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Gratisbeilagen:IUnftrirtes SonnragsbLatt" n.30«ftrirte tandwirthfehaftliche r»eUage.

«r. M. Iienslag Hei 18. Lezember 1902.

Amtlicher Theil.

Am 4. Oktober ds. Js. waren die dem Landwirth Jakob Ernst G l e b e zu Kohlhausen gehörigen, vor einen Wagen gespannten Pferde durchgegangen und mit dem Wagen in die Fulda gerannt. Glebe gerieth bei dem Versuche,, das Gespann aus dem Wasser herauszubringen, in Lebensgefahr und würde wahrschein­lich sammt den Pferden ertrunken sein, wenn nicht der in der Nähe mit Feldarbeit beschäftigte Landwirth Johannes G l e b e aus Kohlhausen sich schnell ent- schlossen in das kalte tiefe Wasser gestürzt und den Ge­fährdeten unter eigener LeibeSgefahr die nöthige Hilfe geleistet hätte.

Für diese lobenswerthe kühne That spreche ich dem Johannes Glebe hierdurch öffentlich meine Anerkennung aus. (A. I. 9534.)

Cassel, am 1. Dezember 1902.

Der Regierungs-Präsident. Trott zu Solz.

Hersfeld, den 15. Dezember 1902.

Den Herren Standesbeamten des Kreises gehen in den nächsten Tagen die Formulare zu den gemäß § 46 Nr. 7 der Wehrordnung vom 22. November 1888 anzufertigen- den Auszügen aus den Civilstaudsregistern zu. Die in Rede stehenden Auszüge sind alsbald anzuferti- gen und die ans den Geburtsregistern den O r t s v o r st ä u d e n der betreffenden Gemeinden pp. n m gehend zu übersenden, während die ans den Sterbe- r e g i st e r n alsbald d a h i e r e i n z u r e i ch c n s i n d. Die Angabe des Geburtstages, Monats und Jahres in den Letzteren hat unterBemerkungen" zu erfolgen, falls das genaue Datum, das aus dem Sterberegister nicht her- vorgeht, anderweit bekannt geworden ist. Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß für jeden einzelnen S t c r b e f a l l ein besonderer Auszug a n g e s e r t i g t werden m u ß.

J. II. 4722. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i u i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

I Nichtamtlicher Theil.

$o§ htiilsih-tWlischt Borzche» in$tiit$iitlii und die Bereiiiizteit Slaotto Don tarito.

Ein süddeutsches Blatt belehrt die deutsche Re­gierung darüber, wie sie zur Befriedigung der ver­letzten deutschen Interessen in Venezuela hätte vor-

!_L.J_ .......'... . =

Henning Senf au.

Von Hans von Heckethusen.

(Fortsetzung.)

| Ueber seine ernsten Züge war bei ihren letzten Worten ein Lächeln gehuscht, und ein Schimmer davon lag noch in seinem Gesicht, als er jetzt zu ihr gewendet, leise sprach:Haben Sie Muth, diese Sonne wird Ihnen noch scheinen; bleiben Sie sich nur immer selber treu, und vertrauen Sie aus Gottes Güte."

Ihre Hände glitten langsam herab, er faßte sanft die eine:Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, erhalten Sie es mir, bitte."

Sie erwiderte lebhaft den Druck seiner Hand, und er sah, daß trotz der Thränen der kummervolle Zug aus - ihrem Antlitz gewichen war.

Wollen Sie mir von diesem Vertrauen gleich eine -p'vbe liefern?" sagte er jetzt lebhafter, und als sie er* aussah:Können Sie mir sagen, in welchem «uiammenhange zu Ihnen und zu Ihrem Hause der geht, der Ihnen über den Bach damals folgen wollte, und von dem ich fast vermuthe, daß ich ihn heute morgen beim Wegreiten gesehen habe?"

gehen sollen.Obgleich Graf Bülow im voraus wissen konnte, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika nicht mit Deutschland gemeinsame Sache gegen Venezuela machen werde, schlug die deutsche Regierung noch am 11. Dezember 1901 in Washington eine gemeinsame Aktion gegen die Miß- wirthschaft in Caracas vor. . . Statt die Amerikaner zu einer gemeinsamen Aktion gegen Venezuela aus- zufordern, hätte die deutsche Regierung sich damit be­gnügen sollen, in Washington die bestimmte Erklärung abzugeben, daß von einer dauernden Besetzung irgend eines Punktes in Venezuela nicht die Rede sein könne und daß es sich bei dem Vorgehen Deutschlands gegen Venezuela lediglich um die Eintreibung alter Schulden handele."

Bei diesem Tadel hat die Neigung, der eigenen Regierung in den Rücken zu fallen, Pate gestanden. Er beruht auf Unkenntniß der wirklichen diplomatischen Vorgänge. Die deutsche Regierung hat nämlich am 11. Dezember 1901 genau das gethan, was sie nach dem Urtheile des vorschnellen Censors hätte thun sollen: das Kabinet in Washington wurde davon in Kenntniß gesetzt, das wir uns genöthigt sähen, gegen Venezuela wegen hartnäckiger Weigerung, unsere berechtigten Reklamationen zu erfüllen, vorzugehen, daß wir aber nicht daran dächten, irgend welche Landerwerbungen zu machen. An eine Kooperation mit den Vereinigten Staaten ist niemals gedacht worden. Jene Mittheilung, welche bezweckte, jedes Mißtrauen in den Vereinigten Staaten von vornherein auszuschließen, wurde in Washington freundlich ausgenommen; die Regierung des Präsidenten Roosevelt gab zu erkennen, daß sie nicht daran denke, über das Raubsystem amerikanischer Staaten ihre schützende Hand zu halten und sich dadurch mit eigener Verantwort­lichkeit gegenüber begründeten Forderungen europäischer Staaten zu beladen.

Das Vorgehen Deutschlands wurde damals durch den Ausbruch einer neuen Revolution in Venezuela aufgehalten. Inzwischen hat sich England uns ange­schlossen, das gegen Venezuela ähnliche Forderungen wie wir geltend zu machen hat und schon vor längerer Zeit sondierte, wie wir uns zu einer deutsch-englischen Kooperation stellen würden. Den Vereinigten Staaten gegenüber ist dadurch nichts geändert worden, auch nicht, nachdem der Präsident Castro die Rolle des wilden Mannes angenommen und durch Verhaftung der deutschen und der englischen Staatsangehörigen in Caracas einen neuen Völkerrechtsbruch begangen hat. Trotzdem fängt die gelbe Presse in den Vereinigten Staaten an, sich zu beunruhigen. Man bildet sich ein, daß Deutschland und England, um den Trotz der Venezolaner zu brechen, Truppen landen, eine militärische Expedilon ins Innere

Bei diesen letzten Worten sprang sie aus; ihr ganzes Wesen hatte etwas Herbes und Leidenschaftliches ange­nommen:Das ist der Mann, den meine Eltern für mich wünschen, und der mich seit Jahren mit seinen Werbungen quält," sie schauerte zusammen,er verfolgt mich geradezu, wenn ich meinen treuen Bill nicht hätte, wäre ich sogar vor einem gewaltsamen Ueberfall nicht sicher! Versucht hat er ihn, das weiß ich. Wie tief es mich empört, daß meine Eltern diesem Menschen immer noch das Kommen in unser Haus gestatten, werden Sie verstehen. Bill hatte es gestern abend her­ausgebracht, obwohl man es mir, wie immer, verheim­lichen wollte, daß er erwartet würde. Darum habe ich so früh das Haus verlassen und bin so weit geritten. Er ist imstande, mich zu suchen; ich reite auch nicht heim; es ist nicht das erste Mal, daß ich aus diesem Grunde tagelang von Hanse fortblieb; irgend ein Obdach habe ich noch immer gefunden."

Sie Arme!" sagte Lenkau herzlich,wie sehr be­wegen mich alle Ihre Worte! Und sein Name?"

Es ist ein Baron Ezerski, der in Oberschlesien große Besitzungen hat, Sie verstehen, deshalb" sie schauerte wieder zusammen.

Er wiederholte langsam den Namen und sprach dann

unternehmen und sich für das unvermeidliche Blutver­gießen durch territoriale Erwerbungen entschädigen würden. Unsere Regierung denkt nicht daran, sich in ein Abenteuer, wie die napoleonische Expedition nach Mexiko, einzulassen. Die Besetzung von Zollämtern, die Errichtung einer Blockade der venezolanischen Küste wird aller Wahrscheinlichkeit nach hinreichen, um die venezolanischen Bramarbasse zur Vernunft zu bringen und die deutsch-englischen Forderungen einzutreiben. Die deutsch-englische Kooperation wird ihren von den offiziellen Kreisen in Washington gebilligten Charakter bewahren, der lediglich durch den Zweck bestimmt wird, Zwangsmaßregeln gegen einen böswilligen und ver» wegenen Schuldner durchzuführen.

* * *

Castros Antwort auf das Ultimatum ist in Berlin eingetroffen. Sie wurde durch ein Tele­gramm des deutschen Geschäftsträgers v. Pilgcim auf Port of Spain hierher übermittelt, wonach ih. am 10. d. Mts. die vom 9. datirte, in a l l e n P un k ter- ablehnende Antwort des Präsidenten Cwn, auf das am 7. ds. Mts überreichte Ultimatum Un- gangen ist. . t akunft

Danach wird man bezweifeln dürfen, ob es aehme Castro mit dem später angeregten Schiedsgericht über.Vor ernst ist oder ob er nur hofft, auf diese Weise Zeitige weiteren Rüstungen zu gewinnen- g.

Die B e s ch l a g n a h m e d e r v e n e z o l a n i s ch m Flotte ist, wie aus Port of Spain gemeldet wird jetzt vollendet. Die Schiffe werden von Engländern be­mannt und thun englischen Dienst. Der englische KreuzerAriadne" ist in Port of Spain eingetroffen, die übrigen britischen Kriegsschiffe setzen die Bewachung der Küste Venezuelas fort. Die Schifffahrt auf dem Orinoco ist wieder freigegeben worden.

La Guayra, 12. Dezember. Der englische KreuzerCharybdis" mit dem Kommodore des Geschwaders an Bord, sowie die deutschen KriegsschiffeVineta" und Stosch" lasen heute früh vor La Guarya ein und nahmen beherrschende Stellungen in Schlachtlinie ein. Den hier eingetroffenen Handelsschiffen wurde nicht gestattet, in den Hafen einzulaufen. Die Zollbehörden lehnten es ab, den Leichterschiffen zu gestatten, die Kauffahrteischiffe zu entladen, außer wenn die Schiffe in den Hafen hineinkommen. Die Regierung schaffte die gesummte Munition aus den Festungen fort. . *

Telegraphische Depesche.

Puerto Cabello, 15. Dezember. Der englische KreuzerCharybdis" und das deutsche

wie in Gedanken:Oberschlesien! Wir hatten einmal ein großes Manöver dort, und wenn mich nicht alles täuscht, lagen wir auf einem Schloß im Quartier, dessen Eigenthümer diesen Namen trug. Mein kurz geführtes Tagebuch wird meinem Gedächtniß nachhelfen! '

Bill erhob sich jetzt schlaftrunken, aufgeweckt durch das lauter gewordene Gespräch der beiden und starrte sie ist sitzender Stellung einen Moment an, dann lachte er zufrieden, erhob sich schwerfällig und kam auf sie zu: Gnädigste Gräfin, habe ich mich aber erschrocken; ich träumte soeben, der Baron wolle Ihnen ans Leben, ich hörte deutlich Ihre Stimmen; da wachte ich auf und hörte Sie wirklich sprechen nein, d e r Schreck mir war, als schnüre mir jemand die Kehle zn, ich riß meine Augen auf und sah? Ach, Herr Rittmeister, ich bin doch rein gar zu glücklich, daß Sie da sitzen und nicht der Baron!"

Rita und Lenkau saßen noch eine Weile in ernstem Gespräche zusammen, ließen sich auch durch Bills freund­liches Zureden bewegen, etwas von dem mitgebrachten Essen zu sich zu nehmen, was ihnen beiden ersichtlich wohl that.

Lenkau gelang es dann, Rita zu bestimmen, mit ihm in ein nahes Dorf zu reiten, wo er bei einer Bauers