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Verteilungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Mustrirtes Sonntagsblatt"«"» „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das erste Quartal 1903 werden noch von allen Aaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 2. Januar 1903.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß die zu führenden Listen über die ausgestellten grauen Quittungskarten B (für Selbstversicherer) bisspätestenszum 10. Januar d. Js. an den Vorstand der LandesversicherungS-Anstalt zu Caffel einzusenden sind.
V. 5. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regieungs-Rath.
Hersfeld, den 31. Dezember 1902.
Die Erledigung meiner Verfügung vom 15. April 1902 I 2125, Kieisblatt Nr. 50, Einsendung des Er- Hebungsblattcs für die Ermittelung der Hagelwetter- und Hochwasser, sowie Ueberschwemmungsfchäden betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 9. Januar 1903 in Erinnerung gebracht.
Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine Ordnungsstrafe von je 3 Mk. festgesetzt werden.
1, 2125. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
mignon.
Novellette von Elfe K rafft.
Nach der Sprechstunde war es dunkel geworden im Zimmer.
Dr. Röger schritt unruhig hin und her. Immer von einem Fenster zum andern.
Das Laternenlicht von der Straße warf einen Hellen, zitternden Streifen durch den Raum. Er erleuchtete die neuen, eleganten Möbel,dieBilder, Bücher und chirurgischen Instrumente.
Willi verzog den Mund, pfiff ein paarmal vor sich hin und schüttelte dann ingrimmig den Kopf.
Zwei Patienten waren in der heutigen Sprechstunde gewesen. Ein altes Mütterchen mit schwacher Lunge, und ein junger, schüchterner Handlungsgehilfe, dem beim benachbarten Kaufmann der Daumen zeiquetscht war.
Und darum war er nun in diese teure Gegend ver« zogen und hatte seine Praxis mit den kostspieligsten Mitteln in Berlin W. eröffnet. Zum toll werden war's!
Die alte Pflegerin seiner Kindeijahre, Katrin, brächte die Lamve stellte sie behutsam zwischen die umherge- streuten Zeitungen auf den Schreibtisch und blickte besorgt aus den ruhelos Wandernden.
Sehn Se, Herr Dvklor, was hab >4 gesagt! Es iö nischt mit uns zwei alleine hier in de große Wohnung. So'n jungen Mann trauen de Leute nich. Ja, wenn 'ne Frau ins Haus käm! Wenn Se verheirath' wären, Herr Doktor! Denn jings schon eher, dann kämen auch
Der wegen Mordversuchs und Wildern verhaftete Steinrichter Wilhelm Pfeil von Nieder-Ofleiden ist am 31. Dezember v. Js. Abends in Homberg a/Ohm entsprungen. Um Fahndung auf den Entwichenen und Festnahme im Betretungsfalle wird ersucht.
Beschreibung: 19 Jahre alt, schlank, ca. 1,75 m groß, dunkle Haare, ziemlich starke Nase, länglich geformtes Gesicht, Anflug von Schnurrbart, gesunde Gesichtsfarbe ; Kleidung: zwei dunkel gestreifte Hosen, brauner großkarirter Rock, gelbe naturfarbene Lederpantoffel (Schlappen).
Gießen, den 2. Januar 1903.
Großhl. Staatsanwaltschaft. T h e o b a l d.
*
HerSfeld, den 3. Januar 1903.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Königlichen Gendarmerie und der Ortspolizeibehörden des Kreises mit der Weisung, auf Pfeil zu fahnden und im Betretungsfalle denselben festzunehmen.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 5. Januar 1903.
Die Erledigung der Verfügungen:
1. vom 18. Dezember 1878 Nr. 12674, Kreisblatt Nr. 102, Unterbringung verwahrloster Kinder betreffend,
2. vom 1. März 1881 Nr. 2605, Kreisblatt Nr. 19, die in frember Pflege befindlichen Kinder unter 6 Jahren betreffend, wird hierdurch mit F r i st bis zum 9. d. M t s. in Erinnerung gebracht.
Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine O r d n u n g s st r a f e von je 3 Mark festgesetzt werden.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 22. Dezember 1902.
Der Landwirth und Küfer Wilhelm B ä tz in Biedebach ist heute als Bürgermeister der Gemeinde Biedebach auf die Dauer von 8 Jahren eidlich verpflichtet worden.
A. 2973. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
die jungen Mächens und andre kranke Damens in de Sprechstunde. Aber so!“--
Die Alte strich ihre Schürze glatt und hielt die Hand dann ausgestreckt zum Fenster hin.
„Ich weiß es von die Amalie drüben bei Direktors. Da is de Jnädige alle Augenblicke bettlägerig. Das eine Fräulein soll bleichsüchtig find von wegen das viele Tanzen dies Jahr. Aber zu Ihnen, — nee, da wollen se nich, sagt Amalie. Bei so'n jungen Arzt ohne Frau, da," —
Willi wandte sich so heftig zu seiner Dienerin um, daß sie mitten im Wort abbrach.
„Halt ’n Schnabel, Katrin! Das verstehst du nicht. Eine Frau ist doch kein Möbelstück, das man sich zur Vervollständigung seiner Wohnung kaufen kann."
Er seufzte tief auf.
„Und dann auch, woher nehmen und nicht stehlen?" Katrin seufzte mit.
„Ja, wenn das der Herr Doktor nich wissen, ich weiß es erst recht nich!"
Willi pfiff schon wieder. Er war dicht an das Fenster getreten und sah durch das Schneetreiben nach dem gegenüberliegenden Hause. Katrin in gewohnter Treue dicht hinter ihm.
„Sehn Se! S'is wieder alles hell bei Direktors im ersten Stock. Jewiß wieder Jesellschaft drüben. Js es denn da en Wunder mit die Bleichsucht von Fräulein Lisbeth?
„Lisbeth?! Das ist doch die kleine Blonde mildem weißen Pelzboa, — Katrin?"
Zugelaufen: ein weißer Hund mit schwarzen Flecken. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.
Gefunden: ein Jagdgewehr. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Wehrshausen.
Im nächsten Jahre finden an ^er Königlichen Lehranstalt fürWein ,Odst- und Gartenbau zu Geisenheim a. Rh. folgende Unterrichtskurse statt: 1) Weinbaukursus in der Zeit vom 12. bis 31. Januar 1903, 2) Obstweinkursus in der Zeit vom 23. Februar bis 5. März 1903, 3) Oeffentlicher Reblaus- kursus in der Zeit vom 23. bis 25. Februar 1903, 4) Obstbaukursus in der Zeit vom 26. Februar bis März 1903, 5) Baumwärterkursus in der Zeit vom" Februar bis 21. März 1903, 6) Hefekursus in der Z. vom 2. bis 13. Juni 1903, 7) Analyfenkursus in bei Zeit vom 15. bis 27. Juni 1903, 8) Obstbaunachkursus in der Zeit vom 17. bis 22. August 1903, 9) Baum- wärternachkursus in der Zeit vom 19. bis 22. August 1903, 10) Obstverwerthungskursus für Frauen vom
24. bis 29. August 1903, 11) Obstverwerthungskursus für Männer vom 31. August bis 5. September 1903.
Das Unterrichtshonorar beträgt für Kursus 1: für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 30 Mark, für Kursus 2: für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 25 Mark, außerdem für Reagentien rc, 20 Mk., für Bedienung 1 Mk. Kursus 3 ist frei. Für Kursus 4: für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 30 Mark, preußische Lehrer sind frei. Personen, die lediglich am Nachkursus (Nr. 8) theilnehmen, zahlen 8 Mark, Nichtpreußen 12 Mark. Für Kursus 5: Preußen sind frei. Nichtpreußen bezahlen 10 Mark, wenn sie nur am Nachkursus (Nr. 9) theilnehmen, 5 Mark. Für Kursus 6 und 7: für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 25 Mark, außerdem für Reagentien 20 Mark, für Bedienung 1 Mark. Für Kursus 10 und 11: für Preußen 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark.
Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 1, 4, 5 und 8 bis 11 an die Direktion, bezüglich der Kurse 2 und 7 an den Dirigenten der önochemischen Versuchsstation und bezüglich Kursus 6 an den Dirigenten der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. Wegen Zu- laffung zum Reblauskursus wende man sich an den zu-
Die Alte nickte.
„Janz jewiß. Fräulein Clara mit das kurz jeschorene Haar studiert ja. Een richtigen Tipps hält' se, sagt Amalie."
Katrin fuhr mit bezeichnender Handbewegung an die Stirn.
Halb ärgerlich, halb belustigt schob der junge Arzt die Redselige zur Thür.
„Schäme dich, Katrin! So auf das Dienstbotengeschwätz zu reagieren! Koch mir lieber ein Täßchen Kaffee, ehe ich zu meiner Schwester geh. Aber beeile dich, hörst du?"
Als sie draußen war, stand Willi schon wieder am Fenster. Drüben zeichnete das Licht in der ersten Etage schwebende Schatten an die herabgelassenen Vorhänge. In Gedanken sah er ein blondes Mädchenhaupt dahinter, tiefblaue Augen darin uud kirschroths Lippen. Wie oft schon hatte er dieses Gesicht beobachtet. Heimlich, fast scheu hinter der Gardine versteckt. Morgens am Fenster, ein Staubtuch in der Mädchenhand, mittags auf der Straße, klirrende Schlittschuhe am Arme, und heimkehrend im Dämmerlicht, eine ganze Schar übermüthiger Freundinnen zur Seite.
Wie sie das Köpfchen trug! Keine der Mädchen so hoch und frei. Den Mund fast trotzig halbgeöffnet, in den Augen ein seltsam Gemisch von Stolz und Kindlichkeit. Wenn er nur wußte, wie er sich ihr nähern könnte. Schlittschuhläufer war er nicht, aus offner Straße eine wildfremde Dame anzusprechen, schickte sich nicht, und dann auch, sie hätte sich lachend abgewandt, wie vor