übertriebener Weise angevriesen worden; sie sollten wegen ihres organischen Ursprungs, d. h. weil sie direkt von Tieren Verdammten, ganz besonders günstige Eigenschaften beützen und allen andern Düngemitteln überlegen sein. — Für den folgerichtig Denkenden lag das Unzutreffende dieser Empfehlungen klar zu Tage; denn wer sich vergegenwärtigte, daß"die Pflanze überhaupt keine unzerfallenen organischen Stoffe, also keinen Humus, kein Knochen- oder Blutmehl, keinen Guano u. dgl. aufnehmen kann, daß vielmehr erst deren Verwesung und Ueberführung in organische Formen, also in Kohlensaure, Ammoniak und salvetersame Verbindungen, stattfinden muß, ebe sie als Pflanzennährstoffe dienen können, der mußte solche Anschauungen von vornherein belächeln. — Der Irrtum ist denn auch glücklicher Weise beseitigt, und nur von Zeit zu Zeit findet man in den von interessierter Seite herausgegebenen Flugblättern noch Anklänge an das alte Lied.
Gleich unhaltbar ist die von mancher Seite geflissentlich genährte Anschauung, daß die wasserlösliche Phosphorsäure der boden- oder cittatlöslichen überlegen fei. — Wem nicht die einfache Erwägung genügt, daß die wafferlöliche Phosphorsäure im Boden größtenteils erst wieder in schwerer löslichen Zustand zurückgeführt wird, um darauf von den Pflanzenwurzeln gelöst und ausgenommen zu werden, daß freie Phosphorsäure unter Umständen sogar schädigend aus die junge Pflanze wirken kann, der muß sich doch durch die prattische Erfahrung belehren lassen; denn diese bestätigt uns stets von Neuem, baß die citrat- oder bodenlösliche Phosphorsäure thatsächlich von gleicher Wirksamkeit ist wie die wasserlösliche, und daß sie deshalb auch mit demselben Preise bezahlt werden kann. — Aus der großen Zahl der hierüber veröffentlichten Mitteilungen verweisen wir heute nur auf die in der „Zeitschrift deutscher Zuckerindustrie" veröffentlichten Untersuchungen der Chemiker Smorawski und Jakobson über das Verhallen der wafferlöslichen Phosphorsäure im Boden und den Wirkungswert der Superphosphate gegenüber der Thomasschlacke.
Hierdurch ist abermals in einwandfreier Weise bestätigt worden, daß die wasserlösliche Phorphorsäure des Superphosphats im, Boden in kürzester Zeit in cittatlösliche Form übergeht' und daß sie in der Hauptsache erst in dieser Form von den Pflanzen ausgenommen wird. Außerdem entstehen aber auch noch unlösliche PhoSphorsäurever- bindungen des Eisenoxyds und der Thonerde im Boden.
Wie man dem gegenüber die geringere Bewertung der Thomasmehlphosphorsäure rechtfertigen will, ist um so unerfindlicher, als dieselbe den unleugbaren Vorzug der besseren und energischeren Nachwirkung befitzt. Indessen fehlt es nicht an Beispielen, daß einmal vorhandene Irrtümer schwer auszurotten find.
W Weicht. —W
Die vslk-wirtschafiliche Bedeutung der Ziegen» Haltung, insbesondere im Königreiche Preußen.
Im Allgemeinen pflegt man die vermehrte Ziegenhaltung als ein Merkmal überhandnehmender Bodenzerstückelung und Verarmung hinzustellen, Allein diese Annahme ist keineswegs ohne Weiteres zutreffend, sondern nur dann richtig, wenn der vermehrten Ziegenhaltung eine Abnahme der Rindvieh- und Schweinehaltung in den kleineren Land- wirtschastsbettieben gegenübersteht. Ist letzteres nicht der Fall, so kann die Zunahme der Ziegenzucht eher als Zeichen eines Emporkommens kleiner Grundbesitzer- oder Arbeiterfamilien angesehen werden, denn dem wenig begüterten Arbeiter, Taglöhner oder Parzellenbesitzer ist zumeist nicht die Möglichkeit gegeben, Futter für eine Kuh zu produzieren, während wiederum derjenige, welcher eine Kuh hätt, vielfach an Futter etwas erübrigt, aber nur soviel, um nebenbei noch eine oder mehrere Ziegen hatten n können. Nun ist man ja allerdings soweit gegangen, die Ziege geradezu als eine Phylloxera vastatrix, welche unnützer Weise viel Futter verschwende, zu bezeichnen und ihr manche üble Eigenschaften anzudichten. Aber, so scheint es, doch mit Unrecht! Lediglich irrationelle Fütterung und irrationelle FillterungSvorrichtungen sind wohl die Ursache, daß die freilich meist ohne Züchtungsgrundsätze betriebene Ziegen- Hattung gewissermaßen in Mißkredit gekommen ist. Und daß kann, zumal auch mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung der Produkte der Ziegenhallung für eine bessere Volks- ernäljning, um so mehr bedauert werden, als nach den Beobachtungen hervorragender Aerzte die Ziegenmilch von Kranken und Kindern mit vorzüglichstem Erfolge genossen wird, für letztere sogar den besten Ersatz der Muttermilch bietet und eine normale und kräftige Entwickelung deS Körpers in auffallender Weise fördert. In volkswirtschaftlicher Beziehung aber ist der Befitz der ärmeren Volksklassen an nutzbarem Vieh jedenfalls auch nicht zu unter- schätzen, denn derselbe macht seßhaft und trägt zur Erhaltung und Beförderung des sozialen Friedens nicht unwesentlich bei. Außerdem ist die Ziegenhaltung auch mit geringerem Rifiko verbunden und repräsentiert ein leicht flüssig zu machendes Kapital — ein Umstand, der um so beachtenswerter in den Fällen erscheint, in welchen die Besitzer sich bei Bedarf kleinerer Geldsummen eines Stückes Vieh entäußern wollen.
Gehen wir nunmehr an der Hand der amtlichen Statisti zu einer Betrachtung der Bedeutung der Ziegenhaltung im preußischen Staate über, so müssen wir zunächst einmal
bemerken, daß von den überhaupt vorhandenen Ziegen sich fast ’/4 in Haushcltungen ohne Landwirtschastsbctrieb befinden und daß fast die Hälfte dieser Viehgattung von Leuten gehalten wird, die außerdem kein anderes Vieh besitzen. Was die Ziegenhaltung in den Landwirtschafts- betriSben anbelangt, so zeigt sich naturgemäß ein Ueber- wiegen derselben in den unteren Größenklassen. In den einzelnen Landesteilen freilich gestalteten sich die bezüglichen Verhältnisse verschieden. Während z. B. von den Land- wirtschaftSbetrieben der Größenklasse 0—1 Hektar in Hessen- Nassau 80 pCt. ziegenhaltende waren, betrug die Zahl der letzteren in Ostpreußen nur gegen 7 pCt., wozu allerdings zu bemerken ist, daß ein AuSgleich insofern stattfand, als Ostpreußen in der in Rede stehenden Größenklasse doppelt so viel Schweine besitzende Viehhaltungen aufwies als Hessen-Nassau. Für letzteres Gebiet giebt diese Thatsache deshalb zu Bedenken Anlaß, als innerhalb des Regierungsbezirkes Kassel seit dem Jahre 1870 bezw. 1873 die Zahl des Rindviehes wie der Schweine eine relative Abnahme und Die Zahl der Ziegen nur eine geringe Zunahme erfahren hat. Die Ursachen dieser Erscheinung an dieser Stelle zu berühren, würde zu weit führen, nur soviel fei hervorgehoben, daß im ehemaligen Kurfürstentum Hessen in der That mancherlei Merkmale für eine zunehmende Verarmung und überhandnehmende Bodenzerstückelung sprechen und daher Besorgnis erregen müssen.
Betrachten wir die Entwicklung der Ziegenzahl im Verhältnis zur Fläche, so ergiebt sich in allen preußischen Landesteilen in Bezug auf die Zahl derZiegen ein erheblicher Zuwachs; bei einem Vergleiche derZiegen- mit der Volks- vermehrung tritt dagegen die Thatsache zu Tage, daß im Westen die Ziegenzahl im Verhältnisse zur Bevölkerung zurückgegangen ist, während im Osten eine erhebliche Steigerung stattgefunden hat. Vergleicht man hiermit nun die gleichzeitige Entwickelung der Rindvieh- und Schweinezucht, so findet man, daß in allen den Bezirken, in welchen die Ziegenzahl im Verhältnis zur Bevölkerungszahl zurückgegangen ist, auch die Rindviehhaltung sowohl im Verhältnis zur Fläche, als zur Bevölkerung eine Abnahme erfahren hat — eine Thatsache, die um so bedauerlicher, vielleicht aber auch um so leichter zu erklären ist, als die Gegenden des Westens durch den Viehwucher -am meisten heimgesucht werden.
Aus dem Gesagten ergiebt sich, daß mancherlei Gesichtspunkte dafür sprechen, daß der Ziegenhaltung eine größere Beachtung, als bisher, geschenkt werden müßte, und in gewissen kleineren Landwirtschaftsbetrieben das Halten von Ziegen sogar rationeller sein dürfte, als das Halten einer Kuh. Wenn man — mäßig gerechnet — annimmt, daß eine Ziege durchschnittlich 2 Ltr. Milch liefert, so kann man den Nutzen aus dem Milchertrage jährlich auf mindestens 90 Mark schätzen; zieht man dazu in Bettacht, daß von dem für eine Kuh benötigten Futter reichlich 8 Ziegen ernährt werden können, so ergiebt sich zweifelsohne, von welcher hohen, viel zu wenig gewürdigten Bedeutung die Ziegen- ucht ist. Daß letztere allerdings noch sehr der Hebung bedarf, braucht nicht weiter ausgeführt zu weichen; durch Einführung besserer Rassen, durch rationelle Zuchtwahl, richtige Fütterungsmethode und gute Pflege wiro indessen 'owohl auf eine Hebung der Milchergiebigkeit wie auf eine Fleischverbesserung hingearbettet werden können. Zu wünschen bleibt, daß man in Deutschland nach dieser Richtung ebenso thätig wäre, als in der Schweiz und in England. In letzterem Staate hat sich ein Verein, die „British Goat Society,“ gebildet, welcher dem Verbrauche abgerahmter und schlechter Kuhmilch bei den ärmeren Volks- klaffen durch Einführung der Ziegenzucht entgegen wirken will und, wie mitgeteilt wird, in dieser Beziehung auch bereits recht gute Erfolge aufzuweisen hat. Wir bezweifeln nicht, daß eine derartige Einrichtung auch bei uns Gutes tiften würde; denn ebenso berechtigt wie Vereine zur Hebung der Pferdezucht, der Rindviehzucht oder schließlich der Bienenzucht, find unserer Meinung nach auch Vereine zur Hebung der Ziegenzucht, ja sie erscheinen um so mehr am Platze, als alle auf letzteren Punkt gerichtete Bestrebungen gleich- leitig eine Förderung des Wohles der ärmeren Klassen bezwecken.
Sehr wirksames Mittel zur Vertilgung von Fliegen, Mücken und andern den Haustieren lästigen Insekten.
Die vielen Insekten, Fliegen und auch Mücken dringen in den Sommermonaten in die Ställe ein und sind den Pferden und Kühen rc. eine wahre Plage; die Tiere können niemals in Ruhe fressen noch liegen, indein sie den Stichen vollständig auSgesetzt sind. Ich habe daher im vorigen Sommer bei dem Ausweißen der Ställe Creolin in Anwendung gebracht und gefunden, daß die Insekten vollständig verschwunden find. Bekanntlich verttagen die Insekten keinen medizinischen Geruch, vor allem nicht das Creolin, da dasselbe aus Steinkalken-Produtten zusammengesetzt ist und einen ätzenden Geruch erzeugt. Ich habe daher auf ein Gefäß von 18 Liter Kalk, welches der Maurer zum Weißen gebraucht, */a Liter Creolin genommen, selbiges gut durchgerührt und nach dem Weißen gefunden, daß die Fliegen sich den Ställen vollständig ferngehalten, auch wenn Pferde in denselben gewesen sind. Der Geruch in den Ställen nach Creolin ist sehr gesund und tritt nicht bedeutend hervor, ebenfalls empfiehlt es sich, die Thüren bei großer Hitze zu schließen, damit der medizinische Stoff nicht sehr verdunstet und in den Kalk austrocknet. Die
Fliegen sind an den Wänden nicht zu merken und werden dieselben auch .nicht beschmutzen. Ich kann diese Anwendung meinen Berufsgenossen sehr empfehlen.
A. Auringer, Inspektor der Tilsiter Aktien-Brauerei Tilsit.
SIä$d?e«»21usfd>lag oder Nesselfieber.
Bläschen-Ausschlag oder Nesselfieber ist eine nur in der oberen Schicht der Haut sichtbare Haut-Entzündung, woselbst vereinzelte tteisrunde, harte, mäßig erhabene und scharf abgegrenzte rötliche Flecken an die Hautoberfläche hervortreten, namentlich sind sie an beiden Seiten des Rückens zu finden. Gewöhnlich erreichen diese Bläschen die Größe eines Ein-Mark- oder eines Fünfzig-Pfennig-StückeS. Schneidet man sie mit einem scharfen Messer durch, dann tritt eine blaßrote, klare Flüssigkeit heraus. Die Haut ist ziemlich straff gespannt und trocken. ES kommt auch bei längerem Kranksein vor, daß sich die runden Bläschen als Kapseln aus der Haut schälen lassen. In Folge Störung der Zellengewebe in der Haut wird eine kaum sichtbare Hautanschwellung hervorgerufen. Einen Juckreiz verursacht die Hautkrankheit nicht. Wenn die erforderliche Behandlung sofort eingeleitet wird, verschwinden die Flecken schon nach einigen Tagen. Bei späterer Behandlung trocknen die Bläschen aus und hinterlassen braune Schorfe oder dünne, schmutzig aussehende Krusten, die im Volsmunde auch wohl mit „Quaddeln" oder mit „Blattern" bezeichnet werden. Es kann vorkommen, daß durch vernachlässigte Behandlung ganze entzündete Stellen am Körper absterben. Schreiber dieses sah noch vor kurzer Zeit, daß im letzten Falle bei einem kaum ausgewachsenen Schweine beide Ohren „brandig" abgestorben waren; diese wurden trocten, lederartig, rollten sich auf und fielen dann dicht am Kopfe ab.
Weitere Erkennungszeichen dieser Krankheit sind folgende: die Tiere fiebern und zeigen verminderten Appetit, wogegen die Sauflust längere Zeit anhält; allgemeine Mattigkeit und trübe Augen bekunden weiter die Krankheit. Niemals liegen sie mit vorgestrecktem Kopfe, wie beim Rotlauf, in der Streu, sondern sind meistens auf den Beinen. Die Kothabsonderung ist unterdrückt und von harter Beschaffen- h-it; der Urin hat eine etwas trübe Färbung angenommen und wird langsam und erschwert abgesondert.
Diese Krankheit entsteht durch Eindringen kleiner Pilze, sogenannter Coccen, die mit unbewaffnetem Auge nicht sichtbar sind.
Die Behandlung ist folgender Nachdem die gesunden Tiere von den fransen getrennt find, verabreiche man saftiges Grünfutter und rohe Kartoffeln, die mit gestoßenem Vieh- oder Kochsalz durchsetzt sino. Der Stall ist mit ftischer Lust und Streu zu versehen. Den Körper des Tieres, insbesondere die Nierengegend, bedecke man mit einem naßkalten Tuche. Sind diese Hauptvorsichtsmaßregeln getroffen, dann pflegt keine Lebensgefahr zu drohen, und der Patient ist in drei bis vier Tagen genesen.
Leider herrscht noch vielfach eine Unsitte, die aus dem vorigen Jahrhundert stammt, das man den Schwanz, sowie die Ohrlappen kürzt. Durch den Aderlaß wird das kranke Tier noch matter, wodurch eine Verschlimmerung der Krank- Heit leicht herbeigeführt werden kann!
Linfluh der Temperatur des Tränkwassers auf den Milchertrag.
Die Temperatur des Tränkwassers ist nicht nur von Einfluß auf die Gesundheit unserer Haustiere, sondern auch auf die Milchproduktion. An der landwirtschaftlichen Ve-suchsstatton der Universität Wiskonfin wurden hierüber höchst interessante Versuche gemacht. Es wurden zechS Kühe in zwei Gruppen von je drei aufgestellt. Eine jede Kuh erhielt eine tägliche Futterration 5 Pfund Kleie gemischt mit 2 Pfund Haferschrot und 6 Pfund Heu, sowie außerdem so viel zu Häcksel geschnittenes Maisstroh, als die Tiere stessen wollten. Während der neun Wochen dauernden Experimente wurden die Kühe täglich zweimal gefüttert und einmal getränkt. Bei guter Witterung stand ihnen der Hoftaum zum Aufenthalte im Freien offen. Bei sonst gleicher Haltung und Ernährung erhielt die eine Gruppe ihr Tränkwasser in einer Temperatur oon*0° 0 und die andere von 210 C. Die Zeit der Versuche war in drei Perioden geteilt und wurde am Schluß der ersten und dritten Periode die Temperatur deS Tränkwassers einer jeden Kuh umgekehrt gegeben, um die individuellen Verschiedenheiten in dem Ertrage der Kühe zu ermitteln. Die Untersuchung der auf diese Weise erhaltenen Erträge der sechs Kühe hat in der Hauptsache folgende Resultate geliefert: 1. Bei dem Genusse des warmen Wassers betrug der Ertrag der Milch durchschnittlich von der Kuh täglich ca. 1 Pfund mehr als bei dem Tränken deS auf den Eispunkt abgekühlten Wassers. 2. Die Kühe tranken im Durchschnitt täglich per Haupt 63 Pfund kaltes und 73 Pfund «armes Wasser, von letzterem also 10 Pfund mehr. 3. Die Kühe nahmen beim Tränken des warmen Wassers mehr Futter zu sich als beim kalten Wasser und zwar täglich die Kuh 0,74 Pfund mehr. 4. Dieselben verzehrten an Trockenfutter für jedes Pfund der erzeugten Milch 1,44 Pfund bei warmem Wasser, und 1,54 Pfund bet kaltem Wasser. 5. Die Zunahme der Menge deS getrunkenen Wassers von derselben Temperatur war begleitet von einer Zunahme des Wassergehalts der Milch, ohne nennenswertes Steigen ihrer Trockensubstanz. Der Versuch zeigt, einen wie großen Einfluß auf die Mich« produktion die Temperatur des Tränkwassers hat.