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Xr. 7. Sonntritog Ses 15. Sonimr 1963

Amtlicher Theil.

Berlin W. 66, den 12. Dezember 1902.

Der Strafsenat des Kammergerichts hat in einer Entscheidung vom 7. August d. Js. ausgesprochen, daß als Eingaben an Behörden im Sinne der Ziffer 7 Satz 2 der Vorschriften vom 28. November 1901 (M. Bl. d. Handels- und Gewerbe-Verw. S. 349) nur Anträge, Gesuche und Vorstellungen, nicht aber Formulare, ins­besondere auch nicht Steuererklärungen anzusehen sind.

Da das Kammergericht bei Fällung der Entscheidung, wie sich aus ihrer Begründung ergiebt, auf meinen Erlaß vom 15. Januar ds. Js. (M. Bl. d. Handels­und Gewerbe-Verw. S. 33), wonach die Bestimmung in Ziffer 7 a. a. O. auch auf amtlich vorgeschriebene For­mulare Anwendung findet, keine Rücksicht genommen hat, so erscheint es erforderlich, auch fernerhin formular- mäßige Schriftstücke als Eingaben im Sinne der Ziffer 7 a. a. O. zu behandeln, damit dem Kammergericht Ge­legenheit geboten werde, nochmals über diese Frage eine Entscheidung abzugeben.

Sie wollen die OrtSpolizeibehörden mit entsprechender Anweisung versehen.

Der Minister für Handel und Gewerbe.

In Vertretung, gez.: Loh wann

An den Herrn RegierungS-Präsidenten in Caffel.

II. a. 10016.

* *

Caffel, den 30. Dezember 1902.

Abschrift erhalten Sie unter Bezugnahme auf meine Rundverfügung vom 9. Dezember ü. Js. A. II. 13911 zur Kenntnißnahme und entsprechenden An­weisung der Ortspolizeibehörden Ihres Kreises.

Der RegierungS-Präsident. I. A.: Schenk.

An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizeidirektoren zu Fulda und Hanau und die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 16235.

*

Hersfeld, den 12. Januar 1903.

Wird den Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 16 Dezember 1901, J. I. Nr. 6972, im Kreisblatt Nr. 151, zur Be- achtung mitgetheilt.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Der am 21. Februar 1888 zu Hanau geborene Tag- löhner Lorenz Jünk ist am 3. Januar b. Js. nach Unter­schlagung von 100 Mark von hier flüchtig geworden.

Mignon.

Novelletle von Elfe K r a f s t.

(Fortsetzung.)

Möchtest du auch dort hinunter und zuschauen?" fragte Lisbeth die plötzlich stumm gewordene Nachbarin.

Mignon schüttelte den Kopf und spielte verträumt mit den Perlen über der Brust.Nein, hier ist'S schöner!"

Es war so schwül ringsumher. Die Luft warm, von zartem Blumenduft durchzogen.

Lisbeth lachte leise auf.Ich bin so glücklich heute, so unendlich froh!" meinte sie langsam.Und du? Nicht wahr, du erzählst deinem Bruder nicht, was ich eben sagte! Ich habe es ja nur von unserm Mädchen, M immer so viel dummes Zeug redet. Ich selber weiß ja gar nichts, habe den jungen Arzt von drüben noch niemals in der Nähe gesehen. Wie er aussieht, könnte ich wirklich nicht jagen."

«Er gleicht mir in vielem!" sagte die Italienerin rasch.

Vorsichtig legte sie den Arm um die junge Gestalt im weißen Kleide. Ihre Finger waren heiß, zitterten unter der Berührung mit denen Lisbelhs.Ich bin

Derselbe wird beschrieben wie folgt: 1,58 bis 1,60 m groß, von schlanker Statur, hat schmales, blasses Gesicht und trägt grüne Juppe, dunkle Hosen und schwarzen weichen Filzhut. Um Anstellung von Nachforschungen, Festnahme des Jünk im^Betretungsfalle und telegraphische Nachricht hierher sowie an die Königliche Staatsanwalt­schaft hierselbst wird ersucht.

Das Ausschreiben vom 8. Dezember 1902 ? 11674/02 ist, soweit es den Kaufmann Karl Mühlhausen aus Caffel betrifft, erledigt, Mühlhausen ist festgenommen worden. Hanau, am 5. Januar 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

Die Königliche Maschinenbau- und Hütten schule zu Duisburg eröffnet am 1. April d. J. in ihren beiden Abtheilungen: 1. Maschinen» bauschule für Schloffer, Schmiede, Maschinenbauer, Kesselschmiede und ähnliche Gewerbetreibende; 2. Hütten- schule für Eisen- und Metallhüllenleute und -Gießer, Arbeiter von Kokereien, Glashütten, Cementsabriken und der chemischen Großindustrie einen neuen Lehrgang. Das Programm der Anstalt wird auf Verlangen kosten­frei zugesandt.

Die Anstalt gehört nach Ziffer 3 der AusführungS- bestimmungen zur Prüfungsordnung für die mittleren und untern StaatSeisenbahnbeamten zu den anerkannten Fachschulen, deren Reifezeugnisse für die Annahme zum Werkmeisterdienst folgende Vergünstigungen gewähren: Nur die Reifeprüfungen der von der Staatseisenbahn- Verwaltung anerkannten Fachschulen gelten als Nach­weis der erforderlichen theoretischen Kenntnisse (§ 37,4 der Prüfungsordnung). Solange Bewerber mit solchen Zeugnissen vorhanden sind, dürfen andere Bewerber nicht angenommen werden. Die Letzteren haben ein­tretendenfalls eine besondere Prüfung abzulegen und zwar auch dann, wenn sie das Reifezeugniß einer nicht anerkannten Fachschule besitzen. Min. Erlaß vom

23. Mai 1900. Duisburg, den 8. Januar 1903.

Der Direktor. B e ck e r t.

Nichtamtlicher Theil.

Str Reichst«- ist in den letzten Abschnitt seiner Thätigkeit während der laufenden Legislaturperiode eingetreten, am 16. Juni d. I. läuft sein Mandat ab. Die Hauptaufgabe, die er noch zu erledigen hat, ist der Reichshaushalt für 1903/4. An und für sich bietet der Etat nicht viel Stoff zu hitzigen Debatten, da er angesichts der un­

dir himmlisch [gut, kleines Mädchen!" sagte sie weich, zärtlich.

Lisbeth nickte und schmiegte sich näher an ihre Nach­barin. Ihr glühendes Gesichtchen lag schließlich dicht an WiÜisZWange.

Er saß ganz stumm, ganz bewegungslos.

In wiegenden fernen Tönen kam die Musik zu ihnen herüber. DasStändchen" von Schubert, in das sich ein weicher Gesang schlaftrunkener Mädchen mischte, die in phantastischen Nachtgewändern einen Reigen auf der Bühne tanzten.

Lisbeth wiegte lächelnd das Köpfchen im Takt. Dann strich sie plötzlich mit vorsichtigem Finger eine braune Locke aus der Stirne Mignons und küßte sie auf den Mund.Ich bin so glücklich!" wiederholte sie leise.

Willi wagte kaum zu athinen. Er hielt das Mädchen im Arme, unfähig, auch nur mit leisem Druck den Kuß zurückzugeben. Ein unerklärliches Gefühl schloß ihm die Lippen. Er wußte, hätte er jetzt gesprochen, wäre es nichts als lautere Wahrheit und demüthigeS Flehen, fühlte, daß Uebermuth und Wille vor dieser zarten -Mädchenfreundschaft heiliger Verehrung wich.

Lisbeth war von ihrem Stuhle aufgestanden und neigte sich noch halb zu ihm hernieder.Nun, warum sprichst du nicht? Magst du meine Freundin nicht

günstigen allgemeinen Finanzlage mit möglichster Spar­samkeit in den Ausgaben ausgestellt ist. Dies gilt insbesondere auch von der Militär- und Marine-Ver­waltung. Im Marine-Etat werden eine Anzahl Neubauten gefordert, diese halten sich 'aber durchaus im Rahmen des im letzten Flotten-Gesetze aufgestellten Bauprogramms. Umso auffälliger ist es, daß das Organ des Bundes der Landwirthe mit dem Vorschläge hervortritt, einige Neubauten von Kriegsschiffen zu verschieben, bis sich die Finanzen des Reichs mit der Besserung der allgemeinen wirthschaftlichen Lage wieder gehoben hätten. Mit noth­wendigen Dingen wartet man nicht auf bessere Zeiten. Einerseits beruht der Rückgang der Reichs-Einnahmen aus Zöllen und Steuern größtentheils auf vorübergehen­den Erscheinungen des WirthschaftSlebens, anderseits macht uns jede kleine Verwicklung im Auslande, wie die mit Venezuela den Mangel einer genügenden Anzahl von Schiffen zur Wahrung des deutschen Ansehens und der deutschen Interessen von neuem fühlbar. Nur keine falsche Sparsamkeit, am wenigsten in Sachen der Wehr­kraft zur See! Wir brauchen so schnell als möglich mehr Auslandsschiffe, und ein Zögern im Ausbau unserer Schlachtflotte wäre eine unverzeihliche Schwäche.

In der Presse ist die Ansicht aufgetaucht, der Reichstag werde noch im Frühjahr mit dem einen oder andern neuen Handelsvertrag befaßt werden, anderseits hieß es, die Regierung wolle den Reichstag möglichst bald auflösen, dann gleich Neuwahlen anberaumen und den neuen Reichstag alsbald zur Berathung von Handels­verträgen einberufen. In Wahrheit kann die Regierung noch keinen bestimmten Entschluß gefaßt haben. Denn es läßt sich weder absehen, wie viel Zeit der Reichstag zur Erledigung der ihm obliegenden Aufgaben brauchen, noch wann ein neuer Handelsvertrag abgeschlossen sein wird. Die Verhandlungen mit dem Auslande haben noch nicht begonnen, und es ist nicht wahrscheinlich, daß die schwierigen und weitschichtigen Verhandlungen schon in wenigen Monaten ein positives Ergebniß liefern werden. Eine Reihe von Staaten, namentlich Oesterreich- Ungarn, Belgien und die Schweiz, haben ihre Vorbe­reitungen, Aufstellung neuer Tarife, noch nicht beendigt, und was Rußland betrifft, so werden die wesentlich erhöhten und gebundenen deutschen Agrarzölle auf zähen Widerstand stoßen. Es fehlt also an sicheren Anhaltspunkten für eine Vorhersage über die Zeit der Einbringung neuer Handelsverträge, und damit erscheinen auch die Ankün­digungen über den Schluß des Reichstags als müßige Kombinationen.

sein? Könntest du mich wohl so lieb haben, ohne Ziel und Maß, ohne . . . Sie verstummte jäh.

Er hielt ihren Kopf in beiden Händen und preßte seine Lippen auf die ihren und ließ sie nicht los, lange, lange. Wie ein Rausch war das über ihn gekommen, wie eine plötzlich unaufhaltsam hervorbrechendeLeidenschaft.

Totenblaß riß sich das Mädchen los.Aber nein, nein!" stammelte sie erschreckt.

Und so saß sie mit herabgefallenen Armen, den Kopf tief gesenkt, der Athem schwer und stockend.

Willi sprang empor, neigte sich in höchster Erregung über sie.Sei mir nicht böse, du, ach, sei mir doch nur nicht böse! Ich bin ja so wild, so zügellos in allem, was ich thue! Das kommt, weil ich so arm an Liebe war im Herzen, so einsam alle, alle Tage, die Eltern todt, die große Wohnung leer, begreifst du denn das nicht?"

Sie sah halb ängstlich, halb mitleidig zu ihm auf. Aber dein Bruder, deinen Bruder hast du doch noch!" stammelte sie mühsam.

Er biß sich auf die Lippen,Ja, aber das ist so ein . . ."

Er wurde durch einen erleichterten Ausruf unter­brochen, den ein schlanker Torero vor ihrem Tisch an der Palmenecke hören ließ.