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Gratisbeilagen r „Illnprirter remntagrblatt" «. „IUnftrirte landwirthschaftliche Veilage."
Iieitftlig des 2. Itzember
1962 <
Amtlicher Theil
Hersfeld, den 1. Dezember 1902, Im Monat November d. I. sind dahier für die nach« bezeichneten Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine.
1. entgeltliche:
am
1/11.
für
den
«
W
am
3/11. „
4/11. „
6/11. „
W M
7/11.
8/11.
w
12/1L „
13/11.
17/11,
20/11.
M
W
* H
21/11. „
25/11.
28/11.
5/11. für
2. den
Königlichen Gymnasial • Oberlehrer Stern dahier;
Königlichen Gymnasial • Oberlehrer
Wassermeier dahier;
Gutsbesitzer Heinrich Hoßbach zu Hof
Weißenborn bei Friedewald;
Landgräflichen Waldwärter Chr. Claus in Philippsthal;
Leutnant von Rhöneck in Philippsthal;
Kaufmann Rudolf Peter in Friedewald; Königlichen Amtsgerichtsrath Roßbach dahier;
Apotheker Oskar Metz dahier;
Schmied Konrad Hildebrand in Rohrbach ;
Forstlehrling Paul le Plat in Frie« lingen;
Lohmühlenbesitzer Bernhard Heinrich Rössing dahier;
Bierbrauereibesitzer Wilhelm Steinweg dahier;
Landwirth Heinrich Pfalzgraf in WillingShain;
Tuchfabrikanten Friedrich Rechberg dahier;
Landwirth Arnold Rüger in Unterweisenborn ;
SchreinerJakobNieding in Gittersdors;
Gutsbesitzer Georg Gliemeroth sen. in Wölfershausen;
Gutsbesitzer Otto Reinhatd in Landershausen ;
Verwalter Friedrich Spie« in Obergeis;
Gastwirth Heinrich Eichmann in
Mengshausen;
unentgeltliche.
Königlichen Förster Uhl zu Forsthaus Stöckig;
am 6/11. für den städtischen Forstaufseher Meinel in Heenes;
„ 14/11. „ „ Königlichen Forstaflessor Diels dahier;
„ „ „ „ Königlichen Förster Buge in Heenes;
„ „ „ „ TrochinMeckbach;
„ 24/11. „ „ Königlichen Forstaufseher Klötzschke dahier.
B. Tagesjagdscheine r
am 25/11, für den Siebmacher Peter Steinweg dahier;
„ „ „ „ Bauunternehmer Heinrich Bätza d a hier;
Der Königliche Landrath.
I. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Theil.
Venezuela.
Venezuela, auf deutsch Klein-Venedig, ist eins der herrlichsten Landgebiete auf unserer Erde. Kein Geringerer, als Alexander von Humboldt, hat schon vor hundertJahrennach seiner weltberühmten südamerikanischen Forschungsreise, die wundervolle, von üppigster Fruchtbarkeit und kostbaren Bodenschätzen strotzende Natur dieses Landes geschildert, dem ein ewig blauer Himmel beschieden ist, und dessen Küstenformation dem Handel die günstigsten Bedingungen gewährt. Die Geschichte des interessanten Landes, — das, nebenbei bemerkt, fo groß wie Deutschland und Frankreich zusammen genommen ist, doch kaum zwei Millionen Einwohner zählt — läßt sich in wenigen Worten darstellen: Sie bildet eine fortlaufende Kette von Raufhändeln. Bald ist es ein Crespo oder Monagas, bald ein Falcon, Blanco oder Salazar, der mit Hilfe eines beutelustigen Haufens von Abenteurern sich der Präsidentenwürde bemächtigt, um früher oder später von seinem Nachfolger beseitigt zu werden.
Heute sitzt auf dem Präsidentenstuhle der Venezolanischen Republik Herr Castro, ein früherer Maulthier- treiber. Er gehört zu jenen Leuten, die lieben, alles zu nehmen, was und wo sie etwas bekommen können, ohne es zu bezahlen. Auf diese Weise ist er vielfacher Millionär geworden, zum Theil auf Kosten der zahlreichen Deutschen, die dort fast den gesummten Handel
in Händen haben und mit großen, nach vielen Millionen zählenden Kapitalien arbeiten.
Die Verletzung deutscher Rechte und Interessen in Venezuela liegt klar zu Tage. Schon im vorigen Jahre waren deutsche Marinesoldaten von venezolanischen Polizisten überwältigt und mißhandelt worden, wofür allerdings nach einigem Sträuben Sühne geleistet wurde. Dann wurde ein Mann, der einen deutschen Kaufmann auf offener Straße ohne Grund erjchossen hatte, von denGerichtenfreigesprochen. Außerdemist die venezolanische Regierung mit den Angestellten der hauptsächlich mit deutschem Kapitale erbauten und unter deutscher Verwaltung stehenden „Großen VenezuelaEisenbahn-Gesell- schaft" in Konflikt gerathen. Die Eisenbahn-Verwaltung weigerte sich, ohne Bürgschaften für den möglicherweise hieraus entstehenden Schaden Truppen des Präsidenten Castro zu befördern. Dieser hat hierauf die Eisenbahnstationen militärisch besetzen und den Verkehr unterbrechen lassen. Deutscherseits ist vergeblich die Freigebung des Verkehrs verlangt worden. Hierzu kommt noch, daß die Regierung von Venezuela den finanziellen Verpflichtungen die sie der deutschen Eijenbahnbau-Gesellschaft gegenüber übernommen hat, nicht mehr nachgekommen ist. Nach Millionen belaufen sich die Verluste reichsdeutscher Kaufleute, Banken und Kapitalisten. Die venezolanischeRegierunghat auch die deutschen Forderungen als berechtigt anerkannt, aber zu ihrer Begleichung die Hände nicht gerührt.
Die Geduld der Reichsregierung ist nun zu Ende, nachdem alle gütlichen Ermahnungen von Herrn Castro in den Wind geschlagen sind. Mit großer Freude ist es allseitig begrüßt worden, daß wir uns mit England, das dieselben trüben Erfahrungen gemacht hat, zu einer gemeinsamen Operation gegen Venezuela verständigt haben. Einige deutsche Kriegsschiffe werden in diesen Tagen auslaufen, um den Venezolanern zum Bewußtsein zu bringen, daß sie deutsche Interessen nicht ungestraft verletzen dürfen. Mit der Monroe-Doklrin, wonach in amerikanische Angelegenheiten nur Amerikaner hineinreden dürfen, hat diese Expedition nichts zu thun. Präsident Roosevelt hat ausdrücklich darüber gesagt: „Wir leisten keinem Staate Gewähr gegen Bestrafung für übles Verhalten, vorausgesetzt, daß diese Bestrafung nicht die Form einer GebietS-Erwerbung durch eine nicht-amerikanische Macht annimmt." Und wir fordern gar kein Gebiet in Venezuela, und wenn wir auch viel-
Henning Lenkau.
Von Hans von Heckethusen.
In einer kleinen mitteldeutschen Kavallerie-Garnison saßen die Offiziere des dort stehenden Ulanen Regiments in ihrem Kasino zusammen; es waren mehrere ledige Rittmeister darunter, die sich an einem gemüthlichen Eckplätze gruppiert hatten, um einen behaglichen Nachtisch zu halten.
Die jüngern Herren ergingen sich in Späßen — und f Neckereien flogen hin und her.
Die Augen aller richteten sich plötzlich zur Thür des Speisesaales, durch die der Adjutant des Regimentes ver- t spätet eintrat. Er wurde mit lautem Halloh begrüßt, auch wegen des zu zahlenden Strafgeldes verspottet, doch lag in dem ganzen Empfang eine unverkennbare Herz- U lichkeit, die auf seine Beliebtheit schließen ließ.
„Kinder, ich habe bis jetzt auf dem Büreau gesessen," I entschuldigte er sich lachend, „und bringe euch eine Neuig- Dkeit mit."
Hier sah er sich vielsagend um, sein frische- Gesicht zeigte einen pfiffigen Ausdruck: „Eine Neuigkeit in der Gesellschaft!"
„Und die wäre?" fragte einer der drei Rittmeister, | ein Mann mit kleinen, schwarzen Augen.
„Die Infanterie Brigade hat einen neuen General, und, —" hier machte der Adjutant eine Pause, — und dieser hat eine Tochter!"
Alles lachte; der Rittmeister aber rief: „Warum soll ein General keine Tochter haben, lieber Malen! Meinet
wegen kann er zehn haben, mich soll's nicht rühren." Dabei faltete er gemüthlich seine kurzen, runden Hände über feiner wohlbeleibten Figur.
„Ja, aber diese Tochter, — er hat nämlich nur diese eine, — soll ein sehr schönes Mädchen sein, und reich sind die Leute auch — kolossal."
„Und heißen?" fragte ein andrer Rittmeister und wandle dem jungen Malen sein auffallend schön geschnittenes Gesicht zu, aus dem die großen Augen selbstbewußt in die Welt blickten.
„Graf Cerssenberg," sagte Malen.
Der dritte der Rittmeister verhielt sich schweigend, that nur dann und wann einen tiefen Zug aus seiner Cigarre, ja er sah nicht einmal auf bei der Unterhaltung, die sich über den neue» Zuwachs für die Geselligkeit und die Garnison entspann.
Einer der Umsitzenden rief ihn schließlich an: „Lenkau, interessiert Sie das denn garnicht?"
Der Angeredete streifte langsam eine kunstvolle konservierte Asche von seiner Cigarre und sagte ruhig: „Nicht im mindesten, was gehen mich der neue General und seine Tochter an?"
Die andern lachten.
„Das sieht ihm wieder so recht ähnlich," bemerkte der Rittmeister mit dem schönen Gesicht," er denkt an seine Pferde und sein nächstes Rennen, darüber geht ihm nun mal nichts."
„Nein, nichts, Branden," erwiderte Lenkau, ohne aufzusehen; dann sich an den andern Rittmeister wendend, faßte er diesen unter den Arm: „Kommen Sie, Bolting,
ich will nach Hause, begleiten Sie mich, muß noch in den Stall."
Kurze Zeit darauf hatten beide das Kasino und den fröhlichen Kameradenkreis verlassen.
Sie bildeten ein ungleiches Paar! Boltings rundliche Gestalt war hochschultrig und kräftig, seine Haare sowie der spitz gedrehte Schnurrbart waren schwarz wie seine Augen. Ein beweglicher Kopf gab seinem lebhaften Wesen Ausdruck, und die spitze Nase vervollständigte das — so zu sagen — verschmitzte Gesicht. Liebenswürdigkeit und Gutmütigkeit machten dieses, was keinen Anspruch auf Schönheit machen konnte, angenehm, und sein heiteres Temperament gewann ihm bald alle Herzen.
Lenkaus Gestalt war schlank u-nd groß, seine blonden Haare trug er kurz, weil er es bequemer fand. Seine Gesichtszüge waren groß, ja häßlich auf den ersten Blick, die blauen Augen blickten ernst ins Leben, und um den Mund lag ein herber Zug. Die Leute sagten von ihm : „Kein Mann für Damen, ein Reitersmann aus Stahl und Eisen, nur Passion für den Sport, famoser Kamerad, — aber für die weichen und zarten Seiten des Lebens
— unzugänglich." Bolting und Lenkau waren unzertrennliche Freunde trotz der Verschiedenheit ihrer Neigungen; ein Verhältnis, das bei Männern, ohne daß viel darüber geredet wird, sehr treu und sehr tief ist und nicht wie bei Frauen deü vertraulichen Du bedarf,
Sie waren an Lenkaus Wohnung angekommen, die in der untern Etage einer Villa lag, und die er wegen ausgezeichneter Pferdeställe auf dem geräumigen Hofe bezogen hatte.