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GeatirbeLLsKen rJUvftrLrter LsAMtagrdkatt" *SÜM^rirte kanKwirthschafLUchO V»U«ge

Rr. 1. Donnerstag k« 1. Iamiar

1963

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auf das

Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

Jllustrirtes Sonntagsblatt" «» Zlluftrirte landwirthschaftl. Beilage" für das erste Quartal 1903 werden noch von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Im nächsten Jahre finden an der Königlichen Hhranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a. RH. folgende Unterrichtskurse statt: 1) Weinbaukursus in der Zeit vom 12. bis 31. Januar 1903, 2) Obstweinkursus in der Zeit vom 23. Februar bis 5. März 1903, 3) Oeffentlicher Reblaus­kursus in der Zeit vom 23. bis 25. Februar 1903, 4) Obstbaukursus in der Zeit vom 26. Februar bis 21. März 1903, 5) Baumwärterkursus in der Zeit vom 26. Februar bis 21. März 1903, 6) Hefekursus in der Zeit vom 2. bis 13 Juni 1903, 7) Analysenkursus in der Zeit vom 15. bis 27. Juni 1903, 8) Obstbaunachkursus in der Zeit vom 17. bis 22. August 1903, 9) Baum- wärternachkursus in der Zeit vom 19. bis 22. August 1903, 10) Obstverwerthungskursus für Frauen vom 24. bis 29. August 1903, 11) Obstverwerthungskursus für Männer vom 31. August bis 5. September 1903.

Das Unterrichtshonorar beträgt für Kur« sus 1: für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 30 Mark, für Kursus 2: für Preußen 20 Mark, für Nicht­preußen 25 Mark, außerdem für Reagentien rc, 20 Mk., für Bedienung 1 Mk. Kursus 3 ist frei. Für Kursus 4; für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 30 Mark, preußische Lehrer sind frei. Personen, die lediglich am

Henning Lenkau.

Von Hans von Heckethusen.

(Fortsetzung.)

Ist nicht möglich!" rief der rundliche Herr in ehr­lichem Erstaunen.Wissen Sie, Lenkau, Sie find aber doch eigentlich ein ganzer Heimlicher! Verlieben und verloben sich hier in aller Stille und lassen so einen armen, alten Junggesellen wie mich alleine sitzen! Ich habe mir zwar in der letzten Zeit gedacht, daß Sie über irgend einem ZukunftSproblem brüten, daß Sie aber so schnell Ernst gemacht haben, verblüfft mich doch.

Eigentlich hatte ich mir immer eingebildet, Sie würden garnicht heirathen, und ich für meine Person war ganz zufrieden mit diesem Gedanken; meine Zu­kunftsträume gingen sogar soweit, mir einen gemein- samerr sehr beschaulichen Lebensabend mit Ihnen aus- zumalen!"

Lenkau sah ihm herzlich in das gute Gesicht, in dem die Augen ganz verstohlen feucht geworden waren;Sie sollen bei uns ein ganz feudaler Hausfreund werden, einen extra bequemen Sorgenstuhl werde ich Ihnen bauen lassen und meiner zukünftigen Frau werden Sie ein ebenso guter Freund werden wie mir I"

Werd' ich, werd' ich" pustete er gerührt und drückte heftig Lenkau« Hand.So, und nun holen Sie sich Ihre» väterlichen Segen ich warte hier derweilen!"

Er ließ sich gewichtig in einen Armstuhl fallen und verfolgte gespannt jedes Geräusch im Hause. Bald

Nachkursus (Nr. 8) theilnehmen, zahlen 8 Mark, Nicht­preußen 12 Mark. Für Kursus 5: Preußen sind frei. Nichtpreußen bezahlen 10 Mark, wenn sie nur am Nach­kursus (Nr. 9) theilnehmen, 5 Mark. Für Kursus 6 und 7: für Preußen 20 Mark, für Nichtpreußen 25 Mark, außerdem für Reagentien 20 Mark, für Bedienung 1 Mark. Für Kursus 10 und 11: für Preußen 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark.

Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 1, 4, 5 und 8 bis 11 an die Direktion, bezüglich der Kurse 2 und 7 an den Dirigenten der önochemischen Versuchsstation und bezüglich Kursus 6 an den Dirigenten der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. Wegen Zu­lassung zum Reblauskursus wende man sich an den zu­ständigen Herrn Oberpräsidenten. Weitere Auskunft er­theilt das Sekretariat.

Geisenheim, den 1. Dezember 1902.

Der Direktor.

Goethe, Königl. Landesökonomierath.

Nichtamtlicher Theil.

Neujahr.

Am Ende des Jahres, wo die wichtigsten Ereignisse der letzten zwölf Monate und die gegenwärtigen Verhält­nisse uns vor die Seele treten, drängt sich nur zu leicht auf vieler Lippen die Klage, daß unsere Zeit so arg sei wie keine frühere. Dieser Behauptung begegnet man auch in allen frühern Epochen, weil es stets zahlreiche Leute gab, die sich zwar sehr viel mit WeltverbefferungS- Plänen, aber sehr wenig mit der Arbeit an sich selbst be­faßten. Alle, welche an dem Bestehenden nur Schatten­seiten sehen und auf große Veränderungen sinnen, werben in der Regel nichts als Enttäuschungen erleben und ohne weiter» Nutzen dahinschwinden. Dagegen ist die Be­herrschung der dem Menschen angeborenen bösen Triebe und eine stille und besonnene Kleinarbeit für den einzelnen wie für die ganze Gesellschaft von größtem Segen.

Die einzige Erfindung des elektrischen Funkens oder die der Dampfkraft oder der Druckerei hat auf die Ent­wicklung der menschlichen Verhältnisse größer» Einfluß gehabt als die großen weltgeschichtlichen Kriege mit ihren verlustreichen Schlachten. Nicht das, was vor der Welt am meisten glänzt, hat den dauerhaftesten Werth, sondern

hörte er zwei Stimmen oben über sich, deren Heftigkeit ihn sehr alterierte; zum Schluß wurden sie ruhiger, und nach Ablauf einer Viertelstunde hörte er Lenkau die Treppe draußen herabkommen.

Mit geröthelem Gesicht trat dieser ein; funkelnden Auges warf er Handschuhe und Czapka auf den Tisch: So," rief er heftig,nun heißt es: biegen ober brechen abgelehnt, weil ich einLenkau bin, aber er soll sich diesmal gründlich verrechnen!"

Graf Theobald Lenkau saß mit seiner treuen Hannah an seiner gemüthlichen kleinen Mittagstafel. Der servierende Diener hatte soeben die Mokkatassen zurecht- gestellt und einige Postsachen daneben gelegt. Der alte Herr schob seinen Teller mit Früchten beiseite und langte nach den Briefen.

Was heißt denn das?" fragte er zu Hannah auf» sehend,von Henning und abgestempelt aus Berlin!"

Eiliger als sonst erbrach er das Couvert, und ver­wundert las er folgende Worte:

Geliebter Onkel!

Bitte, richte Dich so ein, jedenfalls heute nachmittag zu Hause zu sein/ ich komme! aber nicht allein. In meiner Begleitung sind zwei Menschen, deren Anwesen­heit Dir eine große Freude sein wird.

Dein Henning."

Kopfschüttelnd reichte er Hannah den Brief.

Sinnend sah diese hinein:Unser Reitersmann muß irgend etwas vorh rben, mystische Andeutungen sind sonst

vielfach das in der Stille und Verborgenheit unter Schweiß und Mühe Erarbeitete und Gewonnene. In dem Leben des einzelnen ist es nicht anders. Mit Recht sagt der Dichter:Laß das Ringen, Wünschen, Laufen Nach ent« feinten, dunklen Zielen: Brot ist auch daheim zu kaufen, Zahl es nur mit Schweiß und Schwielen!"

Gestehen wir es uns nur am Schlüsse des Jahres: Wir lebten zuviel in eingebildeten Wünschen und bauten uns allerlei Luftschlösser. Nach hohen Zielen sollen wir ringen, aber nicht nach unerreichbaren. Alle unsere Kräfte sollen wir anstrengen, aber ein Verlassen des Rahmens unserer Macht ist ein nutzloses Vergeuden und ein Unter­graben unserer Kraft. Für das Wohl anderer Menschen und der ganzen Gesellschaft sollen wir ein warmes und opferfreudiges Herz haben; aber der ist ein Tor, welcher an dem Bau eines Daches arbeiten will, bevor das Fundament und das Stockwerk hergestellt ist. So kann auch nur an die Besserung anderer denken, der sich zuvor selbst gebessert hat, und nur derjenige kann die Noth der Zeit beseitigen helfen, welcher seine eigenen Verhältnisse zunächst gut geordnet hat. Diese Wahrheit kann am Schlüsse des alten Jahres nicht laut genug verkündet werden, damit man in sich gehe und im neuen Jahre durch Selbstzucht und Selbstbeschränkung den vielen Ent­täuschungen und Widerwärtigkeiten entgehe, welche in­folge zu hochgespannter Erwartungen einzutreten pflegen.

Das Kind faßt alles als ein Spiel auf, die Jugend eilt wie ein Sausewind an den ernstesten Dingen vor­über, und der Greis sieht an den Dingen des Lebens vielfach nur die trübe Seite. Der rüstig schaffende Mann hält sich fern von jeder Uebertreibung. Er sieht nicht bloß an der Gegenwart Unebenheiten und klaffende Risse, sondern weiß, daß auch das Gold der Vergangen­heit mit vielem Kupfer durchsetzt ist. Durch Phrasen und Vorspiegelungen läßt er sich nicht täuschen und kennt nur ein Zukunftsbild:Die Welt ist voll von Gottessegen; Willst du ihn haben, er ist dein: Du brauchst nur Hand und Fuß zu regen, Du brauchst nur fromm und klug zu sein."

Indem wir uns von dem alten Jahre verabschieden, wählen wir zu unserer Losung für das neue Jahr das Wort der heiligen Schrift:Bete und arbeite." Wir bauen auf Gott, daß er es im neuen Jahre an seiner Hülfe nicht fehlen lassen wird, wenn wir unsere Pflichten treu erfüllen und uns als gute Haushalter erweisen. Dann mag die Gegenwart sich wie immer gestalten, wir

so garnicht seine Sache, auch daß er in Berlin ist, ohne hier zu wohnen, ist ja noch nie dagewesen!"

* *

*

Ja, Lenkau hatte etwas vor! Seit gestern war er in Berlin und hatte in dem gleichen Hotel Quartier ge­nommen, in dem Rita, die Gräfin und Paffendorff seit vier Tagen wohnten.

Die Gräfin, die am Krankenbett ihrer schwer leiden- dey Schwester Vor- und Nachmittag viele Stunden ge­fesselt war, ließ ihrer Stieftochter völlige Freiheit in allen Unternehmungen und Entschlüssen; sie hatte ja in ihrem Vetter Jobst einen Begleiter und konnte thun und lassen, was sie wollte.

Die kalte Natur der Gräfin zeigte an diesem Kranken­bette plötzlich ein sehr warm scheinendes Interesse, hatte doch der Arzt geäußert, daß die Tage der Kranken ge­zählt seien. Da nun voraussichtlich die Gräfin die ein­zige Erbin der Kranken war, so spannte sie ihr ganzes Interesse und EmpfindungS-Vermögen um die leidende Schwester und zeigte nicht die mindeste Antheilnahme daran, wie der Tochter die Tage vergingen.

Rita empfand schmerzlich und immer mehr erkältend die herzlose, selbstsüchtige Triebfeder dieser plötzlich her­vortretenden schwesterlichen Fürsorge.

Jobst Passendorff war mit dieser Wendung der Dinge äußerst zufrieden; mit übermüthiger Freude spielte er Ritas Beschützer und half ihr, die lieblichsten und rosigsten Zukunftsbilder entwerfen.

Seit gestern war nun auch Lenkau eingetroffen und der Plan für den heutigen Besuch beim Onkel ausge«