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Sprachen und Sprachkundige. Karl V. behauptete, die spanische Sprache fei "ba. um mit Gott zu reden, die lateinische, um öffentliche Re­den zu halten, die italienische für Gesandtschaften, die polnische, um den Teufel in die Hölle zu jagen, die französische, um ---- bei Hof und bei Frauenzimmern sein Glück zu machen, die deutsche, um im Kriege zu befehlen. Er selbst verstand alle diese Sprachen, ferner ist unter den Monarchen Katharina II. von Rußland alS Sprachkundige berühmt, und aus dem Altertum Mlthridates der Große, König von Pontus. Giovanni von Mi- randola kannte mit 18 Jahren 22 Spra­chen, und der Kardinal Mezzofanti soll mit 36 Jahren 18 Sprachen und jgegen das Ende seines Lebens sogar 58 Spra­chen gesprochen und verstanden haben. Dennoch würde selbst die enorme Sprach- kenutnis des Letzteren noch nicht ent« 'ernt hingereicht haben, auf einer Reise um die Welt alle Völker zu verstehen denn man hat die auf der ganzen Erde bestehenden Sprachen auf nicht weniger denn zwei bis dreitausend berechnet, wo« von uns 860 wirklich bekannt sind und 53 auf Europa kommen. Sehr verschieden ist der Wörlerreichtuni der einzelnen Sprachen: die chinesischen Wörterbücher enthalten 42718 Wortcharakrerc, der eng­lische Wörterschatz umfasst 43566 Wörter, während Sanders deutsches Lexikon deren

300000 bis 400 000 enthält.

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Die alte Neckarbrücke in Tübingen.

(Zu unserm Bild auf der ersten Seite.)

lese alle Brücke, welche unter dem Grafen Eberhard im Bart (geb. 1445, gest. 1496) erbaut und von welchem die Stadt T ibin- gen auch mit der Universität beschenkt wurde, war seinerzeit durch die Eröffnung der Holzflößerei sehr einträglich. Die alte Brücke war reich an historischen Erinnerungen, unter.andern, wurde hier oberhalb des flutenden Neckarstrome- im Jahre 1498 dem Kaiser Maximilian I., der zum Besuch in Tübingen weilte, ein großes Prunkmahl gegeben. Der zwischen Preu­ßen und Württemberg in diesem Jahre abgeschlossene Staatsvertrag besagte, daß spätestens bis zum 31. Dezember die Straße zwischen Glatt und Neckar­hausen vollendet und dem Verkehr übergeben sein müsse, und daß von diesem Zeitpunkt an das Flößer­geschäft auf dem Neckar oberhalb der Enzmündung aufzuhören habe, wie solches auch geschah. Damit war der Neckarflößerei überhaupt das Urteil ge­sprochen. Die am Neckar belegenen Städte und Ort, schaften werden die Neuerung seltsam empfinden; hatten ihre Bewohner doch von Kindesbeinen an Floß und Flößer kennen gelernt, und hatte sich doch zwi­schen den Ortsbewohnern und den in regelmäßigen Zwischenräumen anlangenden Flößern ein eigen­tümliches Freundschaftsverhältnis Herausgebilder. Ausgangs November versammelten sich die Tübinger Studenten zum letztenmal auf der steinernen Brücke. Da gab's ein Tücherschwenken und Zutrinken ohne Ende die letzten Flößer waren angcmeldel, und zum letztenmal erscholl der vielhundertstimmige Ruf: »Jockele, sperr!« Dann fuhren die Flöß-r weiter stromabwärts, nach Reutlingen zu; am folgenden Tag« langten sie in Eßlingen, der einstigen freien Reichsstadt, an; hier wurden die Flöß« verkauft und anseinandergenommen die Neckarslößerei char für alle Zeiten beendigt. Auf der neuen Neckarbrücke wird ein Standbild des Grasen Eberhard im Bart, welcher der Schöpfer der Universität Tübingen und irdaner Wt eitel Brücke war, errichtet werden.

Geld oder Grden. General Seydlitz erstat­tete einst Friedrich II. Bericht über eins jener klei­neren Gefechte, wie sie fast täglich im siebenjäh­rigen Kriege vorfielen und erwähnte dabei lobend eines Hauptmanns, der sich durch seine muster­hafte Anführung und Tapferkeit ausgezeichnet und daher einen Orden verdient habe. Der Kö­nig ließ den jungen Offizier zu sich bescheiden und sagte freundlich zu ihm:Er hat sich, wie ich gehört, brav gehalten. Ich will Ihn dafür be­lohnen. Hier liegen hundert Friedrichsdor und hier der Verdienstorden, wähle Er." Ohne sich

Griginal-Verlerbild (Gesetz vom IL/VL 70.)

Wo ist der Reiter? Erklärung folgt in nächster Nummer.

einen Augenblick zu bedeuten, griff der Offizier nach dem Gelde.Ehre scheint er doch nicht im Leibe zu haben," sagte der König etwas unwillig. Verzeihen Eure Majestät," erwiberte der Offizier freimütig,ich habe Schulden, und die Ehre ver­langt, daß ich sie zunächst bezahle. Den Orden werde ich mir schon in einigen Tagen nachholen." Brav, mein Sohn " sagte Friedrich, dem Haupt­mann auf die Schulte? klopfend,nehme Er den Orden auch nur gleich mit, Er verdient ihn "

Auch eine Ausrede. Gast:Jetzt esse ich schon vierzehn Tage hier und immer giebt* dieselben Gerichte. Woran liegt denn das?" Kellner:Daran ist der Lithograph schuld, Euer Gnaden, der hat die Speiskart' Halt nit anders druckt."

Erklärung des üebus

aus

voriger Nummer:

Lharakterstudiunr. In einem Vortrag über das Thema, glücklich zu werden, sagte die Redue- rin:Jede unverheiratete Dame sollte ihre Schwächen und Fehler gründlich studieren." Warum nicht auch die verheirateten?" fragte jemand unter den Zuhörern.Dessen bedarf es nicht. Das besorgen deren Gatten mit größter Gründlichkeit."

Markgraf Karl Friedrich von Baden ritt einst in Begleitung eines Kavaliers auf das Schloß Ebersteinburg. Ein Bauer war ihr Führer. Karl Friedrich trat etwas weit auf das alte Gemäuer hinaus; der Bauer, weither neben ^m stand, zog den entfernter stehenden Kavalier beim Aermel zu dem Fürsten hin und sagte:Stell' er sich hier­her; ich will nicht dabei sein, wenn der Markgraf da hinunterfüllt."

Auch eine Kritik Als im Jahre 18U dem Herzoglichen Theater zu Weimar zum mal GoethesNatürliche Tochter" gut Auffübn» kam, wollte es der Zufall, daß zwei Jenen beutelt neben der Parkettloge des der VorsieUx beiwohnenden Dichters ihre Plätze nahmen. »2 dem der erste Akt ohne ein Zeichen von vorüber war, fragte der eine der Musensöhne andern:Du, von wem ist denn eigentlich? Ding?" Ei, von wem anders als bon & pius." - Goethe hörte dies unb sagte ärgE Sie irren, es ist uoit Goethe."Pah,"^ der Student, welcher Goethe nicht kM- ----- geringschätzig das Wort,das glaub) nicht."Meine Herren," erwiberi der Dichter etwas gereizt,das mu6« besser wissen, denn ich selbst habe!« Stück geschrieben, und ich heiße'Goei? Die Studenten schwiegen, tb* verblüfft. Als aber das Stück doML der Vorhang gefallen war unb. h j erwartete Beifallssturm nicht loSbte^l wollte, trat einer der MusenjiüP-,v Goethe heran, klopfte die. EM« U vertraulich auf die Schulter und M K Scheit Sie, bester Herr, das StUfB doch von Bulpius! Es hat ja niest; Ä zogen." Ein etwas derbes, aber n I ganz unpassendes Urteil dieses d-k- dichterischer Schönheiten als TheatnfL s verunglückten Werkes. fei Aberglauben. Auch Metterntzi^ gewiegte Diplomat, hatte seine bef® dere Art von Aberglauben. Er tat in keine Unterredung von Wichtigkeit^, erledigte kein irgend uenncnsivM

Staatsgeschäft, bevor er nicht sein Kartenornkel befragt hatte. Dich Orakel war ein Patiencespiel. Au; die Patience auf, dann begab Metternich an die Geschäfte, niißglick dagegen das Spiel, so verschob er feint Arbeit, die betreffende Besprechtiq oder was es sonst sein mochte, auf einen anbeti Tag.

Einer der redefertigsten Parlainentarm bei dessen Reden die Quantität der Qualität oft febr überlegen war, hatte zum' Ergötzen fein« Kollegen, die den Herrn persönlich nicht gerate verehrten, eine sehr wirffanie Abfertigung erhalten. Sie haben," sagte jener Parlamentarier zu einem andern Mitglied des Reichstags,bei unsern Sitzungen noch nie den Mund auf gethan* - Bitte sehr," erwiderte der andre,ich habe in Jhreit Reden sehr oft gegähnt."

Ahak Erster Schauspieler:Mir ist esM! f egal, was die Rezensenten über mich schreibest' i Zweiter Schauspieler:Mir auch! Uber daßst es drucken lassen, das ist mir oft recht fatalst

ZahkenbuchstabeuriiA'el.

1, 2, 3, 4, 5, Beleuchlnugsgeg'eilstaud,

2, 3, 4, 5, 1, ebenfalls.

Zweisilbige Scharade.

In der ersten heil'gen Raum Patzt das heitre Zweite kaum, Nur wenn es die Orgel thut,' Hält man solches ihr zu gut, Und das Ganze? Mancher hält Es schon für die ganze Welt

Uerschiev-Rätsel.

1. Ich sage Dir, Papa, der bornierte Mensch hat mich geärgert.

2. Der Arme hat es schwer in so schlechter Zeit.

3. Glaube nur, Franz, erbst Du einmal etwas, wird es nidjt »H sein.

4. Viel Bewegung reizt den Avvetit.

5. Wie das geschah? Er forderte den Beleidiger und schob 's nieder.

6. Die ägyptische Isis konnte auch bei den Römern lange ta- Ansehen einer Göttin geniesten.

tAnflösnngcn folgen in nächster Nummer)

des

Auflösungen aus voriger Kummer:

-.- Rätsels: Ei» rundes ,8"; des Silben-kaMräl»- Aller, Lerche, Angel, Fanggerät, Ister, Schwermut (Aittt Anfall» ist schwer"); der Rätselfrage: Neujastrstag. __

Nachdruck nun dem 3nbalt d. BL verdate».

__________Geje« vcm 11,/vi, 70_________ Berantwortlicher Redacteur W Herruiaiiii, BerlinTM _ Druck unb Verlag von

«dring * Fshrenholtz, Berlin s. 42, Pnunmtc. «4