so
teil und in dieses Wespennest mit kühner Hand Nueingreifen. Das wird manche schmerzliche Wunde geben. Du ivirst mir sehr fehlen!"
Der leutselige Fürst begleitete seinen Günstling bis an die Schwelle seines Vorzimmers. Nochmals schüttelte er ihm herzlich beide Hände, dann über schob er ihn schnell durch die Portiere, als wollte er nicht sehen lassen, wie tief ihn der Abschied von dem Scheidenden berührte.-------
Am Morgen nach dem Fest trat Anton früh in das Stäbchen der Mutter Barbara, die er wie eine Mutter verehrte. Die alte Frau war schon auf den Beinen trotz der schlaflosen Nacht. In gewohnter Sauberkeit und Ordnung saß die blütenweiße Haube auf dem glatten Scheitel der Greisin.
Als Anton an die Thür klopfte, öffnete sie schnell, knickste nach alter Gewohnheit und stellte dem Herrn sogleich einen Sessel hin. Es war, als hätte sie den Besuch schon erwartet, denn sie schien über denselben gar nicht verwundert.
„Verzeihen Sie, Mutter Barbara, daß ich Ihre Ruhe schon so früh störe, aber ich habe Nötiges mit Ihnen zu besprechen," sagte Anton und nahm auf einem Stuhl Platz.
„Ich weiß, ich weiß, Herr," erwiderte Mutter Barbara und nickte beistimmend mit dem Kopfe. _
„Sie wissen, Mütterchen, was ich kaum selbst erst ausgedacht. Ei, da bin ich neugierig, zu erfahren, was Sie ausgekundschaftet." Unwillkürlich flog ein Lächeln über sein ernstes Gesicht.
„Nun, Herr, ich weiß, daß Sie die Stadt verlassen wollen und unsern geliebten jungen Herrn Maximus begleiten nach Ihrem fernen Vaterlande. Ich weiß, daß eine falsche Katze das Herz unsres Lieblings mit ihren Krallen tief verwundet, ich weiß, daß auch Sie das Leben hier satt haben und die glatten, heuchlerischen Menschen meiden wollen, auf die nie Verlaß ist. Ich verdenke Ihnen das gar nicht und möchte auch an das Ende der Welt ziehen, wenn ich nicht schon so alt wäre, daß der liebe Gott mir wohl bald einen Reisepaß ausstellen wird nach einem Land?, in dem es hoffentlich mehr Frieden und Treue und Glauben giebt, als hier. Gehen Sie, Herr, ich werde hier für Sie handeln und alles besorgen, wie Sie es wünschen."
Anton blickte gerührt in das bewegte Gesicht der Matrone und reichte ihr beide Hände.
„Ich danke Ihnen, Mutter Barbara. Ich habe das von Ihnen erwartet. Aber nun hören «ie, wie ich mir's gedacht. Ich wünsche nicht, daß Sie in Jyrem Ater noch Mühe und Unruhe haben sollen. Die Kunstschätze sollen verkauft werden, sowie die übrigen Pferde und Wagen; aber sonst wünsche ich, daß Sie hier ruhig fortleben sollen in diesem Hause, dessen obere Gemächer verschlossen, aber nicht geräumt werden sollen. Sie bleiben mit dem Portier und den beiden Mägden in Ihren gewohnten Räumen und denken, ich sei ein wenig verreist. Das sollen auch die andern glauben. Sie sorgen dafür, daß nicht alles verfällt, und hüten das stille Haus."
„Ja, Herr, das werde ich. Lange wird es ja nicht mehr währen, bis ich in ein noch stilleres Haus ziehe. Nein, unser Herrgott wird's schon recht machen. Wann gedenken Sir zu reisen, Herr?"
„Morgen, wenn es angeht!"
„Gut, ich werde bis morgen mittag alles bereit halten!"
Anton reichte der alten Frau die Hand und ging dann wieder nach seinem Zimmer.
Mit den Dienstboten sprach sie nicht über
die Sache, aber doch meisten alle, daß etwas Außergewöhnliches im Gange sei, sie flüsterten untereinander und teilten sich ihre Bemerkungen mit und gingen mit traurigen Gesichtern umher.
So kam der Reisetag. Marimus hatte längst seine wenigen Habseligkeiten zusam- mengesucht. Das Bild lag in einer großen Holzkiste und als er den Deckel zuhämmerte, war es ihm, als läge seine gestorbene Liebe in dem Sarge und jeder Schlag träfe schmerzend das eigene Leben.
Die Zeit verging. Die Pferde wurden eingespannt, das Gepäck herausgetragen. Die Dienstboten standen alle im Vorflur versammelt.
Mutter Barbara nahm Abschied von dem jungen Italiener und legte segnend die welken Hände auf den Lockenkopf ihres Lieblings.
„Gott sei mit Ihnen, lieber junger Herr, und meiden Sie die Frauen. Ein reiches Leben liegt vor Ihnen. Verbittern Sie es sich nicht von selbst!"
Mutter Barbara konnte vor Rührung nicht weitersprechen. Maximus konnte nur stumm dankend den Kopf neigen und sprang schnell in den Wagen.
Anton reichte jedem freundlich die Hand, nickte allen grüßend zu und stieg dann seinem Neffen nach in die große Neisekutsche. Der Kutscher knallte mit der Peitsche und die feurigen Pferde zogen an. Fort ging es über das holprige Pflaster die aufgeweichten Straßen entlang; die Linden hinauf zum Thore hinaus. Die alten ehrwürdigen Bäume schüttelten ihre schneebehangenen Häupter und in der offenen . Pforte vor dem Hause standen Kopf an Kopf die Dienstleute Anton Basinos und blickten traurig dem forteilenden Gefährt nach.
Mutter Barbara aber saß in ihrem Stüb- chen, hatte den Kopf in die Hände gestützt und weinte wie ein sechzehnjähriges Mädchen, deren erste Liebe gestorben.
Vor ihren Fenstern stand der alte Götterbrunnen, ganz weiß verschneit, und die schöne Hebe trug in ihrer Kanne schäumenden Wein und hatte ein weißes Gewand übergeworfen über ihre nackten Schultern, als wolle sie sich schützen gegen den nordischen Winter.------------
Die Königin saß in ihrem Toilettenzim- mer vor dem großen Spiegel. Der Frisiermantel ching um ihre Schultern und sie blickte an dem Spiegel vorüber nach den hohen Fenstern, an die abwechselnd Schnee und Regen schlug. Dazu heulte der Wind und trieb die schweren Wolken vor sich her.
Hinter der hohen Frau stand ihre alte Kammerfrau und ordnete das reiche Haar ihrer Gebieterin.
Sie schien sprechen zu wollen, aber die Königin blickte so nachdenkend an den winterlichen Himmel, daß die langjährige Dienerin, die genau die Stimmungen ihrer Herrin kannte, es für geratener hielt, noch zu schweigen, so schwer es ihr auch wurde, die Worte, welche ihr gewissermaßen auf der Zunge lagen, zurückzudrängen. So verging eine geraume Zeit in tiefer Stille. Die Königin seufzte, wandte die Augen vom Fenster und schaute wieder in den Spiegel.
„Was ist das heute für ein grausiges Wetter!" sagte sie, leicht fröstelnd und lehnte sich mehr in den Sessel zurück.
„Gewiß, Ew. Majestät; aber trotzdem sah man heute früh schon den Wagen des kranken Prinzen Severin durch die Straßen der Residenz rollen!"
Die Dienerin hatte also angefangen, sich
Bahn zu brechen und die Schleusen L redtsamkeit zu öffnen!
«Der Prinz wird ein wenig Luft w wollen. Er hat lange genug das E hütet!
»Ja, aber bei solchem Wetter uns. i früher Morgenstunde!"
„Vielleicht will er verreisen?"
„Verzeihen Ew. Majestät, nein; , Herr will nicht verreisen, er will sE , raten!"
Endlich war das drückende über die Lippen.
Die Königin lächelte.
„Wer hat. Dir denn das allerliebste chen aufgebunden, Susanne!"
„O, glauben Ew. Majestät, es iu hastig kein Märchen!" *
„Aber Kind, wer denkt an folte Nun! Prinz Severin hätte wahiljj; nicht die Ungnade des Königs wenn der leichtlebige Prinz den 2 einer Heirat ertragen könnte!"
„Und doch soll es sich bieSmat 8 um eine Heirat handeln und noch einer Schauspielerin!"
„Ei, warum nicht gar, das D immer besser! Hat man Dir nicht Namen der Glücklichen genannt, bit bi standen haben sollte, die süßen » den losen Flüchtling zu schlingen?"
„Gewiß! Es soll die schöne W sein, die der ganzen Männerwelt in itri sidenz die Köpfe verdreht!"
„Susanne!" lachte die Königin Ktz „Deine Leichtgläubigkeit belustigt-mich.! hast doch schon so lange bei Hofe M kennst das Treiben der vornehmen WH kann man einer Liebelei solchen Wr legen!"
„Verzeihen Ew. Majestät!" behassch saune. „Ich habe die Nachricht au» ßr Quelle. Prinz Severin wird in einigst gen für immer die Residenz verlaßt will sich auf einem seiner Schlösser Ä niederlassen. Er beabsichtigt, sich bit ir Schauspielerin zur linken Hand an!» lassen; er hat sich mit ihr verlobt«!! Ehe versprochen. Anton Basino tehitif vor mehreren Tagen nach seiner Heimis lien zurück. Sein Haus ist gesprossene seine Dienstleute entlassen. Die Ellch hat ihren Kontrakt gelöst. Sie tritt n mehr auf und die ganze Stadt weiß desß Geheimnis. Der Prinz wünscht die Stiftung seines Vorhabens. Sein eigener 6: merdiener hat mir das alles gesagt;!« doch mit dem Hintergedanken, daß ichs! bald als möglich Ew. Majestät unter!« würde!" D /
Die Königin lachte nicht mehr. §«> plötzlich sehr ernst geworden.
„Wenn sich die Sache so verhalten! es wäre empörend!" sagte sie nadgbenteit zu sich selbst. „Eile Dich, Susann! meiner Toilette. Ich will zum König!.
Nach kaum einer Stunde ließ Frau sich bei ihrem königlichen Geruch melden. Eine lange, eingehende Unters erfolgte. , _
Der König befahl den Prinzen N sofort zu sich, da er vernommen, das; schwankende Gesundheit so weit Witte gestellt, daß er in früher Morgenstunde > die Linden gefahren. ।
Der Prinz folgte dem königliche. fehl. Er erschien vor seinem hohench>- und gab Rede und Antwort auf a-'1 vorgelegten Fragen. ,
Die geführte Sprache war eine s«? tige und die Folge davon war, daß der f