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Sas zweite $^«m<nt.

Roman

von A. Seyffort. 9

(Fortsetzung.)

VIII.

er Herrenhoferin wurde keine Thräne nachgeweint. Selbst von der eigenen Tochter derselben nicht, so erschüt- ' tert sie auch

durch den Unglücksfall war, der unmittelbar den Tod der Mutter herbeigeführt hatte, so tauchte doch kein Empfinden in ihr auf, das dem Schmerz zx'- auch nur ähnlich gewesen wäre.

Freilich empfand sie auch keine L ^ Erleichterung, vielmehr war ' eine große Ruhe in ihr er- standen, die schon mehr einer j

Betäubung glich.

Als man die Entschlafene xx zur civigen Ruhe vorbereitet hatte, ivußte Dore Frau von Heiborn und auch Gertrud zu . beivegen, sich noch einige Stun- IM den auf das Bett zu legen. Mft

Beide widerstrebten' nicht lange, und da Dore nun so-' fort das Haus verließ, um sich zu. Hanna zu begeben, ÄMsW herrschte bald im ganzen Hause die tiefste Ruhe, die noch nicht unterbrochen zu sein schien, als Tore von ihrem MvM AuSgang heimkehrte.

Auch Tore, da sie ja nun glaubte, aufs beste für Gertrud gesorgt zu haben, wollte noch ein wenig ruhen.

Ehe sie aber in ihr Stübchen ging, schlich sie zu Rosa hinein, um sich zu überzeugen, daß diese nicht etwa mit unnützen Grübeleien, wie sie das oft that, sich abguälte.

Befriedigt sah sie, daß sich die nunmehrige Besitzerin des Herrenhofes vollständig entklei­det in das Bett gelegt hatte.

Schon wollte die alte, treue Seele auf Fußspitzen, wie sie gekommen, das Zimmer verlassen, als ganz plötzlich ein unheimliches Gefühl sie auwandelte.

Es war so seltsam, so totenstill hier,ach, Unsinn" Tore sprach nun ganz laut und trat entschlossen auf die Lagerstatt zu zitternd blieb sie stehen ihre bebenden Hände rafften die großblumigen Kattungardinen aus­

einander, die das schlichte Bett umhüllten, da lag Rosa, voll vom Morgenlicht überflutet, bleich, reglos.

O, Du mein Gott," jammerte die Alte, junge Frau Rosa Blondchen" un­willkürlich drängte sich ihr der Kosename über die Lippen, mit dem sie einst vor langen Jahren ihren Liebling gerufen. Aber all dies, und auch das heftige Rütteln war ver­geblich Rosas blaues Auge war gebrochen, unmittelbar war sie ihrer bisherigen Tyrannin, der Mutter, in den Tod gefolgt.

Und so ruhig Dore in der Nacht bei dem

Ofittgstett.

Pfingsten, du köstliche, herrliche Zeit, So wundersam blütenumflossen, wie hast du die irdische Seligkeit Durch wiesen und Wälder gegossen! Das Schönste in endloser Fülle geschenkt, Lin glühendes Leben entzündet: Daß jeder des himmlischen Geistes gedenkt, Der heute voll Liebe sich kündet.

Waldvogelein singen den brünstigsten Sang, Die Lerche durchtrillert die Bläue, Ls summen die Bienen das Qeibmoor entlang 31)t Lied an die Freude auss neue, viel höher noch hebt sich die Rose empor 3m Meid der erwachenden Sonne; Der Tropfen, den eben ihr Auge verlor, Es ist eine Zähre der Wonne. ' pfingströschen entsendet von kosiger Hand Den farbenprächtigsten Falter, Die Wogen des Meeres umfdiäumen den Strand, Gin nimmer verstummender Psalter.

Horch l leise, ein Mahnen aus göttlichem Mund, Durchschallet manch Glocklein die Auen, Jetzt wandert der Herr durch den blumigen Grund, Um die eignen Wunder zu schauen. A. H.

Anblick der sterbenden Herrenhoferin gewesen, so rückhaltlos äußerte sich jetzt ihr Jammer. Laut aufschluchzend sank sie nieder und um­faßte die Hand Rosas, die noch nicht erkal- tet war.

Dore sprang auf, vielleicht war noch Hilfe möglich, was überhaupt mochte dieser plötz­liche Tod zu bedeuten haben? Bei dieser Frage blendete plötzlich helles Licht das kum- merumdüslerte Gemüt der Dienerin.

Er hat es gethan," murmelte sie,was ist nun richtiger, ihn anklagen, unschädlich machen auf immer, oder die Erkenntnis in mir begraben, um Gertruds willen?"

Sie trocknete ihre Thränen und rief dann laut um Hilfe, y Im Umsehen waren ber- se schiedene Knechte und Mägde % hier oben versammelt. Ger 3 trud kniete weinend neben der Mutter. So plötzlich war sie nun ganz und gar verwaist, sie konnte das Geschehene kaum " fassen.

Mit Doktor Sander schloß Dore sich im Sterbezimmer der Frau von Herborn ein.

Haben Sie auf irgend jemand Verdacht, der es ge- thau haben könnte?" fragte er eindringlich.

TJk^MNein, Herr Doktor." Hatte die Verstorbene Feinde?"

* Dore schüttelte den Kopf, im Gegenteil, alle hielten zu ihr - um Verzeihung, ^ Herr Doktor, ist sie wirklich vergiftet?"

Durch Chloroform, liebe Alte, ich sagte es Ihnen ja schon es thut mir Fräulein von Herborns wegen leid, aber ich bin gezwungen, der Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten; bis auf weiteres darf niemand das Sterbezimmer betreten."

O du meine Güte, Herr Doktor, ich flehe Sie an, Gertruds wegen lassen Sie die An­gelegenheit auf sich beruhen, ich will es Ihnen nur gestehen, daß die unglückliche Frau lebens­müde war, daß sie sich seit langem mit Selbst­mordgedanken trug"

Und da sollte sie nun gerade, wo sie von ihrer Tyrannin befreit worden war, wo sie die Aussicht auf einen frohen Lebensabend hatte, auf so eine schreckliche Weise gewaltsam das Ende herbeigeführt haben? Das ist mehr als unwahrscheinlich!"

Aber Dores Hände tasteten schon zitternd