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auf 33,3 Millionen Mark in ihrem Ertrage veran­schlagt und wird für 1903 aus 19,8 Millionen Mark geschätzt. Im Uebrigen sind dies nicht die ersten Ent­täuschungen, die man mit der Börsensteuer erlebt hat. Auch früher erwies sie sich als eine durchaus schwankende Einnahmequelle. Da sie mit anderen Reichsstempelab­gaben zu den von vom Reiche den Einzelstaaten zu über- weisenden Steuern gehört, so empfinden gerade die Einzelstaaten sowohl das Zurückbleiben der wirk­lichen Eennahmebeträge hinter den Etatsschätzungen als auch die Schwankungen der Einnahme selbst recht unangenehm.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat bestimmt, daß bei der Beförderung von Milch aus der Eisenbahn von der Erhebung der in den Beförder- ungsbestimmungen vorgeschriebenen monatlichen Mindest- sracht von 5 Mark abznsehen ist, wenn eine Beförder- ung von Milch im Laufe des Kalendermonats nicht statt- gefunden hat.

Berlin, 23. Dezember. Nach denBerliner politischen Nachrichten steht es endgiltig fest, daß für die nächste Landtagstagung ein Gesetzentwurf über die Vorbildung für den Justizdienst nicht erneuert, hin­gegen wiederum eine Vorlage über die Vorbereitung für den höheren Verwaltungsdienst eingebracht werden wird.

Die Verstärkung unserer Wehrmacht zur See vollzieht sich auf der festen Basis des Flotten- gesetzes. Fünf Schiffe sind in diesem Jahre der Marine neu eingereiht worden, nämlich das auf der Kruppschen Germaniawerst in Kiel erbaute LinienschiffBraun­schweig", der auf der Werft von Blohm u. Voß in Hamburg erbaute PanzerkreuzerFriedrich Karl" und die KreuzerFrauenlob",Arkona" undUndine". Neu in Angriff genommen wurden die durch den Marine-Etat 1902 bewilligten 8 Schiffe. Insgesammt befinden sich jetzt 6 Linienschiffe, 3 Panzerkreuzer, 6 Kreuzer und 2 Kanonenboote auf der Kaiserlichen und 6 Privatwerften im Bau. Vier erstklassige Linienschiffe wurden im Bau vollendet und in Dienst gestellt: Kaiser Karl der Große",Wittelsbach",Zähringen" undWettin", während die LinienschiffeKurfürst F-iedrich Wilhelm",Brandenburg" undWeißenburg" die Flagge strichen, um auf der Werft in Wilhelms» Haven modernisiert zu werden. Außer dem großen KreuzerPrinz Heinrich" wurden auch einige kleinere Kriegsfahrzeuge im Bau vollendet.

Die gesammte Forstfläche in Deutschland umfaßte am 1. Juni 1900 19 995 869 Hektar, d. h. 87 470 mehr als im Jahre 1883. Die Staats- und Kronforsten nahmen im Jahre 1900 eine Fläche von 4 687 391 Hektar ein, d. h. 181 623 Hektar mehr als vor 17 Jahren. Auch die Gemeinde- und StiftungS fotfien haben zugenommen, dagegen abgenommen die Genoffenschaftsforsten und von 6 720 984 auf 6 503 364 Hektar die Privatforsten.

Zu der Angelegenheit, betreffend die Kronprin­zessin von Sachsen, liegen folgende weitere Meldungen vor: Dem WienerFremdenblatt" wird aus Salzburg gemeldet: Kronprinzessin Luise traf am 10. Dezember in Salzburg ein und überreichte am nächsten Tage dem Primararzt Dr. Minnich, welcher dem Kronprinzen nach seinem Jagdunfall am 20. Novem­ber ärztliche Hülfe geleistet hatte, eine sächsische Ordens» auszeichnung. In der Nacht vom 11. auf den 12. ds. MtS. verließ Kronprinzessin Luise mit ihrem ältesten Bruder, dem Erzherzog Leopold Ferdinand, Salzburg. Man spricht davon, daß sich die Geschwister nach der Schweiz und Frankreich begeben haben. Am toskanischen Hofe war die Bestürzung am Morgen des 12. eine überaus große. An die hiesigen Zeitungen wurde seitens des toskanischen Ober-Hofmeisteramt» sofort das Ersuchen gestellt, keine Nachrichten aus fremden Zeitungen zu übernehmen, sondern zu warten, bis offizielle Verlaut­barungen erfolgen .EinigeTagespäter erschienimDresdn. Journal" die Meldung von einer Erkrankung der Kron­prinzessin. Man wunderte sich, daß die Kronprinzessin in Salzburg weilte, obgleich der Kronprinz krank dar- niederlag. Die Eltern drangen in ihre Tochter, um jedes Aufsehen zu vermeiden, sich sobald als möglich nach Dresden zurückzubegeben. Erzherzog Leopold stellte sich auf die Seite seiner Schwester; es soll zu heftigen Szenen gekommen sein, welche schließlich dazu führten, daß Kronprinzessin Luise und der Erzherzog Salzburg heimlich verließen. DasNeue Wiener Tageblatt" meldet aus Salzburg: Kronprinzessin Luise traf in der ersten Dezemberwoche unangesagt und ohne jede Be­gleitung von Dresden in Salzburg ein und begab sich nach dem Wohnsitz ihrer Eltern. Ueber ihre Abreise aus Salzburg wird berichtet, daß sie zu einem der Salzburg bei Nacht passirenden Züge ohne jede Be­gleitung im Fiaker beim Bahnhöfe vorfuhr, sich selbst am Schalter ein Fahrkarte löste und in ein abgesondertes Abtheil stieg. Die Kronprinzessin wurde am Bahnhöfe wohl erkannt, doch war es selbstverständlich, daß sie Niemand ansprach und man in ihrer Abreise nichts Ungewöhnliches sah, um so weniger, als sie auch allein angekommen war. Erst am Tage nach der Abreise wurden vom Palais aus Nachforschungen angestellt, doch unter Beobachtung größter Vorsicht. Seit der Zeit wird über die Angelegenheit das größte Stillschweigen gewahrt. Die heute hier bekannt gewordene offizielle Verlautbarung, welche die Abreise der Kronprinzessin ins Ausland meldet, wird allgemein besprochen, zumal die Kronprinzessin bekanntlich ihre ganze Jugend in Salzburg verbrachte, dort erzogen wurde und in der Bevölkerung sehr populär

und beliebt war. Wie man versichert, hat die Kron­prinzessin ihr Heim in Dresden infolge eines Familien­zwistes verlassen. DemNeuen Wiener Tageblatt" wird ferner aus Salzburg gemeldet: Die Kronprinzessin löste für einen der spät nach Mitternacht Salzburg passirenden Züge eine Karte für eine nicht allzuweit entfernte Station, stieg an dieser aus und setzte dann die Reise fort. Dieses Aussteigen aus dem Zuge an der Zwischenstation, in der man sie nicht kannte, läßt einen vorher entworfenen Reiseplan vermuthen. Dies führt auch thatsächlich dazu, daß erst eingehende Erkun­digungen eine Feststellung der von der Kronprinzessin eingeschlagenen Reiseroute ermöglichten Aus Salz­burg, 23. Dezember, wird derFrankfurter Zeitung" gemeldet: Die Flucht des Erzherzogs Leopold hängt auch mit einer Damenbekanntschaft zusammen. Der Erzherzog unterhielt sei längerer Zeit Beziehungen mit einer ehemaligen Ballerine Namens Adamowitsch, welche er häufig in Wien besuchte. Nunmehr wollte der Erzherzog die Dame heirathen und richtete an den Kaiser ein Schreiben des Inhalts, daß er sich ent- schloffen habe, auf alle Rechte eines Erzherzogs zu ver­zichten und fortan Woelfling heißen wolle. Der Erz­herzog, welcher mit feiner Schwester, der Kronprinzessin von Sachsen, Salzburg verließ, traf mit der obenge­nannten Dame in München zu sammen, von wo die Gesellschaft die Fahrt nach Genf forisetzte.

Die formelle Entscheidung des Präsidenten Roosevelt über das ihm angetragene Schiedsrichteramt dürfte nicht vor Donnerstag erfolgen. Man zweifelt hier nicht daran, daß er sich der ihm zugedachten ehrenvollen Aufgabe unter­ziehen wird, trotz einiger Bedenken, die seitens des Washing- toner Kabinets geltend gemacht werden. Weiter wird gemeldet: Das deutsche KanonenbootPanther" liegt vor dem Hafen von Maracaibo, um das venezolanische Kriegs­schiffMiranda" abzufangen. Der Hafen ist minirt, die Forts sind armirt. Castro befindet sich wohl, die Gerüchte von seiner Erkrankung sind unzutreffend. Das Anhalten amerikanischer Dampfer ivar nur durch ein Mißverständniß verursacht, mit der Kriegsblokade hatte es nichts zu thun. Die Versenkung zweier venezolanischer Dampfer durch denPanther" war durch eine Nothlage unseres Kanonen­bootes bedungen worden. Nach einer Meldung der New Iork World aus Willemstad hatte derPanther" die Prisen ins Schlepptau genommen, als der deutsche Consul seine Hilfe verlangte. Da die Prisen ankerlos waren, derPan­ther" aber seine Anker nicht entbehren konnte, hatte er nur die Wahl zwischen Freigeben oder Versenken der venezola­nischen Schiffe.Panther" that letzteres, ging dann in den Hafen zurück, landete ein Detacheinent und nahm den Consul an Bord. Ueber die Thätigkeit der deutschen Kriegsschiffe wird weiter berichtet: London, 23. Dezember. Reuters Spezialkorrespondent meldet aus Caracas: Das venezolanische KanonenbotMiranda" ist im südlichsten Theil des Sees von Maracaibo außer dem Bereich der Verbündeten. Der dentsche KreuzerFalke" versuchte, die Meerenge von Maracaibo ohne Lootsen zn durchfahren, gab aber den Versuch als zu gefährlich auf und kreuzt jetzt nördlich da­von. Die Lebensmittelvorräthe in Caracas reichen höchstens 14 Tage, nur eine Mehlimport-Firma hat die Preise noch nicht erhöht.

Weihnacht.

Ist das die Welt mit ihrem Leide, Die heut in tausend Lichtern glänzt? Die Erde in des Winters Kleide, Die sich mit dufl'gem Grün bekränzt? Sind das die Herzen, wohl zum Haffen, Doch nicht zum Lieben schnell bereit, Die heut mit Liebe warm umfassen Die ganze Menschheit weit und breit?

Sieh, wie die wandermüden Alten, Nur zehrend von Erinnerung, So froh zur Jugend heut sich halten, Al« ob sie selbst noch einmal jung! Wo aber gestern noch vom Herzen Ein andres grollend sich gewandt, Da schließt im Glanz der Weihnachtskerzen Versöhnend sich heut Hand in Hand,

Das ist dein Zauber, den auch heut Du übst aufs neue, heilige Nacht.

Die aller Welt einst Friede, Freude, Versöhnung, Trost und Heil gebracht.

O Weihnachtsglocken, WeihnachtSlieder, Vom Christuekind die Wundermär Wer doch mit all den Kindern wieder Nur einmal noch ein Kind heut wär'!

Ein Kind, dem rauh noch nicht das Leben Der Seele schönsten Traum zerstört, Das gläubig noch sieht Engel schweben, Den Heil'gen Christ noch kommen hört, Wenn er in abendlicher Stunde.

Von seiner Gaben Last gebückt, Von Haus zu Hause macht die Runde, Daß drinn den Weihnachtsbaum er schmückt.

Aus Presiliz Nil AllHarietiet.

* Den Kreissekretären Köhler in Fulda, Baum- gart in Fritzlar, Hennig in Posen, Biehlig in Husum, Z i m d a r S in Naugard und N e h n e r t

in Glogau ist der Charakter als Kanzleirath verließ worden.

) ( Hersfeld, 24. Dezbr. Die für den Wahl, kreis Hersfeld-Hünfeld-Rotenburg be nationalliberalek^Seite ausgestellte Kandidatur bes §etti von Eckardstein ist seitens des Centralkomitäs konservativen Partei des Wahlkreises einstimmig ab, be gelehnt worden. Auf gleichem Boden steht der Bunt rtd der Landwirthe. Sofern die Kandidatur des Hern § v. Eckardstein nicht zurückgezogen werden sollte, wirb ot konservative Partei im Verein mit dem Bund der Sank de Wirthe einen besonderen Kandidaten ausstellen.

Hersfeld, 24. Dezember. (Aenderung i n bti Titeln der Postunterbeamten.) Der Kch, A hat folgende Aenderungen in den Titeln und bti 0e Uniformabzeichen der Unterbeamten der Reichs-Post- » Telegraphenverwaltung genehmigt. Den etatsmW w] angestellten Unterbeamten werden bei tadelfreier Führw de nach einer Gesammtdienstzeit von 15 Jahren, von dem die letzten fünf Jahre in der Stellung als vollbeschäftigiM Post- oder Telegraphen-Unterbeamter zugebracht sn ov müssen, als Auszeichnung goldene Schulter-PlattschnAZ verliehen. Die Unterbeamten in gehobener Die«- de stellung erhalten nach der Art ihrer Verwendung ^ ol TitelO b e r - P o st s ch a sf n e r",Ober-Brief w träger" oderO b e r - L e i t u n g s a u f s e h ei se Für die bestätigten gehobenen Unterbeamten tritt bi(| = Titelvertheilung sofort in Kraft. Es ist in Aussil genommen, die gleichen Titel auch bewährten Unt- beamten in nicht gehobener Stellung nach Vollende einer längeren tadelfreien Dienstzeit zu verleihen. L T Schulter-Plattschnüre, die am Dienstrock und an ir Sommer-Litewka auf beiden Schultern zu tragen haben eine Breite von 4 mm und werden an dE bi oberen Ende 1 cm von der Kragennaht durch eintl gelben polirten Metallknops mit ausgeprägtem Kaistz b lichen Adler, an dem unteren, mit der Aermelnaht o® $ schließenden Ende in einer dreifachen Schleife befehiK 8 Von denjenigen Unterbeamten, die regelmäßig TaM ei zc. mit Schulterriemen benutzen, werden die Schlitz n nur 8 Centimcter lang von der Aermelnaht ab getragn 8 Gegen Beschädigungen durch die Taschenriemen wer« 3 die Schnüre durch erhöhte Schulterknöpste geschützt, b zum Ausschrauben auf ein im Rock befestigtes UnH k theil eingerichtet und so angebracht sind, daß der Mf Knopfrand mit dem oberen Schnurende abschneid« 3 Muster der Schulter-Plattschnüre werden den Ober-Ptz $ directionen zugehen. Die Verleihung der Dienste« a zeichnungsschnüre und der Titel erfolgt durch die ObM $ Postdirectionen und wird den Unterbeamten durch an sie gerichtete Verfügung mitgetheilt.

* Den praktischen Aerzten Dr. Eysell, D * Menche, Dr. Schwarzkopf, Dr. Pfannk« * in Caffel, Dr. Wiederhold in Wilhelmshöhe, - * Manns in Schlüchtern, Dr. K o ch in Rinteln k * Charakter als SanitätSrath verliehen worden.

(§) Schenklengsfeld, 22. Dezember. Gelege»!- der in hiesiger Gemarkung fiattfinbenben Separation® * arbeiten soll auch das Wafferbett der durch den hiMtz Ort fließenden Solz reguliert werden. Man hofft, s mit den bei Hochwaffer für die Anwohner des B»M ! sich einstellenden Calamitäten abzuhelfen. Die Kotz hierfür sind auf ca. 20 000 Mk. veranschlagt, wovon ' Gemeinde den dritten Theil zu zahlen hat, während . übrigen 2/s durch staatlichen Zuschuß gedeckt merdütz Da auch der hiesige Ort bei Zustandekommen der B^tz Hersseld Heimboldshausen, von der man sich eiin- . großen wirthschaftlichen Vortheil für das ganze VW Landeck verspricht, einen großen Theil des auf dieLaH i gemeinden entfallenden Beitrages zu übernehmen so wird er eine bedeutende Schuldenlast für die ZukE zu tragen haben. M

Caffel, 22. Dezember. Auf dem OberstadtbahnhM ereignete sich vergangene Nacht ein Unfall. Der - L Stadttheil Wehlheiden wohnende verheirathete BrenW Jüngling war mit dem Kuppeln von Personenwag'M beschäftigt. Als er wieder unter dem Wagen herB kriechen wollte, kam er zu Falle und mit der red)^ Hand auf die eine Schiene zu liegen. Da im iiämM1 Augenblicke die Maschine anzog, ging dem Unglücks daß Rad deö einen Wagens über die Hand und tren^ dieselbe vom Arm ab.

Caffel, 22. Dezember. Die nächste Schw»M gerichtSperiode des Landgerichtsbezirks Caffel i® Montag den 12. Januar 1903 beginnen. Es sonn1® etwa 8 Straffälle zur Verhandlung, soweit es ficb jetzt übersehen läßt.

Caffel, 22. Dezember. (Strafkamme r.) Tagelöhner Johann Peter M. zu Tann hatte am September b. I. in dem dortigen fiskalischen W^'M biet gewildert und einem Forstbeamten, der ihn h'^M antraf, Widerstand geleistet. Da er wegen Jagdvergelj^W vorbestraft ist, so wird gegen ihn auf eine Gefängniß^'.M von 8 Monaten erkannt. Außerdem wird er sofort in * genommen.

Caffel, 23. Dezember. Auf der Zeche ,,^^^ im Habichtswalde ereignete sich heute Morgen f® tödtlicherUnglücksfall. Dem Bergmann aus Hoof fiel ein großes Stück Kohle auf den und zerschmetterte ihm die Hirnschale, so daß der sofort eintrat. Der Verunglückte war verheirathet 11 Hinterläßt 5 Kinder im Alter von 4 bis 14 Jah^"'

Treysa, 11. Dezember, Das von dem H^s^- Brüderhause (Anstalt Hephata) dahier errichtete"N y krankenhaus, das in baulicher und hpgi«nisch^ jiehung allen Anforderungen der Neuzeit entspricht, 1