Einzelbild herunterladen
 

48

Als Kaiser Wilhelm I. einst die Rennbahn zu Charlottenburg besuchte, fand er an dem neuen Etablissement, sowie an dem bewegten, heiteren Leben um ihn der so viel Vergnügen, daß er die Rückkehr nach Berlin von Stunde zu Stunde anfschov trotz der Andeutungen, die der hohe Herr immer wieder mit Scherzworten abwies. Schließ­lich gab man ihm zu bedenken, daß mit anbrecheu- dem Abend die Wagenreihe eine so dichte sein würde, daß der kaiserliche Wagen dann wohl auf

Hindernisse stoßen möchte. Da- rauf enlgegnetc Sc. Majestät: »Ach wo! Das weiß ich besser, die Berliner lassen ihren König schon durch!" Und so geschah es auch. Trotz der großen Wageumenge machte man doch dem Gefährt des Kaisers ehr­erbietigst Platz, so daß letzterer ohne besondere Hindernisse in seinem Palais anlangte.

«aise* Withilm» letzt, UntirsderifL

Am 9. März 1888 schloffen bie Bugen Äusser Wilhelm« sich für immer. .I» den letzten tagen,' so teilte der eijenfefte Kanzler um 12V1 Uhr mittags dem Reichstag mit. »Hatte ich noch Gelegen­heit, von dem hochjeligen Kaiser die Bethätigung feiner Arbeits­kraft zu erkennen, die ihn nur mit dem Leben verlassen, indem ich noch die Unterschrift erhalten, welche vor mir liegt und welche mich erniächligt, den Reichstag in der üblichen Zeit, nach Ab­machung der Geschäfte, d. h. also etwa heute oder morgen zu schließen. Ich hatte die Bitte an Se. Majestät gerichtet, nur den Anfangsbuchstaben seines Namens noch zu unterzeichnen. Se. Ma. jcstät haben mir erwidert, daß Sie glaubten, den vollen Namen noch unterschreiben zu können." So war's deun auch geschehen.

Im Jahre 1872 suchten zwei ältere Damen aus Ost­preußen im Park zu Babcls- berg eifrig nach dem Denkmal des Dichters Heinrich von Kleist. Hierbei gerieten sie mit einem Gartenwächter in lebhaften Wortwechsel, da derselbe das Vorhandensein eines solchen Denkmals entschieden bestritt. Plötzlich rollte leise auf dem ebenen Kieswege der Wagen des Kaisers heran, und der leutselige Monarch ftagte fteund­lich die Streitenden, um was es sich denn handele: »Ma­jestät,^ erwiderte der Ausseher, »diese Damen behaupten, hier im Park sei das Denkmal des Dichters Heinrich von Kleist und wünschen von mir den Ort der Aufstellung zu miffenl' »Ja, meine Damen," sagte nun der Kaiser, »da hat mein Aufseher recht, und Sie werden hier ver­geblich nach dem Grabmal suchen, denn das steht weit von

hier!'

[t der Mo­

narch aus dem Wagen und sagt zum Kutscher: »Fahr die

, , , Damen nach dem Denkmal bei der Friedrich-Wühejms-Brücke!" und winkte den Damen dann freundlich einzu- stcigcn. die in nicht geringer Verlegenheit waren, sich aber ein Herz faßten, unter 'Dankesworten

den Wagen bestiegen und davonfuhren.

Das Brandenburger Thor

Bei einer Parade, welche Kaiser Wilhelni I. im Jahre 1884 bei den württembergischen Krieger- dereilten abnahm, hielt der Kaiser bei einem im Wagen fahrenden 92 jährigen Greise, der das eiserne Kreuz der Befreiungskriege trug, an. Der alte Mann wollte vom Wagen steigen, aber der Kaiser rief, er möge sitzen bleiben, er sei der Jün­gere und könne zu ihm komnien. Damit flieg der Kaiser aus, ging auf den Greis ' zu, der ihn mit den Worten begrüßte: Mein erhabener Herrscher! Nun ischt das Maß meines Lebens voll, nu ich mein Kaiser gsehn hab!" Der Kaiser . wehrte ab und meinte, das sei noch 1 lange nicht nötig, obwohl sie dabei deutete er auf das eiserne Sreuz des Veteranen die beiden einzigen unter den Tausenden seien, die das Kreuz von 1813 trügen, und fügte, ihm die Hand schüttelnd, hinzu:Allerdings, wir werden unS wohl nicht Wieder­sehen!"

Während seines Ausenthaltes in Ems 1866 fragte Kaiser Wilhelm ge­legentlich einen Kadetten: was er zu werden be- absichtiae. »Feldartillerist, Eure Majestät!" Darauf bemerkte der Kaiser launig:Ihre Ant­wort begann vielversprechend; als Ich das Wort Feld" hörte, glaubte ich, sie würde Feldmarschall kauten." * * *

am Tage der Beisetzung der Leiche Kaiser Wilhelms I. hatte .... reiches Trauerkleid angelegt, würdig des Vorgangs und der Sache. Dichte Wolken, den lodernen Fackeln entströmend, hüllten zeit­weise die ganze Umgebung und das Kunstwerk selbst ein. Als der großartige Leichenzug durch die endlosen Menschenscharen das Thor ourchschritt, blieb kein Auge thränenleer: die echte, u». zerstörbare Volkeslicbe beweinte den Vater seines Landet.

ein

Anfangs der siebziger Jahre befand sich Kaiser Wilhelm zu Gasteln. Als er hier eines Tages ausgegangen war und ein Hausmädchen seine Gemächer, um sie zu reinigen, betrat, fand es, daß in einem Zimmer sämtliche Teppiche der an­deren Räume zusammengetragen waren. Endlich klärte sie ein Diener darüber auf, Der Kaiser

hatte erfahren, daß unter seiner Wohnung ein Schwerkranker liege, Das schlechte Weiter halte ihn am Ausgchen verhindert; um sich aber doch

Bewegung zu machen und

deu 5kranken unten nicht zu stören, hatte er die Teppiche Zusammentragen lassen, um da­rauf lautlos umhergehen zu können.

*

Als zu Anfang des Iah. res 1865 der damalige König Wilhelm I. von Preußen wie­der einmal das Lazarett be­suchte, in welchem sich die ver­wundeten Tapferen aus dein schleswig-holsteinischen Kriege befanden, trat er auch teil­nahmsvoll an das Bett eines Kriegers, der beide Arme und beide Beine verloren hatte und infolge dessen ganz hilflos dalag bei sonst gesundem Körper. Der König ftagte den Unglück­lichen, dessen Leiden ihn tief erschütterte, ob er ihm einen Wunsch erfüllen könne, und er­hielt die verzweifelte Antwort: Euer Majestät, lassen Sie mich erschießen!" Mit Thränen in den Augen entgegnete der König dem Aermsten, das sei ein unchristlicher Wunsch, den er nie erfüllen könne. Da stieß der Unglückliche die Worte her­vor:Nun, da wünsche ich, daß den Arzt, der mich geheilt

hat, der . .

Der teil

V nehmende Monarch wandte sich ab und weinte. Es ist selbst­verständlich, daß für den In­validen alles gethan wurde, was Meuschenkräfte vermochten.

'- * * *

I Auf der Weltausstellung in Paris hatte Kaiser Wilhelm eine prächtige Uhr erstanden, welche eine I weibliche Gestalt von Goldbronce zierte, die Ge­rechtigkeit darstellend und eine riesige Kugel von Lapislazuli als Pendel schwingend. Eines Tages stieß ein Diener ziemlich unsanft an die Uhr, worauf der Kaiser lächelnd bemerkte:Sehen Sie sich künftig besser vor. Die Gerechtigkeit darf nie- nials ins Schwanken geraten."

Viersilbige Scharade.

Das erste Paar war stets eroberungssüchtig, Doch aber auch um zu beglücken tüchtig. Das zweite sank getroffen in den Sand, Gepriesen stets vom deutschen Vaterland! Das Ganze endlich hat die besten Waffen Den Himmel zu erkennen einst geschaffen.

Wortspiel-Rätsel.

Die Klugen haben sie um zu beraten, Altweibervolk übt sie zu Wunder-thaten.

(Auslösungen folgen in nächster Nummer).

Auflösungen aus voriger Kummer: der Schachaufgabe:

Weiß.

1. T. c6c3

2. S. g5n 3. T. h7hl^z

Schwarz.

K. «554

K. 54«4

K. eidl (.16)

2, S. g5ß

3. T. e3c6, resp. T. 117h44z

K. beliebig

des Silben-Rätsels: Kerker; des Verstell-Rätsels: Nadel, Laden; des Zahlen-Rätsels: Minerva, Iran, Naemi, Eimer, Niviera, Venen, Armin.

Nachdruck au« dem Inhalt d, Bl, eertöten. Gesetz oom H./VI, 70,

LerautworUlcher Redacteur W. Herrmaim, Berliu.etejlli.

. Gedrucktb heraataegebe» oon gering * Sahrenholtz, Berlin 8. 42, Prt»z-»str. M.