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K. 113.

Amerstaz den 25. Se-tmier

1962.

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die Expedition.

Amtlicher Theil.

Kussel-Wehlheiden, den 22. September 1902.

Der Zuchthausgefangene Georg Ulrich, geboren den 20. Februar 1881 in Wiesbaden, welcher hier bis zum 19.

Der Engel von Äeisslelä.

Von Adolf Reiter.

(Fortsetzung.)

Mit seltener Liebenswürdigkeit trat sie Hero Walther und feiner jungen Frau vor der Veranda entgegen. Hier war ein Tisch mit Erfrischungen besetzt, an welchem die Baronin und ihre Gäste zur kurzen Erholung sofort Platz nahmen. Sie war anfangs sichtlich bemüht Hero war es nicht entgangen im Verkehr mit den Fremden alle aristokratischen Manieren abzulegen, um nicht zu verletzen, da sie doch in HerrnHero Wallher und seiner Frau" ein bürgerliches Ehepaar vor sich zu haben glaubte. Das fiel ihr aber bald nicht mehr schwer;' sie folgte lediglich ihrem edlen Herzenszuge, und das gab ihrer Haltung, ihrem ganzen Benehmen das Gepräge des rein Menschlichen.

Sie führte dasjunge Ehepaar" durch ihr ganzes Haus und zuletzt in die aus mehreren Zimmern, Küche und Zubehör bestehende für Walther's bestimmte Wohnung, welche, wie die der Baronin, zwar nicht sehr reich über geschmackvoll eingerichtet war. Sodann rief sie der Frau Walther noch das Dienstmädchen herbei, welches von jetzt ab den Gästen ausschließlich zur Ver- lügung stehen sollte. Die Baronin entfernte sich nun. , »Ich bin von Geburt eine Französin, aber im Uebrigen eine Deutsche, meine Herrschaften," sagte sie

Mai 1903 wegen schweren Diebstahls eine Strafe von 2 Jahren und 3 Monaten zu verbüßen hat und sich seit dem 26. Juni 1902 beim Arbeitskommando in Lengers befand, ist heute Vormittag von dort entwichen.

Ich ersuche, auf den k. Ulrich zu fahnden und im Ergreifungsfalle in die hiesige Anstalt zurückzubringen.

Personalbeschreibung liegt bei.

Der Strafanstalts- u. Gefängniß-Direktor.

I. V.: Z i m m e r m a n n.

Personalbeschreibung. Familienname: Ulrich. Vor­name: Georg. Gewerbe: Tagelöhner. Geburtsort: Wies­baden. Wohnort: Wiesbaden. Religion: kath. Alter: 21 Jahre, geboren den 20. Februar 1881. Größe: 1 m 70 cm. Haare: schwarz. Stirn: niedrig. Augenbrauen': bunfelßlonb. Augen: braun. Nase u. Mund: gewöhn­lich. Bart: 0. Zähne: gut. Kinn: spitz. Gesichtsbildung: länglich. Gesichtsfarbe: blaß, Gestalt: schlank. Sprache: deutsch. Besondere Kennzeichen: Tätowierung auf beiden Armen. Ob in Anstaltskleidung ist fraglich.

An das Landrathsamt zu Hersfeld.

* *

Hersfeld,*den 23. September 1902.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königl. Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach demrc. Ulrich mitgetheilt.

Im Ergreifungsfalle ist derselbe in die Strafanstalt zu­rückzubringen und über das Geschehene zu berichten.

I. 8595.' Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei u i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, den 23. September.

Seine Maje stät der Kaiser hörte gestern Vormittag in Hubertusstock die Vorträge des Kriegs­ministers und des stellvertretenden Chefs des Militär- kabinets.

Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n sind heute Vormittag 9/.2 Uhr in Rominten eingetroffen und von dem Landrath Fachmann empfangen worden. Der Bahnhof war prächtig geschmückt, ebenso die Ort» schaften Szeldkehmen und Rominten. Die Ortsbewohner und Schulkinder bildeten Spalier.

Für eine Verständigung über den Zolltarif- Entwurf treten dieHamburger Nachrichten" ein in einem Artikel, in dem es unter anderem heißt: In

noch.Wie Sie nun schon gesehen haben, können wir uns in der deutschen Sprache sehr gut verständigen. Ich weiß, Sie lieben die Einsamkeit, Herr Walther, was ich aus Ihrem Briefe schon ersehen habe. Sollten Sie beide aber doch einmal ein Stündchen zu plaudern wünschen und welche Frau plaudert nicht ein bis­chen gern, Frau Walther! dann bitte, Sie werden in mir nicht nur eine gewissenhafte, entgegenkommende Wirthin finden auch eine liebenswürdige treue Nach­barin will ich Ihnen sein. A propos! Sie haben sich noch nicht meinen Gartensaal angesehen. Er ist nämlich gleichzeitig der Musiksaal, welcher Ihnen eben­falls nach Belieben zur Verfügung stehen soll."

Sie ging mit den Beiden in einen sehr geräumigen Saal, aus welchem eins große Glaüthür unmittelbar in den schönen Blumengarten führte. Mit Möbeln war der Raum nur spärlich besetzt, dagegen standen in der Mitte des oberen Endes eine schöne Hausorgel und ein großer Concertflügel.

Agathe war entzückt und erzählte, daß sie gerade die Orgel als ihr Lieblingsinstrument betrachte und sehr gern auf derselben spiele.

Wie reizend, wie schön, liebe Frau Walther!" rief Frau d'Envers hocherfreut aus, indem sie Agathe herz­lich umarmte.Sie spielen die Orgel, ich das Klavier, und da machen wir uns die schönste Musik; Herr Walther wird hoffentlich ein nicht sehr strenger Kritiker sein."

Wirklichkeit besteht kein Zweifel darüber, daß die volle Aufrechterhaltung der Kommissionsbeschlüsse einfach gleich­bedeutend mit dem Scheitern der Vorlage in dieser Session wäre; die Annahme der Zollsätze der Kommission kommt für den Bundesrath nicht in Frage. Aber für diesen bedeutet doch das erstmalige Scheitern der Vor­lage noch keinen definitiven Verzicht auf deren Zustande­kommen, er ist vielmehr in der günstigen Lage den Ver­such der Verständigung mit dem neuzuwählenden Reichs­tag zu wiederholen. Das bedeutet für den Fall des Gelingens eine Verzögerung um 1 bis l/2 Jahre und wäre im Interesse des heimischen Erwerbslebens sicher sehr zu beklagen, daß aber gerade die Regierungen darunter besonders litten, wird schwerlich behauptet werden können. Dagegen begiebt sich die jetzige Reichs- tagsmehrheit, wenn sie auf für den Bundesrath unan­nehmbaren Beschlüssen beharrt, jeder Einwirkung auf die Gestaltung des Zolltarifs zu Gunsten eines Reichstages, dessen Zusammensetzung sich auch noch nicht annähernd übersehen läßt; die Reichstagsmehrheit hat daher an sich ein noch beträchtlich größeres Interesse an dem Zustande­kommen des Zolltarifs als der Bundesrath. Viel eher als sie kann dieser es ruhig abwarten, bis an ihn mit annehmbaren Vorschlägen herangetreten wird. Es kommt hinzu, daß auch die Mehrheitsparteien ein noch dringen­deres Interesse als die Regierungen an der Verabschiedung des Zolltarifs vor den nächsten Neuwahlen haben, bei denen die Verhetzung noch ungleich stärker und giftiger fein würde, wenn die Wahlen noch über die Erhöhung der Brot- und Fleischzölle selbst zu entscheiden hätten.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat den Königlichen Eisenbahndirektionen ein Heftchen Be­schreibungen von Eisenbahnunfällen und B e t r i e b s g e f ä h r d u n g e n in je 100 Exemplaren zugehen lassen, die beim Unterrichte des Betriebs- und Bahnbewachungspersonals zu benutzen sind. Den Vorständen der Inspektionen und den Dienststellenvor- stehern ist es zur Pflicht gemacht, das unterstellte Per- sonal an der Hand dieser Beschreibungen, aus denen hervorgeht, in wie hohem Maße Pflichtvernachlässigungen und Verstöße gegen einfache und klare Dienstvorschriften zu Unfällen Anlaß geben, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zu belehren und ihm dabei auch vorzu- halten, daß gegen die schuldigen und in ihren Dienstob­liegenheiten lässige Beamten mit aller Strenge vorge­gangen werden würde.

Der Eisenbahnminister hat eine Verordnung erlassen, nach welcher die weiblichen Beamten im Eisen-

Hero, der seiner vollen Zufriedenheit und großen Freude wiederholt in ehrerbietigster Weise Ausdruck ge­geben hatte, verneigte sich.

Und ich, gnädige Frau," bemerkte er,habe noch einen anderen Grund, über Ihr gemeinschaftliches Spiel entzückt zu sein; denn zufällig dem Orgelspiel verdanke ich den Besitz meiner Frau. Sie wird Ihnen auf Wunsch später hierüber sehr gern nähere Mittheilungen machen."

Die mich ganz gewiß sehr interessiren werden, bemerkte die Baronin.

Sie führte ihre Gäste in die an sie abgetretenen Wohnräume zurück und empfahl sich.

Nun erst war es Hero und Agathe gestattet, sich ganz unverholen über die nächstliegende Angelegenheit, die neue Wohnung, zu unterhalten; doch Agathens Herz war augenblicklich von etwas Anderem am meisten bewegt. , , .,

Werde nur nicht eifersüchtig, liebes Männchen, die Baronin gefällt mir ganz außerordentlich. Ich bin glücklich, mit einer ebenso liebenswürdigen wie gebildeten Dame einen angenehmen Umgang führen zu können, und ihr offenes treuherziges Aussehen muß jeden Zweifel an ihrer Aufrichtigkeit ausschließen. Hoffentlich werde ich in ihr eine mütterliche Freundin besitzen; welche ich schon lange vermissen mußte."

Eine Wolke zog über Heros Antlitz.

Agathe, ich habe eine herzliche, sehr dringende