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^ 39,Samstag, den 22. September 1900.

Das Kaiserliche Gesundheitsamt hat sich in der letztens Zeit mit eingehenden Untersuchungen und Erwägungen von Maßnahmen zur Vertilgung von Ratten und son­stigem Ungeziefer befaßt und das Ergebniß derselben in einem an den Herrn Ressortminister gerichteten Bericht niedergelegt.

Bei dem weitgehenden Interesse gegenüber der Ratten­plage, insbesondere aber bei der großen Bedeutnng, welche den Ratten als Krankheitsüberträger bei der Pest zukommt, werden die Ergebnisse der Forschungen nach­stehend zur allgemeinen Kenntniß gebracht.

Schlüchtern, den 19. September 1900.

Der Königliche Landrath: i, V.: Goerz.

Bei der großen Bedeutung, welche den Ratten als Krankheitsüberträgern bei der Pest zukommt, ist die Vertilgung dieses lästigen Ungeziefers zu einer prophylak­tisch wichtigen Maßregel geworden. Ihre Ausrottung ist unter Umständen mit erheblichen Schwierigkeiten ver­knüpft, besonders da, wo sich die Vernichtung durch Gist als undurchführbar erweist. Eine sichere Methode, durch Bakterienkulturen wie z. B. bei den Mäusen mit Kulturen des Mäusetyphus eine tödtliche Seuche unter den Ratten hervorzurufen, giebt es bisher ebenfalls noch nicht, wenn auch die Versuche von Danysz in dieser Beziehung hoffnungsvoll erscheinen.

Im Kaiserlichen Gesundheitsamte sind nun vom Regierungsrath Professor Dr. Koffel Versuche angestellt, Ratten durch Gase zu tödten, die einen ausgezeichneten Erfolg hatten.

Von der Gesellschaft für flüssige Gase, Raoul Pictet zu Berlin, wurde dem Gesundheitsamte P i c t o l i n zur Versügung gestellt, ein Gemenge von flüssigen Gasen, das hauptsächlich aus schwefeliger Säure besteht und so wegen seines stechenden Geruches dem Menschen nicht etwa durch unabsichtliche Einathmung gefährlich werden kann. Es gelang durch Einbringung der Flüssigkeit in ein Zimmer, in dem sich graue Ratten und Mäuse in Drahtkörben befanden, diese Thiere in wenigen Minuten zu tödten. Auch Wanzen in einem mit Gaze verschlos­senen Reagenzglase starken durch die Einwirkung des Gases ab, während Fliegen zwar betäubt wurden, sich aber nachträglich wieder erholten.

Auf dieses positive Resultat hin wurden durch die freundliche Vermittelung und unter der Aufsicht des Hafenarztes Dr. Rocht in Hamburg an Schiffen Ver­suche angestellt, bei denen es gleichfalls gelang, in den Schiffsräumen befindliche Ratten durch Einleiten des Pictolin zu tödten.

Die praktische Tragweite der Versuche liegt auf der Hand; die Abtödtung der Ratten in den Laderäumen der Schiffe, die aus pestverseuchten Ländern kommen, ist prophylaktisch sehr wichtig, und gerade hier stößt die An­wendung von Gift vielfach auf Schwierigkeiten, wenn z. B. der Laderaum später zum Transport von Lebens­mitteln benutzt werden soll. Die Anwendung des Pictolins dagegen wird sich einfach, zweckmäßig und gefahrlos ge­stalten. Auch Wohnungen, Speicherräume, Keller usw. können bei geeigneter Versuchsanordnung voraussichtlich von Ratten, Mäusen und anderen Ungeziefer durch Pietolin befreit werden.

Endlich sei erwähnt, daß es gelang, auf einem Gut wilde Kaninchen durch Eingießen des Pictolins in die Zngangsöffnnngen der Baue zu tödten, sodaß seine An­wendung an Stelle anderer Gase als Tilgungsmittel auch für diese und andere Thiere, die der Feldwirth­schaft schädlich sind, in Betracht zu ziehen ist.

* J.-Rr. 2705. K.-A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden hierdurch ange­wiesen, das Protokoll über Verpachtung der Gemeinde­jagd stets vor der Zuschlagsertheilung mir vorzulegen.

Schlüchtern, den 10. September 1900.

Der Königliche Landrath: Roth.

J-Nr. 5004. Zum Zwecke der diesjährigen Nach­prüfung der Trichinenbeschauer gemäß Ziffer 14 und 15 der Anweisung vom 15. August 1894 sind folgende Termine anberaumt und zwar für die Trichinenbeschauer:

1. der Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Schlüch­tern auf den 28. d. Mts., Vormittags 9 Uhr;

2. der Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Schwar­zenfels aus den 28. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr;

3. der Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Steinau auf den 29. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr;

4. der Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Sal- münster auf den 29. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr.

Die Prüfung findet im Hotel Deutscher Kaiser (Bierhalle) statt.

Die Herren Bürgermeister werden hiermit veranlaßt, die Trichinenbeschauer ihrer Gemeinden zu den bezeich­neten Terminen unter Vorzeigung dieser Kreisblatt­bekanntmachung mit der Aufforderung vorzuladen, das Mikroscop und das Schaubuch mit zur Stelle zu bringen.

Schlüchtern, den 18. September 1900.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

J.-Nr. 2726. K.-A. Die Herren Bürgermeiste- des Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß die Ger