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„O ja, ich habe Dich lieb," sagte es mit süßer, klarer Kinderstimme, „hast Du auch kleine Kinder, Frau Pfarrerin?"

Die Pfarrerin errötete leicht. Das Kind hatte unbewußt eine wunde Stelle berührt.

„Der liebe Gott hat mir leider keine in das Haus geschickt, kleine Lilian," gab sie mit einem stillen Seufzer zur Antwort.

Die Kleine verzog schmollend den rosigen Mund. „Das hätte er doch thun können, der liebe Gott," beharrte sie auf ihrem Wunsch. „Viele Mädchen und Buben hätte der liebe Gott Dir schicken sollen, das wäre lustig ge­wesen, mit denen hätte ich dann oft spielen können!" Es lag eine so tiefe Sehnsucht in ihren Worten, daß Felicia sich schmerzlich da­von berührt fühlte.

„Bin ich nicht mehr Dein guter Kamerad, mein Liebling?" fragte sie mit leisem Vor- wurf. Noch immer spielte ich mit Dir, so , lange Du nur Lust hattest!" '

Lilian lächelte ihr lieblich zu. Du bist i so groß, Sante Licia, und niemals unar­tig. In meinen Bilderbüchern giebt es doch auch unartige Kinder. Wenn Du klein, , so klein wie ich wärest, könnten wir Schule spielen, wie es die Gärtnerskinder thun. Das ist hübsch, da darf man Schläge aus- । teilen!"

„Und das findest Du hübsch, Lilian?" fragte Felicia ergötzt.

„Die Schläge nicht," erwiderte das Kind kleinlaut, „aber das Schule spielen mit kleinen Kindern!"

„Und wie groß bist Du denn, mein Herzchen?" fragte die Pfarrerin belustigt. 1

„O, ich bin schon groß, sehr groß!" sagte sie, um ein merkliches zu vergrößern sich suchend, mit stolzem Selbstgefühl. „Christian nennt mich unser Komteßchen, doch Jante Licia sagt, das sei nicht recht, ich sei nur die kleine Lilian."

„Tante Felicia hat recht in allem, was sie denkt und sagt, mein Liebling," sagte der Pfarrer bewegt, „Du hast einen Schutz­engel bei Dir, der Dich sicher über alle Klippen und Fährlichkeiten des Lebens hinwegführt. Gott erhalte Dir den kind­lich reinen Sinn recht, recht lange, mein Kind!"

Lilian, die nach Kinderart rasch von einem Gegenstand zum andern absprang, sah durch die Unterhaltung, die nun in das Allgemeine überging, sich vernachlässigt. Unruhig trippelte sie in dem Zimmer auf und ab. Sie hatte genug gegessen. Kinder gab es hier auch nicht, und das leise, gleich­mäßige Ticktack der alten Schwarzwälderin begann sie zu langweilen.

„Tante Licia, wir wollten doch zu dem Schwalbenmann mit den vielen Kindern gehen," sagte sie bittend.

„Gewiß, Herzchen, wir müssen uns doch die kleinen Patchen erst noch ansehen, bevor wir heim gehen," lächelte die Komteß zu­stimmend Gewäbr, und der Pfarrerin sich zu­wendend fügte sie heiter hinzu: „Meine Paten­zahl hat sich mit heute wiederum um ein Pärchen vermehrt. Der Schwalbenbauer hat mich auf dem Kirchweg abgewartet und weh- und demütig gebeten, ich möchte seine neu­geborenen Zwillinge aus der Taufe heben. Dem Manne kann geholfen werden, und nun auch meine Friedensmission gut abgelaufen ist, geschieht es freudigen Herzens."

Sie hüllte Lilian in ihren seichten Mantel, nahm ihren Seidenshawl, Hut und Schirm und richtete sich zum gehen.

Pfarrers geleiteten ihre lieben Gäste bis vor Die Hausthür, und erst nachdem Felicia dem würdigen Paar das Versprechen abge- nommen, am nächsten Sonntag ihre Gäste zu sein, verabschiedete man sich gegenseitig auf das herzlichste.

„Schwalben und Kinder bringen Glück," sagt der Volksmund. Beim Schwalbenbauer wurde man davon nichts gewahr.

Diekleine Lilian schlug wohl vor lauter Entzücken die Händchen übereinander, als die vielen, vielen Vögelein schwatzend und schwirrend über ihre Köpfe hinwegflogen, sie konnte sich nicht satt sehen an all den künst­lichen Schwalbennestern, aus denen überall kleine Köpfchen neugierig hervorlugten, doch drinnen in der niederen Wohnstube sah es recht dürftig und ärmlich aus. Dennoch fühlte sich das Kind unter der gesunden, paus­bäckigen Nachkommenschaft des Schwalben- bauers vorerst wohler, als vorhin in der Stille des Pfarrhauses.

„Zehn Kinder brauchen Brot, gnädige Komteß," sagte die Bäuerin, die den vor-

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Zu Ofiirgsteir.

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Es grünt die Welt, ein weiter Garten,

Ein sonnenüberstrahlt' Gefild,

Im Frühlingsglanz, dem längst erharrten

Im Düfterauschen, süß und mild.

Und über blütenreiche Matten weht leis des großen Gottes Hauch — Geschrieben steht's im Waldesschatten:

Nun

fei’re Du Dein Pfingsten aucht —

Dem was

Baume gleich, dem reich entsprossen,

Dstern knospend er verhieß

Und gleich den Blüten, voll erschlossen,

Ein farbenprächtig Paradies. —

So sollst auch Du, der auch erstanden

Am Dstertag nach langer Nacht

Abwerfen noch die alten Banden Dich beugen vor des Herrgotts Macht! —

Es ist ein wundersamer Glaube,

Der Herr schützt seine Jüngerschar!

Auf leiser Schwinge, gleich der Taube, Umweht sein Wort Dich ernst und wahr.

Wie einst mit tausend Feuerzungen Die Jünger sich zum Herrn bekannt,

So fühlst auch Du Dich neu bezwungen Durch Deines Gsierglaubens Land.

F. Hornig.

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nehmen Besuch mit einem tiefen, respektvollen Knix empfangen hatte, mit einemStoßseufzer, der aus gepreßtem Herzen kam. Trotz der Muttdrsorgen ruhte ihr Blick wohlgefällig auf den zahlreichen, kerngesunden Flachslöpfen,

welche sie umgaben. .

„Die Welt ist weit und groß, und ein jedes Ihrer Kinder wird später sein Fort­kommen finden," tröstete Felicia liebreich.

~ '' *' ‘ end ein Anliegen auf dem

„Habt Ihr trat Herzen, so sprech-

Herzen, so sprecht es ungescheut aus, soweit es in meiner Möglichkeit liegt, will ich gern hilf­reichen Beistand leisten!"

DieBäuerin zögerte eineWeile, dann sagte sie gedrückten Tones: „Die Gemeinde ist wohlhabend und spart, wo es nur immer geht, anstatt den Kleinbauern aufzuhelfen. Mein Bauer ist sparsam und schafft willig und ist gottlob auch kein Trinker. Allein zwei Arme

genügen nicht, den Notstand abzuschaffen. Unser Viehstand ist nur gering. Könnten wir uns noch ein paar Kühe und ein Ackerland kaufen, kämen wir schon: besser vorwärts. Die Kinder werden ja immer größer und kräf­tiger und dazu streng zur Arbeit angehalten."

Felicia überlegte still. Sie gab, P und oft, allein ihr Vermögen reichte M Um all den Anforderungen, die an fit; traten, gerecht zu werden, hätte es 6 fache Hohe haben müssen. JhrW

ließ es nicht zu, die Frau abschlägig M scheiden. Nein, sie wollte nicht säumig Ä in ihren Menschenpflichten. Wer ■ sagen, was der kommende Tag öring™ sie morgen noch im stande wäre, das (■ thun, das sie heute unterließ.

So manchen Menschen, den ihr daiM nahe gebracht, deckte Mutter Erde, Eli» Schwester moderten längst in der Ahr» Für wen wollte sie die Schätze sanm» der Rost fraß? Ein warmes Leuchte«» ihre Augen.

„Der Schwalbenbauer soll bmM welche Summe er zur Verbesserung W ökonomischen Verhältnisse benötigt'« sie gütig. „Aus meinen eigenen W will ich Euch das Kapital, Dow« einige Jahre ohne Zins, späterhin mäßige Verzinsung zur Verfügung M doch knüpfe ich die Bedingung dieses Abkommen unter uns bleibt. W diese Weise hoffe ich Euch die wÄM Hilfe zu gewähren und für die ist Täuflinge werde ich ein übriges thu» Sie reichte der Bäuerin, welch» Freudenthränen über die verhärmten« gen flossen, beruhigend die Hand. ■ Lilians Freude an dem zWM Nachwuchs der Bäuerin Hate sich merklich abgekühlt. Auf ihr bew-M Bitten hatte Grete, das älteste dei« chen, ihr einen der Zwillinge auf die W chen Aermchen gelegt. Mit der gebildeten Würde des verantWU-M Amts stieg die kleine mit ihrer Last' mal in der Stube auf und ab. M das Neugeborene ganz unvermittAs« jämmerliches Weinen ausbrach, k» ™ vor Schrecken beinahe zu Boden Auch ein weiterer Versuch, mit den. ren Kindern sich zu verständigen, 1^« unbefriedigend aus. Die dralle« fM und Mädchen schauten sehr einfaltV-M als Lilian mit ihrem silberhellen ■ chen kleine Gedichte und Marchefs ten vortrug und die dicke, bockbeim^M behauptete steif und fest, der gesagt, „Feen gäbe es überhaupt nw der Welt . ' M

Lilian geriet außer sich, Zweifel in ihrer Wahrheitsliebe, ^ ^, die Glaubwürdigkeit ihrer fin”»M zählungen zu bekräftigen, sagte %flll zer Genugthuung: „Herr PfNm M hat gesagt, meine Tante Licia N, W encget und eine gute Fee, die allen

Die Bauernkinder brachen ein respektwidriges Gelächter aus, Lilians Ehrgefühl noch beleidigen" wie der Zweifel in ihre Märchenfte»- ^ „Die gnädige Komteß ist un « u Komteß und unsre Gutsherrschall, ■ r rebellische Bauernkind unverfroren 3

Wort.

Lilians Geduld war nun erja^-, schuchtert flüchtete sie sich zu ihrer B . Auch die Komteß war ruhebediw ,'; Tag hatte verschiede.-:'lci Eindrücke „ Mit freundlichen Abschiedsworten l sie das an Kindern und Schwalben gesegnete Bauernhaus. @ Draußen machte Lilian ihrem „Tante Licia, Du bist auch M s ^ den Schwalbenkindern," sagte sie „Die dumme Grete will nicht glauben, j I gute Feen giebt und der Herr Pwlur • gesagt: Du wärest eine Fee, Ivel«-

I bringt."