Die Antwort auf erste Frage lautet:
Eine direkte Düngung ist überflüssig, denn die Stoppelsaat muß ihren Bedarf an Nährstoffen noch von dem Neber- schuß sicher und reichlich decken können, der als Düngung zu der vorangegangenen Hauptfrucht gegeben worden ist. Deshalb muß es aber Grundsatz sein, die Kainit-Phosphat- düngung, denn auf diese kommt es bei den Leguminosen der Stoppelsaaten hauptsächlich an, bei den vorhergehenden Früchten so stark zu bemessen, daß die Zwischenfrucht aus dem Ueberschuß derselben reich versorgt ist und in keinem Falle nach Kali und Phosphorsäure hungert.
Was die zweite Frage anbetrifft, so sprechen drei Gründe für die Zweckmäßigkeit eines Saatengemenges von verschiedenen Leguminosen:
a) Der schärfere Wachstumsstreit unter den einzelnen Pflanzen-Jndividuen, wodurch dieselben befähigt werden, die größte Stenge Stickstoff in Ackerkrume und Untergrund zu sammeln, sowie ein dichtmaschigeres Netz von Wurzeln darzubieten, als Reinsaaten einer Pflanze.
b) Der Umstand, daß man bei Gemengen ihre Zusammensetzung mehr den Bodenverhältnissen entsprechend bewirken kann. Beispielsweise leidet eine Reinsaat verschiedener Leguminosen erfahrungsgemäß oft durch Kalkung. Man sucht ja die Lupine durch gleichzeitige Kainitdüngung hiervor zu schützen, aber gerade bei der Stoppelsaat würde für diese ein sehr schlecht gewählter Zeitpunkt sein. Es empfiehlt sich also mehr die Gemengesaat.
o) Die Gemengesaat erweist sich insofern als eine teilweise Abwehr tierischer oder pflanzlicher Feinde der Einzelarten, als jede Leguminosenart ihre besonderen Feinde hat, welche andere, selbst ihr verwandte, nicht angreifen. Das Auftreten solcher Schädlinge kann daher in einer Gemengesaat nie so verderbenbringend einwirken, wie in einer Reinsaat, v. S.
Mischung von gebranntem und ungebranntem Kalt für Düngungrzwecke.
Auf eine Anregung des Geh. Reg.-Rats Prof. Dr. A. Orth wurde von den Lüneburger Düngerkalkwerken zuerst eine Mischung von gemahlenem, heißem, gebranntem Kalk und gemahlenem, ungebranntem Kalkmergel vorgenommen. Diese Spezialität der Lüneburger Düngerkalkwerke bezweckt durch die eine Düngung mit dem „präparierten Kalkdünger", dem Boden sowohl den schnell und ätzend wirkenden gebrannten Kalk, wie auch den langsam wirkenden ungebrannten Kalk zuzuführen. Das gleichmäßige Mischen wird durch ein Schüttelwerk besorgt.
Der in der beschriebenen Form dem Boden zugeführte Aetzkalk wird naturgemäß für bindigen Boden eine kräftigere lockerndere Thätigkeit entwickeln, als es der Fall sein kann, wenn er als gebrannter Stückkalk vor der Einverleibung in den Boden „trocken" gelöscht war. Der beigegebene gemahlene ungebrannte Kalk, der hauptsächlich als Pflanzen- nährstoff dient, kann billiger geliefert werden, als der gebrannte, und es erscheint deshalb eine Düngung mit diesen beiden Kalksorten gleichzeitig als durchaus rationell.
Auf schwerem, bindigem, kaltem und moorigem Boden ist mehr Aetzkalk anzuwenden, als kohlensaurer Kalk. Auf leichtem, trockenem, Humusarmem Boden wirkt Aetzkalk zu energisch, macht denselben zu thätig, weshalb Aetzkalk für solchen Boden oft geradezu schädlich wirkt.
Weil nun der eine Boden für mehr Aetzkalk, ein anderer für weniger dankbar ist, so wird der sogenannte „präparierte Kalkdünger" der Lüneburger Düngerkalkwerke in verschiedenen Gemengen hergestellt.
Nr. I enthält 45 pCt. Aetzkalk und 45 pCt. kohlensauren Kalk. Da 56 Teile Aetzkalk in 100 Teilen kohlensaurem Kalk enthalten find, so entsprechen 45 Teile Aetzkalk = 80 Teilen kohlensaurem Kalk. Dazu 45 pCt. kohlensaurer Kalk des Gemenges, so entspricht dieses im Gesamtgehalt 125 pCt. kohlensaurem Kalk. Dies Gemenge paßt am besten für schwere, gute Bodenarten.
Nr. II, die gangbarste Sorte, enthält 30 pCt. Aetzkalk und 60 pCt. kohlensauren Kalk, entsprechend 114 pCt. Gesamtgehalt an kohlensaurem Kalk.
Nr. III, für fast alle Boden- und Vegetations-Ver- Hältniffe paffend, enthält 18 pCt. Aetzkalk und 72 pCt. kohlensauren Kalk, entsprechend einem Gesamtgehalt an kohlensaurem Kalk von 104 pCt.
Bei der sehr großen Bedeutung, die eine rationelle Kalkdüngung heute für jeden Landwirt hat, ist es mit Freuden zu begrüßen, daß die Kalkindustrie bemüht ist, für alle Bodenarten geeignete Kalkdüngemittel herzustellen, und verdient das Vorgehen der Lüneburger Düngerkalkwerke nach dieser Richtung hin gewiß volle Anerkennung.
(Jll. landw. Ztg.)
Ein Mahnwert.
Es wird erzählt, daß der verstorbene Professor Stöck- Hardt einst gesagt habe, wer künstlichen Dünger ankaufe und die Jauche vom Hofe fließen ließe, handele wie ein Mann, der das, was er besitze, aus dem Fenster werfe, um es mit vielem Gelde wieder zu kaufen — sei also ein Verschwender! Und von Johann Nepomuk Schwarz, dem Gründer und ersten Direktor der noch heute blühenden landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim, wird berichtet, er habe in einem Dorfe auf die Frage, wie ihm dies gefalle, geantwortet: „Verteufelt schlecht; ich habe in mernem ganzen Leben keine fetteren Wege und magereren Aecker gesehen als hier." Es floß eben die Jauche die Straps hinunter! — Beide Aussprüche find alt genug und doch findet man in der Litteratur immer wieder Hin-
Weisungen auf dieselben. Ein Beweis, daß doch noch verschwenderisch genug mit diesem für die Landwirtschaft so wertvollen Stoffe umgegangen werden muß. Ist nun auch in manchen Gegenden dieses getadelte Wegfließenlaffen der Jauche nicht mehr überaus häufig zu finden, so ist doch zu wünschen, daß überall der Wert derselben hinreichend gewürdigt werde und eine sorgsame Ansammlung der Jauche stattfinden möge. — Aber auch da, wo sie gesammelt wird, geht doch durch Unkenntnis der Verhältnisse oder Gleichgültigkeit der wichtigste Pflanzennährstoff verloren. Dies ist der Stickstoff! Derselbe ist darin als kolensaures Ammoniak vorhanden und kann sich deshalb leicht verflüchtigen, was durch den stechenden Geruch der Jauche sofort erkannt wird. Um diese flüchtige chemische Verbindung in eine nicht flüchtige überzuführen, sind verschiedene Mittel vorgeschlagen worden, worunter besonders der Zusatz von Phosphorsäure empfohlen zu werden verdient. Weil die Jauche gerade an diesem in zweiter Linie wichtigen Nährstoff arm ist, ist es geraten, aus jedes Kubikmeter Jauche 2 kg 50proz. Schwefelsäure mit 1 kg hochprozentigen Superphosphat zu mengen und dieses Gemisch der Jauche zuzusetzen. Das flüchtige kohlensaure Ammoniak wird dadurch in nicht flüchtiges schwefelsaures und phosphor- saures Ammoniak übergeführt, welche beide ausgezeichnete Pflanzennährstoffe sind. Zu gleicher Zeit verliert hierdurch die Jauche ihre ätzende Wirkung auf die Pflanzen. — Ein praktisch vielleicht noch leichter auszuführendes Verfahren, das Ammoniak zu binden, besteht darin, einen Weidenkorb, welcher mit Stroh ausgelegt ist und Super- phosphatgyps enthält, in die Jauche zu hängen.
Dr. F. Bente Ebstorf.
Die Deutsche tandwirtschastr-Gesellfehast besorgt für ihre — jetzt über 11800 — Mitglieder durch die „Dünger-(Kainit-)Abteilung" die Bezugs-Vermittelung von Handelsdüngemitteln zu sehr günstigen Bedingungen, und zwar geschieht das nicht nur für alle direkten Mitglieder, sondern auch für Nichtmitglieder, sofern dieselben veniger als 150 ha Fläche bewirtschaften, Mitglieder eines mrch seinen Vorsitzenden der Deutschen LandwirtschaftsGesellschaft angehörenden landwirtschaftlichen Vereins sind und die Düngerbestellung durch den Vorsitzenden aufgeben. — Die dabei befolgte Art der Provisionsberechnung (Rückvergütung) ist seit 1884 folgendermaßen festgelegt:
1. Für die Unkosten der Bestellungs-Vermittelung wird vorweg 1 v. H. des Gesamt-Umsatzes entnommen.
2. Von der verbleibenden Summe werden drei Viertel den Bestellern nach Maßgabe der bezogenen Zentnerzahl rückvergütet.
3. Aus dem vierten Viertel der Summe wird ein Viertel (also V« der Summe zu 2) der „Deutschen Land- wirtschafts-Gesellschaft" für deren allgemeine Zwecke über- wiesen.
4. Die restlichen V« des vierten Viertels (also Vi« der Summe zu 2) verbleiben der Abteilung für ihre besonderen Zwecke zur ausschließlichen Verfügung.
Es ist gestattet, daß dieser Betrag (zu 4) ganz oder teilweise Verwendung findet: für Lösung von Aufgaben, welche den Anbau und die Verwertung von Kartoffeln, Rüben, Tabak, Flachs u. s. w. betreffen; für Mittel, die rationelle Behandlung des Stalldüngers zu fördern; zu leberweisungen an größere Sonderfachvereine, welche große Düngermengen beziehen oder bezogen haben oder sich als Abteilung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft an- chließen. (Moorverein, Spiritusverein, Stärkeverein, andwirtschaftliche Genossenschaften, Bund der Landwirte.)
Der letztjährige Absatz der Dünger-Abteilung (1897) ietrug 6 300000 Mark, worauf im ganzen 293120 Mark Rückvergütungen aus gezahlt sind.
Praktische ^amfterfaUc.
Die geeigneteste Zeit seim Getreideschnitt, wo
Kamsterfalte.
zur Vertilgung des Hamsters ist man die leeren Flächen bemerkt und die Fallen legen kann. Wir machen daher auf die beistehend abgebildete Draht- Hamsterfalle aufmerksam. Dieselbe ist mit festem Mittelringe versehen, welcher nie verloren gehen kann, und braucht beim Herausnehmen des Hamsters nicht auseinander gebogen zu werden, sondern wird ausein-
ander geklappt, weshalb die Falle auch nie die Form verliert. Es kosten 5 Stück solcher Hamsterfallen bei Franz Zimmer, Wien 6/1, Getreidemarkt 1, 1,60 Mk.
g*r Untersuchung der Getreidesorten, Mehl« und Futterstoffe
soll im Gebäude der Königl. Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin eine Versuchsanstalt errichtet werden, die der Leitung von Geh. Reg.-Rat Pros. Dr. Wittmarck unterstellt werden wird. Die Versuchsanstalt verdankt dem Verbände Deutscher Müller ihre Entstehung und soll sich hauptsächlich mit Untersuchungen über den Gehalt der Körner an den für die Güte des Mehles ausschlaggebenden Stoffen beschäftigen. Daneben soll aber auch ganz besondere Sorgfalt darauf verwendet werden, neue Methoden zu ennitteln, nach denen es möglich ist, geringwertige Ge- treidesorten zu backfähigen Mehlen zu vermahlen. Die chemische Abtellung der Versuchsanstalt wird einfache
Prüfungsverfahren ausarbeiten, mit deren Hilfe jeder Müller selbst den Gehalt und Wert seiner Produkte leich; und sicher bestimmen kann.
|Ä MeSrnchk. ®|
5ft Tränken oder Saugenlassen vorzüglicher?
Das läßt sich nicht allgemein beantworten, sondern ; hierfür sind die in jedem einzelnen Falle in Bettacht I kommenden Verhältnisse maßgebend. Hat man verläßliche Leute, ist man in der Lage, der Fütterung der Kälber W die unbedingt notwendige Sorgfalt und Aufsicht zu teil, werden zu lassen, dann ist das Tränken wegen der damit l verbundenen größeren Gleichmäßigkeit in der Ernährung f und des erleichterten Abfetzens zweifellos vorteilhafter; wo . aber die Verhältnisse so liegen, daß die erforderliche Auf- : merksamkeit, Sorgfalt und Pünktlichkeit nicht beobachtet werden kann, dort muß dem Saugenlassen als dem einfacheren und unter solchen Umständen sicheren Verfahre der Vorzug gegeben werden. Kälber von Erstlingskühen ‘ wird man, wenn das Saugenlassen angewendet werden ■ soll, neben der Mutter so anbinden, daß sie jederzeit bequem das Euter erreichen können, damit durch das am Tage häufig wiederholte Saugen die Milchdrüse zu recht energisch» Thätigkeit angeregt und die Milchergiebigkeit der Kuh möglichst gesteigert wird.
Brüllerkrankheit.
Infolge Entartung des Eierstockes, Tuberkulose der Eierstöcke, Entwickelung von mit Wasser gefüllten Blasen im Eierstock kommt es sehr häufig zur Ausbildung einer eigentümlichen Krankheit, die man als Brüllerkrankheit Stiersucht rc. bezeichnet. Derartige Kühe sind beständig brünstig, sie werden aber ttotz wiederholter Deckung niemals trächtig. Auffallend und charakteristisch bei dieser Krankheit ist ein stierähnliches Brüllen, welches Tag und Nacht nicht mehr verstummt. Die Milch bei derartigen Kühen ist sowohl ihrer Quantität, wie auch der Qualität nach verändert. Die Milch eignet sich in der Regel nicht zum Verkäsen. Im weiteren Verlaufe der Krankheit grellen sich noch Abmagerung und Verdauungsstörungen )azu. Werden derartige Tiere geschlachtet, dann hat läufig das Fleisch einen sehr widerlichen Geschmack. Ein Mittel, außer der frühzeittgen Kastration, giebt es gegen diese Krankheit nicht. Wird die Kastration von geschickten Tierärzten frühzeitig gemacht, dann verläuft sie in der Regel ziemlich günstig und nach wenigen Tagen kann eine Verbesserung der Milch, sowohl hinsichtlich der Qualität, wie auch der Quantität, sich einstellen. Die Operatton wird von der rechten Flanke aus vorgenommen. Mit einem Messer werden Haut und Hautmuskeln durchschnitten und mit der Hand wird das Bauchfell durchstoßen. Hierauf wird der Eierstock mit der Hand aufgesucht, mit einer Zange erfaßt und abgedreht, schließlich wird die Hautwunde vernäht. Zur Vornahme der Operation gehört einige Uebung. Die Operation hat in der Regel dann 'einen Erfolg, wenn die Ursache der Brüllerkrankheit Eierstockstuberkulose war. Wird durch die Operatton die Brüllerkrankheit nicht beseitigt, dann muß man die Kühe chlachten. Die frühzeittge Schlachtung ist auch anzuraten, venn man sich zur Kastration nicht entschließen kann. Ist die Operation gelungen, dann geben die Kühe länger als ein Jahr lang Milch und sie können dann auch noch leicht gemästet werden. („Prakt. Wegweiser", Würzburg.)
Dar Saufenlaffen erhitzter pfer^e ist gefährlich, wenn das Pferd hierauf stehen bleibt, und zwar wegen der plötzlichen Abkühlung des Körpers, wo- )urch Zittern, Bauchkrämpfe und Brustfellentzündung ent- tehen. Wenn das erhitzte Pferd kaltes Wasser säuft, zleich darauf aber wieder in rasche Gangart versetzt wird, o pflegen diese Erscheinungen nicht einzutreten. DaS eingenommene Wasser erwärmt sich rasch in'den Eingeweiden und nimmt deren Temperatur an. Das beste Mittel, erhitzte und in den Stall geführte Pferde ohne Schaden zu tränten besteht darin, ihnen, besonders im Sommer, warmes Wasser vorzusetzen. Laues Wasser ist ekelerregend und wird nur ungern angenommen. Warm^ Wasser ist sehr gesund und befördert stets die Thätigkeit )er Gedärme. Pferdebesitzer, welche das angeregte Ver- ähren beobachtet haben, stellen fest, daß in ihrem Stall nnere Krankheiten zu den Seltenheiten gehören.
Wir man Mastschweine jum Fressen anhält
Häufig geschieht es, daß Mastschweine aus Unlust um Freffen eine Gewichtsabnahme erleiden. Ein em- h aches und erprobtes Mittel, die Mastschweine zum Fressen anzuhalten, besteht darin, den Tieren täglich zwei Hände voll gesalzenen Hafer zu verabreichen. Man nehme für zwei Tage Hafer-Rationen, schütte sie in ein Gefäß und war derarttg, daß zwischen jede Schicht Hafer eine dünne Lage Salz gestreut wird, worüber man dann nach dem Niederdrücken, etwa mit den Händen, ein wenig Wasser gießt. Das Gefäß darf aber nicht ganz mit gesalzenem Hafer gefüllt werden, da der Hafer nach oben quillt. Derarttg behandelte Schweine, bei regelmäßiger ^utter' wigabe von zwei Händen gesalzenen Hafers, werden W liche Gewichtszunahme erleiden und alles gebotene gürtet gierig verschlingen.