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GraLrsbeiZKKsn rIürrftVirter KonntaHLdlart" «.Illuftrirte l^öwirthschafiltchr VeUage."

$r. 119. I-mtrftiig Heu 9. Atskr 1902.

Verteilungen

auf das

Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

Jüilstrirtes Sonntagsblatt" --» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 4. Quartal 1902 werden noch von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenomnien.

Amtlicher Theil.

New-Aork, den 3. September 1902.

Am 8. Juli 1881 hinterlegte ein vermuthlich kurz vorher Eingewanderter Namens Moritz Jäger bei der hiesigen SparbankNew-Iork Savings Bank" eine Summe Geldes, die seitdem mit Zinsen auf etwa 1400 Pfund Strl. angewachsen ist. Er gab der Sparbank ge­genüber an, daß er von Beruf Farmer und aus Kur- Hessen gebürtig sei. Jäger ist anscheinend bald darauf nach dem Westen der Vereinigten Staaten übergesiedelt und hat das betreffende Bankbuch der German American Bank, Mo. zum Aufbewahren übergeben. Die letztere Bank hat im Jahre 1893 wiederholt an die N.-A- Sa- vings Bank geschrieben und um Auskunft über den Ver­bleib des Moritz Jäger gebeten. Da die Sparbank seit dem 8. Juli 1881 nichts mehr von dem Genannten gehört hat, sie aber, im Falle seines Ablebens das Geld den gesetzlichen Erben zuführen möchte, so hat sie mich gebeten, über seinen Verbleib Ermittelungen anzustellen. Die da­raufhin von mir und dem Kaiserlichen Konsulat in St. Louis, Mo. veranlaßten Zeitungsaufrufe waren erfolglos.

Einer mir von der New Iork Savings Bank gemachten vertraulichen Mittheilung zufolge, ist Moritz Jäger am 2. Juni 1845 in Kurhefsen geboren. Seine Eltern hießen Johannes und Catharina Jäger, ein Bruder hieß Henry (Heinrich) Jäger.

Der General Konsul. J. V. gez. Z i e g l e r. An das Königliche Oberpräsidium der Provinz Hessen- Nassau, Caffel.

Der Engel von Uleissfeld.

Von Adolf Reiter.

(Fortsetzung.)

Der Krieger mit dem gezogenen Schwerte wartet auf Kampf" so sagt ein englisches Sprichwort, und auch Valeria, welche mit den in ihren Händen befind­lichen Dokumenten Agathe den Todesstoß geben wollte, wartete mit Ungeduld auf den geeigneten Moment zum Angriff. In ihrem Bestreben, Hero's Liebe zu gewinnen, hielt sie es jetzt für gerathen, den Verkehr mit ihm nur zum Scheine zu meiden, und thatsächlich erreichte sie bald den Erfolg, daß er mit einem gewissen Unbehagen ihre Gesellschaft vermißte. Hatten sie sich zufällig ge­troffen es war meistens im Garten dann sprach sie wenig, sah lange und mit einer gewissen Begeisterung zu ihm auf und entfernte sich immer sehr bald wieder mit betrübtem Gesicht. Der Graf sah, daß sie ihn liebte, während er es nur vermochte, ihr Freundlichkeit ent- gegen zu bringen. In dieser Weise verlebten sie Tage und Wochen. Der Graf war standhaft in seiner Liebe imd Achtung zu Agathe und am allerwenigsten hätte ihn eine Valeria de Morell von seiner für alle Zeit be­stimmten Lebensgefährtin abwendig machen können. Für die Nichte seiner Wirthin hatte er nur ein Bedauern.

Caffel, den 27. September 1902.

Abschrift übersende ich mit dem Ersuchen unter Ver­meidung von Kosten weitere Ermittelungen eventuell durch Veröffentlichung in den amtlichen Kreisblättern anzustellen und über das Ergebniß binnen längstens 4 Wochen zu berichten. (A. I. Nr. 7906.)

Der Negierungs-Präsident. J. V. M a u v e.

An die Herren Landräthe des Bezirks, den Herrn Polizei- Präsidenten hier und die Herren Polizei-Direktoren in Fulda und Hanau.

* * *

Hersfeld, den 7. Oktober 1902.

Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Herren Ortsvorstände des Kreises zur Anstellung von Ermittel­ungen und Berichterstattung, sofern über die Herkunft des p. Jäger etwas bekannt werden sollte. I. 6168. Der Königliche Landrath.

I. V.

T h a m e r.

Caffel, den 30. September 1902.

Ich ersuche die Interessenten darauf hinzuweisen, daß die Adreffe der Handlung, welche den zur Feststellung des Naumgehaltes der Schankgefäße erforderlichen Apparat, sogen. Geißler'schen Apparat, liefert, jetzt folgende ist:

E. Geißler u. Co. in Berlin N. W. 5, Birken- straße 29. Fernsprechamt 2 Nr. 1748.

Der Negierungs-Präsident. I. V. M a u v e.

An die Herren Landräthe des Bezirks.

*

Hersfeld, den 7. Oktober 1902.

Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Ortspolizei- behörden des Kreises.

I. 6167. Der Königliche Landrath.

J. V.

T h a m e r.

Gesunden eine Taschenuhr. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Wüstfeld.

Nichtamtlicher Theil.

Hilfsschulen für Schniuchbegable.

Je schwieriger sich der Daseinskampf gestaltet, desto nothwendiger erscheint es, daß jeder, der in das Leben hinaustritt, über Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, die ihm sein späteres Fortkommen ermöglichen. Nun ist es aber eine traurige Thatsache, daß Jahr aus Jahr ein zahl- I

Wenn es ein Wettrennen sein soll, dann werde ich Sie doch sicher schlagen, mein sehr verehrtes Fräulein," rief er ihr eines Morgens auf der Promenade im Garten zu, als sie bemüht zu sein schien, in einer kleinen Ent­fernung vor ihm auszuweichen. In dem nächsten Augen­blick aber hatte er sie eingeholt. Er faßte ihre rechte Hand und drückte sie an seinen Mund.

Sie sah ihn mit Wehmuth zärtlich au und schwieg.

Wie kommt es denn, liebe Valeria, daß wir bereits seit einiger Zeit seltener das Vergnügen gehabt haben, Sie bei uns zu sehen?" Er hielt ihre Hand noch immer in der seinen und er nahm war, daß seine zum ersten Mal so vertraulich gewählte Anrede sie nur angenehm berührte.

Ich weiß nicht, Hero," antwortete sie mit einem leisen Hauch, während sie seinen Händedruck sanft erwiderte, und ein zarter Blick seine Augen streifte. Das schöne Antlitz neigte sich.

Wie bald that ihm dieses Zusammentreffen leid ! Was hatte er nun so unvorsichtig begangen! Das, was er ihr reichte, hielt sie fest, und begierig streckte sie nach ihm selbst ihre andere Hand aus.

Nur aus Verlegenheit fragte er noch einmal:Fräulein Valeria, was war denn zwischen uns eigentlich vorge- fallen? "

reiche Knaben und Mädchen aus der Volksschule entlassen werden, ohne das Lehrziel derselben auch nur annähernd erreicht zu haben. Sie besitzen nur ein höchst mangelhaft entwickeltes Denkvermögen und ein ebenso mangelhaftes Wissen, kurz sie sind in keiner Weise befähigt, den An- forderungen des Lebens Genüge zu leisten. Wie ist hier zu helfen?

Die Antwort darauf kann nicht einheitlich lauten. Mannigfach wie die Ursachen des geistigen Zurückbleibens der Kinder müssen naturgemäß auch die Wege zur Besserung sein. Die sozialen und sittlichen Familien-Verhältnisse, die vielen Jugendlichen von Natur aus innewohnende moralische Unzulänglichkeit, das Nomadenthum, das unser Volk in der Gegenwart vielfach ergriffen hat, alles dies wirkt hemmend auf die Fortschritte in der Schule ein. Zum guten Theile aber liegt die Ursache des Zurückbleibens auch in der geistigen Minderwerthigkeit einzelner Schüler, ohne daß man bei diesen von Geisteskrankheit oder voll­kommener Geistesschwäche reden könnte. Solche Schüler nun verlangen eine methodisch eigenartige, individuali­sierende Behandlungsweise, wie sie die Volksschule nicht zu bieten vermag. Es gilt also, für derartige Kinder besondere Unterrichtskurse, die sogenanntenHilfsschulen für Schwachbegabte" zu gründen.

Die Nützlichkeit und Nothwendigkeit der Hilfsschulen wird denn glücklicherweise auch in steigendem Maße er­kannt. Während es in Preußen im Jahre 1894 in 18 Städten 26 Hilfsschulen mit 700 Kindern gab, fanden sich 1896 bereits in 25 Städten 37 Hilfsschulen mit 2017 Kindern und Mitte 1900 in 42 Städten 91 Hilfs­schulen mit 4728 Kindern. Das ist gewiß eine schnelle und hoffnungsreiche Entwicklung. Wie erfolgreich aber der Unterricht der Hilfsschulen ist, zeigt die Thatsache, daß etwa 83 v. H. der unterrichteten Kinder als völlig erwerbsfähig ins Leben entlassen werden konnten. Doch bleibt noch viel, sehr viel auf diesem Gebiete zu thun, wird doch von sachverständiger pädagogischer Seite die Zahl der Kinder in Deutschland, die von Rechts wegen für die Hilfsschulen in Betracht kämen, auf rund 70 000 geschätzt.

In dankenswerther Weise hat ganz besonders auch das preußische Kultusministerium der Frage der Hilfsschulen seine Aufmerksamkeit gewidmet. Es liegen aus diesem Ressort bereits mehrere wichtige Schriftstücke hierüber vor, so eineUebersicht der Schul - Einrichtungen für nicht normal begabte Kinder" vom 18. Juni 1900 und eine Verfügung des Jahres 1901. Das Kultusministerium spricht auf Grund der eingegangenen Berichte seine Ueberzeugung dahin aus, daß die unterrichtlichen Leistungen der Klassen für nicht normal begabte, aber Unterrichts-

«Hero, wenn Sie es nicht wissen, dann weiß ich es auch nicht."

Nun war's ihm klar, daß ibr folgendes Wort ein LiebeSgesiändniß sein müßte. Mehr zum Amüsement, als aus Gegenliebe führte er sie schweigend nach einem unter schattigen Linden verborgenen Fußwege, wo er mit ihr auf einer Bank Platz nahm.

Welch ein famoses Liebesabenteuer!" sagte er sich.Wie wird sich meine Agathe über die so gewandt sein wollende Salondame und doch recht einfältige Närrin amüsiren, wenn ich ihr von diesem Abenteuer mittheilen werde 1"

Erzählen Sie mir jetzt, Valeria, was Sie drückt. Seien Sie ganz offen, ich werde Ihnen ebenso offen und gern über Alles Rede stehen."

Sie sind verheirathet, Hero, und dieser Umstand ist es, der mich schweigen heißt. Und Hero doch kann ich's nicht anders---ich liebe Sie! Hero, ich liebe Sie mit der Liebe, deren ein blühendes Mädchen nur fähig ist."

Sie warf sich an seine Brust und fing an zu weinen.

Er sah auf ihr prächtiges, lose herabwallendes Haar, welches ihm momentan am meisten gefiel. Was sollte er ihr sagen? Sollte er weinen oder lachen? Kannte er doch diese koketteWeltdame" sehr genau! Er