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$r. 131. IsrnierM Ki 8. Rsvemter 1902.

Bestellungen

auf das

Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Soimtagsblatt" -«» Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate November unv Dezember 1902 werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Land- briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hertzfeld, den 4. November 1902.

Die Herren Fleischbeschauer werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 11. Oktober d. Js. I. 6352, im Kreisblatt 121, Zulassung zur weiteren Ausübung der Fleischbeschau betreffend, mit Frist b i s zum 12. d. M t e. erinnert. Sollte bis zum obigen Termine eine Mittheilung dahier nicht eingegangen sein, wird diesseits angenommen, daß auf die fernere Beibe­haltung des Amtes als Schlachtvieh- und Trichinenbe- schauer verzichtet wird.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die vorliegende Kreisblatt - Nummer den Fleischdeschauern zur Einstchtnahme vorzulegen.

I. 6352. Der Königliche Landrath

J. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Diejenigen Herrn Bürgermeister, welche sich zum Zwecke der Anskunstsertheilung über die nächstjährige Gebündestener- Veranlagung noch nicht auf dem Katasteramt eingefunden haben, werden ersucht dies schleunigst nachzuholen, da der Termin bereits verstrichen ist.

Hersfeld, den 3. November 1902.

Königliches Katasteramt. Schmeißer.

Der Engel von Kleissfeld.

Von Adolf Reiter.

(Fortsetzung )

Die Gesellschafterin eilte mit dem Diener unver- richteter Sache nach Hause, und hier hörte sie von dem ihr entgegenkommenden Kammermädchen, daß die gnädige Frau soeben angelangt sei, sich aber sofort in ihr Schlafzimmer zurückgezogen und die Thür hinter sich verschlossen habe?

So ging denn auch Martha aus ihr Zimmer, aber der Schlaf war von ihr gewichen. Sobald sie die Augen schloß, stieg ihr ein Schreckbild nach dem anderen auf. Sie erhob sich, wollte lesen; allein sehr bald schweiften ihre Gedanken ab sie waren bei der Ferrara und Frau Schwartzkopf. Sie ging auf und ab in ihrem kleinen Zimmer. Wie noch viel kleiner als es war, kam ihr da« Gemach vor! Sie mußte vermuthen, daß das Verbrechen von Frau Schwartzkopf begangen sei und sie machte sich nun darüber Vorwürse, daß sie am Ende, wenn auch indirekt durch Verachtung der gewissen­losen Buhle die unglückliche Frau in dem Vorhaben bei fluchwürdigen That bestärkt haben möchte. Jetzt erst fiel es ihr auch auf, daß Frau Schwartzkopf gestern ein Herr Savage besucht hatte, der als Anarchistensührer bekannt war. Ob er ihr nicht die Dynamitpalione überreicht habe? __

Plötzlich hörte sie ein Klopsen an der Thür; sie er­schrak, es war jedoch nur das Kammermädchen.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 4. November.

Se. Majestät der Kaiser hörte gestern Vormittag noch denVortrog des Chefs des Militärkabinets General- leutnants Grafen v. Hülfen Haefeler, welcher auch zur Frühstückstafel geladen wurde. Se. Majestät der Kaiser nahm an der gestrigen Hubertusjagd nicht Theil. Nach­mittags unternahmen Beide Majestäten einen Spazier- gang. Abends begaben Ihre Kaiserlichen Majestäten Sich nach Berlin und wohnten der Vorstellung im Königlichen Opernhause bei. Es wurde gegebenLa Traviata" mit Frl. Farvar in der Titelrolle (alle Partien wurden in italienischer Sprache gesungen) und Das Mädchen von Navarra" von Maffenet mit Mme. de Nuovina in der Hauptiolle. Die Majestäten sahen die Vorstellung von der großen Proszeniumsloge und betheiligten Sich lebhaft an dem Beifall des Hauses. Die Damen und Herren der Umgebungen saßen in der großen Hofioge. In der Pause nahmen die Majestäten das Souper.

Die Vereidigung der Rekruten des Gardekorps aus den Garnisonen Berlin, Spandau, Charlottenburg und Groß - Lichterfelde fand heute 10 Uhr Vormittags in Gegenwart Sr. Majestät des Kaiser« im hie­sigen Lustgarten statt. Die Bataillone standen hierzu nebeneinander in Tieskolonne, Kompagnieen zu 4 Zügen, bei der Fußartillerie, Kompagnieen in Halbzügen, Kavallerieregimenter zu 4 Gliedern in Linie, Feld- artillerie, Batterien in Reihen nebeneinander, formirt.

Die Ausstellung leitete der Hauptmann v. Hake, Adjutant des Generalkommandos des Gardekorps. Die Generale, Stabsoffiziere, Hauptleute (Rittmeister) und die Rekrutenoffiziere standen vor ihren Truppentheilen. Als Zuschauer hatten die übrigen Generale und die in Regimentskommandeurstellen befindlichen Stabsoffiziere der Garnison im Portal IV des Königlichen Schlosses nach Anordnung des Kommandanten von Berlin Auf­stellung genommen. Truppen und Zuschauer waren im Paradeanzuge (mit angezogenen Mänteln) erschienen. Der kommandierende General des Gardekorps, General­leutnant, Generaladjulant Sr. Majestät des Kaisers und Königs v. Kessel war zu Pferde, ebenso die die Vereidigung vornehmenden Offiziere. Die vom 2. Garde.

Bitte, Fräulein Klein, kommen Sie doch herunter zur gnädigen Frau. Wie eine Rasende lobt sie in ihrem Schlafzimmer herum; sie wirft Gegenstände auf die Erde und laut schluchzend schreit sie in ganz schreck, licher Weite von Vergeltung, von Mord alles so unverständlich und ohne Zusammenhang. Auf mein Rufen und Fragen bittet sie sich Ruhe au« und schließt die Thür nicht auf. Ach, die Arme! Jedenfalls hat sie wieder etwas Schlimmes von Herrn Schwartzkopf erfahren."

Die Gesellschafterin eilte mit dem Mädchen sofort hinunter; sie klopfte an die Thür des Schlafzimmers der Hausfrau und bat um Einlaß.

O Gott, sind Sie es? Kommen Sie, liebste Martha, kommen Sie, mein Kind ich bin sehr un­glücklich!" Mit diesen Worten öffnete Frau Schwartz­kopf, zog die Gesellschafterin herein und schlug die Thür mit einer solchen Gewalt wieder zu, daß es in dem großen Hause weithin schallte.

Nun sagen sie mir einmal, was haben Sie heute Abend auf dem Wege vom Theater nach Hause gehört.

Martha berichtete sehr ausführlich.

Hat man den Mörder noch nicht entdeckt?" fragte Frau Schwartzkopf hastig weiter.

Bis jetzt noch nicht."

Martha, ich bin'ö, ich bin's!" sagte die Unglückliche mit leiser Stimme.Mein Mann hat mich zur Mörderin o nein ! zum Richter über die Ferrara gemacht! Die Nebenbuhlerin hat mein Kind gelobtet; sie hat mir mein ganzes Glück geraubt, mein Herz

Regiment zu Fuß gestellte Fahnenkompagnie, unter dem Befehl des Hauptmanns v. Baumbach, hatte inzwischen im Schloßhof Ausstellung genommen. Um 10 Uhr ritt Se. Majestät der Kaiser in Generalsuniform, mit dem Feldmarschallstab, mit Gefolge durch Portal IV des Königlichen Schlosses in den Lustgarten und begab fich, während die BrigadekommandeureSlillgestanden" kom- mandirten, die Front der Aufstellung entlang, jeder Brigade einenGuten Morgen" wünschend, den die Truppen brigadeweise erwiderten. Alsdann nahm Seine Majestät mit dem Gefolge dem Altar gegenüber Auf­stellung und befahl den Anmarsch der Fahnen und Standarten, welche sich in zwei Gliedern vor dem Altar mit der Front nach demselben, ausstellten. Die Feier begann nun mit einer Ansprache des evangelischen DivisionspfarrerS v.Stosch und des katholischen Divisions­pfarrers D. Wagner, woraus dann die Vereidigung brigadew'eise durch je einen Offizier vorgenommen wurde. Diese Offiziere, welche am Schlüsse der Ansprachen der Geistlichen im Schloßhose zu Pferde gestiegen waren, hielten vor der Mitte ihrer Brigade, wohin auch die von je einem Offizier geführten Feldzeichen der betr. Truppentheile gebracht waren. Die Vereidigung fand bei jeder Brigade nur ein Mal statt. Der Schlußsatz der Eidesformel wurde nach Konfessionen getrennt, das Amen" aber von evangelischen und katholischen Mann­schaften gemeinsam gesprochen. Seine Majestät wohnte der Vereidigung bei jeder Brigade bei. Dann hielt Se. Majestät an die Rekruten, mit weit über den Platz schallender Stimme, eine Ansprache, in der er sie zur Selbstzucht, zu unbedingtem Gehorsam und zu christlicher Gottesfurcht ermähnte, ihnen die Bedeutung des Fahnen­eides ans Herz legte, sie ausforderte, treu zu sein, auch im Kleinsten, und sie mit den Worten entließ:Nun gehet hin und thut Euren Dienst." Nach beendeter Feier brächte der kommandierende General des Garde- koips, Generalleutnant und Generaladjutant v. Kessel ein Hurrah auf den Allerhöchsten Kriegsherrn aus. Die Fahnenkompagnie war inzwischen vor den Altar gerückt und brächte die Fahnen und Standarten, die sich vor dem rechten Flügel der Kompagnie wieder gesammelt hatten, auf Allerhöchsten Befehl wieder in das Königliche Schloß zurück. Nach der Feier begab Seine Majestät sich mit Gefolge in das Königliche Schloß und demnächst zum Frühstück in das Kasino des Regiments Kaiser Alexander. Auf dem Kasernenhof hatten die Mannschaften

tödtlich verwundet, und sie hat mich zum Wohnnnn ge­trieben. Keinen Richter hat es gegeben, der sich meiner erbarmte! Wenn der arme Bettler den reichen Mann um einen halben Franc bestiehlt, nur, um nicht sein krankes Weib verhungern zu lassen, dann führt man ihn ab wie ein wildes Thier. Er wird eingesperrt, von den Organen der Justiz wird ihm bedeutet, stehlen dürfe er nicht! Ich hätte für die Erhaltung meines Kindes mein ganzes Vermögen hingeworfen;, doch die Rettung ist nicht möglich gewesen! Jenes Weib mußte wissen, welches Unheil sie dadurch anrichtete, daß sie mir den Mann entfremdete und entriß, da mein ganzes Glück in ihm ruhte, er allein mir die Lebensbedingung war. Und ungestraft war sie geblieben! Ja, man hat sie gefeiert, und sogar in dem Pelz, den mein Mann ihr, dieser Dirne, von meinem eigenen Gelde gekauft, hat man sie bejubelt, während man meiner, ich habe es ja deutlich vernehmen müssen; mit nicht wiederzu- gebenden Worten verspottete! Mein Leben ist nun da­hin! Aber was hatte es auch für einen Werth für mich! Erbärmlich war mir eine solche Existenz! Ha, ha, ha! Jene ist todt! Sie hat nur ihren Lohn er­halten weiter nichts! Ihr Ende ist ein würdiger Abschluß ihres bisherigen Treibens; es war die wohl­verdiente Strafe, welche zu vollziehen ich das Recht mir genommen habe!"

In diesem Augenblick klopfte es heftig an die Thür; Herr Schwartzkopf trat ein. Als die Unglückliche seiner gewahr wurde, trat sie ihm wie eine Furie entgegen man hatte es nunmehr mit einer Wahnsinnigen zu