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1900

Na 18

Beilage

Dersfelder Kre

Verlag »-n »llüwrg Funk'« Buchdrucker»«^, tzerrjeld

AünßlerbluL.

Neman von Louise Kämmerer.

6

iKöttieyun^)

Oskar

.^D^gbert fand seinen Bruder außer Lebensgefahr, doch in einem BUMf völlig zerrütteten körperlichen und seelischen Zustand, der die größte °chonung verlangte und auch als er nach fei­ler Genesung ättf Wunsch seines Bruders 5 die Residenz übersiedelte, blieb er finster und wortkarg und war zu einer Mitteilung über die Ursache des Duells durchaus nicht zu bewegen. Später cr- offntte er seine Advokatenpraxis in der Residenz, doch entweder scheute sich das Publikum vor dem gräflichen Titel des «erkannt tüchtigen Juristen, oder trug ^me vornehnie, ruhige Art des Umgangs die Schuld, genug, er wurde nur wenig Mcht, und seine Klienten beschränkten ich auf eine geringe Zahl. Erst nach­dem er eine reiche Witwe aus den vor-

Blumenpracht und führte im Dolksmund den NamenRosenvilla". Durch das kunstvolle Eisengitter, welches das kleine Eden von den neugierigen Blicken der Außenwelt schied, schimmerte es in herrlichster Blüten- und Far- benpracht.

Prächtige Marechal-Niel-, Purpur-, Moos- und Theerosen, niedrige Centifoliensträucher und Fliederhecken umfriedeten die künstlichen, aus kostbarstem weißen Marmor hergestellten

"chmsten ältesten Adelsgeschlechtern des smdes geheiratet, hatte sich seine Praxis Mutend vergrößert. Die beiden Brü- er jagten eine fast ideale Zuneigung i» ktiiauder, die auch im Laufe der Jahre durch die veränderte« Familieuver- Wmsse nicht im geringsten sich vermin-

uiid auch die beiden Schwäge- hatten, trotz des verschiedenen

'Mgsgrades und der verschiedenen ^misansichten im freundlichen gesell- 'NÜdjen Verkehr gestanden. Oskar W den Tod seiner Schwägerin auf- , W bedauert und sich gegen die Ver- Mng Egberts mit Irene Lambert sehr "^chnend verhalten.

h M bunter, bewegter Reihenfolge Men die Bilder der Vergangenheit an Egberts Gedankenwelt vorübergezogen er hax ßc jm Geist noch einmal

schiebt. Nun er sich aber der Wohnung «nes Bruders mehr und mehr näherte, ver- ,an9famte er seinen Schritt.

. Graf Oskar hatte sich kurz nach seiner Ver- 'Lotung sei» Heim außerhalb der verkehrs- Mn, flutenden Hauptstraßen auf einem Menzug erbaut, so daß er stets den Anblick großartigen Alpenwelt, die wie ein präch- Panorama sich hinzog, vor Aitgeu hatte, buntgemalten Spitzbogenfenster des mit- '"grvßen Baues warfen, Dom Sonnenlicht "'"^leuchtet, weithin farbige Reflexe. Bis 1Un' Dach hinauf rankten sich Rosen, und das Unze Gebäude lag wie vergraben in üppiger

ließ Riedel die große Schere, mit welcher er einigen Schmarotzern zu Leibe gegangen war, fallen, und kam seinem ehemaligen Zögling mit unverhohlener Freude entgegen. Egbert umfaßte mit kräftigem Druck die dargebotene Hand und sagte im warmen Herzenston: Immer der alte Riedel, nur daß er statt Menschen jetzt Pflanzen zu veredeln sucht."

Riedel, der am Anfang der fünfziger Jahre stand, war ein Mann von schlichtem, biederem Aussehen und einem frohgemuten Wesen, das wohlthuend berührte. Beide Bruder hatten ihm eine treue Anhänglichkeit be­wahrt und ihn dauernd an sich zu fesseln gesucht. Auf Oskars Ansuchen hatten sie sich später dahin geeinigt, daß Riedel seinen ständigen Wohnsitz mit Verpflegung von Oskar erhalten, von Egbert jedoch ein anständiges Jahres­einkommen beziehen solle. . Um diesem Wohlihätigkeitsakl jeden Anstrich eines Gnadengeschenks zu nehmen, hatte ihn Oskar zu seinem Privatsekretär und

Kum Geburtstage

des KronxrinM

nm 6. Mai 1 900.

Wilhelm

nie

Reisebegleiter ernannt.

Und hier wie dort dieselben Er­fahrungen, Graf Egbert," erwiderte Rie­de! lächelnd,die wilden, überschüssigen Triebe suchen die edlen Teile zu über­wuchern und zu verdrängen, und nur durch eine rechtzeitige Ausrottung kaun man dem Verderben entgegenarbeiten^"

Unser Riedel versteht das, und hat die Nutzanwendung auf unsre Erziehung nugewendet," gab Egbert zur Antwort. Wir waren nahe daran zu verwildern, wer weih, wie es ohne Ihr Dazwischen- kommen gegangen wäre, lieber Riedel. In der Jugend überschreitet man nur allzuleicht die Scheidegrenze von dem, was recht und unrecht ist, lenkt uns aber eine sichere Hand und ein gesunder Wille, so finden wir den richtigen Weg zurück. Wo ein sittlicher und morali­scher Halt gelegt ist, kann der Mensch verloren gehen I Ist mein Bruder zu

Springbrunnen, die inmitten grünender, saf­tiger Rasenflächen angelegt waren. Nach rück­wärts nahmen die Anlagen den Charakter eines Parkes an. Ernste, dunkle Tannen und Fichtengruppen wechselten mit schlanken, lich­ten Birkenbäumen ab, und dazwischen leuch­tete eine prächtige Rotbuche. Breitblätterige Fairen strebten kräftig aus dem Moosboden i hervor, und die wahrhaft idyllische Ruhe ' rings umher vervollständigten den WaldeS- ! zauber.

Als Egbert die Gartenpforte durchschein,

Hause?"

Gewiß, Graf Oskar ist mit Reisevor- bereitungen beschäftigt, er beabsichtigt nämlich, in diesen Tagen seine schon längst geplante Nordlandreise anznlrcicn."

Selbstverständlich geht er nicht ohne sei­nen unentbehrlichen Reisebegleiter Riedel," entgegnete Egbert im leichten Scherzton,doch diesmal lege ich ein Veto ein; bevor Oskar die heimatliche Scholle auf lange Zeit verlässt, hat er noch brüderliche Pflichten zu erfüllen, Pflich­ten, die in seinen Reiseplänen eine kleine Ver nnderung hervorbringen. Nach endgültigen