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Hersfeld, den 4. Dezember 1902.
Laut Verfügung des Herrn NegierungS-Prästdenten vom 29. v. Mts. hat sich nach einer Mittheilung des Herrn JustizministerS ein nicht unerheblicher Theil der bisher zur gerichtlichen Kenntniß gelangten, von Gemeinde- (GutS-) Vorstehern gemäß §§ 2249, 2250 B. G. B. aufgenommenen Testamenten als nichtig herausgestellt. Bei einem Theile dieser Testamente lag eine Verletzung wesentlicher Formvorschriften vor, bei einem andern Theile beruhte die Ungültigkeit auf dem Abläufe der für die Wirksamkeit der Nothtestamente bestimmten dreimonatigen Ausschlußfrist. Es liegt die Vermuthung nahe, daß die Gemeinde- (Gut«-) Vorsteher in dem hauptsächlich in Betracht kommenden Falle des § 2249 B. G. B. es häufig mit der Prüfung, ob dem Erblasser die Errichtung eines Testamentes vor Richter oder Notar nicht mehr möglich ist, nicht genau genug nehmen, sondern aus Gefälligkeit oder um dem Erblasser Kosten zu ersparen, sich zur Aufnahme einet Testaments nicht selten bereit finden lassen, wo sie die DringlichkeitSfrage verneinen und daher ihre Mitwirkung versagen mußten Indem ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises hiervon in Kenntniß setze, mache ich dieselben noch besonders daraus aufmerksam:
1. daß die Bürgermeister (Guts.Vorsteher) — abge< sehen von dem Falle des § 2250 des Bürgerlichen Gesetzes — nur dann sich der Aufnahme eines Testaments unterziehen dürfen, wenn sie bei ge» wissenhafter Prüfung die Besorgniß für begründet halten, daß der Erblasser früher sterben werde, als die Errichtung eines Testaments vor dem Richter oder einem Notar möglich sein würde (§ 1 Nr. 1 der Anweisung).
2. daß sich die örtliche Z uständigkeit der Bürgermeisters A (GutS-VorsteherS) auf den Gemeinde (Guts-) Bezirk beschränkt (ebenda § 1 a. N.) und
- 3.
daß der Bürgermeister (Guts-Vorsteher) den Erblasser über die zeitliche Beschränkung der Gültigkeit des Nothtestamentes nach § 2252 Absatz 1, 2 B.
G. B. zn belehren hat § 15 (a. a. O).
I 7670. Der Königliche Landralh Freiherr von Schleinitz Geheimer RegierungS-Rath.
HerSfeld, den 6. Dezember 1902.
Die Herren OrtSvorstände erhalten in den nächsten Tagen die Rekrutirungsstammrollen von den Jahrgängen 1880, 1881 und 1882 zurück, um dieselben nebst den Anlagen in der Gemeinde-Reposttur gemäß § 46 Ads. 12 der W.-O. sorgfältigst aufzubewahren.
I. II. Nr. 3156.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersseld, den 2. Dezember 1902.
Unter den Schofheerden des Schäfers Götting und des vorherigen Schäfers Urstadt zu Salzberg, Kreis Homberg, ist die Räude ausgebrochen.
I 7610.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
HerSfeld, den 6. Dezember 1902.
Die Herren Ortsvorstä nde, welche mit Einreichung des Verzeichnisses über den Bestand an Pferden und Rindvieh vom 2. November d. J. noch im Rückstände sind, werden hieran erinnert mit Frist bis zum 10. d. M. unter Androhung einer Ordnungsstrafe von 3 Mk.
J. I. 5980. Der Königliche Landrath.
J. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Theil
am
Berlin, 7. Dezember.
Die Ansprache, welche Se. Majestät der Kaiser Freitag an die Abordnung der Arbeiter Breslaus
aus dem dortigen Bahnhöfe hielt, hat folgenden Wortlaut;
„Daß die Arbeiter Breslaus sich entschlossen haben, zu Mir, ihrem Könige und Landesvater, zu kommen, hat Mich mit freudiger Befriedigung erfüllt, und das in zweifacher Weise. Zum Ersten habt Ihr Meine in Essen ausgesprochenen Erwartungen nicht getäuscht, zum Andern habt Ihr dadurch das Andenken Meines seligen Freundes Herrn Krupp vorwurfsfrei wahren helfen. Von Herzen danke Ich dem Sprecher für seine warm empfundenen, patriotischen Worte. Sie zeugen davon, daß ehrenhafte Gesinnung und Anhänglichkeit 'an König und Vaterland unter Euch fest wurzeln. Euer Stand ist stets Gegenstand Meines eingehenden Interesses und Meiner ; Fürsorge gewesen, denn mit Stolz konnte Ich im Auslande beobachten, wie der deutsche Arbeiter vor allen anderen an- ; gesehen wird, und mit Recht. Ihr dürft freudig an Eure
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Brust schlagen und Eurer Arbeit und Eures Standes froh sein. Durch die herrliche Botschaft des großen Kaisers Wilhelm L eingeleitet, ist von Mir die soziale Gesetzgebung weitergeführt, durch die für die Arbeiter eine gesicherte und gute Existenzbedingung geschaffen worden bis ins Alter hinein unter Auferlegung von oft bedeutenden Opfern für die Arbeitgeber. Und unser Deuffchland ist das einzige Land, in welchem diese Gesetzgebung bereits in hohem Maße zum Wohle der arbeitenden Klassen fortentwickelt ist. Auf Grund dieser von Euren Königen Euch zugewendeten großen Fürsorge bin Ich berechtigt, auch ein Wort aufklärender Mahnung an Euch zu richten. Jahrelang habt Ihr und Eure deutschen Brüder Euch durch die Agitatoren der Sozialisten in dem Wahn erhalten lassen, daß, wenn Ihr nicht dieser Partei angehörtet oder Euch zu ihr bekenntet, Ihr für nichts geachtet und nicht in der Lage sein würdet, Euren berechtigten Interessen Gehör zu verschaffen zur Verbesserung Eurer Lage. Das ist eine grobe Lüge und ein schwerer Irrthum. Statt Euch objektiv zu vertreten, haben diese Agitatoren Euch aufzuhetzen versucht gegen Eure Arbeitgeber, die anderen Stände, gegen Thron und Altar und Euch zugleich auf das Rücksichtsloseste aus- gebeutet, terrorisirt und geknechtet, um ihre Macht zu stärken. Und wozu wurde diese Macht gebraucht? Nicht zur Förderung Eures Wohles, sondern um Haß zu säen zwischen den Klassen und zur Ausstreuung feiger Verleumdungen, denen nichts heilig geblieben, und die sich schließlich am Hehrsten vergriffen, was wir hienieden besitzen, an der deutschen Mannesehre! Mit solchen Menschen könnt und dürft Ihr als ehrliebende Männer nichts mehr zu thun haben und nicht mehr von ihnen Euch leiten lassen. Nein! Sendet uns Eure Freunde und Kameraden aus Eurer Mitte, den einfachen schlichten Mann aus der Werfftatt, der Euer Vertrauen besitzt, in die Volksvertretung; der stehe ein für Eure Wünsch^ und Interessen, und freudig werden wir ihn willkommen heißen als Arbeitervertreter des deutschen Arbeiterstandes, nicht als Sozial demokraten. Mit solchen Vertretern des Arbeiterstandes, so viele ihrer sein mögen, werden wir gern zusammenarbeiten für des Volkes und des Landes Wohl, und wird so für Eure Zukunft gut gesorgt sein, zumal da sie natürlich fest fußen werden auf der Königstreue, auf der Achtung vor dem Gesetze und dem Staate und vor der Ehre ihrer Mitbürger und Brüder, getreu dem Schriftwort: „Fürchtet Gott, habt die Brüder lieb, ehret den König." "
Die von Sr. Majestät dem Kaiser empfangene Abordnung bestand aus 6 Arbeitern der alten Linkeschen Fabrik' in Breslau, aus 4 Arbeitern der Linkeschen Maschinenbauanstalt, 2 Arbeitern der Hoffmannschen Wagenbauanstalt und aus je einem Arbeiter von Hemna, Dauber, Meinecke, Trelenberg, Suckow und Heckmann. Die Ansprache, welche der schon mehr als 25 Jahre in der Linkeschen Wagenbauanstalt beschäftigte Federschmied Karl Klammt hielt, lautet:
„Mehrere Tausend Arbeiter der Breslauer Waggonfabriken und Maschinenbauanstalten bitten, Euer Majestät die unter thänigsten Huldigungen darbringen zu dürfen. Das Ver-
Henning Lenkau.
Von Hans von Hecket Hufen.
(Fortsetzung.)
Sie hielt jetzt mit Gehen inne, auch das Pferd
stand
sofort, ’— und sich neigend strich sie mit den Finger- spitzen langsam an den Vorderbeinen hinunter. „Fühlen Sie, hier sind noch die Narben!"
Er that, wie sie sagte.
„Er hat für Kenner dadurch an Werth verloren, für mich aber daran gewonnen, denn er ist mir in der schweren Pflege noch lieber geworden und seitdem so unbedingt gehorsam!"
Dies gefiel Lenkau, denn da» war so garnicht sportsmäßig, sondern ein rein weiblicher Zug, und er lächelte schweigend.
Es war spät geworben, wie sie daheim anlangten. banste ihm mit herzlichem Händedruck für seine Begleitung und sah ihn dabei so freundlich an, daß auch seine ernsten Züge sich lichteten und seine Augen sich ganz öffneten, um sie anzuschauen. Rita bemerkte ver, wie ein weicher Ausdruck sein Gesicht verschönte * "°°B die herben galten um den Mund verschwunden
^verneigte sich tief und schritt int Hau».
‘ ' der sie längst eingehakt hatte, nahm Star und führte ihn in seinen Stand.
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9M ""'llbn Wochen trat Lenkau einen vierzehn-
tägigen Urlaub an, den er zum Theil bei einem Onkel in Berlin zu verbringen gedachte. Es knüpften ihn innige Beziehungen grade an diesen Onkel, der ein älterer Bruder seines früh verstorbenen Vaters war.
Thepbald Graf Lenkau war Junggeselle; er besaß ausgedehnte Besitzungen, der Grafentitel hing an einem allen Majorat und ging mit diesem auf den Eigentümer über. Henning Lenkau war, als ältester Sohn seines Bruder», fein einstiger Erbe. — Da war es dem alten Herrn ein großer Kummer, seinen Liebling immer noch unvermählt zu sehen, Hennings bedeutend jüngerer Bruder war vermählt und hatte Kinder. Es war dem Onkel ein schwerer Gedanke, daß seine schönen Besitzungen an diesen jüngern, weniger geliebten Neffen fallen sollten, was ja zweifellos würde, wenn Henning beharrlich eine so tiefe Abneigung gegen bat Heirathen behielt, wie bisher. Graf Theobald hatte gerade diesen Neffen so besonder» ins Herz geschloffen, vielleicht weil beide eine unverkennbare Aehnlichkeit hatten. Der alte Herr war größer und stattlicher; die Züge waren milde geworden, und ein Ausdruck von durchkämpstem Leid grub tiefe Falten um den großen, energischen Mund; aber eine seltene Herzensgüte und gewinnende Freundlichkeit lag in den grauen Augen. Das weiße Haar vervollständigte die sympathische, würdige Erscheinung einet alten und doch nicht gealterten Mannes, — dessen Herz noch jung war, der stets ein warmes Fühlen und eine öffne Hand hatte, wo es galt, Thränen zu trocknen und andern zu helfen. Wer je diesem vortrefflichen Manne begegnet war, hatte wohl stets das Gefühl be
halten, daß er zu den Auserwählten im Leben gehören müsse, denen die Liebe und das Vertrauen der Menschen zuflog. — Warum er unvermählt geblieben, darüber sprach er nie ein Wort, doch war es Henning nicht entgangen, daß die ernsten Falten um seinen Mund sich vertieften, wenn das Gespräch auf seine Jugend kam, und wenn jemand scherzend erwähnte, wie er bei dem großen Besitz doch Unrecht gethan habe, „Junggeselle" zu bleiben.
Er pflegte dann zu erwidern: „Sprechen wir nicht von mir, ich bin ein trocknes Reis geworden — wenn mir aber mein Junge den Kummer machte, es mir nach- zuthun, — das wäre ein Schmerz für meine alten Tage!"
Henning war aber taub in der Beziehung und versuchte es, den Onkel durch allerlei fröhliche Berichte über seine Pferde, seine Rennen, seine gute Leute, ge- müthliche Wohnung u. s. w. auf andere Gedanken zu bringen. Es that ihm ja selber leid für den guten, so unendlich geliebten Onkel, daß er ihm diesen — größten Gefallen nicht thun konnte, da er als zärtlicher Pflege- sohn sonst alles ausbot, ihn zu erfreuen und ihm seine tiefe, dankbare Liebe zu bezeugen.
Wie oft hatte ihn der Onkel ernst oder im Scherz gefragt: „Sind dir denn die Mädels wirklich alle gleich- giltig?"
Dann lachte Hennings ganze? Gesicht und zeigte dabei seine prachtvollen Zähne: „Ja Onkel, — alle."
Heute saßen die beiden Männer heiter plaudernd am Kamin des mit größter Behaglichkeit und mit Ge-