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Illustrierte

LandwirtsthaMcheWeilage pm »Hersfelder Kreisvlatt"

Rr. 7.

Hersfeld

1899

N i Inhalts Verzeichnis: Der Luftröhrenschnitt beim Pferde (mit 2 Abbildungen). Ansaat von Wiesen und Weiden mit Kleegemenge. Kalkdüngung. Der Schildkäfer. Bestimmung der Himmelsgegend, bit I Kniffe beim Pferdehandel. Zubereitung des Pferdefutters. Ueber Verfütterung von Heu und Stroh an Schafe. Keine faulen Kartoffeln füttern. Eierprüfer mit Scheinwerfer (mit Abbildung). Da»

Weiden mit Kteegemenqe. Kalkdüngung. Der Schudkafer. Bestimmung der Himmelsgegend. Kniffe beim Pferdehandel. Zubereitung des Pferdefutters^ Ueber Verfütterung von Heu und Stroh an Schafe. Keine faulen Kartoffeln füttern. Eierprüfer mit Scheinwerfer (mit Abbildung). Da» Faust- oder Eteppenhuhn. Knochennahrung für Geflügel. Truthenne zum Brüten. Pflanzenschutz, vom Kgl. Gartenbau-Direktor Koopmann-Wernigerode. Ein Baumgut oder eine Baumwiese gründlich zu verbessern. Unsere Blumentöpfe. Verkannte Freunde des Menschen unter den Tieren, Zoologische Skizze von Fritz Witt. Wetter-Vorausbestimmung vom Frühjahr 1899 bis Ende 1900. Sinn- sprüLe für den Tierschutz. Feuchte Wände. Ochsen-, Rind- und Hammelfleisch frisch zu erhalten. Honig, auf Leinwand gestrichen, ist ein vorzügliches Hausmittel. Briefkasten.

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(Mit 2 Figuren.)

Der Michelbauer hatte seinen Knecht mit den beiden Braunen in den Wald geschickt, um eine Fuhre Holz zu holen. Der Weg Bis zum Holzplatz war weit und ein kalter Wind trieb Schnee- und Regenwolken von Westen her. Wiederholt durchnäßt, dabei aber übermäßig schwitzend und dampfend, kamen die Pferde endlich an dem Platze an, wo das Holz aufgeladen werden sollte.

Es war eine kahle, abgeholzte Anfuhr, wo die Pferde Rast machen konnten. So sehr auch der Knecht herum- spähte, nirgends sah er eine geschützte Stelle auf der öden, baumlosen Fläche. Er deckte die schwitzenden Pferde so gut es ging mit den mitgebrachten alten Pferdedecken zu. Die vielfach durchlöcherten, alten und schadhaften Decken boten aber keinen hinreichenden Schutz gegen das Unwetter. Zitternd drängten sich die Pferde gegen eine Reihe auf­geschichteter Holzscheite, doch Alles war vergeblich; sie mußten sich eine tüchtige Erkältung zuziehen. Das Aus­laden dauerte lange Zeit, da der Knecht nur einen jungen Burschen bei sich hatte.

Fig. 1. ^ferd «ach dem KehlllapfschkUt»

») Feuchtwarmer Verband bei Halsentzündung, b) Kanüle.

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36^1 tiS^J Hick M Befolg: schenU ungen M ocheo Essig Ü

Endlich war der Knecht mit seinem Gehülfen fertig und Me waren froh, daß sie die frostige, windige Höhe ver­lassen konnten. Der Handgaul, ein junges, hübsches, aber «bvas zartes Pferd, hatte sich offenbar tüchtig erkältet. Nach kurzer Zeit fing er zu husten an, unlustig und matt schritt er neben dem viel robusteren Gefährten einher, dem der Wind und der eisigkalte Regen nicht so viel ge­schadet zu haben schien. Als die Pferde nach mehreren Stunden in ihrem warmen Stall angekommen waren, da stel das Sattelpferd alsbald über das Futter her; trefflich ließ es sich Hafer und Häcksel und das gute Heu schmecken. Das Handpferd hatte aber keinen rechten Appetit, es ver­zehrte nur zwei Drittel seiner Portton. Dagegen zeigte <8 sehr viel Durst.

Schon während des Freffens legte sich das Handpferd nieder, auch hustete es wiederholt sehr kräftig. Dem Knechte siel dieses Benehmen des Tieres auf; er sah aber, daß vorerst noch keine Gefahr bestehe, und deshalb wollte er mit einer Anzeige bis zum andern Morgen warten.

Am andern Morgen war aber das Pferd noch matter und trauriger. Es versuchte wohl zu freffen, das Kauen und Schlucken machte ihm aber offenbar Schmerzen, denn «s brauchte jedesmal eine geraume Zeit, bis ein Bissen Getaut und abgeschluckt war. Besonders schmerzhaft schien bem kranken Tier das Abschlucken von Häcksel und Hafer ^Mein. Zuweilen bemerkte auch der Knecht, wie da» Md wiederholt das Maul etwas auffperrte und Kau- ^togen machte.Dem Pferde muß etwas im Halse W sagte der Knecht, als der Mchelbauer in den Stall 9 kam.

v Bauer sah einige Zeit dem Pferde zu. Er ließ ^felben etwas Hafer und Häcksel bringen, da bemerkte an "ie das Pferd nur ganz vorsichtig zu kauen anfing. ar mit vieler Mühe der gekaute Bissen abgeschluckt, dann

<3nnICnt"ommtn demPraktischen Wegweiser,* Würzburg. Wir 40 s^.^" Probe-Abonnement auf diese vielseitige, wöchentlich bis zu das rJ^ starke Zeitschrift umsomehr unseren Lesern empfehlen, als frei tnaR1 der allen Postämtern und Briefträgern nur 30 Pfg., Haus 45 Pfg. kostet.

den Grund der Ohren an, der heiß war. Als der Bauer

dem kranken Braunen auch noch in die Ohren griff, schüttelte Kanüle erworben. Der Tierarzt ließ dem kranken Pferde

er nur ganz wenig mit dem Kopfe.

Der Mchelbauer ließ dem Pferde jetzt einen Kübel warmen Kleientrank bringen. Dasselbe nahm einen Schluck, aber das Abschlucken ging auch hier schwer. Zu seinem größten Schrecken bemerkte jetzt auch der Bauer, daß von dem gesoffenen Getränk wieder ein Teil zur Nase herab- floß.Dem Pferde fehlt es wahrhaftig im Halse, es kann ja nicht mehr recht schlucken," sagte er zum Knechte. Er drückte hierauf mit der Hand etwas leicht auf den Kehlkopf, das Pferd suchte aber dem Drucke auszuweichen. Es hatte offenbar Schmerzen beim Drücken des Halses und der Kehlkopf schien auch recht reizbar zu sein, denn es hustete, bei einem wiederhotten Druck in der Gegend des Kehlkopfes, 45 Mal hintereinander und jedesmal sehr kräftig.

Der Mchelbauer brächte hierauf etwas warmes Schweine­fett und die Bäuerin kam mit einer Schürze voll Werg in den Stall. Das Fett wurde dem Handpferd in der Kehlgegend eingerieben. Dies schien ihm einige Er­leichterung zu verschaffen, denn es verhielt sich ganz merk­würdig ruhig bei der Einreibung. Als dies geschehen war, umwickelte der Bauer den Hals des Pferdes mit einer dichten Schicht Werg und die Bäuerin nahm eine alte Schürze und befestige damit das Werg gut am Halse. So meinten die guten Leute, Alles gethan zu haben, damit der Braune wieder gesund werden könne. Sie sollten sich aber bitter täuschen.

Mttags fraß das kranke Tier gar nichts mehr, das Husten wurde noch ärger und gegen Nachmittag fing es zudem noch schwer zu atmen an. Jetzt bekam der Michel­bauer doch recht große Angst und schickte sofort zum Tier­arzt in die Stadt.

Dieser kam nach 4 Stunden und untersuchte das Pferd. Der Zustand des Tieres war indessen ein recht bedenklicher geworden; das Atmen wollte gar nicht mehr gehen, nur mit der größten Anstrengung bekam das arme, vor Angst zitternde Tier noch die notwendige Luft und schon draußen im Hofe hörte man das Rasseln in seinem Halse. Der Tierarzt erklärte, daß die große Gefahr einer Erstickung bestehe, wenn man nicht sofort dem Tiere durch eine Operatton Hilfe bringe.

Es muß sofort ein Stück aus der Luftröhre heraus­geschnitten und ein Metallrohr eingesetzt werden, sonst erstickt das Pferd in 23 Stunden," erklärte der Arzt.

Er ließ sodann das Pferd in die Nähe eines Fensters führen. Hierauf machte er mit einem scharfen Messer der Länge nach an der Kehlseite des Halses einen Schnitt bis auf die Luftröhre, wobei das Tier gar keinen Widerstand zeigte. Es genügte das Aufheben des einen Vorderfußes, um das Pferd zum ruhigen Stehen zu bringen. Nach dem Längsschnitt durch die Haut schnitt der Tierarzt noch ein markstückgroßes Knorpelstück aus der Luftröhre heraus.

Der Erfolg war ein geradezu überraschender. Er­leichtert atmete jetzt das kranke Tier, das Rasseln und Röcheln im Kehlkopf verstummte plötzlich, die Luft strömte aber jetzt zu dem in die Luftröhre eingeschnittenen Loch aus und ein.

Vor der Operation war das Pferd wie betäubt, es schwankte, zitterte und drohte beständig umzufallen. Kaum waren 10 Minuten verflossen, da blickte es sich wieder ganz frisch nach den im Stalle anwesenden Personen um. Es versuchte auch zu fressen. Das Abschlucken wollte aber noch nicht recht von statten gehen. Die Wunde in der Luftröhre schien das Pferd kaum zu merken, auch war fast gar keine Blutung eingetreten. Mit großer Freude betrachtete der Michelbauer sein krankes Pferd, dessen Zustand jetzt wesentlich besser schien.

Das eingesteckte Rohr ließ der Tierarzt noch mit einem Lederriemen am Halse festbinden, damit es nicht heraus­fallen konnte.Das war dieses Mal hohe Zeit! In einer Stunde hätte das Pferd kaum mehr gelebt. Jetzt ist aber alle Gefahr vorerst vorüber," sagte er zum Mchel­bauer und zeigte diesem, wie man das Rohr herausnehmen, reinigen und wieder einsetzen solle. Nach den ersten, etwas ungeschickten Versuchen hatte sich der Bauer bald die nötige

Fertigkeit zum Herausnehmen und Wiedereinfuhren der

noch einen feuchtwarmen Umschlag machen. Zuerst wurde ein Leintuch in kalte» Wasser eingetaucht, ausgewunden und um den Hals des Pferdes gelegt, darüber kam nun ein großes Stück Pergamentpapier und zuletzt noch eine wollene Decke. Damit die Decke nicht zu weit am Halse herabgleite, wurde noch ein Riemen an derselben angebracht, der an der Stirn festgebunden wurde. (Fig. 1.) Damit die Decke nicht mehr auseinanderfallen konnte, würben neue Hufnägel eingestochen.

Täglich 3 Mal sollte der Wickel abgenommen, da» Leintuch in frisches Wasser eingetaucht und wieder angelegt werden. Der Wickel leistete vorzügliche Dienste. Schon am andern Morgen ging das Schlucken leichter und beim Saufen floß nur ein kleiner Teil des Trankes wieder durch die Nase ab. Die Empfindlichkeit bei Druck in der Kehlkopfgegend nahm auch von Tag zu Tag mehr ab. Am fünften Tage ftaß da» Pferd bereits mit Appettt

Fig. 2. 38dm K«YNt»pfschnttt -«gewandt« Kannte.

etwa V# feiner gewohnten Portion, auch Fieber schiene» nicht mehr zu haben. Am sechsten Tage in der Frühe bemerke der Knecht beim Eintreten in den Stall, daß die Kanüle nicht mehr an ihrem Platze steckte. Nach langem Suchen fand man dieselbe zusammengetreten in der Streu. Der Riemen war in der Nacht abgerissen und das Rohr herausgefallen. Anfangs war der Michelbauer über da» neue Unglück sehr erschrocken und ganz ratlos, als er aber bemerke, daß sein braver Brauner jetzt wieder ganz ruhig durch die Nasenhöhle atmen konnte, beruhigte er sich bald wieder. Das Pferd hatte auch thatsächlich die Kanüle nicht mehr notwendig. Die Anschwellung im Halse war infolge der feuchtwarmen Umschläge wieder zurückgegangen und da» Atmungshindernis verschwunden.

Bald kam auch der Tierarzt und erklärte, daß da» Pferd jetzt außer Gefahr sei. ES brauche auch keine neue Kanüle mehr eingesetzt zu werden. Er gab dem Michel- bauer noch an, wie er mit einer halbprozenttgen Lysol­lösung die Lufttöhren- und Hautwunde behandeln solle. Auch brauche das Pferd noch etwa acht Tage Schonung. Bei gutem Wetter solle man es eine halbe Stunde lang im Freien herumführen. Da der Rachen noch etwas empfindlich sei, solle man dem Pferde wenig Häcksel, da­gegen gutes Heu und Grummet und etwas gelbe Rüben geben. Wenn jedesmal bei so schweren Halsleiden der Pferde der Tierarzt gleich geholt und der Luftröhrenschnitt gemacht würde, dann würden wenig Pferde an der oft so gefährlichen Halsentzündung zu Grunds gehen," sagte der Tierarzt noch beim Abschied.

Nach 10 Tagen war die Luströhrenwunde fast gänzlich geheilt und nach 14 Tagen wurde der gute Braune wieder eingespannt.

Landwirtschaft.

Ansaat von Wiesen und Weiten mit Klee# gemenge.

Die Saatstelle der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft zu Berlin 8. W. hat die Einrichtung getroffen, ihren Saatenbeziehern durch einen hervorragenden Sachverständigen auf Wunsch Saatengemisch zu Wiesen, Weiden und Mäheklee für bestimmt bezeichnete Boden- und WirtSschaftsverhältnisse Vorschläge aufstellen zu lassen. Dann werden die einzelnen Saaten durch die Saatstelle unvermischt bezogen, damit