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Hersselder Kreisblatt

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Austrittes Souutagsblatt" ^ Austritte landwirthschaftl. Beilage" für das erste Quartal 1903 werden noch von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Auf Grund des § 24 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 (Gesetzsammlung S. 175) wird hiermit jeder für 1902 mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerpflichtige des Kreises Hersfeld auf­gefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit voin^ Januar 1903 bis einschl. zum 20. Januar 1903 dem Un- terzeichueteu in dem Geschäftsraum der Veranlagungskom- mission im Stift 671 II. Stockwerk schriftlich oder zu Protokoll mit der Versicherung abzugeben, daß die An­gaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind.

Diese Steuerpflichtigen sind zur Abgabe einer Steuer­erklärung verpflichtet, auch wenn denselben eine Aufforderung bezw. ein Formular nicht zugegangen ist. Die Zustellung der Aufforderungen erfolgt in der Zeit vom 22. bis zum 30. d. Mts. Sollte bis zum 1. Januar 1903 ein Pflich­tiger nicht im Besitze eines Steuererklärungsformulars sein, so wird ihm anheimgegeben, ein solches von dem Unter­zeichneten zu fordern.

Nach § 25 des Einkommensteuergesetzes sind Steuer­pflichtige mit Einkommen unter 3000 Mark zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, sobald deusclbeu eine Auf­forderung zugeht.

Henning Lenkau.

Von Hans von Heckethufen.

(Schluß.)

Ich glaube, es gibt nicht viele Menschen, die ein so dummes Gesicht machen, wenn sie meiner ansichtig werden!" rief Passendorff äußerst belustigt.

Nun standen Sie vor der Villa des Onkels. Rita klopfte das Herz zum Zerspringen! Als Lenkau draußen auf den steinernen Stufen seinen Arm um sie legte, um sie in seine Heimath einzuführen, zitterte sie heftig und sah ihn mit feuchten Augen an.

Auch da drinnen sind zwei starke Arme, die sich dir voll "Liebe öffnen werden!" sagte er und küßte sie.

Als die Klingel ging, erhob sich der alte Herr un­ruhig von seinem Fensterplatz im Gartenzimmer, an dem er nachmittags die Zeitungen zu lesen pflegte! Da er nun Hennings Stimme im Vestibül unterscheiden konnte, wartete er das Oeffnen der Thür durch den Diener nicht ab, riß sie auf und fühlte sich alsbald von seinem Jungen umschlungen. .

Stumm sah ihn Henning an, ebenso schwelgend löste er sich au« seinen Armen, denn des Onkels Augen hefteten sich schimmernd auf Rita, die schüchtern hinter Henning stand und die großen, bittenden Augen auf den alten Herrn richtete.

Ein warmer Sonnenstrahl, der durch das bunte Fenster der Halle drang, leuchtete in ihrem glänzenden

Die in den Kreisen des Publikums vielfach vertretene Ansicht, Personen unter 3000 Mark Einkommen feien zur Abgabe einer Steuererklärung nicht verpflichtet, ist irrig. Die Aufforderungen gemäß § 25 dieses Gesetzes werden im Kreise Hersfeld am 5. und 6. Januar 1903 zugestellt werden. Die Frist zur Abgabe der Erklärungen endigt ebenfalls am 20. Januar 1903.

Die Versäumung der hier angegebenen Frist hat nach § 30 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes den Verlust der gesetzlichen Rechtsmittel gegen die Veranlagung für das Jahr 1903 zur Folge.

Wissentlich unrichtige und unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuer­erklärung sind im ß 66 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht.

Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in der Zeit vom 4. Januar bis zum 20. Januar 1903 in dem Geschäftsraum der Veranlagungskommission nur werktäglich von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags entgegengenommen.

Es wird gebeten, mit Abgabe der Steuererklärungen nicht bis zum 20. Januar 1903 zu warten, sondern diese möglichst in den ersten Tagen der gestellten Frist abzugeben.

Hersfeld, den 22. Dezember 1902.

Der Vorsitzende der Einkommensteuerveranlagnngskommission: Freiherr von S ch l e i n i tz.

Nichtamtlicher Theil.

Fahresbericht über Misere nu^wärtige Politik.

Das Jahr 1902 war reich an bemerkenswerthen Er' eignissen auf dem Gebiete unserer auswärtigen Politik. Mit Genugthuung wollen wir gleich feststellen, daß wir uns der Aussaat und der Ernte wohl freuen können. Man muß schon ein unverbesserlicher Schwarzseher sein, um nicht anzuerkennen, daß sich der politische Himmel über dem deutschen Reiche jetzt so freundlich zeigt, wie lange nicht, jedenfalls viel rosiger, als am Beginn des Jahres. Damals zeigten sich manche Nebel am Horizont,

Haar und tauchte das schöne Gesicht in einen goldigen Schein.

Mit einem unterdrückten Jubellaut schloß sie Henning in die Arme und zog sie zu dem alten Herrn.Kennst du sie wieder?" fragte er und drückte sein Gesicht an das ihre.Nun liebe sie ebenso wie mich, denn sie gehört mir und wird mein Weib I"

Henning hatte recht gehabt, tief bewegt zog sie der alte Herr an sich, seine Arme nahmen sie an fein Herz, und Rita fühlte, daß sie in diesem einen Vater erhalten habe.

In tiefes Sinnen verloren sah der Graf immer wieder in ihr Gesicht, die Gegenwart und die Erinnerung an längst entschwundene Zeiten mischten sich gar zu lieblich und doch wehmüthig ineinander.

Ich bin noch nicht zu Ende mit meinen Ueber- raschungen für dich," sagte Henning und griff nach Paffendorffs Hand;dies hier ist Maria Heydens Sohn! Jobst von Passendorff!"

Jetzt fuhr sich der alte Herr hastig über die Augen, Mein Gott," stammelte er,ist denn so viel Glück für meine alten Tage noch möglich?! Ihr Sohn? Ich will ihn lieben wie meinen eignen!"

Durch das Dazwischentreten von Hannah nahm die Situation einen fröhlichen Charakter an. Die alte Dame war selig, sie lachte und weinte immer abwechselnd vor Freude, ruhte auch nicht eher, als bis sie Rita in die hausfraulichen Schätze des Hauses blicken lassen konnte, die doch dereinst in die Hände der jungen Frau

von denen man nichtwußte, ob sie aus unserm Gesichts» kreise entschwinden oder sich zu Wolkenbergen aufthürmen würden.

Mit Sorge gedachte man der Erneuerung des Drei­bundes. Manche Zeichen deuteten darauf hin, daß ein­flußreiche, unverantwortliche Politiker auf der apenni- nischen Halbinsel Einfluß zu gewinnen trachteten über das Steuerruder des Staatsschiffes, um dieses in ein Fahrwaffer zu lenken, das weg vom Dreibünde zu neuen Freunden führte. Auch für die verringerte Haltbarkeit des Drahtes zwischen Berlin und St. Petersburg glaubte man Beweise zu haben. Besonders bedrohlich aber er­schienen die deutsch-englischen Beziehungen. Die blutigen Ereigniffe in Südafrika hatten das Mitgefühl mit den Leiden einer uns sympathischen Bevölkerung mächtig erregt. Leidenschaftliches Volksempfinden auf der einen Seite, verletztes Selbstbewußtsein auf der andern trafen aufeinander und erzeugten eine Spannung, die den Keim zu ernsten Konflikten barg. Kurz, es herrschte eine gährende Unruhe, die der Auffassung von einer Ver­schlechterung unserer Beziehungen zu den fremden Mächten Nahrung gab.

Dank der Weisheit unsers Kaisers wie der Vorsicht und der Thatkraft des Grafen Bülow ist uns de^ Friede erhalten geblieben und haben sich bte Fcievensbürgfchaften in erfreulichem Maße verstärkt. Die Neider und Intri­ganten, die Italien von dem alten Bündnißvertrage ab­drängen wollten, haben vor der unveränderten Erneuerung des Dreibundes halt machen müssen. Sie haben auch Gelegenheit gehabt, sich zu überzeugen, wie gemeinsame Interessen und gegenseitige Werthschätzung der Völker und Führer das politische Bündniß vertiefen und festigen. Die Trinksprüche, die von den beiden befreundeten und verbündeten Häuptern der Häuser Savoyen und Hohen- zollern im Berliner Schlosse gewechselt wurden, waren gesprochene Geschichte", zu der der herzliche Empfang und die Jubelrufe der reichshauptstädtischen Bevölkerung beim glanzvollen Einzüge König Viktor Emanuels den stimmungsvollen Akkord lieferten.

Auch dem Gerede von Verstimmungen zwischen Deutsch­land und Rußland ist gründlich der Garaus gemacht worden. In welcher Richtung die Zukunft die Kaiser­tage auf der Rhede von Reval auch ausmünzen mag, für die Gegenwart genügt es, festzustellen, daß vor dieser deutjch-lussischen Stadt ein Vertrauensverhältniß zum Ausdruck gekommen ist, das ein werthvolles Unterpfand für die friedliche Entwicklung Europas darbietet. Die

übergehen würden, wie sie behaglich lächelnd immer wieder betonte.

Jobst stand daneben und nöthigte der kleinen, lebhaft empfindenden Dame manche Lachthräne durch feine drolligen Bemerkungen ab. Er fühlte sich hier bald vollständig wie zu Haufe und neckte sich lustig mit Hannah herum.

Rita empfand in lieblicher Schweigsamkeit das sich ihr immer mehr erschließende Glück: Welcher Friede, welche Harmonie lebten und wohnten in diesem Hause, in das sie ausgenommen war als geliebtes, willkommenes Glied!

Als Hannah mit ihnen den Rundgang durch die Villa antrat, zog Henning den Onkel in sein Zimmer. Ein lieber, inniger, verständnisvoller Blick ging von ihm zu Rita, ein bittender aus den dunkeln Mädchenaugen traf dann den alten Herrn, ehe sie gingen. Dieser lächelte und nickte ihr zu, als wolle er sagen:Legt nur eure Herzenssache vertrauensvoll in meine Hände, ich werde schon dafür sorgen, daß ihr einander ange­hören sollt!"

Aufmerksam ließ er sich dann unter vier Augen alles von Henning berichten, der in begreiflicher Erregung über die Ablehnung seiner Werbung und die ganze so erschwerte Situation war.

Ich weiß, Onkel, wenn ein Mensch hier helfen kann, so bist du es !"

Der alte Herr nickte.Wie wunderlich spielt das Leben," sagte er gedankenvoll.Ein Cerßenberg hat