seit ich dich sah. Und darum siehst du,--"

Er verstummte, da sie abwehrend die Hand ausstreckte.

und dem Generalleutnant v.Moltkeauf der andern Seite Platz genommen.

Während der Tafel erhob sich Kaiser Nikolaus und brächte, zum Kronprinzen gewandt, in französischer Sprache folgenden Trinkspruch aus:

Erfreut, Sie unter uns zu sehen, und Ihnen für Ihren liebenswürdigen Besuch dankend, trinke ich auf das Wohl Ihrer erhabenen Eltern, Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin und Euerer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit."

Der Kronprinz erwiderte:

Tief bewegt durch die gnädigen Worte, welche Euere Majestät soeben an mich gerichtet haben, bitte ich, mir zu gestatten, Ihnen im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs, meines Vaters, und in meinem eigenen Namen meinen warmen Dank für den so herzlichen Empfang auszusprechen, der mir zu theil geworden ist, und an den ich eine unauslöschliche Erinnerung bewahren werde. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Euerer Majestät, Ihrer Majestäten der Kaiserinnen Maria Feodorowna und Alexandra Feo- dorowna sowie der ganzen Kaiserlichen Familie."

Nach dem Festmahl hielten die Majestäten und der Kronprinz Cercle, wobei Kaiser Nikolaus, welcher die Uniform seines preußischen Husaren-Regiments mit dem Schwarzen Adlerorden angelegt hatte, dem Kronprinzen die höchsten Staatswürdenträger und die Damen des Hofes vorstellte. Der Kronprinz unterhielt sich längere Zeit mit dem Grafen Lambsdorf, dem Finanzminister Witte, dem Kriegsminister Kuropatkin, dem Minister des Innern Plehwe, dem ^aron Fredericks uns dem Admiral Rojest- wenski, welcher'die Flottenmanöver bei Reval vor dem Deutschen Kaiser kommandirt hatte. Die Majestäten zogen sodann den Grafen und die Gräfin Alvensleben, die Herren des Gefolges des Kronprinzen sowie den Obersten von Schenck, Oberstleutnant von Schwerin und Oberstleutnant Frhrn. von Lyncker in längeres Gespräch. Die Großfürsten waren wieder in ihren preußischen Uniformen erschienen. Unter den Geladenen befanden sich noch Generaladjutant Richter sowie der ehemalige Botschafter in Berlin Saburow, die früheren Militär- Attachös in Berlin, Engalitschew und Nostiz, sowie der jetzige Militär-Attachs in Berlin, Oberstleutnant von Schebeko, der noch nachträglich zur Suite des Kron­prinzen kommandirt worden ist.

Zum Besuche Seiner Kaiserlichen und Königlichen

Aber so lassen Sie mich doch gehen, ich will doch hinaus," schluchzte sie herzerweichend.

Er ließ sie aber nicht. Wie ein Kind nahm er sie in die Arme und drückte sie auf einen Sessel neben der Thür.

Erst mußt du mich hören, erst mußt du mir ver­zeihen," flüsterte ,er leidenschaftlich.Mein Gott, das ist doch keine Sünde, wenn man so jung, so einsam und so voll Sehnsucht ist, wie ich. Wochenlang hab' ich dich beobachtet damals, seit ich hier eingezogen. Immer dich kennen lernen wollt ich, du, du mit dem goldenen Lachen alle Tage. Und da hört' ich's denn durch Zufall, daß Ihr das Künstlerinnenfest im Februar besuchen wolltet. Meine Schwester Erna,"

Sie fuhr empor, ein neuer Hoffnungsstrahl im Blick.

Sie war's doch, ja, sie war's doch, Herr Doktor," flehte sie angstvoll.

Er schüttelte trübe lächelnd das Haupt. Jetzt ver­wirrte ihn ihre kühle Ablehnung doch.

Nein, sie hat kommen wollen, Fräulein Lisbeth. Aber da ist ihr Kind grad' an dem Tage krank geworden, als ich zu ihr kam. Und so kam's, daß ich ihr Kleid, ihr Billet, ihren Mädchennamen zur Hülfe nahm," er ergriff bittend ihre schlaff herniederhängende Hand,um Ihnen endlich, endlich nahe sein zu dürfen, und Sie kennen zu lernen. Sind Sie mir sehr, sehr böse darüber?"

Lisbeth schluchzte unaufhaltsam weiter.

Die heißen Tropfen fielen auf des Mannes Hände und glitten mit brennender Spur über seine Finger.